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EILMELDUNG: Schlingensief heute in Berlin verstorben

Regisseur Christoph Schlingensief ist tot



Christoph Maria Schlingensief (* 24. Oktober 1960 in Oberhausen; † 21. August 2010 in Berlin) war ein deutscher Film-, Theater- und Opernregisseur, (Hörspiel)-Autor, Aktionskünstler und Talkmaster. Er erlag heute seinem Krebsleiden.



Einer seiner letzten Fernsehauftritte hier auf YouTube: Das Video wurde aufgenommen am 12. September 2009 bei bei 3 nach 9 von Radio Bremen.

Anfang der 80er Jahre arbeitet Schlingensief als Assistent des Experimentalfilmers Prof. Werner Nekes und dreht erste eigene Kurzfilme. Der Oberhausener Filmemacher wird allerdings erst mit der zwischen 1989 und 1992 entstehenden DEUTSCHLANDTRILOGIE, die sich aus den Filmen 100 JAHRE ADOLF HITLER - DIE LETZTEN STUNDEN IM FÜHRERBUNKER, DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER und TERROR 2000 - INTENSIVSTATION DEUTSCHLAND zusammensetzt, einer größeren Öffentlichkeit bekannt.

An der Berliner Volksbühne Am Rosa-Luxemburg-Platz debütiert Schlingensief 1993 mit 100 JAHRE CDU - SPIEL OHNE GRENZEN als Theaterregisseur unter der Gesamtleitung von Frank Castorf. Seitdem hat sich Schlingensief hauptsächlich dem Theater verschrieben. Bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen 2004 inszeniert Schlingensief den PARSIFAL, damit zugleich seine erste Oper.

Doch er bleibt rastlos und widmet sich den neuen Medien mit einer Multimediainstallation 2007 in München. Schlingensiefs Installation 18 BILDER PRO SEKUNDE im Haus der Kunst greift wesentliche Motive dieser Arbeit sowie Teile des namibischen Animatographen auf. Unterhalb einer überdimensionalen Abendmahlsszene zeigen 12 Projektoren 16-mm-Aufnahmen, die Schlingensief ursprünglich für den HOLLÄNDER gedreht hat, und nutzen das Filmmaterial im Laufe der Ausstellungsdauer willentlich ab. Durch ein Mittelschiff gelangt man zu einer Monitorwand, auf der die Einzelteile des TWIN-TOWERS-Film zu sehen sind.

Bei der Berlinale 2009 saß Christoph Schlingensief in der Jury der Internationalen Filmfestspiele. Doch seine Liebe galt weiterhin der Oper, womit sich gewisse Parallelen zum im April ebenfalls an Krebs verstorbenen Regisseur Werner Schroeter auftun. Mitten in Afrika, in dem Sahel-Land Burkina Faso, das zu den sechs ärmsten Länder der Welt gehört, wollte Schlingensief mit einer Oper sein Verständnis von Kultur der armen Bevölkerung nahebringen. Dazu sollte ein ganzes Theaterdorf aus Holzhütten errichtet werden. Die Einheimischen sollten selbst anpacken und Teil des Projektes werden. Geplant waren eine Schule für bis zu 500 Kinder und Jugendliche mit Musik- und Filmklassen, ein Theater mit Probenräumen, ein Gästehaus, Werkstätten, eine Krankenstation, Brunnen und Solaranlagen. (Einzelheiten schrieben wir im BAF-Blog am 13. Mai 2010.)

Im nächsten Jahr sollte Christoph Schlingensief zur 68. Biennale di Venezia den deutschen Pavillon mit seiner radikalen künstlerischen Art ausgestalten. Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen.


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Kommentare

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sap am :

Und wieder hat ein Grosser dieses Landes den Kampf gegen den Krebs verloren. Auf jeden Fall wird das Werk und das Wirken von Schlingensief noch weit über seinen Tot hinaus wirken. Schlingensief, der ja Autodidakt war, zeigt uns auch, wie weit man es bringen kann, wenn man sich selbst motiviert. Wir werden noch lange an ihn denken.

Siegfried Anton Paul

Aglaia am :

Ich habe ihn gehasst, wenn man das so sagen darf. Er hat in meinen Augen den Grünen Hügel entweiht. Ein Zombiezüchter der modernen Gesellschaft ... wie schon ein Vorredner hier sagte. Jetzt tut es mir jedoch fast ein bißchen leid, daß er so sang- und klanglos eingegangen ist. War das jetzt Wolfgang Wagners späte Rache? Also irgendwie hat die Krankheit den Schlingensief sehr gebeutelt.

Da ist eine Menge passiert in den letzten beiden Jahren in Bayreuth. Zuerst stirbt Gudrun Wagner, dann Katharinas Freund mit Herzinfarkt im Auto und nun der Schlingensief selbst. Inszenieren die drei den Parsifal nun in Walhalla? Hört Odin ihnen persönlich dabei zu? Obwohl ich kaum glaube, daß Schlingensief jemals dort landen könnte. Er war ja menschlich sehr sympathisch, wenn man sich mal mit ihm unterhalten hat. Wie er jedoch die Meisterwerke Wagners optisch verhunzte, bleibt unverzeihlich.

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