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Traumfabrik Babelsberg versus Bavaria Studios

Erste Babelsberger Eigenproduktion zur Selbstdarstellung der Filmstudios feierte gestern Weltpremiere in Berlin.

Nicht am zentral gelegenen Potsdamer Platz, wo die Berlinale residiert, sondern im West-Berliner Zoo Palast nahe Ku'damm feierte gestern, den 24. Juni 2019, die Tobis Filmproduktion "Traumfabrik" ihre Weltpremiere.

Hier der Trailer:

Offensichtlich wollte man in Berlin dem Filmfest München die Schau stehlen, das in zwei Tagen beginnt und mit 48 Weltpremieren, davon allein 18 deutsche Produktionen, aufwartet. Offizielle bundesweite Kinopremiere ist erst nächste Woche Donnerstag.

Dann wird auch Ulrike Schirm wieder eine ausführliche Rezension für uns über den Film schreiben. Vorab wollen wir hier ein Fakten zu den Studiobetrieben in Babelsberg nennen, die nicht allen unserer Leser bekannt sein dürften.

Nach dem Fall der Mauer im November 1989, erfährt der Filmemacher Volker Schlöndorff, der gerade in Berlin verweilte, dass die Filmstudios in Babelsberg abgerissen bzw. aufgelöst werden sollen. Schlöndorff war mit den dort gedrehten Filmen, besonders die Stummfilme, aufgewachsen und hatte auch in seiner Zeit in Frankreich mit diesen gearbeitet. Deshalb wollte er sich an der Rettung der Filmstudios Babelsberg und am Wiederaufbau beteiligen.

In der ehemaligen DDR, hatten die Babelsberger Studiobetriebe unter dem Namen Deutsche Film AG, kurz DEFA, einige hervorragende Filme produziert und sich somit rückblickend einen herausragende Ruf errungen.

Nach der Wende lagen die Babelsberger Studios eher außerhalb der Großstadt und gehörten nicht zu Berlin, sondern zu Brandenburg. Die Hauptstadt hatte bereits ihre eigenen Filmstudios und man wollte keine Konkurrenz. Doch Schlöndorff lies nicht locker. Auf sein Betreiben wurden die Studios an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (heute Vivendi Universal) 1992 verkauft, aufwendig umgebaut und in eine moderne Medienstadt verwandelt.

Es gab zwar immer wieder einige Durststrecken für die Studiobetriebe in Potsdam-Babelsberg, doch mit zahlreichen an Land gezogene US-Produktionen und mit Hilfe der deutschen Filmförderung ging es stetig wieder bergauf.

Unter dem Handelskrieg, den die USA unter Präsident Donald Trump in der Welt angezettelt haben, leidet jedoch auch Deutschland. Trumps Meinung nach sollte das Markenzeichen "Made in USA" überall draufstehen, um seinem Sprichwort "make Amerika great again" Folge leisten zu können. US-Produktionen in Europa widersprechen seinem Ansinnen. Das verschreckt bei uns aber derzeit Investoren und US-Filmgesellschaften. Darüber hinaus sind die finanziellen Anreize zum Dreh in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern oft nicht groß genug.

Die legendären Londoner Pinewood Studios haben durch drastische Steuererleichterungen wieder zu alter Größe zurückgefunden, während in Babelsberg oft alles still steht. Die Bavaria Studios in München dagegen, können von deutschen Großproduktionen z.B. von der Constantin Film AG profitieren. Mit Marco Kreuzpaintners jüngstem Werk, dem Gerichtsdrama "Der Fall Collini", hat Constantin Film dem Umsatz nach, den bislang erfolgreichsten deutschen Film des Jahres in die Kinos gebracht. Gedreht wurde diesmal nicht in München bei der Bavaria, sondern in Berliner Locations und in Italien.

Hier der Trailer:

Berlin gilt zwar als Filmhauptstadt. Doch davon profitieren die Babelsberger Studios wenig. Viele in der Hauptstadt gedrehte Filme sind Independent-Produktionen und können sich keine teuren Studios leisten. Deshalb entschloss man sich erstmals einen eigen Weg zu gehen und stürzt sich mit dem oben genannten Film "Traumfabrik" in ein Abenteuer. Er soll der Anfang weiterer Eigenproduktionen sein.

Vorbild für das Vorhaben war vielleicht der in den neuen Bundesländern recht erfolgreiche deutsche Spielfilm "Kundschafter des Friedens" von Robert Thalheim aus dem Jahr 2017 mit Henry Hübchen in der Hauptrolle. Viele Mitarbeiter in Babelsberg stammen aus dem Umland von Potsdam und kennen die Studiobetriebe noch aus DDR Zeiten. Doch diese Filme zehren von Erinnerungen an verflossene DDR-Zeiten, sind somit rückwärtsgewandt, und könnten in den alten Bundesländern eher Kopfschütteln aus Zustimmung erfahren.

Hier der Trailer:

In "Kundschafter des Friedens" sollen ein paar abgehalfterte DDR-Spione für ein großes Ding aus dem Ruhestand zurückgeholt werden. An Henry Hübchens Seite spielte der in der ehemaligen DDR ebenfalls sehr beliebte Schauspieler Michael Gwisdeck, der diesmal als Erzähler im Film "Traumfabrik" eine tragende Klammer-Rolle einnimmt, die den Film zusammenhalten soll.

Ein wenig altbacken kommt einem das Märchen, das einem der Film vermitteln will, schon vor.

Synopsis TRAUMFABRIK Babelsberg:

Junger deutscher Komparse verliebt sich in französische Tänzerin auf dem DEFA-Studiogelände. Doch dann werden sie durch die Grenzschließung am 13. August 1961 getrennt. Ein Wiedersehen scheint unmöglich, bis Emil einen waghalsigen Plan schmiedet...

Ziel des Films war es nicht nur eine hypothetische, wenn auch charmante, märchenhafte Liebesgeschichte zu schreiben, sondern auch an alte Hochzeiten der Studios vor der Wende zu erinnern, um somit neben der Akquise ausländischer Produktionen neue Marketingwege beschreiten zu können. Ob der Film im Westen Deutschlands reüssieren wird, und die Babelsberger Studiobetriebe somit zukünftig vermehrt auch auf deutsche Produktionen in Konkurrenz zu den Bavaria Studios setzten können, wird sich erst zeigen.

Dass Märchen derzeit Hochkonjunktur haben sieht man an Disneys "Aladdin", der scheinbar uneinholbar die Kinocharts anführt. Auch "Traumfabrik" versucht ein paar nette technische CGI-Tricks zu implementieren, bleibt jedoch hinter den Erwartungen, die man heutzutage an einen modernen Film stellt, weit zurück.

Für die ältere Generationen mag das vielleicht genügen. Großes Gefühlskino ist trotz einiger Schwächen zumindest dabei herausgekommen. Eine ausführliche Filmkritik folgt demnächst zum offiziellen Kinostart von unserer Kollegin Ulrike.

Link: www.studiobabelsberg.com

Quelle: Volker Schlöndorff

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