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Filmfest Preisverleihungen in Berlin und Dresden

Bis Sonntag laufen noch die Sehsüchte in Potsdam, doch die Filmfestivals in Berlin und Dresden haben mittlerweile ihre Preise verkündet.


Ein Hauch von Cannes verspürte man bei sonnigen Temperaturen vor dem Kino Babylon am vorletzten Tag des Achtung Berlin - new berlin film award. Von einer einer Modenschau begleitet und mit jeder Menge anwesender illustrer Gäste auf dem roten Teppich vor dem Kino Babylon:Mitte wurde Marco Wilms Film "Ein Traum in Erdbeerfolie" vorgeführt. Diesmal war das Kino fast bis auf den letzten Platz richtig gefüllt, bevor es zur Preisverleihung am Mittwoch kam. Marco Wilms Dokumentarfilm über eine Reise in die Parallelwelt der Mode- & Überlebenskünstler der DDR, der seit gestern überall in der Republik angelaufen ist, war allerdings nicht unter den Gewinnern, obwohl der Film vom Publikum bejubelt wurde.

Die Gewinner der new berlin Awards 2009

Den mit insgesamt 5000 Euro dotierten Preis für den besten langen Spielfilm bekam "Weitertanzen" von Friederike Jehn, der im Anschluss an Wilms Film am Dienstag Abend leider recht spät gezeigt gezeigt worden war, sodass nur noch wenige Zuschauer die Mitternachtsvorführung sehen wollten. Eine lobende Erwähnung erhielt in gleicher Sektion der Film "Evet, ich will!" von Sinan Akkus. Beiden Filmen war gemeinsam, dass sie vom Scheitern einer Hochzeit berichteten, wenn auch in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Akkus Film scheint sogar zum Publikumsliebling zu werden, besonders bei unseren türkischen Migranten in Berlin. Die Wiederholung des Films im Passage Kino in Neukölln war sehr gut besucht und immer wieder mit Applaus während des Films begleitet.

Bester Dokumentarfilm und mit einem Sachgutschein im Wert von 12.000 Euro dotiert, gestiftet von PICTORION das Werk Berlin GmbH, wurde "Mein halbes Leben" von Marko Doringer. Thematisch erinnert der Film ein wenig an Maren Ades Spielfilm "Alle Anderen", dem Gewinner des silbernen Bären auf der Berlinale 2009. Es geht um die Selbstfindung der Generation der 30 jährigen. Was haben sie erreicht? Was erwarten sie vom Leben von der Zukunft? Besonders schwierig scheint die Frage nach familiären Bindungen zu sein. Gleich zwei lobende Erwähnungen wurden in gleicher Sektion vergeben. "Hotel Sahara" von Bettina Haasen zeigt erschütternde Bilder von Flüchtlingen aus Afrika auf dem Weg nach Europa. Diesmal steht nicht die aus den Medien bekanntgewordene Mittelmeerinsel Lampedusa im Blickpunkt des Films und der Fluchtwege, sondern der Fischerhafen Nouadhibou in Mauretanien an der Atlantikküste. Mehr als 1000 Km von Gran Canaria entfernt ist die Flucht über den Atlantik mit viel zu kleinen Fischerbooten noch weitaus risikoreicher und oft vom Tod bestimmt. Sehenswert! Die zweite lobende Erwähnung ging an "Forgetting Dad" von Rick Minnich und Matt Sweetwood, ein Film über Amnesie.

In der Kategorie der kürzeren Filme erhielt Marc Thümmlers "Radfahrer" die Auszeichnung für den besten mittellangen Film. Die Foto-Dokumentation über die Bespitzelung des DDR-Fotografen Harald Hauswald unter dem Codewort "Radfahrer" erhielt bereits den großen Preis beim Emergeandsee Festival Anfang Februar in Berlin und wird auch am Wettbewerb der 55. Kurzfilmtage in Oberhausen teilnehmen. Die Website von Marc Thümmler wird deshalb zurzeit aktuallisiert und wird erst in einigen Tagen wieder erreichbar sein.

Bester Kurzfim (bis 25 Minuten) dotiert mit einem Sachgutschein für Filmequipment im Wert von 1.000 Euro,– gestiftet von 25p*cine support erhielt "Für die Dauer einer Welle" von Catherine Bode. 14 Minuten lang begleitet die Kamera eine älteren Dame im Frisiersalon. Das Gespräch über die Alltagsprobleme entlarft persönliche Probleme, wodurch der regelmäßige Friseurbesuch einen therapeutischen Ansatz bekommt.

Weitere lobende Erwähnungen sowie die komplette Gewinnerliste sind auf der Homepage des Festivals nachzulesen.

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Die Goldenen Reiter in Dresden sind verliehen!


Insgesamt wurden neun Goldene Reiter beim 21. Filmfest Dresden vergeben. Außerdem wurde der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis der Sächsischen Kunstministerin und der ARTE Kurzfilmpreis überreicht. Die Preisträger dürfen sich über Preisgelder in Höhe von insgesamt mehr als 60.000 Euro freuen.

Den Goldenen Reiter Animationsfilm im Internationalen Wettbewerb gewann "Muto" (Regie: Blu, Italien, 2008). Den Goldenen Reiter Kurzspielfilm teilen sich zwei Streifen: "4" (Regie: Edouard Salier, Frankreich, 2008) und "Chufshat Shichrur" („Discharged”/Regie: Micha Kinsbrunner, Israel, 2008). Die Sieger des Nationalen Wettbewerbs heißen "Germania Wurst" (Animationsfilm, Regie: Volker Schlecht, Deutschland, 2008) und "Polar" (Spielfilm, Regie: Michael Koch, Deutschland/Schweiz, 2008). Der Filmförderpreis der Kunstministerin geht an "Never Drive a Car When You‘re Dead" (Regie: Gregor Dashuber, Deutschland, 2009) und der ARTE Kurzfilmpreis an "Kamsanabanyz" („Everything is OK“/Regie: Akjoltov Bekbolotov, Kirgisien, 2007). Über den KlangMusikPreis darf sich Regisseur Rúnar Rúnarsson für "Smáfuglar" („Two Birds“/Island/Dänemark, 2008) freuen. Die Jugendjury hat "Skhizein" (Regie: Jérémy Clapin, Frankreich, 2008) mit einem Goldenen Reiter geehrt. Der Liebling der Jugendjury war gleichzeitig der Favorit des Publikums und darf somit zwei Goldene Reiter mit nach Hause nehmen. Im Nationalen Wettbewerb hat das Publikum "Herrengedeck" (Regie: Minu Shareghi, Deutschland, 2007) mit einem Goldenen Reiter bedacht. Der Kurzfilmpreis der deutschen Filmkritik ging an "Das heimliche Geräusch" (Regie: Michael Watzke, Deutschland 2008).

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