Skip to content

Gallery Weekend Berlin 2011 (UPDATE)

Persönliche Anwesenheit des chinesischem Star-Künstlers Ai Weiwei inzwischen unwahrscheinlich.



Vom 29. April zum 1. Mai 2011 beteiligen sich an dem Gallery Weekend Berlin wieder rund 40 Galerien aus Berlin mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Am Freitag, 29. April 2011, finden von 18 bis 21 Uhr die offiziellen Eröffnungen der einzelnen Ausstellungen statt. Auf der Webseite der Veranstalters sind alle teilnehmenden Galerien gelistet. Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass einige Galerien sich wieder verstärkt der Videokunst widmen werden, was speziell unser Anliegen als BAF Filmverband ist.

Wie wir nachträglich erfuhren, zeigt die Galerie Capitain Petzel in der Karl-Marx-Allee 45, Fotos und Filme von Sarah Morris. Am Freitag wird die Ausstellung ab 16:00 Uhr geöffnet und parallel zu den Bildern von Sarah Morris läuft im Untergeschoss mit "Points on a line" ein 30-minütiger Film von 2010 über die Architekten Mies van der Rohe und Philip Johnson. Und am Samstag feiert im Kino Babylon Berlin-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz Sarah Morris' neuer Film "Chicago" Weltpremiere. Mit künstlerischen Mitteln greift sie politische Themen auf, widmet sich nicht nur der Architekturgeschichte der Stadt, sondern auch dem Niedergang eines Districtes, der einst vom Glück und Wohlstand des amerikanischen Lebens zeugte.

Die Galerie Gebauer in der Markgrafenstraße 67 in Berlin-Mitte öffnet eine Einzelausstellung der italienischen Künstlerin Rosa Barba mit großflächigen, filmischen Arbeiten und Installationen. Wohlgemerkt handelt es sich bei den Arbeiten in abgedunkelten Räumen im Flachbau der Passage zur Charlottenstraße um 35mm und 16mm Film, nicht um Video.

Bei den Kunstagenten in der Galerie Feldbuschwiesner, Linienstraße 155, setzt Christoph Brech Video dagegen ganz bewusst ein, um Halozinationen mit geisterhaften Wasserspiegelungen zu erzeugen.

Kürzlich zeigte auch noch das Haus am Waldsee Multimedia-Arbeiten des norwegischen-deutschen Videokünstlers Bjørn Melhus, der heute als Medienkünstler an der Kunsthochschule Kassel lehrt. Die Ausstellung „Live Action Hero“, über die wir am 7. April im BAF-Blog berichteten, war leider nur bis zum 10. April in der Zehlendorfer Argentinischen Allee 30 zu sehen.

Dafür findet noch bis zum 29. Mai 2011 die neue MoMA Ausstellung im Martin-Gropius-Bau statt, die zwar nicht mit Videokunst aber mit 250 fulminanten Zeichnungen des New Yorker Museums of Modern Art glänzt. Am Gallery Weekend ist diese Ausstellung zwar nicht direkt beteiligt. Ein Besuch lohnt dennoch.

Das Kunsthaus LA 54 in der Landsberger Allee 54 schickte uns nach dem Lesen unseres Berichtes eine E-Mail und verwies darin anlässlich des Gallery Weekends auf seine Walpurgisnacht am Samstag ab 15:00 Uhr, mit viel Musik, Food, Drinks & Art.

Und noch ein Hinweis. Die bekannte Fotogalerie C/O Berlin in der Oranienburger Straße sollte eigentlich bis März 2011 das Postfuhramt verlassen haben. Die geplanten Umbaumaßnahmen des Investors verzögern sich jedoch, sodass vielleicht bis 2012 weiterhin herausragende Foto- und Videokunst in dem alten, denkmalgeschützten Gebäude gezeigt werden kann.

Die eigentliche Sensation kündigte aber erst Anfang des Monats der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei an. Der regierungskritische, chinesische Künstler und Internetaktivist plant nach dem Angebot einer Professur an der Universität der Künste (UDK) einen Teil-Umzug nach Berlin. Er bereite den Kauf eines Studios im Stadtteil Oberschöneweide vor, verkündete der 53-Jährige Star-Künstler, dessen Durchbruch 2007 auf der Documenta in Kassel erfolgte. Auf dem ehemaligen AEG-Gelände wollte der renommierte Konzeptkünstler demnach vier Hallen kaufen, wo sich früher die Kabelwerke (KBW) der DDR befanden. Insgesamt war geplant, dass der Künstler 4800 Quadratmeter für ein eigenes Studio beziehen wird. Schön wäre es gewesen, wenn die Hallen für das Galerieweekend bereits zur Verfügung stehen könnten. Nun wird nach seiner Inhaftierung aus dem Ausbau wieder eine Zitterpartie. Doch ganz müssen wir auf Ai Weiwei nicht verzichten.

Am 29. April sei anlässlich des Gallery Weekends die Eröffnung einer Ausstellung bei der Galerie Neugerriemschneider in der Linienstraße 155 geplant. Seine Arbeiten sind auch regelmäßig bei der Galerie Alexander Ochs zu sehen. Seit Februar präsentiert das Dahlemer Museum für Asiatische Kunst sein "Teehaus". Ai Weiwei kritisiert die kommunistische Führung der Volksrepublik offen und ist deshalb nicht nur regelmäßig Repressalien ausgesetzt, sondern steht immer wieder im Interesse einer öffentlichen Aufmerksamkeit. Am 3. April wurde er überraschend auf dem Pekinger Flughafen von Grenzpolizisten festgenommen. Seitdem gilt er als verschollen. Dadurch wurde der Umzug nach Berlin wieder infrage gestellt. Die Ausstellungsvorbereitungen durch den Galeristen liefen aber weiter.

Die AEG-Hallen in Oberschöneweide waren nach der Wende zum Teil als Partylocation für die Loveparade genutzt worden. Nach dem Wegzug der Veranstaltung ins Ruhrgebiet waren Partylocations dieser Größenordnung am Stadtrand von Berlin nicht mehr gefragt. Die Szene konzentrierte sich auf Berlin Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain. Mit größeren Kunstaktionen von internationalen Künstlern wie Ai Weiwei könnte Oberschöneweide jedoch für andere Investoren interessant werden. Nicht allzuweit entfernt liegt das historische und beschauliche Köpenick. An die AEG-Hallen grenzt außerdem ein neuer Wisssenschaftsstandort, der Campus Wilhelminenhof, der heute von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) genutzt wird. Auch das ehemalige Funkhaus der DDR befand sich in Oberschöneweide in der Nalepastraße und soll zu einem Kreativort für Musiker ausgebaut werden. Sogar ein Filmfestival gibt es in Oberschöneweide. Einmal im Jahr veranstaltet das Kino in den Spreehöfen das Kurzfilmfestival Oberschöneweide (www.kff-osw.de), über das wir am 20.12.2008 erstmals im BAF-Blog berichteten. Im November 2011 feiert das Kurzfilmfestival Oberschöneweide sein fünftes Jubiläum.

Links: www.gallery-weekend-berlin.de | www.art-in-berlin.de


Anzeige