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Filmfestival Locarno mit 16 Weltpremieren

68. Festival del film Locarno zeigt 19 Filme im Wettbewerb.



Im Laufe seiner 67-jährigen Geschichte hat sich das Festival del film Locarno eine zentrale Stellung im Panorama der großen Filmfestivals erobert. Alljährlich im August treffen sich dort über 160 000 Zuschauer und Zuschauerinnen, 900 Medienleute und mehr als 3000 Branchenvertreter. Die kleine Stadt in der italienischen Schweiz, am bezaubernden Lago Maggiore, wird diesmal vom 05.-15.8.2015 für elf Tage zur Welthauptstadt des Autorenfilms.

Neben dem traditionell stark vertretenen Schweizer Film haben es als rein deutsche Produktionen "Der Staat gegen Fritz Bauer" von Lars Kraume und "Der Nachtmahr" von Akiz in die Hauptsektionen des Festivals geschafft. Letzterer war bereits auf dem Filmfest München zu sehen, während Kraumes Film einer der 16 Weltpremieren des Wettbewerbsprogramms ist. Es geht darin um den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (gespielt von Burghart Klaußner), der sich in den 60er Jahren unermüdlich der NS-Verbrechensaufklärung verschrieben hat und bei seiner sehr persönlichen Ermittlung gegen den untergetauchten ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann immer wieder vom Staat behindert wurde.

Eine deutsche Beteiligung gibt es auch bei der Wettbewerbsjury mit Schauspielveteran Udo Kier, bekannt durch Werke wie "Melancholia". Neben ihm sitzen noch der US-amerikanische Regisseur Jerry Schatzberg ("Asphalt-Blüten") und drei Filmkünstler aus Israel, Mexiko und Südkorea in der Jury.

Open-Air Vorführungen auf der Piazza Grande.
Ein Highlight des Festivals sind jährlich die Open-Air Vorführungen auf dem Marktplatz vor bis zu 8000 Zuschauern. Seine Weltpremiere auf der Piazza Grande begehen wird außerdem "Jack" der Österreicherin Elisabeth Scharang, in dem neben Johannes Krisch auch Corinna Harfouch und Birgit Minichmayr zu sehen sind. Hier der Trailer:



Der Titel des Films sollte nicht mit dem gleichnamigen Kinder-Drama von Edward Berger verwechselt werden, das 2014 auf der Berlinale lief. Scharang interpretiert frei die Kriminalgeschichte des verurteilten österreichischen Serienmörders JACK Unterweger, der in den 20er Jahren als sogenannter „Häfenliterat“ zum Liebling der Wiener Schickeria wurde. Nach dem Vorbild des Londoner »Jack the Ripper« erlangte Unterweger nach 15 Jahren Haft traurige Berühmtheit. 1976, auf Bewährung entlassen, begab sich der Freigänger auf Lesetour seiner in der Haft geschriebenen Gedichtbände und autobiografischen Romane - und soll in der Zeit bis zu elf weitere Prostituierte ermordet haben.

Eröffnet wird die 68. Ausgabe des renommierten Festivals in der Schweiz mit Jonathan Demmes Musik- und Familiendrama "Ricki - Wie Familie so ist", mit Oskar-Preisträgerin Meryl Streep in der Hauptrolle. Hier der Trailer:



Locarno ehrt Edward Norton und Sam Peckinpah.
Am selben Abend wird Edward Norton mit dem Excellence Award ausgezeichnet werden. Von dem US-Schauspieler, der zuletzt mit "Birdman, oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" einen sehr erfolgreichen und hochgelobten Auftritt hatte, werden im Rahmen einer Retrospektive einige seiner weiteren Filme gezeigt. Frühere Preisträger waren Susan Sarandon, John Malkovich, Michel Piccoli oder Isabelle Huppert. Gestiftet wird der Preis von Moët & Chandon.

Außerdem wird der im Jahr 1984 verstorbene US-Kultregisseur und Schauspieler Sam Peckinpah mit einer Retrospektive geehrt. Peckinpah wurde als Rebell in Hollywood“ bezeichnet, zu seinen Filmen zählen u. a. „The Wild Bunch“, „Wer Gewalt sät“, „Getaway“ und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“).

Weitere deutsche Ko-Produktionen beim Nachwuchs.
In der Wettbewerbssektion Pardi di domani, die kurze und mittellange Filme von jungen Regisseuren präsentiert, die bislang noch keinen Langfilm realisiert haben, werden "Four Corners of a Circle" von Katarina Stankovic (deutscher Produktion ist ZAK Film) und "Zeus" von Pavel Vesnakov (deutsche Produktion ist Heimathafen Film & Media) präsentiert. Zwei weitere Koproduktionen mit deutscher Beteiligung sind im Internationalen Wettbewerb präsent: die schweizerisch-deutsche Produktion "Heimatland" von Lisa Blatter, Gregor Frei, Jan Gassmann, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Michael Krummenacher, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp und Mike Scheiwiller sowie die mexikanisch-deutsche Produktion "Te prometo anarquia" von Julio Hernández Cordón.

Weitere Höhepunkte des Open-Air-Programms auf der Piazza Grande sind u.a. drei Filme aus schweizer Produktion. Dazu gehören Barbet Schroeders "Amnesia" mit Marthe Keller in der Hauptrolle, Lionel Baiers "La Vanité", sowie im internationalen Wettbewerb der Omnisbusfilm von zehn RegisseurInnen "Heimatland". Für den Preis für den besten Erstling ist das ungewöhnliche Doku-Essay "Recollection" von Kamal Aljafari aus der Sektion Signs of Life nominiert.

In der Internationalen Konkurrenz treten außerdem unter anderem Andrzej Zulawski ("Cosmos", Frankreich/Portugal), Rick Alverson ("Entertainment", USA), Pietro Marcello ("Bella Perduta", Italien), Alex van Warmerdam ("Schneider vs. Bax", Niederlande/Belgien), Chantal Akerman ("No Home Movie", Belgien/Frankreich), Pascal Breton ("Suite Amoricaine", Frankreich) oder Ryusuke Hamaguchi ("Happy Hour", Japan) an. Insgesamt konkurrieren 19 Langfilme um den Goldenen Leopard.

Außer Konkurrenz zu sehen ist der Sundance-Gewinner "Me and Earl and the Dying Girl" von Alfonso Gomez-Rejon und "Dating Queen" von Judd Apatow.

Neue Koproduktions-Initiative in Locarno.
Alliance For Development (AFD), eine neue Koproduktions-Initiative der Industry Days des Filmfestivals von Locarno, ist eine Plattform, die vier Länder – Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz – verbindet. Sie soll die Projektentwicklung erleichtern.

Das Pilotprojekt wird unterstützt vom Bundesamt für Kultur (im Rahmen der Media-Ersatzmassnahmen), vom Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC, Frankreich), vom Ministero dei beni e delle attività culturali e del turismo (MiBACT, Italien) und von der deutschen Filmförderungsanstalt (FFA).

Das konkrete Ziel der Initiative besteht in der Förderung der gemeinsamen Stoffentwicklung und in der Förderung von Koproduktionen zwischen den beteiligten Ländern durch Projekte, die "natürliche Voraussetzungen für harmonische kreative und finanzielle Partnerschaften" in sich tragen.

AFD stellt Schlüsselakteuren der europäischen Filmindustrie, die an den Locarno Industry Days teilnehmen, jeweils fünf Projekte vor. Diese erhalten mehrheitlich bereits die Unterstützung der neu geschaffenen Fonds zwischen Frankreich und Italien sowie Italien und Deutschland. Die Lancierung des französisch-deutschen Fonds ist für dieses Jahr angekündigt.

Die fünf ausgewählten Projektteams (Regie/Produktion) werden ihre Projekte im Rahmen des maßgeschneiderten AFD-Programms vorstellen. Das Programm beinhaltet individuelle Treffen mit potenziellen Partnern (Koproduzenten, Geldgebern, internationalen Verkäufern oder Verleihern), die bereits im Vorfeld vereinbart werden. Zudem stehen allgemeine Networking-Aktivitäten für die Förderung weiterer Kontakte auf dem Programm.

Sonderveranstaltungen der Industry Days.
Die Industry Days präsentieren mit ihrer Carte Blanche, einer Initiative des Festival für Filme, welche sich in Postproduktion befinden, in jedem Jahr ein anderes Land oder Region. Diesmal stehen die südamerikanischen Länder Brasilien, Chile, Kolumbien und Mexico im Mittelpunkt neuer, vielversprechender Produktionen, die besonders herausgestellt werden. Außerdem fokussiert die fünfte Ausgabe der Carte Blanche sich dieses Jahr auf Israel.

Die Open Doors, der Koproduktions-Workshop des Festival del film Locarno, widmet sich dieses Jahr vier Ländern des Maghreb, und zwar Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien. 12 Regisseure und Produzenten wurden ausgewählt und eingeladen, in Locarno ihre Projekte potenziellen Partnern vorzustellen.

Weitere Ehrungen und Sonderpreise.
Mit dem »Vision Award - Nescens« ehrt das Festival auch dieses Jahr eine Persönlichkeit, die dank ihrer Intuition und ihrem Wissen Filmgeschichte geschrieben hat. Die Auszeichnung wird beim 68. Festival del film Locarno dem Filmeditor und Sound Designer Walter Murch verliehen – der Mann, der für seine Arbeit den Begriff “Sound Designer” erfand. Daneben wird die französische Schauspielerin Bulle Ogier mit dem »Pardo alla carriera« für ihre Karriere ausgezeichnet. Mit dieser Auszeichnung setzt das Festival – nach Anna Karina (2013) und Jean-Pierre Léaud (2014) – seinen Weg der Neuentdeckung der Erbschaft der Nouvelle Vague fort, von der die wichtigsten Vertreter nach Locarno eingeladen werden.

Überblick über die verschieden Sektionen.
• Piazza Grande: Auf der Piazza Grande – einem Open-Air-Kino, das jeden Abend bis zu 8000 Zuschauer fassen kann – werden 16 Langfilme und 3 Kurzfilme gezeigt.
• Concorso internazionale: 18 Langfilme, darunter 14 als Weltpremiere, wetteifern um den Pardo d'oro.
• Concorso Cineasti del presente: Dieser Wettbewerb steht im Zeichen der Entdeckung und umfasst 14 erste oder zweite Werke von Autor/innen.
• Signs of Life: Diese Sektion lotet die Grenzbereiche des Films aus – zwischen neuen narrativen Formen und innovativen Ausdrucksweisen.
• Fuori Concorso: Die Sektion ist den neuen Werken verdienter Filmschaffender von internationalem Renommee vorbehalten.
• Pardi di domani: Den Kurzfilmen und ihren Wettbewerben gewidmet.
• Histoire(s) du cinéma: Die Geschichte des Films, präsentiert von ihren Protagonist/innen.
• Die Retrospektive: Ehrung für Sam Pekinpah
• Open Doors: Einblick in das Filmschaffen des Maghreb, und zwar Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien.

Weitere Informationen unter: www.pardo.ch
Quellen: Blickpunkt:Film | Locarno | filmecho | 3sat

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