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Von der Filmkunstmesse zu den Kinotagen Leipzig

Die Filmkunstmesse Leipzig wird mit den gleichzeitig stattfindenden Kinotagen Leipzig zum Publikumsfest erweitert.

Vom 16. bis 20. September 2019 findet die 19. Filmkunstmesse in Leipzig statt: Knapp 1000 Fachbesucher, Kinobetreiber, Verleiher, Förderer und auch Filmschaffende werden dann wieder an die 70 aktuelle Filme vorstellen und sichten, die erst später im Jahr in die Kinos kommen sollen.

Die Filmkunstmesse Leipzig ist eine, seit 2001 jährlich in Leipzig stattfindende, fünftägige Messe rund um das Thema Film. Die Messe wird von der Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. veranstaltet und richtet sich vorrangig an Kinobetreiber, Verleiher und Fachleute aus der Arthouse-Branche. Einmal im Jahr werden von Montag bis Freitag Filme – weit vor dem Start im deutschen Kino – gezeigt und in Diskussionen deren Potential und mögliche Marketingstrategien diskutiert.

Workshops und Seminare bestimmen ein Großteil des Programms.

Speziell für die 19. Ausgabe zeichnet sich ein Programm ab, das besonders facettenreich ausfällt und gerade bei den Seminaren und Workshops diesmal einen besonders breiten Bogen schlägt.

Der Frage, welche Rolle das Kino für Filme, Kultur und Gesellschaft spielt, widmet sich die zentrale Podiumsdiskussion der Filmkunstmesse, zu der traditionell am Dienstagnachmittag in die Alte Handelsbörse geladen wird. Unter Moderation von Ulrich Höcherl, Chefredakteur von Blickpunkt:Film, werden sich nach aktuellem Stand Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek, Simone Baumann (Geschäftsführerin German Films), Christian Bräuer (Vorstandsvorsitzender AG Kino-Gilde), BKM-Abteilungsleiter Jan-Ole Püschel und Universal-Chef Paul Steinschulte darüber austauschen, wie die unterschiedlichsten Partner - von Kino und Verleih über Festivals bis hin zur Förderung - zusammenarbeiten müssen, um die Branche in Deutschland nachhaltig zu stärken.

Im Rahmen eines Abschlussworkshops soll auch anhand der Berichte von Referenzkinos das Erreichte skizziert und ein Ausblick gegeben werden.

Zum Filmprogramm der 19. Filmkunstmesse Leipzig.

Kern der Filmkunstmesse ist jedoch das Filmprogramm, das sich wie gewohnt in drei Messekinos abspielen wird. Dazu gehören die Passage Kinos (dem zentralen Ort der Veranstaltung), die Schauburg sowie die Kinobar Prager Frühling. Fast 70 brandaktuelle Titel zählt die von der AG Kino-Gilde zusammengetragene Screening-Liste, die Festivalfavoriten ebenso umfasst, wie noch zu entdeckende Highlights und Geheimtipps - und die natürlich auch wieder mit etlichen Gästen aufwartet.

Sichern konnten sich die Programmer der Filmkunstmesse unter anderem ganze neun Filme, die schon beim Festival in Cannes für Aufsehen sorgten, darunter "The Lighthouse", "Les Misérables", "Little Joe", "Sorry We Missed You", "Portrait of a Lady on Fire" - und nicht zuletzt den diesjährigen Gewinner der Goldenen Palme, Bong Joon-Hos "Parasite". Dieses Meisterwerk steht auch zum Start der öffentlichen Vorführungen auf dem Programm, an der Seite von "Der geheime Roman des Monsieur Pick" und "Pferde stehlen".

Das Fachpublikum wiederum darf sich zum Auftakt der Filmkunstmesse auf das neueste Werk von Richard Linklater ("Boyhood") freuen: die Komödie "Bernadette" mit Cate Blanchett in der Titelrolle.

Zu den weiteren Highlights der Screenings zählen unter anderem "A Rainy Day in New York" von Woody Allen mit einem umwerfenden Timothée Chalamet ("Call me by Your Name"), der von Kritikern (und dem texanischen Publikum des SXSW-Festivals) bereits gefeierte "The Peanut Butter Falcon" sowie "Deux Moi" von Cédric Klapisch, "Der Junge und die Wildgänse" von Nicolas Vanier oder "The Good Liar" von Bill Condon - und natürlich die mit Spannung erwarteten deutschen Projekte wie unter anderem "Ich war noch niemals in New York" von Philipp Stölzl, "Lindenberg! Mach Dein Ding" von Hermine Huntgeburth, "Pelican Blood" von Katrin Gebbe, das in Venedig seine Premiere feierte, oder "Lara" von Jan Ole Gerster. Der Regisseur hat sich bereits als Gast in Leipzig angekündigt, wie auch Erwin Wagenhofer ("But Beautiful"), Norbert Lechner ("Zwischen uns die Mauer") und Karim Aïnouz ("Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao").

Alles in allem ein Programm mit Filmen von gut drei Dutzend Verleihern, das die Vielfalt des Arthouse-Marktes hervorragend abbildet.

Eine großartige Ergänzung des Programms ist eine erstmals angesetzte öffentliche Diskussion, die am Abend des 18. September 2019 in den Passage Kinos stattfindet zum Thema:

"Wie politisch ist Kino heute? Welche Rolle spielt der Ort Kino für öffentliche Debatten?".

Um das Image als reine Fachbesuchermesse zu durchbrechen, wird die Filmkunstmesse Leipzig zudem um die sogenannten »Kinotage Leipzig« zu einem Publikumsfest für "Filmbegeisterte" erweitert. Dazu werden 22 Filme als exklusive Leipzig-Premieren an fünf Abenden gezeigt.

Offensichtlich will man damit in Leipzig einen Ersatz schaffen für den in diesem Jahr leider geplatzten bundesweiten Kinotag. Außerdem sollen daraus sowie anhand der Erfahrung mit dem »Europäischen Kinotag« Ideen und Konzepte erarbeitet werden, wie sich das Kinoerlebnis mit überschaubaren Mitteln ganz allgemein aufwerten lässt.

Darüber hinaus bedeutet nachhaltige Kinoarbeit ebenfalls, sich mehr um den Nachwuchs zu kümmern. In dieser Hinsicht dürfte neben den Schulfilmreihen Cinéfête und Britfilms der AG Kino-Gilde das diesjährige "Kinderfilm-Update" ein bedeutender Schritt sein, bei dem unter Moderation von Petra Rockenfeller erfolgreiche Kinderfilmfestivals und Kinobetreiber zusammengebracht werden, um Chancen einer Zusammenarbeit auszuloten.

Auch die Jugend wird durch die erneute Vergabe der Gilde-Filmpreise im Täubchenthal berücksichtigt. Die bereits im vergangenen Jahr erstmals vergebene Auszeichnung für den besten Jugendfilm (in Ergänzung zum "Besten Kinderfilm") soll somit verstetigt werden. Dazu arbeitet man im Bereich der Jugendjury (die wiederum einen eigenen Preis vergibt) erstmals mit der Filmbewertungsstelle (FBW) zusammen.

Verleihung der Gilde Filmpreise und Ehrenpreis für Dieter Kosslick.

Last but not least wird die AG Kino – Gilde im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig am 19. September 2019 auch ihre diesjährigen Gilde-Preise verleihen.

Mit dieser traditionsreichen Auszeichnung (seit 1977) wollen sich die Kinobetreiber bei den Filmschaffenden und Verleihern bedanken, die mit außergewöhnlichen Produktionen und packenden Geschichten die Zuschauer begeistern. Auf der Shortlist für die insgesamt fünf Kategorien stehen folgende Filme:

Bester Spielfilm (international): “Greenbook” von Peter Farelly; "Leid und Herrlichkeit” von Pedro Almodóvar; „Les Misérables“ von Lady Li und „Parasite“ von Bong Joon-Ho, der auch die Filmkunstmesse eröffnet.

Bester Spielfilm (national): „Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link; „Lara“ von Jan Ole Gerster und „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt, der zudem von German Films für den sogenannten Auslands-Oscar 2020 als bester nicht englischsprachiger Film für Deutschland gerade eingereicht worden war.

Bester Dokumentarfilm: “Anderswo – Allein in Afrika“ von Anselm Pahnke; „Christo – Walking on Water” von Andrey Paounov und “Free Solo” von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin (III).

Bester Kinderfilm: „Die Drei !!!“ von Viviane Andereggen; „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ von Max Schlichter und „Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo“ von Neele Leana Vollmar.

Bester Jugendfilm: „Blinded by the Lights” von Gurinder Chandha; “Booksmart” von Olivia Wilde und “MID 90s” von Jonah Hill.

Außerdem werden der Preis der Jugendjury und der Publikumspreis der Filmkunstmesse vergeben.

Zudem zeichnet die AG Kino – Gilde im Rahmen der 19. Filmkunstmesse Leipzig am 19. September 2019 den langjährigen Leiter der Berlinale, Dieter Kosslick, mit ihrem Ehrenpreis aus.

Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino – Gilde: „Das Kino kann Dieter Kosslick gar nicht genug danken. Schon vor seiner Zeit als Dompteur der Goldenen und Silbernen Bären hat er mit Innovation und Tatkraft Kino und Filmkultur gefördert. Als Mitbegründer der EFDO legte er mit anderen zusammen den Grundstein für das für die europäische Filmwirtschaft so wichtige und erfolgreiche MEDIA-Programm. Und als Geschäftsführer der Filmstiftung NRW schuf er ein noch heute vorbildliches Konzept der Kinoförderung. Doch mit der Berlinale hat er sich und uns ein bleibendes Vermächtnis geschaffen: Denn mit Sympathie, Witz, Tiefgang und Herzlichkeit hat er die Berlinale zum größten Schaufester in die Welt des Films in Deutschland entwickelt.“

Dieter Kosslick ist nach Staatsminister a.D. Bernd Neumann und den Kinobetreibern Detlef Roßmann und Adrian Kutter der vierte Ehrenpreisträger des Gilde Filmpreises.

Links: www.filmkunstmesse.de | www.agkino.de

Quellen: Filmecho | Blickpunkt:Film

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