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ARD/ZDF-Sender verstecken ihre Schätze (Update)

Das öffentlich-rechtliche VoD-Projekt »Germany's Gold« droht zu scheitern.


Nach wettbewerblichen Bedenken des Bundeskartellamtes bekommt die von ARD & ZDF geplante Streaming-Plattform »Germany's Gold« echte Probleme jemals in der ursprünglich geplanten Form online zu gehen. Auf dem deutschen "Hulu" der öffentlich-rechtlichen Sender sollten kommerziell Filme, Dokumentationen und Serien laufen. Doch die Wettbewerbsbehörde macht kaum überwindbare Auflagen.

So wird das Fernsehen wohl weiterhin seine Schätze in den Archiven schlummern lassen, statt mit Ihnen zu wuchern.

Bereits am 11. März 2013 erklärte Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamtes: "ARD und ZDF treten als Unternehmer und Wettbewerber auf dem Markt für Video-on-Demand (VoD) auf und müssen ihre Produkte deshalb auch wie andere Unternehmen unabhängig voneinander vermarkten. Nach den bisherigen Vorstellungen der Sendeanstalten würde die gemeinsame Online-Plattform es aber mit sich bringen, dass insbesondere die Preise und die Auswahl der Videos miteinander koordiniert würden. Die kartellrechtlichen Probleme liegen auf der Hand."

Schon die Mediathek und die Produktion der Inhalte seien gebührenfinanziert und verursachten bereits deshalb eine erhebliche Wettbewerbsverfälschung auf dem Markt für Video-On-Demand. Noch weiter gehende Wettbewerbsbeschränkungen durch kommerzielle Töchter der Rundfunkanstalten könnten nicht hingenommen werden, sagte Mundt weiter. Außerdem ist zu befürchten, dass alternative Plattformen keinen oder nur begrenzten Zugang zu den Videos erhalten werden, so das Bundeskartellamt.

Allerdings fügte Mundt hinzu: "Die generelle Frage nach der Rechtfertigung eines Entgeltes für die Nutzung von Inhalten, die über Gebühren bereits finanziert wurden, ist keine kartellrechtliche Frage. Die wettbewerblichen Bedenken können ausgeräumt werden, insbesondere wenn das Geschäftsmodell einer gemeinsamen Vermarktung aufgegeben und man das Vorhaben auf den Betrieb einer rein technischen Plattform beschränken würde", so die Behörde.

Die Germany's Gold GmbH war im April 2012 mit elf weiteren Produktions- und Rechtehandelsunternehmen gegründet worden und sollte bereits zum Ende des Jahres 2012 online gehen. Zur Berlinale 2013 stellte die Produzentenallianz auf ihrem Deutschen Produzententag das Projekt nochmals vor und betonte, dass der Start nunmehr definitiv im Laufe des Jahres 2013 vorgesehen ist. Als Anfangsinvestition wurde ein niedriger zweistelliger Millionen-Euro-Betrag eingesetzt, erklärte seinerzeit Alexander Coridaß, Geschäftsführer von ZDF Enterprises. Anfänglich hatte das Kartellamt zudem keine Bedenken signalisiert und das Projekt aus fusionsrechtlicher Sicht durchgewinkt, während eine ähnliche Plattform der privaten Sendeketten, die gemeinsam von der RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1 Media AG geplant war, bereits im Vorfeld vom Bundeskartellamt wegen möglicher Marktbeherrschung des online Werbemarktes abgeschmettert wurde. Unter dem Arbeitstitel »Amazonas« wollten die beiden privaten Senderketten ein werbefinanziertes Videoportal betreiben.

Der Präsident vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hatte schon damals die von ARD und ZDF initiierten VoD-Plattform aufgrund von "noch ungeklärten wesentlichen medienpolitischen und rechtlichen Fragen" stark kritisiert, wie wir am 19. Juni 2012 im BAF-Blog schrieben.

Verbandspräsident Jürgen Doetz: "Aus Sicht der privaten Sender, deren gemeinsame VoD-Plattform vom Kartellamt untersagt wurde, mutet es merkwürdig an, wenn die Initiatoren von 'Germany's Gold' mit ihrer Gesellschaftsgründung Fakten schaffen, bevor das Kartellamt abschließend entschieden hat. Auch aus medienrechtlicher Sicht sehen wir erheblichen Klärungsbedarf, insbesondere mit Blick auf die Zulässigkeit der angekündigten Werbefinanzierung. Diese würde vor allem zu Lasten der privaten Anbieter gehen, die sich im noch im Aufbau begriffenen VoD-Markt in Deutschland behaupten müssen."

Eine gemeinsame Vermarktung der Videos im Internet durch kommerzielle Sender-Töchter hätte nicht nur eine Koordinierung der Preise und der Verfügbarkeit der Videos zur Folge. Doch nach Aussage des Bundeskartellamts hätten ARD und ZDF ihre Bereitschaft zu Zugeständnissen signalisiert. Bleibt jedoch abzuwarten, ob diese weitreichend genug sein werden. Entscheidend dürfte sein, wie die technische Plattform genau aussehen soll. Sollen die Videos zum Beispiel unter einer gemeinsamen optischen Oberfläche angeboten werden? Soll die Plattform werbefinanziert sein, oder sollen die Benutzer für den Abruf der Filme und Serien eine extra Gebühr zahlen?

Auf jeden Fall sollten die Filmschätze nicht länger in den Archiven schlummern. Das ZDF hatte vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag gefeiert und auch die besondere Filmreihen "Das kleine Fernsehspiel" feierte mit. Leider ist der Sendeplatz des "Kleinen Fernsehspiels", der anfänglich Mittwochs um 22:00 Uhr lag, ist auf einen wesentlich späteren Platz am Montag nach Mitternacht gerückt. Damit schafft man sich beim Zuschauer keine Freunde. In der Talentschmiede wurde immerhin Kinogeschichte geschrieben. Aus ehemaligen Filmstudenten, die hier eine erste Chance bekamen, wurde manch bekannter Filmemacher, darunter Namen wie Rosa von Praunheim, Tom Tykwer, Lars von Trier oder Jim Jarmusch. Ohne Finanzierung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wären sie vielleicht nie bekannt geworden. Doch die alten Filmschätze aus deren Anfangsjahren verstauben weiter in den Archiven.

N A C H T R A G
Gestern Nachmittag, bei einer Diskussionsrunde auf dem soeben in Berlin gestarteten Festival achtung Berlin -new Berlin film award, stellte der Regisseur Joachim von Vietinghoff das kürzlich gestartete Video-on-Demand-Portal alleskino noch einmal vor. Zusammen mit seinem Kollegen Hans W. Geißendörfer sollen in einer Digital-Initiative alle "Schätze des deutschen Films" gesammelt und auf der VoD-Plattform angeboten werden. Auch Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten wurden bereits geknüpft, um zumindest die mit dem Fernsehen entstandenen Koproduktionen für die Öffentlichkeit online nutzbar zu machen. Auf lange Sicht könnten auch Fernsehfilme, die kinotauglich sind, zur Verfügung gestellt werden. Dies wäre wenigstens eine passable Alternative, falls Germany's Gold nicht an den Start geht.

Quellen: Blickpunkt:Film | filmecho | DJV | Tagesspiegel | Achtung Berlin

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