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Preise der Bozner Filmtage u. der Potsdamer Sehsüchte

Das 3. Bayerische Fernsehen berichtet von den 29. Bozner Filmtagen.



Kinomagazine im Fernsehen über aktuelle Filmfestivals sind immer seltener zu sehen. Die Ausnahme macht am 29. April 2015 um 22:45 Uhr das Bayerische Fernsehen mit seiner Sendung KINO KINO über die 29. Bozner Filmtage, die digital über Kabel und Satellit auch in unserer Region frei zu empfangen ist.

Aus dem analogen Kabel ist der Sender leider verschwunden. Dafür gibt es aber mit Zattoo und neuerdings auch MagineTV mittlerweile zwei kostenlose Alternativen über das Internet, alle Regionalsender live empfangen zu können. Außerdem ist die Sendung über die ARD Mediathek noch eine Woche lang nach der Erstausstrahlung zu sehen.

Die 29. Bozner Filmtage fanden vom 22.-26. April 2015 in Südtirol statt. Eine Region, die über interessante Film Locations verfügt und jährlich mit dem RACCONTI Script Lab der BLS Filmförderung auch von uns schon mehrfach erwähnt wurde. Derzeit stellt das Script Lab in Kooperation mit dem Studio Hamburg den Writers’ Rooms für TV-Serien auf.

Im Wettbewerb der Bozner Filmtage gab es für uns allerdings weniger Überraschungen. Viele der dort gezeigten Filme liefen bereits in unserer Region oder zumindest auf der 65. Berlinale. Dennoch zeigte sich das Wettbewerbsprogramm der diesjährigen Bozner Filmtage vielseitig und bunt wie eh und je und lieferte einen Einblick in das aktuelle Filmschaffen aus dem Vierländereck mit einigen bei uns noch nicht gezeigten Werken. Immerhin überstieg mit insgesamt 67 Filmen im Programm die diesjährigen Bozner Filmtage an Umfang und Vielfalt alle bisherigen Ausgaben. Die Filmtage platzten aus allen Nähten und darauf war man stolz! Aus Deutschland war Burhan Qurbanis starkes Drama "Wir sind jung. wir sind stark" dabei sowie Sonja Heiss' mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnete Tragikomödie "Hedi Schneider steckt fest" über eine Mutter, deren Depression sie selbst und ihre Familie vor große Herausforderungen stellt. Hier der Trailer:



Aus Österreich hatte das von Helene Christanell und Martin Kaufmann geleitete Festival den skurrilen Beitrag "Superwelt" eingeladen, das zweite Regieprojekt des vor allem als Schauspieler bekannten Karl Markovics. Ebenfalls aus der Alpenrepublik kam die junge Regisseurin Andrina Mracnikar mit ihrem Film "Ma folie", in dem das Liebesglück eines Paares zusehends in die Abgründe von Eifersucht driftet. Mit zwei Beiträgen war auch Italien vertreten: Stefano Incerti brachte seinen "Neve" mit, der über die zufällige Begegnung zwischen einem Mann, der auf der Suche nach der Beute eines Raubüberfalls ist, und einer dunkelhäutigen Frau erzählte. Laura Bispuri war in Bozen mit ihrem spannenden, auf der Berlinale erstmals vorgeführten Spielfilmdebüt "Vergine giurata" vertreten, einer schwierigen, schmerzhaften Initiationsgeschichte einer Frau aus dem ländlichen Albanien. Die Schweiz rundete die Wettbewerbsreihe mit "Chrieg" von Regisseur und Autor Simon Jaquemet ab. Hier der Trailer:



"Chrieg" erzählt die Geschichte einer Gruppe gewalttätiger Jugendlicher, die zur Therapie in die Abgeschiedenheit einer Alm geschickt werden.

Die Gewinner der 29. Bozner Filmtage.
Über die Gewinner der Spielfilmreihe entschied eine Jury, die dieses Jahr aus der Schauspielerin Eva Mattes, Festivalexperte Nikolaj Nikitin und Drehbuchautor Oliver Rauch bestand. Unter den sieben zur Auswahl stehenden Spielfilmen fiel die Entscheidung auf „CHRIEG“ von Simon Jaquemet, für seine bewusste Auswahl und den gekonnten Einsatz aller filmgestalterischen Mittel. Das kraftvolle Schweizer Erstlingswerk war auch schon im Januar beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken eindeutig zum Sieger erklärt worden.

Die Filme „HEDI SCHNEIDER STECKT FEST“ von Sonja Heiss, und „WIR SIND JUNG, WIR SIND STARK“ von Burhan Qurbani wurden je mit einer lobenden Erwähnung bedacht.

Unter den sieben zur Auswahl stehenden Dokumentarfilmen fiel die Entscheidung auf „DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE“ von Maurizius Staerkle Drux, der Film „I WANT TO SEE THE MANAGER“ von Hannes Lang wurde mit einer lobenden Erwähnung bedacht.

Der Publikumspreis ging an "HUBERT VON GOISERN – BRENNA TUAT’S SCHON LANG" von Marcus H. Rosenmüller.
Preis für den besten Kurzfilm fiel unter den 26 Kandidaten auf „LILA“ von Carlos Lascano.

Bayerische Filmschaffende sind Stammgäste in Bozen.
Bayerische Filmschaffende haben übrigens ein besonderes Verhältnis zu den Bozner Filmtagen, da in der Vergangenheit dieses Festival manchmal die einzige Möglichkeit bot, bayerische Filme in Südtirol zu sehen. Diesmal wurden insgesamt sechs vom FFF Bayern geförderte Produktionen gezeigt.

Seine Südtirol-Premiere feierte auch Oliver Hirschbiegels (ebenfalls auf der Berlinale gezeigter) Historienfilm "Elser - Er hätte die Welt verändert", der zu Teilen in der Region entstanden ist, und nun im Rahmen der Bozner Filmtage in Anwesenheit des Regisseurs sowie des Titelhelden Christian Friedel präsentiert wurde. Neben einem Gedenken an den vor einem Jahr verstorbenen Produzenten Karl Baumgartner - das Festival zeigte die von ihm produzierten Werke "Underground", "Luna Papa" und den großartigen "Die Wolken von Sils Maria" - wurde Tobias Moretti als Ehrengast erwartet und mit einer Filmschau gefeiert.

Neben der Produktion von Oliver Hirschbiegel waren weitere FFF-geförderte Filme im Programm. Darunter der Kinderfilm „Winnetous Sohn“ von André Erkau, die Thriller-Komödie „Das ewige Leben“ und das Drama „Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit“ von Wolfgang Murnberger sowie „Hirngespinster“ von Christian Bach. Tobias Moretti, der in „Luis Trenker“ und in „Hirngespinster“ die Hauptrolle spielt, war ebenfalls vor Ort.

Im Dokumentarfilm-Wettbewerb lief „Brenna tuat's schon lang“ von Marcus H. Rosenmüller über den österreichischen Musiker Hubert von Goisern. Der Film, der am 23. April 2015 in den deutschen Kinos startete, wurde in Anwesenheit des Regisseurs und der Protagonisten gezeigt.

Link: www.filmclub.it/filmtage2015/de

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Gestern Abend wurden in Potsdam Babelsberg auch die Preise des größten europäischen Studentenfilmfestivals an 17 stolze Gewinner vergeben. Zum 44. Mal fand vom 22.04.-26.04.2015 das ausschließlich von Studenten selbst organisierte Internationale Filmfestival SEHSÜCHTE auf dem Studiogelände Babelsberg sowie in der Filmuniversität Potsdam statt.

Mit über 3000 verkauften Kinotickets, an vier Tagen, über 20 Workshops, Seminare und Events, zahlreichen komplett ausverkauften Filmblöcke, 34 Screenings und knapp 60 Stunden Film, 100 Filmemachern aus 28 Ländern, scheint wieder einmal ein Rekord gebrochen zu sein.

Erstmals wurde ein Preis für den Besten Sound vergeben, denn an der Filmuniversität gibt es einen Studiengang Sounddesign. Mit “viel Liebe zum Detail, von der Gestaltung des Titels bis zur Sprecherauswahl” überzeugte der israelische Animationsfilm "LOAD" von Robert Moreno und Niv Shpigel die aus Sound-Studierenden der Filmuniversität Babelsberg bestehende Jury.

Load Trailer from "Load" - Short film on Vimeo.

Der Preis für den Besten Spielfilm lang ging an "Jaskółka" (The Caged Swallow) des polnischen Filmemachers Bartosz Warwas. Die Jury überzeugte das dramaturgisch-raffinierte Konzept des Films, welcher in einem Drama über menschliche Abgründe vor dem Hintergrund des polnischen Katholizismus endet.

Hinweis zu: "Jaskółka" (The Caged Swallow)

Der Film läuft nochmals heute, den 27.04.2015, um 22:30 Uhr im fsk-Kino am Oranienplatz sowie am 28.04.2015 um 18:15 Uhr im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte im Rahmen von FilmPOLSKA.

Als Besten Spielfilm kurz wurden gleich zwei Filme geehrt, zum einem das israelische Drama "Ad Sof Hayom" (Till Day’s End) von Amitai Ashkenazi, zum anderen fiel die Wahl der Jury auf "Matka Ziemia" (Mother Earth) aus Polen.

Dass ausgerechnet zwei polnische Filme mit unter den Gewinnern waren, während zur gleichen Zeit in Potsdam und Berlin auch mit FilmPOLSKA das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens stattfindet, ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der polnischen Filmschule in Łódź. Sogar die Potsdamer Filmstudenten waren etwas neidisch auf ihre jungen polnischen Kollegen, wie wir in Gesprächen herausfanden.

Beste Kamera gewann "Ona Meta" (Off Season) aus Israel. Die Beste Schauspielerische Leistung zeigte Karolina Gorczyca für ihre Darstellung in dem 90 Minuten langen Spielfilm "Agnieszka" von Tomasz Emil Rudzik.

AGNIESZKA from AGNIESZKA FILM on Vimeo.

"6 kroków" (6 Degrees) überzeugte die Jury in der Kategorie Bester Schnitt, "Meanwhile" konnte den Award für den Besten Animationsfilm mit nach Hause nehmen. Als Bester Dokumentarfilm kurz wurde die niederländische Familienautobiographie "If Mama Ain’t Happy, Nobody’s Happy von Mea de Jong" ausgezeichnet, die auch den Publikumspreis gewann.

Bruno Derksens Musikvideo zu Friedrich Lichtensteins "Belgique, Belgique" überzeugte in diesem Jahr die Musikvideo-Jury, der Produzentenpreis ging zu Recht an den deutsch-türkischen Spielfilm "Sadakat" (Fidelity). Und auch bei Schreibsüchte, dem Festival im Festival, ging der Preis für Bestes Drehbuch an "Lux - Krieger des Lichts" von Daniel Wild. Und auch die Kinder- und Jugendjury, die dieses Jahr zum ersten Mal über die Gewinner entscheiden durfte, war sich am Ende einig - "Gameboy" von Giancarlo Sanchez wurde als Bester Jugendfilm von den 13-16-Jährigen gefeiert, der Preis für den Besten Kinderfilm konnte sich Jacob Frey für seinen vierminütigen Animationsfilm "The Present" sichern. Hier der Trailer:



Zum Abschluss des Abends lief noch einmal Christoph Faulhabers 70 Minuten langer Dokumentarfilm "Jedes Bild ist ein leeres Bild" (Every Picture is an Empty Picture) mit animierten Videospielelementen aus "GRAND THEFT AUTO". Dieses unglaublich spannende Werk gewann in der Kategorie Bester Dokumentarfilm lang.

Der Film, der auch bei den DOK Filmtagen in Leipzig lief, hat eine lange Entstehungsgeschichte und hegt schon während der Dreharbeiten im Jahre 2008 die Befürchtung, dass der BND für den US-Geheimdienst NSA den Filmemacher selbst und andere Personen ausspitzelte. Die Folge war, dass Faulhaber bei seiner Reise in die USA noch auf dem New Yorker Flughafen in Gewahrsam genommen wurde und obendrein sein Stipendium verlor. Mit seinen nicht ganz legalen Kunstaktionen im öffentlichen Raum hinterfragt der Künstler die Ordnung herrschender Systeme und zeigt exemplarisch die Verschränkung von Bildern und Politik. Damit eckt er sogar auf der DOKUMENTA in Kassel an. Dass der Skandal um den BND gerade erst vorgestern in der Presse bekannt wurde, macht das Werk und den Preis um so wertvoller.

Link: www.sehsuechte.de
Quellen: Bozner Filmtage | Blickpunkt:Film | Sehsüchte Potsdam

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