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Verleihung der "Lolas" im Friedrichstadtpalast (Update)

LOLA - Deutsche Filmpreis Verleihung 2013



Die Verleihung des Deutschen Filmpreises endete am Abend des 26. Aprils 2013 mit einer Überraschung. Im Rahmen einer festlichen Gala wurden im Berliner Friedrichstadt-Palast die Preisträger der LOLAS bekannt gegeben und vom ZDF am selben Abend um 22:15 Uhr übertragen. Teilnahmeberechtigt waren deutsche Spiel- und Kinderfilme, die mit mindestens fünf Kopien zwischen dem 1. Dezember 2011 und dem 21. März 2013 in den deutschen Kinos gestartet sind. Bei Dokumentarfilmen gilt für den gleichen Zeitraum die Voraussetzung, dass sie mindestens 35 Tageseinsätze im regulären Kinoprogramm vorweisen können.


Insgesamt 46 Langfilme - drei mehr als im Vorjahr - wurden von den Mitgliedern der Filmakademie im Februar und März gesichtet. 52 Nominierte, davon 42 von der ARD, gingen heute Abend ins Rennen um Preisgelder in einer Gesamthöhe von knapp drei Mio. Euro. Die Überreichung erfolgte durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Eine Übersicht der nominierten Filme, Regisseure und Schauspieler haben wir am Ende des Textes in der erweiterten Ansicht eingestellt. Erstmals seit 2005 wird in diesem Jahr auch wieder eine Publikums-Lola vergeben, für die bis zum 22. April 2013 auf TV Spielfilm öffentlich abgestimmt werden konnte.

Der erste Gewinner stand vorab bereits fest:
Regisseur, Produzent, Schauspieler und Autor Werner Herzog erhielt den Ehrenpreis für seine hervorragenden Verdienste um den deutschen Film. Der gebürtige Münchner war zuvor bereits vier Mal mit dem Deutschen Filmpreis (Filmbänder in Gold und Silber) ausgezeichnet worden, auch international wurde Herzog mehrfach dekoriert. Zudem ist der Filmemacher Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

"Diese Entscheidung ist auch der Jury eine Ehre gewesen. Schließlich hat Werner Herzog nicht nur einige der bedeutendsten und originellsten Filme des Neuen Deutschen Kinos gedreht und mit manchem Filmtitel nebenbei auch noch den Sprachschatz unseres Landes bereichert. Er ist als visionärer Filmkünstler mit nie nachlassendem Mut zum Risiko immer in Bewegung geblieben, hat nach vielen großen Spielfilmen die Grenzen des Dokumentarfilms neu definiert und wird völlig zu Recht weltweit geachtet und verehrt", so Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie und Vorsitzende der zehnköpfigen Ehrenpreisjury.

N A C H T R A G
Die Goldene LOLA für den besten deutschen Spielfilm ging zu aller Überraschung nicht an den meist nominierten Film "Cloud Atlas", sondern an das Erstlingswerk "Oh Boy" von Jan Ole Gerster. Der melancholische Schwarz-Weiß-Film erzählt von einem Berliner Studienabbrecher (Tom Schilling in der Hauptrolle), der sich durch die Großstadt treiben lässt. Nicht einmal die Silberne oder Bronzene LOLA ergatterte "Cloud Atlas", denn der zweite Preis ging an Margarete von Trottas Kinobiografie "Hanna Arendt" über die deutsch-jüdische Philosophin. Die Auszeichnung in Bronze bekam der nicht einmal vom Fernsehen mitfinanzierte Film "Lore" von Cate Shortland.

Filmkritiker übten Kritik an Deutscher Filmakademie.
Schon beim Countdown für Deutschen Filmpreis 2013 stand die Vergabe der Lola in der Kritik. Auch in der soeben erschienenen neuen black box Nr. 233 (Ausgabe April/Mai 2013) - dem filmpolitischen Informationsdienst von Ellen Wietstock, betont der Produzent Martin Hagemann noch einmal, über eine tiefgreifende Umstrukturierung des jetzigen Fördermodells nachzudenken. Sein Eindruck ist, dass die Produzentenverbände wie Produzentenallianz und AGDok dringend mit den Verbänden der Kreativen intensiver über Veränderungen des mittlerweile leider verfestigten Systems sprechen sollten, um grundlegende Änderungen auf der Verwaltungs- und Entscheidungsebene durchsetzen zu können.

Damit sich auch die öffentlich-rechtlichen TV-Sender wieder stärker zum europäischen Kinofilm bekennen und ihre angekündigte Reduzierung bei Koproduktionen noch einmal überdenken, findet heute Vormittag ab 10:00 Uhr eine Pressekonferenz im Berliner Hotel Concorde statt, zu der zahlreicher Filmverbände eingeladen haben.

Dass der diesjährige deutsche Film ein schwacher Jahrgang sei und auf internationalen Festivals wie beispielsweise in Cannes nichts zu melden habe, gestehen selbst Mitglieder der Deutschen Filmakademie ein. Auch bei den LOLA VISIONEN in der Berliner Astor Film Lounge sprachen die Filmkritiker Andreas Kilb (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Harald Pauli (Focus), Jan Schulz-Ojala (Der Tagesspiegel) und Anke Sterneborg (Süddeutsche Zeitung) ausführlich, offen und sehr kontrovers über die nominierten Spiel- und Dokumentarfilme.

In einem offenen Brief .PDF an die Deutsche Filmakademie, der am 18.10.2012 in der "taz" veröffentlicht wurde, hatte bereits eine Gruppe namhafter deutscher Filmkritiker die Vergabepolitik beim Deutschen Filmpreis massiv kritisiert. Als erstes geben die Filmkritiker zu Bedenken, ob die Vermischung von Förderungspolitik und der Auszeichnung künstlerischer Leistungen nicht schon "die Wurzel aller Unzufriedenheit in sich berge ... weil die Preisgelder für künftige Filmprojekte vorgesehen sind. Müssen nicht auch preiswürdige, aber nicht unbedingt mehrheitsfähige Ausnahmefilme eine Chance bekommen, solange der Preis als kulturelle Subvention definiert ist?", heißt es weiter.

Bei den Filmkritikern, zu denen unter anderem Peter Körte ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"), Katja Nicodemus ("Die Zeit"), Tobias Kniebe ("Süddeutsche Zeitung") und Hanns-Georg Rodek ("Die Welt") gehören, stelle sich nicht erst seit der Filmpreisgala 2012 die Frage, ob die Auswahl- und Abstimmungsregeln, die sich die Akademie selbst gegeben habe, wirklich dazu geeignet seien, der Vielfalt des deutschen Films auch im Sinne einer finanziellen Förderung zu entsprechen. Der Appell lautet: Die Akademie möge ihre grundsätzliche Aufstellung, zumindest aber ihre Auswahl- und Abstimmungsverfahren noch einmal gründlich überprüfen, um als Impulsgeber und Akteur im öffentlichen Gespräch über Film und Kino zu gelten.

Auch der Verband der Deutschen Filmkritik (VdFK) hat offiziell Stellung zur Debatte über die Vergabe des Deutschen Filmpreises bezogen. In einem ebenfalls offenen Brief, der auf der Website des Verbandes zu finden ist, fordert der Verein Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf, der Deutschen Filmakademie - deren Mitglieder selbst von den Preisgeldern profitierten - die Verantwortung für die Ermittlung der Gewinner des Deutschen Filmpreises und die Ausrichtung der Preisgala zu entziehen.

So würde der höchst dotierte deutsche Kulturpreis die "Filmkunst" weitestgehend ignorieren, denn Film würde in manchen Kreisen vielmehr als Wirtschaftsgut angesehen mit dem man wie mit Aktien spekulieren könne. Das beschädigte Ansehen des Preises könne allenfalls durch eine vom BKM berufene unabhängige Fachjury wieder hergestellt werden. Dies würde garantieren, dass neben dem Mainstream auch künstlerisch anspruchsvolle Filme eine Chance bekämen. Nach Ansicht der Filmkritiker schließen die selbst gewählten Regeln der Filmakademie einen Teil der deutschen Produzenten von der Ehrung mit der Lola und von den damit verknüpften Fördergeldern aus. Zudem sei es bei der Interpretation der Abstimmungs-Regeln zu Auslegungsdifferenzen gekommen, die Zweifel an der juristischen Gültigkeit der Preisermittlung geweckt hätten.

Nur die Rückkehr zum über Jahrzehnte bewährten Wahlmodus rechtfertige die Dotierung des Deutschen Filmpreises mit öffentlichen Geldern. Diese sollten als Prämie bedingungslos an die Produktionsfirmen ausgezahlt werden. Dabei vertraue der Verband darauf, dass die Produzenten das Geld "ausschließlich zum Wohl des deutschen Films" einsetzten. Der Deutschen Filmakademie schlagen Vorstand und Beirat des VdFK die Vergabe eines separaten, undotierten Preises vor. Nur dieser könne als Ehrenbezeugung gegenüber Filmschaffenden innerhalb ihrer Branche wirklich glaubwürdig sein. Diese Auszeichnung wäre von äußerer Kritik geschützt und stände nicht unter dem Druck, Fördergelder für kommende Projekte zu generieren.

U P D A T E 29. April 2013
Osnabrück (ots) - Die Debatte geht weiter (Neue Osnabrücker Zeitung)

Mit der Lola-Gala beweist die Filmakademie: Der Preis will mehr als TV-taugliche Langeweile. Alle Argumente gegen das Verfahren sind damit nicht entkräftet. Dass die Branche sich selbst prämiert, hat sie mit den Oscars gemein - fragwürdig bleibt es trotzdem. Auch die Verknüpfung von Auszeichnung und Fördergeld bleibt problematisch. Diesmal bildete sie nicht einmal die Produktionsaufwände ab: Der Siegerfilm "Oh Boy" spielt mit dem Preisgeld von 500 000 Euro auf einen Schlag seine Kosten ein. Für "Cloud Atlas", den "Zweitplatzierten", wäre derselbe Betrag fast bedeutungslos gewesen.

Regieverband fordert faire Chance für Deutschen Filmpreis.
Stephan Wagner, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Film- und Fernsehregisseure (BVR), fordert dagegen in seinem Statement zur aktuellen Diskussion über die Vergabe des Deutschen Filmpreises, dem Deutschen Filmpreis eine faire Chance zu geben. Sowohl die Vergabe des Preises durch eine kleine Fachjury, wie sie früher von statten ging, als auch die jetzige durch die mehr als 1400 Mitglieder der 2005 gegründeten Deutschen Filmakademie haben ihre Vor- und Nachteile. Früher wie heute hätten die Preisträger-Urteile Befürworter und Kritiker gehabt.

Wie der BVR in seiner Stellungnahme weiter betont, feilen die Akademiemitglieder von Anfang an den Nominierungs- und Vergabekriterien für den Deutschen Filmpreis, den der Verband als "zuweilen kompliziert, aber nicht intransparent" bezeichnet. "Gebt in einer ebenso kritischen wie sachlichen Diskussion dem Vergabeprinzip der Filmakademie die Zeit, um die beiden Pole der Konsens- und der filmkünstlerischen Entscheidung weiter zu erörtern und in den Vergaberichtlinien auszutarieren", regt daher Stephan Wagner, Vorstandsmitglied des BVR, an, der gleichzeitig betont, dass nicht erwiesen sei, dass ausschließlich die Rückkehr zum alten Vergabeprinzip der richtige Weg sei.

Deutsche Filmakademie weist Kritik zurück.
In einer Erklärung weist die Deutsche Filmakademie die in einem Offenen Brief von 20 deutschen Filmjournalisten geübte Kritik am Vergabeprozess der Deutschen Filmpreise zurück.

In der Erklärung heißt es, die Deutsche Filmakademie habe die Aufgabe, diesen Preis in dotierter Form zu verleihen, aus guten Gründen im Jahr 2005 übernommen, und aus "einem wenig transparenten Gremien-Verfahren ein ausgeklügeltes, äußerst transparentes und demokratisch funktionierendes Vergabeverfahren" gemacht in der in den vergangenen Jahren eben keine Tendenz in eine bestimmte Richtung zu erkennen war. So seien einerseits Filme prämiert worden, die auch von der Filmkritik Preise erhalten hätten, andererseits aber auch Filme, die im Kino "große Kassenerfolge" waren. Positiver Nebeneffekt sei, dass der deutsche Film und der Deutsche Filmpreis mehr öffentliche Aufmerksamkeit als jemals zuvor erhielten.

Produzentenallianz kann Kritik an Lola-Vergabe nicht nachvollziehen.
Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen kann die Kritik ebenso wenig akzeptieren wie die Deutsche Filmakademie und konterte:

"Die Vergabe des Deutschen Filmpreises durch die 1400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie hat sich bewährt. Das heutige Verfahren ist transparent und demokratisch, die Mitglieder der Deutschen Filmakademie versammeln den Sachverstand der ganzen Branche in allen Gewerken und über alle Genregrenzen hinweg. Wir vertrauen den Entscheidungen dieses Gremiums, erst recht, weil mit dem Deutschen Filmpreis auch die BKM-Förderung entschieden wird", so Thies weiter.

Auch Uli Aselmann, Vorstand der Sektion Kino innerhalb der Produzentenallianz, kann die Kritik nicht nachvollziehen: "Man weiß gar nicht genau, was die Filmkritikerinnen und Filmkritiker eigentlich wollen. Einerseits kritisieren sie, dass die Entscheidungen der letzten Jahre eine 'unübersehbare Tendenz zum kleinsten gemeinsamen Nenner' zeigen, aber andererseits zeichnen sie mit ihrem eigenen Filmpreis ('Preis der deutschen Filmkritik') oft die selben Filme aus, wie zum Beispiel 'Halt auf freier Strecke', der sich überdies kaum als Beispiel für einen wie auch immer gemeinten kleinsten gemeinsamen Nenner eignet."

"Cloud Atlas" führt bei den Lola-Nominierungen.
Mit insgesamt neun Nennungen (u. a. in den Königskategorien "Bester Film" und "Beste Regie") liegt "Cloud Atlas" von Lana und Andy Wachowski sowie Tom Tykwer im Rennen um die Lolas ganz vorn. Hier der Trailer:



Knapp dahinter folgt mit acht Nominierungen "Oh Boy" von Jan Ole Gerster (u. a. bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Hauptdarsteller Tom Schilling). Mit über 230.000 Zuschauern ein beachtlicher Publikumserfolg für ein Erstlingswerk aus Berlin, das international gesehen wahrscheinlich jedoch wenig Beachtung finden wird. Auch hier der Trailer.



Sechs Nennungen – u. a. als bester Film, für das beste Drehbuch, die beste Regie und Hauptdarstellerin Barbara Sukowa – gingen an Margarethe von Trottas "Hannah Arendt". Hier der Trailer.



Als beste Dokumentationen wurden "More than Honey" von Markus Imhoof, "Vergiss mein nicht" von David Sieveking sowie "Die Wohnung" von Arnon Goldfinger von den Mitgliedern der Deutschen Filmakademie für die Lola-Konkurrenz ausgewählt. Die nominierten Kinderfilme sind "Das Haus der Krokodile" von Cyrill Boss und Philipp Stennert sowie "Kaddisch für einen Freund" von Leo Khasin.

Mirjam Weichselbraun moderiert Deutschen Filmpreis.
Am 26. April 2013 wird im Berliner Friedrichstadt-Palast zum 63. Mal der Deutsche Filmpreis verliehen. Moderiert wird die Gala dieses Jahr von Mirjam Weichselbraun. Die in Innsbruck geborene österreichische Moderatorin steht gemeinsam mit hochkarätigen Laudatoren und Paten auf der Bühne und freut sich auf eine abwechslungsreiche Show.

Die Künstlerische Leitung der Gala zum Deutschen Filmpreis 2013 liegt in den Händen von Fred Kogel: „Die Verleihung des Deutschen Filmpreises im Berliner Friedrichstadt-Palast soll professionell, kreativ, emotional, unterhaltsam und sexy werden – eine Werbung für den deutschen Film und seine Protagonisten. Mirjam Weichselbraun ist die perfekte Besetzung, weil sie als Moderatorin alle genannten Eigenschaften mitbringt.

Die Verleihung ist eine Veranstaltung der DEUTSCHEN FILMAKADEMIE in Zusammenarbeit mit dem BKM, produziert von der DFA Produktion GmbH.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.deutscher-filmpreis.de | www.deutsche-filmakademie.de

Quellen: Blickpunkt:Film | Deutsche Filmakademie | taz | black box | ots - News aktuell
Die Preisträger werden wir nachträglich in der erweiterten Ansicht farbig markieren.

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