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70. Berlinale 2020 feiert Jubiläum mit weiterem Wettbewerb

70. Internationale Filmfestspiele in Berlin vom 20. Februar bis 1. März 2020.



Seit Montag, 17. Februar 2020, sind die Kartenschalter im ehemaligen Debis Center am Potsdamer Platz geöffnet. Ab dem heutigen Mittwoch können auch Fachbesucher ihre Akkreditierungen für die 70. Berlinale abholen.

Allerdings muss man bei längerem Ausharren vor den Kartenschaltern auf Eigenverpflegung achten, denn fast sämtliche Geschäfte sind im Umkreis wegen zweijähriger Umbaumaßnahmen geschlossen. Für die Touristen zeigt sich Berlin somit nicht gerade als Weltstadt, zumal auch die Kinos im gegenüberliegenden Sony Center geschlossen sind und vorerst geschlossen bleiben.

Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek.

Die neue Berlinale-Leitung, der Künstlerische Direktor Carlo Chatrian und die Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek, hat auch erste programmliche Neuerungen erläutert. So gibt es neben den traditionellen Sektionen Wettbewerb und Berlinale Shorts, in denen die Goldenen und Silbernen Bären verliehen werden, künftig mit „Encounters“ eine weitere kompetitive Sektion.

„Encounters“ ist eine Plattform, um ästhetisch und formal ungewöhnliche Werke von unabhängigen Filmemacher*innen zu fördern. Ziel ist es, neue Stimmen des Kinos zu unterstützen und den verschiedenen narrativen und dokumentarischen Formen mehr Raum im offiziellen Programm zu geben. Es wurden maximal 15 Filme – Welt- oder internationale Premieren von Spiel- oder Dokumentarfilmen ab einer Laufzeit von 60 Minuten – eingeladen. Eine dreiköpfige Jury entscheidet über die Preise für den besten Film, die beste Regie und den Spezialpreis der Jury.

Carlo Chatrian: "Das 21. Jahrhundert mit seinen technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen hat die Filmproduktion in vielerlei Hinsicht verändert und die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, Filmessay und Genre, weniger starr und durchlässiger gemacht. Da die Berlinale den Anspruch hat, den Markt weiterzuentwickeln und neue Visionen des Kinos zu entdecken, haben wir uns entschieden, eine kompetitive Sektion zu schaffen, die es - zusammen mit dem internationalen Wettbewerb - ermöglicht, dieser sich verändernden Welt voll gerecht zu werden."

Mariette Rissenbeek betont: "Carlos Idee einer neuen Wettbewerbssektion hat mich sofort überzeugt. Encounters wird den Wettbewerb und das weitere Spektrum der Sektionen ideal ergänzen."


Das komplette Programm der Reihe "ENCOUNTERS" sowie der Reihe "BERLINALE SPECIAL GALAS", in der auch Filme des Wettbewerbs "außer Konkurrenz" laufen, hatten wir bereits in unserem BAF-Blog am 1. Februar 2020 veröffentlicht.

Darüber hinaus hat das Leitungsduo als Berater*innen Norman Wang, Luciano Monteagudo, Dennis Lim und die ehemalige langjährige EFM-Direktorin Beki Probst berufen. Sie sollen die Berlinale über die Kultur- und Filmszene informieren und Verbindungen zu Filmemacher*innen und zur Filmindustrie pflegen. Ergänzt wird der Berater*innenkreis durch Jason Ryle, der in den vergangenen acht Jahren und somit seit der Gründung die Berlinale-Sonderreihe NATIVe - A Journey into Indigenous Cinema beraten hat.

NATIVe wird als Sonderreihe nicht fortgeführt, die aufgebauten Kontakte sollen jedoch weiter gepflegt werden, um indigenes Filmschaffen in den bestehenden Sektionen zu präsentieren. Auch die Sonderreihe Kulinarisches Kino wird es 2020 nicht mehr geben. Filme zu Genuss, Ökologie, Lebensmittelproduktion und Agrarwirtschaft werden künftig ebenfalls im kuratorischen Prozess der Sektionen berücksichtigt.

Christina Nord, ehemalige Filmredakteurin im Kulturressort der "taz" und seit 2015 beim Goethe-Institut für die Programmarbeit verantwortlich, übernahm am 1. August 2019 die Leitung der Berlinale-Sektion Forum, die Christoph Terhechte überraschend abgegeben hatte, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

Der Vorstand des Arsenals, seit 2004 bestehend aus Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus, freut sich, Cristina Nord in Abstimmung mit der Berlinale-Leitung sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) als Leiterin des Forums gewonnen zu haben.

"Ihr Profil macht sie zur idealen Kandidatin, den seit jeher experimentier- und diskursfreudigen Charakter des Forums in enger Verbindung mit den Aktivitäten des Arsenals weiter zu schärfen und dabei neue, eigene Impulse zu setzen," begründen Gregor, Kohler und Schulte Strathaus ihre Ernennung.

„Das Berlinale Forum bietet seinem Publikum die Möglichkeit, junge, experimentelle und essayistische Formen des Films zu entdecken. Es gewährt vielen unterschiedlichen Spielarten des Kinos Raum und eröffnet damit neue Wege für die Wahrnehmung. Der internationale Zugang, das Bewusstsein für Filmgeschichte und die Lust daran, mit und in Filmen zu denken und Gesellschaft zu reflektieren, sind beispielhaft. An dieses Erbe anzuknüpfen und es unter sich verändernden Bedingungen in die Zukunft zu führen, ist eine Aufgabe, der ich mit großer Freude entgegenblicke“, kommentiert Cristina Nord.


Das Forum feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum - und die Berlinale selber wird 70. Die Video- und Experimentalreihe "Forum Expanded" wird im Silent Green Kulturquartier fortgeführt und weiterhin von Stefanie Schulte Strathaus geleitet. Eine Presse-Preview gibt es heute ab 15:00 Uhr.

Die Berlinale wird weiblicher.

Mehr Frauen in Führungspositionen: Mit Geschäftsführerin Rissenbeek, Forums-Chefin Christina Nord, der neuen "Berlinale Shorts"-Leiterin Anna Henckel-Donnersmarck und den bereits länger amtierenden Leiterinnen von "Generation" und "Perspektive Deutscher Film", Maryanne Redpath und Linda Söfker, gibt es nun fünf Frauen in Festival-Leitungsfunktionen, bei derzeit neun Sektionen.

Auftakt mit "My Salinger Year".

Die Romanverfilmung "My Salinger Year" von Philippe Falardeau eröffnet die diesjährige Berlinale. Der Film mit Sigourney Weaver und Margaret Qualley wird am 20. Februar 2020 in Berlin zudem seine Weltpremiere feiern. Vorlage für das Werk von Regisseur und Drehbuchautor Falardeau ist ein Roman der US-Schriftstellerin Joanna Rakoff.

Der Film porträtiert eine junge Schriftstellerin (Qualley), die als Assistentin einer Literaturagentin arbeitet. Ihr Job ist es, die Fanpost von Kultautor J.D. Salinger, dem Stolz der Agentur, zu beantworten.

Insgesamt gehen 18 Filme in das Rennen um den Goldenen Bären und die Silbernen Bären. 16 Filme davon feiern in Berlin ihre Weltpremiere. Mit "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani und Christian Petzolds Drama "Undine" sind auch zwei deutsche Produktionen im Wettbewerb vertreten.

Der deutsch-afghanische Regisseur Burhan Qurbani schildert in seiner Neuverfilmung des Romans "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin eine Flüchtlingsgeschichte. Zu sehen sind die Schauspieler Welket Bungue, Jella Haase, Albrecht Schuch und Joachim Krol.

Christian Petzold bringt in "Undine" erneut Paula Beer und Franz Rogowski vor die Kamera. Die beiden wirkten schon in seinem Film "Transit" mit. Nun spielt Beer eine Historikerin in Berlin, die geheimnisvolle Undine.

Insgesamt sind bis zum 1. März 2020 rund 340 Filme zu sehen. Die Bären werden am 29. Februar 2020 verliehen.

Die Wettbewerbsfilme.

● "Berlin Alexanderplatz" (GER/NED) von Burhan Qurbani,
mit Welket Bungue, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Krol, Annabelle Mandeng

● "DAU. Natasha" (GER/UKR/GBR/RUS) von Ilya Khrzhanovskiy und Jekaterina Oertel,
mit Natalia Berezhnaya, Olga Shkabarnya, Vladimir Azhippo

● "Domangchin yeoja (The Woman Who Ran)" (KOR) von Hong Sangsoo,
mit Kim Minhee, Seo Younghwa, Song Seonmi

● "Effacer l'historique (Delete History)" (FRA/BEL) von Benoit Delepine und Gustave Kervern,
mit Blanche Gardin, Denis Podalydes, Corinne Masiero

● "El profugo (The Intruder)" (ARG/MEX) von Natalia Meta,
mit Erica Rivas, Nahuel Perez Biscayart, Daniel Hendler

● "Favolacce (Bad Tales)" (ITA/SUI) von Damiano Fabio D'Innocenzo,
mit Elio Germano, Barbara Chichiarelli, Lino Musella

● "First Cow" (USA) von Kelly Reichardt,
mit John Magaro, Orion Lee, Toby Jones

● "Irradies (Irradiated)" (FRA/CAM) von Rithy Panh

● "Le sel des larmes (The Salt of Tears)" (FRA/SUI) von Philippe Garrel,
mit Logann Antuofermo, Oulaya Amamra, Andre Wilms

● "Never Rarely Sometimes Always" (USA) von Eliza Hittman,
mit Sidney Flanigan, Talia Ryder, Theodore Pellerin

● "Rizi (Days)" (TWN) von Tsai Ming Liang,
mit Lee Kang-Sheng, Anong Houngheuangsy

● "The Roads Not Taken" (GBR) von Sally Potter,
mit Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek, Laura Linney

● "Schwesterlein (My Little Sister)" (SUI) von Stephanie Chuat und Veronique Reymond,
mit Nina Hoss, Lars Eidinger, Thomas Ostermeier

● "Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil)" (GER/CZE/IRN) von Mohammad Rasoulof

● "Siberia" (ITA/GER/MEX) von Abel Ferrara,
mit Willem Dafoe, Dounia Sichov, Simon McBurney

● "Todos os mortos (All the Dead Ones)" (BRA/FRA) von Caetano Gotardo und Marco Dutra,
mit Mawusi Tulani, Clarissa Kiste, Carolina Bianchi

● "Undine" (GER/FRA) von Christian Petzold,
mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree

● "Volevo nascondermi (Hidden Away)" (ITA) von Giorgio Diritti,
mit Elio Germano

Link: www.berlinale.de
Quellen: Filmecho | Berlinale | ARD-Text

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