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"21. Medien Gipfel" sinniert in Berlin über Gewalt im Film



Just zu den ersten Gamestagen Berlin-Brandenburg gab es ein Attentat an einer amerikanischen Universität. Sogleich wurden wieder Stimmen laut, die ein sofortiges Verbot aller sogenannten "Killerspiele" forderten.

Dabei hatte man sich zur Neuausrichtung der 5. deutschen Spieleentwicklerkonferenz Quo Vadis (19.-21. April) in der Medienstadt Berlin einen ganz anderen Startschuss erhofft.

Die vom Medienboard initiierten Gamestage Berlin-Brandenburg
www.games-tage.de sollen durch den Umzug von ursprünglich Essen über Leipzig nach Berlin einen noch besseren Zugang zu den Medienschaffenden hier finden. Besonders durch die Nähe zur Medienstadt Babelsberg erhofft man sich eine Bereicherung für die Konferenz. Die Schnittpunkte zwischen Film und Games können in dieser Stadt noch stärker als bisher in den Fokus der Konferenz gerückt werden, ohne dabei am Erfolgsrezept einer Konferenz von Entwicklern für Entwickler zu kratzen.

Interessant ist der besondere Ort den man sich für die Konferenz ausgedacht hat, denn sie findet im Umweltforum Berlin www.umweltforum-berlin.de in der alten, inzwischen neu aufgebauten Auferstehungskirche in der Pufendorf Str. in Friedrichshain statt. Es gibt keinen besseren Ort zum Nachdenken. Hier paart sich in idealerweise hypermodernes mit Besinnlichkeit.

Und zum sinnieren gibt es genug Anstöße, denn heute wurde auf der Konferenz eine interessante Studie veröffentlicht, die Gewalt in Spielen in ein ganz anderes Licht setzt. Das British Board of Film Classification (BBFC), das auch Spiele testende Pendant zur deutschen Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), widmete sich in dieser qualitativen Studie der Frage, wer Videospiele spielt, welchen Einfluss sie haben, welche Titel jeweils interessant sind, was Spieler von Gewalt in einigen Spielen halten und was Eltern über Videospiele denken. Dabei stellte sich heraus, dass Spiele anscheinend weniger emotional fesseln als Filme oder Fernsehsendungen.

Das liege unter anderem daran, dass die Gegner im Spiel keine Persönlichkeit haben und nicht echt aussehen, so dass damit ihre Zerstörung auch nicht echt ist. Spieler seien sich sehr wohl bewusst, dass sie spielen und der Bildschirm nicht das reale Leben zeigt. Auch wenn Spieler für Nicht-Spieler oft so wirken würden, als seien sie beim Spielen der Realität entrückt, seien sie weniger vereinnahmt als Kinogänger. Spieler müssten sich darauf konzentrieren, im Spiel voranzukommen, so dass sie weniger emotional involviert sind. Im Gegensatz zum Kinopublikum, das ganz und gar von der Handlung des Films vereinnahmt wird, müssen Spieler eher auf den Fortschritt im Spiel achten, als sich auf dessen Handlung konzentrieren.

Dass Hollywood es mittlerweile viel besser versteht Emotionen beim Kinopublikum auszulösen war auch Thema der Konferenz. Durch ständig verbesserte Filmtechniken und noch brutalere Gruselschocker werden Zuschauer sicherlich stärker beeinflusst als die Kritiker der Spielebranche es bisher wahrhaben wollten. Natürlich gebe es seitens der Spieler gewisse Sorgen darüber, dass in einigen Titeln Boshaftigkeit über Unschuld siegt. Auch wird beklagt, das manch jüngere Spieler zu leicht Zugang zu nicht altersgerechten Titeln haben und dann ein Teil plötzlich von der dargestellten Gewalt bestürzt wäre. Nichtsdestotrotz seien die meisten Spieler wegen Gewalt in Spielen aber nicht ernsthaft beunruhigt, da sie der Meinung sind, dass die Gewalt im Fernsehen und auf der Leinwand unangenehmer und realer sei.

Vor dem Hintergrund der aktuellen bayerischen Bundesratsinitiative zur Verschärfung des Jugendschutzgesetzes warnt G.A.M.E., Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V. www.game-bundesverband.de, vor den weit reichenden, gesellschaftlichen und kulturellen Konsequenzen, die das darin geforderte Verbot von „Killerspielen“ in Deutschland haben würde. Die meisten jungen Menschen wissen, dass ein Verbot von Killerspielen in Deutschland unnötig, unsinnig und ausschließlich politisch motiviert ist. Hier wird von der CSU einseitig ein Medium angegriffen, das sich längst auf kultureller Augenhöhe mit dem Film, der Musik und der Literatur befindet. Wenn wir dieses Verbot akzeptieren, was wird als nächstes gefordert? Konsequenterweise wären die nächsten Schritte ein Verbot von Literatur oder Filmen die kontrovers Gewalt als Stilmittel einsetzen, wie „Der freie Wille“ (Preisträger der Berlinale 2006).

Wer es dazu kommen lässt oder befürwortet, hat von Freiheit der Kunst nichts kapiert und begibt sich möglicherweise auf gleiche Ebene wie Personen, die Bücherverbrennungen im dritten Reich gut hießen. Auch wenn der Background ein anderer war, ist mit zu vielen Verboten die Gefahr zur Rückkehr zum totalitären Staat nicht ganz abwegig. Big Brother und George Orwell lassen grüßen.


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