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Unsere Filmkritiken im Juli 2019, Teil 2 sowie wichtige News u.a. aus Karlsbad

Artur Brauner 100-jährig verstorben. Sonderpreis in Karlsbad (Karlovy Vary) an den Film "Lara" des deutschen Regisseurs Jan-Ole Gerster.



Wir wollen heute noch gar nicht viele Worte um den bedauernswerten Tod des Berliner Regisseurs und Produzenten Artur "Atze" Brauner verlieren. Im stolzen Alter von 100 Jahren verschied nach einem Schwächeanfall das Urgestein der Berliner Filmprominenz und ehemaliger Inhaber der CCC-Studios in der Eiswerderstraße in Berlin-Haselhorst.

Mit nur 46 Jahren verstarb ebenfalls in Berlin ein paar Tage zuvor David Alexander Groenewold, ehemaliger Filmproduzent von "Der Wixxer" oder "Die Welle". Im November folgen zum Totensonntag wieder unsere Nachrufe in denen wir näher darauf eingehen werden.



Die Gewinner von Karlovy Vary 2019.

Gestern stellten wir ausführlich die Gewinner des Filmfest München vor, bei dem "Lara", der neue Film von Jan-Ole Gerster nach seinem Erfolgshit "Oh Boy" - und wieder mit Hauptdarsteller Tom Schilling - nicht nur den Preis für die beste Regie des Förderpreises Neues Deutsches Kino bekam, sondern auch den FIPRESCI-Preis 2019 des internationalen Kritikerverbandes.

Auch in Karlsbad, beim 54. Internationalen Filmfestival Karlovy Vary (KVIFF), das vom 28. Juni - 6. Juli 2019 stattfand, ging der Sonderpreis der Jury an den Film "Lara", den der Bayerische Rundfunk koproduziert hat. Zudem wurde Corinna Harfouch für ihre Rolle in dem Porträt einer verzweifelten Frau als beste Hauptdarstellerin geehrt. Ein Trailer liegt leider noch nicht vor.

Der Hauptpreis des 54. Karlovy Vary Filmfestivals, das zu gleicher Zeit wie das Filmfest München stattfand, und deshalb leider ein wenig aus der Schusslinie der Berichterstattung geriet, ging an das bulgarisch-griechische Familiendrama "Der Vater". Die Regisseure Kristina Grozeva und Petar Valchanov nahmen den Kristallglobus bei der Abschlussgala entgegen.

Hier der Trailer:



Winner of the International Competition:

Grand Prix – Crystal Globe
"The Father" – Kristina Grozeva, Petar Valchanov (Bulgaria/Greece)

Special Jury Prize
"Lara" – Jan-Ole Gerster (Germany)

Best Director Award
Tim Mielants – "Patrick" (Belgium/Netherlands)

Best Actress Award
Corinna Harfouch – "Lara"

Best Actor Award
Milan Ondrík – "Let There Be Light" (Slovakia/Czech Republic)

Special Jury Mention
"The August Virgin" – Jonás Trueba (Spain)
Antonia Glessen - "The Man of the Future" (Chile/Argentina)

Winner of the East of the West Competition:

Grand Prix
"The Bull" – Boris Akopov (Russia)

Special Jury Prize
"My Thoughts Are Silent" – Antonio Lukich (Ukraine)

Winner of the Documentary Competition:

Grand Prix
"Immortal" - Ksenia Okhapkina (Estonia/Latvia)

Special Jury Prize
"Confucian Dream" – Mijie Li (China)

Winner of other awards:

Právo Audience Award
Jiří Suchý – "Tackling Life with Ease" – Olga Sommerová (Czech Republic)

Crystal Globe For Outstanding Artistic Contribution to World Cinema
Julianne Moore
Patricia Clarkson

Festival President's Award for Contribution to Czech Cinematography
Vladimír Smutný

Winner of non-Statutory awards:

FIPRESCI Award
"The August Virgin" – Jonás Trueba

Ecumenical Jury Award
"Lara" – Jan-Ole Gerster

Commendation
"Let There Be Light" – Marko Škop

FEDEORA Award
"Passed by Censor" – Serhat Karaaslan (Turkey/Germany/France)

Special Mention
"Aga's House" – Lendita Zeqiraj (Kosovo/Croatia/France/Albania)

Europa Cinemas Label Award
"Scandinavian Silence" – Martti Helde (Estonia/France/Belgium)

Die Titel der Gewinner sollte man sich merken, denn das Internationale Filmfestival Karlovy Vary zählt nicht nur zu den renommiertesten und bedeutendsten Filmfestival des osteuropäischen Films. Es ist auch eines der ältesten A-Filmfestivals neben Venedig, Cannes und der Berlinale. Einige der Gewinnerfilme werden zu einem späteren Zeitpunkt auch bei uns wieder in den Kinos auftauchen und dann sicherlich von uns ebenso besprochen werden, wie die nachfolgenden zwei Filme mit Ulrikes Rezensionen.

Quellen: ARD Text | Cineeuropa.eu

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"TRAUMFABRIK" Romanzen-Drama von Martin Schreier (Deutschland). Mit Emilia Schüle, Dennis Mojen, Ken Duken, Heiner Lauterbach, Michael Gwisdek, Nikolai Kinski u.a. seit 4. Juli 2019 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Es war einmal ein junger Mann, Emil Hellwerk (Dennis Mojen), der frisch aus der NVA entlassen, durch die Beziehungen seines Bruders (Ken Duken) einen Kleindarstellerjob bekommen hat.

Staunend betritt er im August 1961 das Gelände der DEFA-Studios in Babelsberg. Hals über Kopf verliebt er sich in eine französische Tänzerin, mit dem romantisch klingenden Namen Milou (Emilia Schüle). Er hält sie für einen großen Star, nicht wissend, dass sie „nur“ das Double der französischen Filmdiva Beatrice Moree (Ellenie Salvo Gonzáles) ist, die die Hauptrolle in einem opulent ausgestatteten Piratenfilm spielt.

Es dauert eine Weile, bis Emil erkannt hat, dass die bildhübsche Milou nicht der Star dieser Produktion ist. Sein Herz hat er bereits an sie verloren. Doch alles kommt ganz anders, als man denkt. Milou erscheint nicht zu ihrer Verabredung. Am 13. August 1961 wird die Grenze zwischen Ost-und Westberlin geschlossen. Milou reist zurück nach Paris. Emil bleibt totunglücklich in Babelsberg zurück. In seinem Kopf kreist nur ein Gedanke: Er muss Milou wiedersehen. Er schmiedet nicht nur einen gewagten, sondern auch genialen Plan und wächst über sich selbst hinaus, indem er einen eigenen Film entwickelt und realisiert. Ob dieses Liebesmärchen á la Hollywood mit den Worten „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch“ aufgeht, sei hier nicht verraten.

Mit den beiden Nachwuchsstars Emilia Schüle und Dennis Mojen haben die Produzenten Tom Zickler und Christoph Fissler ein wahres Traumpaar gefunden. Vom ersten Moment ihres Auftretens, stimmt die Chemie zwischen den beiden. Es ist seine erste Hauptrolle und das in einem acht Millionen Euro teuren deutschen Film. In dieser prächtig ausgestatteten Film-Studio-Romanze, spielen die geschichtlichen Hintergründe eine untergeordnete Rolle und lassen über einige Ungereimtheiten hinwegsehen.

Und das sich Babelsberg, „auf Teufel komm raus“ als Traumfabrik feiert, kann man getrost mit einem Augenzwinkern betrachten. Auch das rote Rosenblätter vom Studiohimmel fallen und nachts hunderte von Glühwürmchen funkeln, sind in einem Liebesmärchen durchaus erlaubt. Andere sagen schnulzige Kitschromanze. Ich nenne es zauberhafte Magie.

Ulrike Schirm


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"GEHEIMNIS EINES LEBENS" Spionage-Thriller von Trevor Nunn (Großbritannien). Mit Judi Dench, Sophie Cookson, Stephen Campbell Moore u.a. seit 4. Juli 2019 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Die über achtzigjährige Joan Stanley (Judy Dench) führt ein beschauliches Rentnerleben im Umland von London. Das ändert sich empfindlichst, als der MI5, der militärische Abschirmdienst, plötzlich auftaucht, sie festnimmt und zum Verhör bringt. Es stellte sich heraus, dass sie mit einem gewissen Sir William Mitchell (Freddie Gaminara), der kürzlich verstarb, in Cambridge studierte und man der Annahme ist, dass er zu einem Spionagering gehörte. Aufgrund dessen, wirft man auch ihr vor, als Spionin für Russland tätig gewesen zu sein. Die Agenten sind überzeugt davon, dass eine Verbindung zwischen Joan, William und dem KGB bestanden hat. Unterbrochen wird das Verhör von Rückblenden im Zeitraum 1938-1947.

Joan lernt während ihres Studiums den verführerischen Kommunisten Leo Galich (Tom Hughes) und dessen mondäne Schwester Sonya (Treza Srbova) kennen. Später stellt sich heraus, dass Sonya, die zu einer Freundin geworden ist, keine vertrauenswürdige Person ist. Einige Jahre später arbeitet Joan als Sekretärin beim streng geheimen Tube Alloys Projekt , wo an der Entwicklung einer Atombombe geforscht wird. Sie beginnt mit der Weitergabe von Geheimnissen an die Russen.

Das macht sie nicht aufgrund einer kommunistischen Ideologie, sondern wegen der verheerenden Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Sie will unbedingt verhindern, dass sich so etwas Schreckliches nochmal wiederholt. Sie geht davon aus, wenn alle Länder im Besitz der gleichen Geheimnisse sind, wäre die Welt weitaus sicherer. Ein schöner Gedanke aber von einer gewissen Naivität besetzt.

Die Frage, die Regisseur Trevor Nunn stellt, ist interessant. Wie kommt es dazu, dass ein ganz gewöhnlicher Mensch plötzlich in etwas verwickelt wird, was man im Allgemeinen als Hochverrat bezeichnen würde. Spannend ist auch, dass ihr Sohn Nick (Ben Miles) sie als Anwalt verteidigt. All das, was ihm bisher aus ihrem Leben erzählt wurde, muss er nun hinterfragen. Gleichzeitig muss er einen Weg finden, seine Mutter, so gut es geht, in dieser misslichen Situation zu verteidigen.

Der Film basiert auf Jennie Rooneys Buchvorlage „Red Joan“. Angeregt wurde sie durch einen Artikel in der britischen Tageszeitung „The Times“ im September 1999. In dem stand, dass die damals 87-jährige Melitta Norwood vom Secret Service als Spionin enttarnt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, über vier Jahrzehnte hinweg Geheimnisse an die Russen verraten zu haben. "GEHEIMNIS EINES LEBENS" ist konventionell erzählt und besticht durch seine moralische Fragestellung.

Ulrike Schirm




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