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Gefälschte Abonnenten-Zahlen bei Premiere


Die Premiere Aktiengesellschaft des Abo-Fernsehsenders hat in den letzten Jahren massiv bei den Abozahlen geschummelt. Karteileichen und Schwarzseher gingen womöglich als zahlende Kunden in die Statistik ein.



Die Aktienmärkte sind bekanntlicherweise weltweit stark am fallen, nur einige wenige Firmen konnten sich dank guter Zahlen behaupten. Beim Sender Premiere aber gibt es zusätzliche Hiobsbotschaften, die der Gesellschaft dieses Jahr hohe Verluste bescheren. Bereits Anfang Oktober verkündete der Münchner Sender in diesem Jahr voraussichtlich bis zu 70 Millionen Verlust zu erwirtschaften. Außerdem hat der Sender ca. ein Viertel weniger Abonnenten als bisher benannt. Tatsächlich soll der Pay-TV-Sender 2,4 Millionen zahlende Kunden haben, ca. 1 Million weniger als bisher angenommen. Jahrelang hatte man die statistisch erfassten Karteileichen als Kunden mit ausgegeben. Dabei ist allgemein bekannt, dass anfänglich viele Kunden durch Probeabos geködert worden waren. Die inzwischen längst veralteten Decoder verblieben wohl manchmal bei den Kunden, sogar wenn diese für das Programmangebot nicht mehr bezahlten. Der Focus schreibt, dass die Kundenzahlen zum Beispiel in die Höhe getrieben wurden, indem über 16.000 Kunden eine weitere Smartcard zustellte, die fürs Kinderzimmer gedacht war. Gezählt wurden die zusätzlichen Zweitkarten aber als vollwertige Abos. Darüber hinaus gab es jede Menge Schwarzseher, die durch gecrackte Zugangskarten das Programm auch mit Hilfe anderer Decoder empfangen konnten. Erst in letzter Zeit hatte man ein neues Verschlüsselungsverfahren und eine völlig andere Decodergeneration eingesetzt, um dem Missbrauch vorzubeugen.

Für die Werbewirtschaft sind die Anzahl der tatsächlich zuschauenden Kunden relevant - egal ob legal oder illegal - berechnen sich dadurch doch die Preise. Ein wenig übertrieben wird dabei schon hin und wieder. So schwanken die Zuschauerzahlen auch in den zertifizierten Sportsbars, die mit dem Premiere Logo zu Fußballübertragungen mehr Gäste anlocken wollen.

Dank der modernen Großbildfernseher, die überall in den Bars seit der Fußballweltmeisterschaft eingesetzt werden, ließen auch einen anderen Interessenten aufhorchen. Die deutsche Fußball Liga (DFL) hatte ihren bereits ausgehandelten Vermarktungsvertrag mit dem Medienunternehmer Leo Kirch Ende September wieder gekündigt. Dem Milliardendeal standen vor allem Auflagen des Kartellamtes im Weg. Wir berichteten am 27. Juli 2008 über den geplatzten Deal. Nun rückte Premiere wieder als potentieller Kunde ins Visier der DFL. Dabei hatte die DFL seinerzeit Premiere die rote Karte gezeigt und lieber mit Leo Kirchs Vermarktungsgesellschaft Sirius einen Vertag abgeschlossen. Auch hier berichteten wir vor gut einem Jahr, am 9. Okt. 2007 in einem Nachtrag über die damalige Premiere Abfuhr. Der Börsenabsturz der Premiere AG und die gefälschten Zuschauerzahlen dürften dem DFL erneut wie ein Schlag ins Gesicht erschienen sein. Jedwede zukünftige Zusammenarbeit zwischen der DFL und dem Pay-TV-Sender Premiere beruht auf Vertrauen, das nun massig gestört sein dürfte. Die Liga muss jedoch sicher sein, dass der Sender liquide bleibt, gerade jetzt in wirtschaftlich unruhigen Zeiten.

Der neue Vorstandsvorsitzende von Premiere, Mark Williams, versuchte deshalb zu beschwichtigen und verwies auf neue Verhandlungen mit diversen Banken. Außerdem setzt Premiere auf den Medienmogul Rupert Murdoch. Dieser ist mit seiner News Corporation mittlerweile größter Aktionär des Münchner Senders (siehe unseren Bericht vom 28. Aug. 2008) und erwägt weitere Anteile zu erwerben. Sein Ziel ist neben dem Pay-TV-Kanal auch einen frei empfangbaren Sender in Deutschland zu etablieren. Die Übernahme des schwächelnden SAT1 Senders der Prosiebensat1 Media AG scheint ihm nicht zu gelingen, so dass andere Optionen geprüft werden müssen. Das Kartellamt hatte die Auflage gemacht, dass zur Vermarktung der Bundesliga Spiele im TV, diese auch frei empfangbar sein müssen. Eine Entscheidung der DFL zur Neuvergabe der Lizenz steht Ende Oktober an. Ob Premiere punkten kann und der deutschen Fernsehlandschft erhalten bleibt, wird sich dann zeigen. Für etwa 70% der Premiere Kunden waren exklusive Fußballübertragungen ein entscheidendes Kriterium für einen Abovertrag, denn für das Publikum zählen am Ende beim Produkt die Inhalte, also das Programm. Ohne Fußball könnten bei Premiere die Lichter ausgehen.

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