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Vergabe des Europäischen Filmpreises an "GOMORRA"


Zum 21. Mal wurde am Samstag, 06.12.08, der Europäische Filmpreis von der 1.800 Mitglieder zählenden Europäischen Filmakademie vergeben. Nur alle zwei Jahre soll die Ehrung in Berlin stattfinden. Diesmal war Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen an der Reihe.


Italien galt als Favorit und tatsächlich wurde "GOMORRA" als bester europäischer Film 2008 ausgezeichnet. In dem Film von Matteo Garrone geht es um die organisierte Kriminalität in Neapel. Insgesamt gewann der Streifen in Kopenhagen fünf von 15 Preisen. Die sechs Autoren der Filmversion des Mafia-Enthüllungsromanes "Gomorrha" von Roberto Saviano erhielten u.a. den Preis für das beste Drehbuch. Der aus Neapel stammende Autor lieferte ergreifende Hintergründe über das Camorra Wirtschaftssystem der Mafiosi.

Der Europäischer Publikumspreis ging an die Harry-Potter-Verfilmung "ORDEN DES PHÖNIX". Der Streifen von Regisseur David Yates war die fünfte Verfilmung der Romane von Joanne K. Rowling.

Dänemarks Favorit waren "DIE TAGE DES ZORNS" von Ole Christian Madsen mit Mads Mikkelsen und Thure Lindhardt, die als kaltblütige Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzungsmacht 1944 in Kopenhagen von der Gestapo gejagt werden. Der Film fand jedoch weder bei der Jury noch bei deutschen Kritikern großen Anklang.

ARTE sendet die Aufzeichnung der Filmgala diesmal erst zwei Tage später am Montag, den 8. Dezember 2008 (ab 22.50 Uhr) innerhalb eines Themenabends unter dem Titel 'Europas Sterne strahlen'. Dadurch können wir aber rechtzeitig auf den dann nicht mehr ganz taufrischen Event im Fernsehen ausführlich hinweisen. Nicht weniger als 44 Filme wurden von der Akademie vornominiert, darunter auch Doris Dörries 'Kirschblüten - Hanami', der von den deutschen Akademiemitgliedern benannt wurde. Der Preis wurde im Forum Kopenhagen in Anwesenheit von Mitgliedern der dänischen Königsfamilie vergeben. ARTE dokumentiert die Verleihung und zeigt zuvor John Maddens Kostümfilm 'Ihre Majestät, Mrs. Brown' aus dem Jahr 1997 (um 21.00 Uhr) mit der britische Schauspielerin Judy Dench in der Hauptrolle, die eine spät verliebte Queen Victoria spielt. Grund der Austrahlung ist die Vergabe des Europäischen Filmpreises an Judy Dench für ihr Lebenswerk. Außerdem wurden die Dogma-Filmemacher Lars von Trier und Thomas Vinterberg für ihren Beitrag zum Weltkino geehrt und ebenfalls auf Arte vorgestellt.

Nachdem der Europäische Filmpreis (European Film Award) dieses Jahr in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen vergeben wurde, wäre nächstes Jahr turnusgemäß, eigentlich wieder Berlin an der Reihe. Doch 2009 wird der Filmpreis in Essen vergeben, um einen ersten kulturellen Höhepunkt vor der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres 2010 im Ruhrgebiet zu setzen. Ein Jahr später macht sich Potsdam bereits Hoffnungen und hat dafür extra die neue Veranstaltungshalle, die neue Marlene-Dietrich-Halle auf dem Babelsberger Gelände voll fernsehtauglich ausgerüstet.

Wir wollen ein paar weitere beeindruckende, nominierte Filme ausführlicher nennen und diverse Kritiken hier dazu zitieren.

Der Hauptpreis ging an Italien:
GOMORRHA / Italien
Festival Cannes / Gomorra Regie: Matteo Garrone
"Die Reise in das Reich der Camorra ist ganz unspektakulär gefilmt, in einem pseudodokumentarischen, veristischen Stil, was jene Glaubwürdigkeit noch erhöht, die der Film bereits durch seine Buchvorlage, die Drehorte und Mitwirkenden gewinnt. Darüber hinaus aber ist GOMORRHA auch eine zornige Klage über die unfassbare Verschwendung von Leben, denn Jugendliche bilden so etwas wie das Zentrum dieses in seinem Figuren- und Episodenreichtum totalen, aber nicht zwanghaft um Geschlossenheit bemühten Films."

WALTZ WITH BASIR / Frankreich / Israel / Deutschland 2008
Festival Cannes / Regie: Ari Folman / waltzwithbashir.com
Europäischer Filmpreis / Bester Komponist 2008 Max Richter / Waltz with Bashir

Eines Nachts in einer Bar erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari Folman von seinem Alptraum. Ein Alptraum, in welchem er von 26 dämonischen Hunden gejagt wird. Die beiden kommen zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zu ihrem Einsatz im ersten Libanon-Krieg Anfang der 1980er Jahre bestehen muss. Ari ist verblüfft, dass er jegliche Erinnerung an das damals Geschehene verloren hat. Er beschließt, alte Freunde und Kameraden aufzusuchen und mit ihrer Hilfe diese Lücke in seinem Gedächtnis wieder zu füllen. Je tiefer er sich mit den Erinnerungen der anderen auseinandersetzt, desto klarer werden seine Gedanken und die Vergangenheit erscheint in surrealen Bildern ...
"Mit dem Zeichenstift nachezeichnete Gesichter machen die grausamen Erinnerungen an den Krieg bedrückender als es jeder konventionell erstellte Spielfilm je vermocht hätte. Hier wurde kein konventionell hergestellter Spielfilm nachträglich per Software digitalisiert und verfremdet, keine Comic-Autobiografie animiert - der Regisseur ließ authentische Aufnahmen von Interviews und Gesprächen, Traumsequenzen und Rückblenden - Realität wie Fiktion - Einzelbild für Einzelbild in kräftigen, kantigen Strichen und gedeckten Farben nachzeichnen. Ein Stilmittel, das zugleich distanziert und intensiviert - und aus WALTZ WITH BASHIR einen sehr persönlichen Kriegsfilm macht, der tief unter die Haut geht."

"Der Film wird zum Essay über das Wesen der Erinnerung, die nach seiner Ansicht weit künstlicher ist, als man es glauben möchte: Der Mensch füllt die Löcher seiner Erinnerung mit ausgedachten Erinnerungen. Die Animation auf Grundlage von Bildern des israelischen Kinderbuchautors David Polonsky ebnet diese Unterschiede ein, und schafft eine eigene Ebene. Bestechend schlüssig tritt hier popkulturelle Ästhetik in den Dienst der Aufklärung."
Nominiert aber nicht ausgezeichnet wurden:

DAS WAISENHAUS / Spanien / Mexiko 2007
Festivals Cannes und Toronto / Das Waisenhaus Regie: Juan Antonio Bayona
Laura kehrt mit ihrem 8-jährigen Sohn Simon an den Ort zurück, an dem sie aufgewachsen ist: ein verlassenes Waisenhaus, das sie nun wieder zum Leben erwecken will. Aber es wird ihr unheimlich, als ihr Sohn von unsichtbaren Freunden erzählt, die er gar nicht kennen dürfte: Ihren alten Waisenhausfreunden! Als Simon plötzlich spurlos verschwindet und nicht wieder auftaucht, macht Laura diese Geister dafür verantwortlich und begibt sich auf die Spur dreier schrecklicher Tragödien: Zwei vergangener und bei der Überwindung des Bedrohlichen kommt die Hauptfigur zum Geheimnis ihrer selbst.

HAPPY-GO-LUCKY / England 2007
Berlinale Festival / Happy-go-lucky Regie: Mike Leigh
Poppy ist unmöglich. "Und doch vollzieht sich im Laufe von HAPPY-GO-LUCKY ein kleines Wunder: Weil uns diese Nervensäge ans Herz wächst. Denn dieser chaotische Luftikus erweist sich nicht als lebensunfähiger Dauersozialamtsfall, sondern als einfühlsame und engagierte Grundschullehrerin, der man seine lieben Kleinen durchaus anvertrauen würde. Und: Am komischsten wird es immer dann, wenn sie selbst zur Schülerin wird, in der Fahrschule etwa, oder beim Flamenco-Tanz. Nun würde in den meisten Filmen ein so grundoptimistisches Wesen diverse Schicksalsschläge in die Verzweiflung stürzen. Nicht so in diesem Film."

DIE KLASSE / Frankreich
Festival Cannes / Entre les murs Regie: Laurent Cantet
"Dem Schauspieler François Bégaudeau in der Hauptrolle und vielen Laien in den Nebenrollen gelingt es, den Zuschauer mitten hineinzuziehen in den kargen Klassenraum, in dem gut 80 Prozent aller Szenen spielen. Wir teilen die Lust und die Last an der Sprache, wir wechseln zwischen dem Lehrer und seinen Schülern ständig die Seiten. Nie passiert in ENTRE LES MURS etwas Spektakuläres, nie wirkt der Film falsch oder überzogen – und doch ist er ungemein amüsant und tief bewegend."

Aus Deutschland war Andreas Dresen für "WOLKE 9" als bester Europäischer Regisseur 2008 nominiert gewesen. Um den Titel des besten Schauspielers konkurrierte auch Jürgen Vogel ("DIE WELLE") und Elmar Wepper ("KIRSCHBLÜTEN - HANAMI"). Dresens Hauptdarstellerin aus "WOLKE 9", Ursula Werner, bewarb sich um den Preis als beste Schauspielerin.

Im vergangenen Jahr hatte der Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu gewonnen. Zuvor war der Preis für den besten europäischen Film mehrfach an eine deutsche Produktion gegangen: 2006 gewann "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck, 2004 Fatih Akins "Gegen die Wand" und 2003 "Good Bye, Lenin!" von Wolfgang Becker.

Zur Homepage der European Film Academy

In der erweiterten Ansicht finden Sie die Liste aller Gewinner:


Hier die Liste der Gewinner:


Europäischer Film 2008
"Gomorrah"

Europäischer Regisseur
Matteo Garrone für "Gomorrah"

Europäischer Schauspieler 2008
Toni Servillo in "Gomorrah" & "Il Divo"

Europäische Schauspielerin 2008
Kristin Scott Thomas in "Il y a longtemps que je t'aime"

Europäischer Drehbuchautor 2008
Maurizio Braucci, Ugo Chiti, Gianni di Gregorio, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso & Roberto Saviano für "Gomorrah"

Carlo Di Palma European Cinematographer Award 2008
Marco Onorato für "Gomorrah"

European Film Academy Prix D'Excellence 2008
Magdalena Biedrzycka für Kostüm-Gestaltung in "Katyn"

Europäischer Komponist 2008
Max Richter für "Waltz with Bashir"

European Discovery 2008
"Hunger"

European Film Academy Critics' Award 2008 - Prix Fipresci
Abdellatif Kechiche
für "Couscous mit Fisch"

European Film Academy Documentary 2008 - Pix Arte
"René" von Helena Trestikova

European Film Academy Short Film 2008 - Prix Uip
"Frankie" von Darren Thornton

Award Für Das Lebenswerk
Dame Judi Dench

Europäischer Beitrag Zum Weltkino
Søren Kragh-Jacobsen, Kristian Levring, Lars von Trier & Thomas Vinterberg

People'S Choice Award 2008
"Harry Potter und der Orden des Phönix"
Quelle: Firstnews.de



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