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Zickzackkurs beim BKM, dem Kulturstaatsministerium

Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Kanzleramt, vertritt Deutschland in verschiedenen internationalen Gremien.



Bericht von Katharina Dockhorn

Von 250 Millionen auf 204, so stellt sich Wolfram Weimer die Zukunft der deutschen Filmförderung im Bund vor. Erst Ende Mai hatte die Bundesregierung die Erhöhung der Etats von DFFF1, DFFF2 und GMPF beschlossen, und ein Gesetz über die Investitionsverpflichtung für Sender und Streamer angekündigt. Da rudert sie schon wieder zurück. Verwunderlich ist dies nicht, was nicht nur dem Sparzwang in allen Ressorts geschuldet ist.

Die amerikanischen Streamingdienste machten im ersten Quartal das, was Politik und Branche von ihnen fordern. Rund 60 Millionen Euro erhielten sie im ersten Halbjahr 2026 für ihre Serienproduktionen, die sie nach Deutschland holen, oder für deutsche Serien. Damit sind aus dem GMPF schon mehr Mittel abgeflossen als im gesamten Jahr 2025, als rund 52 Millionen Euro ausgegeben wurden. Die Balance zwischen Streamern und Sendern war auch einigermaßen ausgeglichen. In diesem Jahr ist eine eklatante Schieflage zu verzeichnen, denn die Sender profitieren nur von etwas mehr als 10 Millionen Euro Fördergelder.

Aus Film- wird Serienförderung

Die Steamer investieren ausschließlich in Serien – den Passus, der von ihnen auch Investitionen in Kinofilme fordert, haben sie erfolgreich aus der Investitionsverpflichtung rausverhandelt. Und auch im Vergleich zwischen Serien- und Kinofilmförderung zeichnet sich ein eklatantes Missverhältnis ab. Knapp 30 Millionen Euro wurden über den DFFF1 in deutsche Kinofilme aller Genres sowie internationale Koproduktionen investiert. Einen unerklärbaren Einbruch gibt es indes beim DFFF2. Riefen die deutschen Dienstleister 2025 noch rund 56 Millionen Euro für sieben Projekte ab, sind in diesem Jahr aus diesem Topf nicht mal eine Million Euro ausgegeben worden.

Niemand braucht bei dieser Schieflage Prophet zu sein, um zu fürchten, dass sie auch auf das Zuschauerverhalten durchschlägt. Während die durchschnittlichen Budgets deutscher Kinofilme seit zwei Jahren gesunken sind. profitieren die Streamingdienste für ihre Hochglanzprodukte. Hinter der Kamera entstehen durch ihre Investitionen viele gut bezahlte Arbeitsplätze. An der Spitze der Besetzungsliste von Serien wie „Wild Things“ und „The Boys from Brazil“ stehen indes Namen wie Andrew Garfield und Jude Law, oder Matthew Macfadyen, Hugh Laurie und Charlie Hunnam. Einzig Daniel Brühl und August Diehl sind von deutscher Seite bei den Leads, ansonsten muss sich die deutsche Schauspielgarde eher mit Nebenrollen begnügen. Sie müssen sich dann um die Rollen im deutschen Film bewerben, bei dem unter der Hand immer wieder durchklingt, dass die von der Politik geforderten Tarifverträge nur Makulatur sind.

Kürzung trotz geleerter Töpfe

Die Politik rechnet damit, dass die 250 Millionen Euro in diesem Jahr abfließen. Schon alleine, weil über 40 Millionen von schon im Vorjahr verplant worden sind. Zum Beispiel für einen Film wie Andreas Dresens „Alte Liebe“. Gedreht wurde im Herbst, in die Postproduktion ging es in diesem Jahr. Die FFA als Verwalter der drei Fördertöpfe kann die Gesamtförderung zusagen, da im Bundeshaushalt immer so genannte Verpflichtungserklärungen für kommende Haushaltsjahre angekündigt sind.

Der deutsche Kinofilm wird wohl auch 2026 wieder bei rund 60 Millionen Fördergeldern landen – es sei denn, es kommt noch eine Hollywood-Großproduktion mit deutschem Partner. Ob die 250 Millionen wirklich ausgegeben werden können, hängt zum einen an den Dienstleistern, zum anderen an vielen weiteren Serienprojekten. Einige Projekte, die jetzt in einem der drei Töpfe beantragen, werden auch erst im kommenden Jahr einen Teil der Mittel abrufen.

Programmiertes Windhundrennen?

Trotz dieser Erfolgsgeschichte will das BKM kürzen, 204 Millionen plus 60 Millionen Verpflichtungserklärungen für 2028 sind im Etatentwurf 2027 vorgesehen. Es könnte zu einem Windhundrennen kommen.

Verwunderlich ist diese Kürzung durch Wolfram Weimer nicht – und bei der Ursachenforschung muss sich die Branche auch an die eigene Nase fassen. Monika Grütters und Bernd Neumann wurden für jede Million frenetisch gefeiert, die sie beim DFFF oder GMPF draufpackten. Für Wolfram Weimer gab es bei der Lola-Verleihung nur einen kleinen, lauen Applaus.

Kaum Chancen auf Nachbesserungen bei Investitionsverpflichtung

Seine Lust scheint ebenso gering, an der Investitionsverpflichtung noch Änderungen vorzunehmen. Auch wenn sich seine Beamten in vielen Runden die Forderungen aus der Produzentenschaft anhören. Es wird wohl bei den 8% bleiben, die Sender und Streamer investieren müssen. Und auch bei der jetzt geplanten, nur konsequenten Rechteregelung. Im Gegensatz zum Entwurf von Claudia Roth, planen die Beamten von Weimer ohne die Bundesländer. Bekanntlich hatte sie vorgesehen, dass Deutschland ein Steueranreizmodell bekommt, dass von Bund und Ländern gemeinsam getragen werden sollte. Folglich galten bei der Berechnung der Zeiträume für den Rechterückfall auch die Förderbeträge von Bund und Ländern als Eigenkapital. Jetzt geht es bei DFFF und GMPF nur um Bundesmittel, und im Gesetz über die Investitionsverpflichtung werden folgerichtig nur die Bundesmittel als Eigenkapital angerechnet. Was ein Vorteil für die Empfänger der kulturellen Filmförderung des Bundes ist. Über das FFG generierte Mittel werden dagegen nicht angerechnet.

Klage gegen Investitionsverpflichtung in Frankreich

Die Aufregung um das Gesetz könnte sich aber bald in heiße Luft auflösen. Netflix, Disney und andere Streaminganbieter haben in Frankreich gegen die Investitionsverpflichtung Klage eingereicht. Sie argumentieren, dass Quoten für Dokumentarfilme und ähnliches in ihre Programmautonomie eingreift.

Ihre Argumentation kommt dem Betrachter bekannt vor, auch hier wird dies beklagt, auch hier gibt es Vorschriften, was und in welcher Sprache produziert werden soll. Die Haltung der Verwerter wird von einem Gutachten gestützt, dass der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Masi für Amazon geschrieben hat. Dem BKM liegen die Einwände vor, Ole Püschel versprach in München deren Prüfung.

Die Prozesse werden sich wohl über Jahre hinziehen. Sollten die Streamer in Frankreich Erfolg haben, hätte das Konsequenzen für ganz Europa. Die deutschen Produktionsfirmen könnten sich dann vielleicht wünschen, dass sie dem Vorschlag von Wolfram Weimer gefolgt wären, und sie sich mit einer freiwilligen Verpflichtung von Sendern und Streamer angefreundet hätten. Und sie nicht einseitig nur auf ihre SPD-Connection gesetzt hätten.

Katharina Dockhorn

Links: kulturstaatsminister.de | www.ffa.de