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Filmpreise in Berlin, in New York und beim Grimme Online Award

Erstmals ist ein Format des Videoportals TikTok mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden | Tribeca: Filmpreis für "The Novice" | Dokumentarfilmpreis für "Greta".



Weil es in Berlin und Brandenburg heiß bleibt, mit Höchstwerten bis zu 37 Grad, haben wir uns wenig Urlaub gegönnt, sind abends zum Berlinale Summer Special gefahren und haben deshalb unseren täglichen Eintrag im BAF-Blog ein wenig vernachlässigt. Wichtige Meldungen sind dennoch nicht verloren gegangen.

Preisträgerin des Kompass-Perspektive-Preises

Die Hauptpreise der Berlinale hatten wir schon am 6. März 2021 bekannt geben können. Was noch fehlt sind die Publikumspreise sowie die Auszeichnungen in der Sektionen Perspektive Deutsches Kino und Generation.

Der Kompass-Perspektive-Preis für den besten Film aus dem Programm des Berlinale Summer Special in der Sektion Perspektive Deutsches Kino wurde am Freitagabend, den 18.06.2021 im Freiluftkino Hasenheide vergeben. Die Berlinale gratuliert der Preisträgerin Yana Ugrekhelidze zum Gewinn des Kompass-Perspektive-Preises für ihren Dokumentarfilm:

"Instructions for Survival" von Yana Ugrekhelidze (Deutschland)

Hier der Trailer:



Jurybegründung:
Instructions for Survival erschüttert von der ersten Minute an. Er zeigt zunächst körperliche und bald strukturelle Gewalt gegen LGBTQI Menschen und schärft den Blick für die menschenunwürdige Situation, in der sich die Protagonist*innen des Films befinden. Alexander und Mari leben in Tiflis, Georgien, im Verborgenen und in ständiger Ungewissheit: Da Alexanders Trans*identität gesetzlich nicht anerkannt ist und er von seiner Familie verstoßen wird, möchte das Paar das Land verlassen. Um an das nötige Geld zu kommen, geht Mari eine Leihmutterschaft ein. Yana Ugrekhelidzes Dokumentarfilm macht erst nach und nach das Geheimnis seiner Hauptfiguren ersichtlich. Er nähert sich deren Situation unaufdringlich an und teilt ihre Nähe in den intimsten Momenten, ohne diese auszustellen. Die drastischen Missstände in Europa werden in der behutsamen Beobachtung der Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren sichtbar, die ihre Heimat aufgeben müssen, um ihre Identität leben zu können. Die Geschichte dieser Flucht hat uns tief berührt.


Die Jury spricht außerdem eine lobende Erwähnung aus für den Spielfilm:

"Wood and Water" von Jonas Bak (Deutschland / Frankreich)

Jurybegründung:
In Wood and Water reist eine Rentnerin aus dem Schwarzwald nach Hongkong, um ihren verschollenen Sohn aufzusuchen. In magischen Bildern entsteht eine präzise beobachtete Meditation über das Älterwerden und ein atmosphärisches Kino der Entschleunigung.


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Tribeca: Filmpreis für "The Novice"

Der Thriller "The Novice" ist beim Tribeca Filmfestival in New York mehrfach ausgezeichnet worden. Der Film von Lauren Hadaway über ein Universitäts-Ruderteam wurde unter anderem als bester US-Film ausgezeichnet. Isabelle Fuhrman bekam den Preis als beste Hauptdarstellerin. Als bester internationaler Film wurde "Brighton 4th" über einen georgischen Wrestler geehrt, bester Dokumentarfilm wurde "Ascension" über das Konsumverhalten Chinas.

Die 20. Ausgabe des Filmfestivals läuft noch bis zum Sonntag, abschließend werden noch die Publikumspreise verkündet.

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Dokumentarfilmpreis für "Greta"

Der Hauptpreis des deutschen Dokumentarfilmpreises 2021 geht an den schwedischen Regisseur Nathan Grossman für seinen Film "Ich bin Greta". Grossmans Film fokussiere sich zwar auf die Person Greta Thunberg, darin zeige sich aber, dass es "um etwas sehr Großes geht - nämlich um nicht weniger als um die Zukunft der Menschheit", teilte der Südwestrundfunk (SWR) mit. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Grossman begleitete die Umwelt-Aktivistin aus unmittelbarer Nähe von Beginn an, ohne zu wissen, wie bekannt sie einmal werden würde, so der SWR.

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Grimme Online Award ging an TikTok.

Während wegen der Pandemie die Verleihung des Grimme-Preises 2021 erst am 27. August 2021 stattfinden soll, konnte der Grimme Online Award bereits am 17. Juni 2021 im Kölner Harbour Club verliehen werden.

Unter dem Hashtag #GOA21 war die Jury auf der Suche nach den „guten“ Seiten im Netz mit hochwertiger Onlinepublizistik. Aus über 1.400 eingereichten Vorschlägen wurden in diesem Jahr 28 Angebote nominiert. Acht Preise werden in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung und Spezial vergeben.

Erstmals gingen die Preise aber auch an spezielle Formate, die im Corona-Lockdown entstanden sind. Der Überraschungssieger kommt nämlich von der Plattform TikTok, die man bis vor kurzem wohl noch nicht als preiswürdig betrachtet hätte, aber nun für eine besonders kreative Antwort auf die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie ausgezeichnet wurde.

Dass Videoportal TikTok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance und ist vor allem bei jungen Nutzern populär. Die Auszeichnung in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ macht deutlich, dass sich die Wahrnehmung von TikTok mittlerweile verändert hat.

Björn Lengwenus, Leiter einer Schule in Hamburg-Dulsberg, ging während der Schulschließungen sechs Wochen lang mit der allabendlichen Youtube-Show „Dulsberg Late Night“ bei TikTok auf Sendung. Aus der leeren Aula der Schule schaltete er Schüler zu, führte auch schon mal ein Tänzchen auf, schlüpfte in ein Osterhasen-Kostüm und stärkte so den Zusammenhalt im Lockdown.

„Die Schüler haben so wundervolle Beiträge geliefert“, schwärmte er, „eigentlich haben die mich durch die Show getragen.“ Er habe das Gefühl, dass die Corona-Zeit die Schule sehr gestärkt habe. „Es ist ganz wichtig, dass wir einen anderen Blick auf Schulen bekommen. Denn Schulen müssen einfach gute Orte sein.“


Lengwenus hatte für seine Initiative bereits die Goldene Kamera erhalten. Jetzt bekam er auch noch den Grimme Online Award in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“.

Darüber hinaus räumte Moderator Niklas Kolorz, der in dem TikTok-Netzwerk in einminütigen Videos sperrige Wissensthemen verständlich aufbereitet, bei der Preisverleihung am Donnerstag in Köln gleich zwei Preise ab: einen Jury-Preis in der Kategorie „Wissen und Bildung“ und den Publikumspreis.

Er berichtete, dass ihm die Idee im zweiten Corona-Lockdown gekommen sei. „Ich wollte einfach irgendeinen kreativen Ausgleich schaffen.“ Das habe eine unglaubliche Resonanz gefunden: „Nach acht Tagen hatte ich das erste virale Video mit 800.000 Aufrufen, und von da an ist der Kanal explodiert, das ist der Wahnsinn.“


Link: www.grimme-online-award.de

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