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Achtung Berlin - new berlin film award 2013

Das Filmfestival für Neues Deutsches Kino aus Berlin und Brandenburg.



Zum 9. Mal findet vom 17. bis 24. April 2013 das Filmfestival achtung berlin - new berlin film award statt. Es sei das kompletteste und umfangreichste Festival, das die beiden Initiatoren Hajo Schäfer und Sebastian Brose je veranstaltet haben, wurde auf der Pressekonferenz verlautet. Insgesamt werden rund 80 Filme gezeigt.

Tatsächlich hat sich die Spannbreite dieses Jahr erweitert, denn mit dem Kesselhaus in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg ist ein weiterer Veranstaltungsort neben der Volksbühne, dem Kino International, den Kinosälen im Babylon, dem Filmtheater am Friedrichshain und dem Passage Kino in Neukölln hinzugekommen.

Aber wird im Kesselhaus kein Film gezeigt, sondern die Gruppe "Agitation Free" des Bandleaders Sänger und Gitarristen Lutz "Lüül" Graf-Ulbrich wird erstmals im Ostteil der Stadt am 23. April um 20:00 Uhr nach einer Abstinenz von 35 Jahren erneut auftreten. In den 70er Jahren war die Band im Umfeld von Tangerine Dream, Pink Floyd und anderen Gruppen mit psychodelischer Musik im alten West-Berlin sehr gefragt gewesen. Mit den Veränderungen, welche die Stadt ca. alle 10 Jahre widerfährt, hatte sich auch der Musikgeschmack geändert. Techno war der Hype geworden, doch genau das ist auch eine neue Chance für die Gruppe mit moderner Elektronik die alten Klänge zu verfremden und live - wie bei Free Jazz - spontan zu reproduzieren.

Anlass des Wiederauftritts ist natürlich auch ein Film über die Hippie-Kultur und deren Musik des 70 jährigen Dokumentarfilmers Gerd Conradt, in der die Musik von "Agitation Free" ein wichtiges Stilelement ist und sich den ganzen Film durchzieht. Der Berliner Filmemacher Gerd Conradt (Starbuck – Holger Meins) gibt in seinem sehr persönlichen Film "Video Vertov" (Berlinpremiere) einen Rückblick in sein Leben mit beeindruckenden Bilddokumenten um die stürmischen Bewegungen der 60er Jahre, während "Agitation Free" – Mitgründer der Berliner Schule mit der Verbindung experimenteller Musik und Elektronik – dass ihre Musik ohne Mühe den Sprung in die Gegenwart weist.

Ganz anders ist Dokumentarfilm "Alleine Tanzen" von Biene Pilavci. Ein Film der dffb-Absolventin, bei dem es weniger um Musik, als vielmehr um Gewalt in einer kinderreichen Familie geht, die schlussendlich bei einem Hochzeitstanz plötzlich zum Ende des Films deutlich zu Tage tritt. Hier der Trailer.



Auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig hat der Film für Furore gesorgt, sodass sich die Filmemacherin entschlossen hat, den Film auch in Berlin einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie betont, dass es letztendlich um eine Hommage an die Familie geht, auch wenn es ab zu Streit gibt.

Eröffnet wird das Festival am 17. April 2013 im Kino International mit dem HFF-Potsdam Abschlussfilm "Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel" von Aron Lehmann. Regisseur Lehmann will ein Epos erschaffen, doch nach dem 1. Drehtag platzt die Finanzierung und Lehmann steht mit einem Häuflein Gefährten in dem Dorf Speckbrodi in der Nähe des drittgrößten Meteoritenkraters der Erde und muss nun mit dem vorlieb nehmen, was da ist. Also spielt der hiesige Bürgermeister den Bösewicht, Kühe werden zu Pferden, Büsche zum Feind und den Rest muss man sich einfach vorstellen... wie im Trailer zu erkennen ist.



Zum Glück hat Lehman nicht nur eine hervorragende Crew, sondern auch hochkarätige, professionelle Schauspieler u.a. mit Robert Gwisdek, welche die Heinrich von Kleist Novelle "Michael Kohlhaas" auf eine bewundernswerte Art mit viel Improvisation umsetzen. Der Publikumspreis war ihnen dafür beim Filmfestival Max Ophüls Preis im Januar 2013 gewiss. Neben Achtung Berlin sind in den nächsten Wochen und Monaten weitere Festivalaufführungen fest gebucht. Wer den Film in Berlin versäumt, hat in Potsdam bei den Sehsüchten ab 23. April 2013 nochmals Gelegenheit den Film zu sehen.

Mit der Berlin-Premiere am Samstag, den 20.4.2013 - nach seiner Welturaufführung im Rahmen des „Filmfestivals Max Ophüls Preis“ - kehrt jetzt auch der Film "WOYZECK" an den Ort seiner Entstehung zurück. Im Sommer 2012 produzierte Magic Flight Film (MFF) die hochkarätig besetzte Theateradaption mitten in Berlin. Neben Tom Schilling und Nora von Waldstätten werden die Darsteller Simon Kirsch, Markus Tomczyk und Georgios Tsivanoglou sowie Regisseur und Drehbuchautor Nuran David Calis und Kameramann Björn Knechtel beim Achtung Berlin-Festival erwartet.

Der Theaterfilm "WOYZECK" von Nuran David Calis entstand nach Motiven von Georg Büchners Drama als zeitgemäße Adaption des Stückes. Der junge mittellose Franz Woyzeck (Tom Schilling) lebt mit seiner Freundin Marie (Nora von Waldstätten) und dem unehelichen Kind in einer kleinen Wohnung. Vor einiger Zeit verlor er sein Restaurant an den Hauptmann und tut momentan alles, um es sich zurück zu erarbeiten. In seiner Verzweiflung nimmt er an einer ominösen medizinischen Studie teil, bei der er undefinierbare Pillen schlucken muss, die ihm Wahnvorstellungen, Halluzinationen und vorübergehende Impotenz bescheren. Durch den Druck, schnell viel Geld verdienen zu müssen, vernachlässigt er Marie, die sich dadurch immer mehr zum Tambourmajor, einer Unterweltgröße der Stadt, hingezogen fühlt...



Nachdem Tom Schilling in seinem letzten Film "Oh BOY" so sensationellen Erfolg hatte und mit positiven Kritiken überschüttet wurde, sind wir gespannt auf die Premiere in seiner Heimatstadt. Hier der Trailer auf Kinozeit.

Berlin hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Stadt ist gewachsen, auch wenn der Ausbau des Flughafens damit immer noch nicht Schritt hält. An anderer Stelle aber boomt die Stadt und hat neue Bewohner hinzugewonnen. Darunter viele neue Filmemacher, die eine andere Sichtweise auf die Stadt haben als Generationen zuvor.

Dies ist im Programm zu merken. Insgesamt sieben von zehn Spielfilmen sind in Berlin gedreht. Mehr als je zuvor, denn in den letzten Jahren lag das Umland stärker im Fokus. 10 Spielfilme, 11 Dokus, 3 Weltpremieren, 4 Deutschlandpremieren und 1 Konzert sind die Eckdaten des Festivals. Hinzu kommen 3 Kurzfilmprogramme und 3 Programme mit mittellangen Filmen unter der Beteiligung der Sender Arte und 3sat.

Neu ist auch eine Retrospektive mit Filmen aus der Region, die nur selten oder nur kurze Zeit im Kino zu sehen waren. Hier prallt auch der sozialkritische DDR-Jugend-Film "Insel der Schwäne" von Ulrich Plenzdorf aus dem Jahre 1983 auf das West-Berliner Drogen-Milieu im Film "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Ulrich Edel aus dem Jahre 1981.

Ob die neuen Online Plattformen realeyz.tv oder alleskino eine Chance für diese inzwischen selten gezeigte Filme sind, oder ob sie nicht besser doch auf der großen Leinwand der Kinos und Festivals ihr Publikum finden sollten, das wird auch eine Gesprächsrunde u.a. mit Joachim von Vietinghoff ergeben, der zusammen mit Hans W. Geißendörfer und Andreas Vogel die Firma "Schätze des deutschen Films" gegründet hat. Eine Digital-Initiative zur Rettung des Erbes deutscher Filme auf der Plattform alleskino.de.

Weitere Informationen zum Programm unter: achtungberlin.de
Quellen: Achtung Berlin | ZOOM MEDIENFABRIK GmbH | kino-zeit

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