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Canal Plus ist an Kinowelt interessiert


Die Leipziger KINOWELT ist einer der größten DVD Anbieter Deutschlands und beschäftigt rund 160 Mitarbeiter. Mit Filmvorführungen an der Uni fing alles an. Der Kino-Freak Michael Kölmel wagte 1984 den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete den Kinowelt-Filmverleih. Anfangs wuchs das Unternehmen kräftig und ging 1998 als AG an den Neuen Markt.

Die scheinbar unbegrenzten Finanzierungsmöglichkeiten stiegen Kölmel zu Kopf. Er expandierte und ging auf Einkaufstour. Der Traum war ein eigener Fernsehkanal und die Übertragungsrechte für die Fußball Bundesliga. Hierzu stieg er sogar bei etlichen Fußballclubs selbst ein und ging damit auf direktem Konfrontationskurs zu Leo Kirch, der mit seinem damaligen PREMIERE Kanal ebenfalls an weiteren Sportrechten interessiert war.

Total verzockt hat sich Kölmel dann in seinem eigentlichen Kerngeschäft, dem Filmrechte-Handel. Er überbot die Konkurrenz von Kirch und Bertelsmann und ergatterte ein Filmpaket des US-Time Warner Konzerns für 250 Millionen Euro. Das schmeckte Kirch überhaupt nicht, so dass die Sender der KirchGruppe sowie auch RTL ihm die Filme nicht abnahmen. Damit befand er sich Unternehmen in der Sackgasse.

Dann zeichnete sich im Jahr 2001 ein Crash am Neuen Markt ab und wie viele andere Unternehmen gingen sowohl die Kinowelt als auch die KirchGruppe pleite. Kölmel wurde sogar zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, kam aber gegen Kaution bald wieder frei. Die Aktie notierte mittlerweile im Cent-Bereich. Besonders bemerkenswert an diesem Fall ist, dass Kölmel für das Kerngeschäft von Kinowelt erneut 32 Millionen Euro bot. Er hatte sich von dem ursprünglich 600 Millonen schweren Unternehmen 50 Millionen zurücklegen können und bekam den Zuschlag. Das neue Insolvenzrecht macht es möglich.

Inzwischen ist der Umsatz von KINOWELT wieder auf 107 Millionen Euro gestiegen und der Gewinn liegt mittlerweile bei ca. 5 Millionen Euro schreibt der "Tagesspiegel". Das Unternehmen ist allerdings nicht mehr an der Börse notiert, so dass der Eigentümer Michael Kölmel ganz frei über einen Verkauf an den französischen Bezahlsender CANAL Plus entscheiden kann, meldete am Wochenende das "Handelsblatt". Hinzu kommt noch die Buchhandelskette ZWEITAUSENDEINS, für die sich der Fernsehsender allerdings kaum interessieren wird. Eine Entscheidung zum Verkauf soll noch vor Weihnachten fallen. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten KINOWELT-Filmen der jüngsten Zeit gehört der Streifen "Deutschland ein Sommermärchen", der die Höhen und Tiefen der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft auf Schritt und Tritt begleitet.

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Ähnlich spannend wie die Geschichte der KINOWELT entwickelt sich offenbar auch die Story des Kirch-Clans. Wir berichteten bereits am 9. Oktober im BAF-BLOG über die Rückkehr des 81 Jährigen Filmmoguls in die Mediengeschäfte. Mit Hilfe von Ehefrau Ruth und Rechtsanwalt Hans Erl konnte sich sein Manager und "Ziehsohn" Dieter Hahn ein 9300 Quadratmeter großes Filetgrundstück direkt vis-à-vis vom Axel Springer Hochhaus sichern. Der Verkehrswert der Baufläche in Berlin Mitte wird auf 15 Millionen Euro taxiert. Sollte hier tatsächlich, ganz in der Nähe vom Intimfeind Springer, die neue Zentrale für den Handel mit Fernsehrechten der Fußballbundesliga entstehen, wären zusätzlich noch mindestens 50 Millonen Euro für den Bau eines bereits genehmigten Geschäftshauses zu investieren, schrieb der "Tagesspiegel" in einem Artikel am Sonntag. Die komplex verschachtelten Beteiligungsstrukturen des Kirch Netzwerkes könnten aber auch den Bau dieses Gebäudes mit bis zu 27000 Quadratmetern Nutzfläche ermöglichen, sofern die Banken nicht wieder abspringen und eine weitere Bürgschaft übernehmen. Schon einmal, nämlich im Jahre 2002, hatte eine zu hohe Kreditaufnahme der KirchGruppe u.a. für die Übernahme von Springer, zu einer Insolvenz geführt, deren Streit bis heute anhält. Kirch gibt aber wohl nicht auf und will seinen Wunsch, Springer ganz nah zu sein, sich noch zu Lebzeiten erfüllen.


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