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24. FilmFestival Cottbus 2014 mit vielen Premieren

Festival des Osteuropäischen Films mit 10 Weltpremieren!



Nur knapp einen Monat vor Beginn des 24. FilmFestival Cottbus, das vom 4. bis zum 9. November 2014 stattfindet, gab die Festivaldirektion bekannt, sich von ihrem langjährigen künstlerischen Leiter stante pede zu trennen. Seit 1992 arbeitete Roland Rust an der Entwicklung des Festivals des osteuropäischen Films. Ab 1996 fungierte er als künstlerischer Leiter, 2003 wurde er zudem auch Direktor des Festivals. Nun wird er sich anderen Aufgaben zuwenden, heißt es bei der Geschäftsführung, die ihm für seine großen Verdienste bei der Entwicklung und Gestaltung des filmischen Programms dankt.

Roland Rust litt in den letzten Jahren zwar immer wieder an starken Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls, doch so ein unrühmlichen Abgang noch vor dem Start des Festivals hat er wahrlich nicht verdient. Vielmehr können Spannungen im Team auch Auslöser der Krankheit gewesen sein und die Heilungschancen verzögern.

Dass das 24. FilmFestival Cottbus - Festival des Osteuropäischen Films dennoch mit 10 (zehn!) Weltpremieren und zahlreichen Internationalen Premieren aufwartet ist sicherlich auch seinem Stellvertreter, dem Programmdirektor Bernd Buder zu verdanken, der redlich bemüht war gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Ein neuer künstlerischer Leiter wird dennoch gesucht, sodass sich Buder trotz aller Anstrengungen kaum große Hoffnungen machen kann, den Job auf Dauer zu behalten.

Liebevoller als bei der Hack(Rang)ordnung des Festivals geht es beim Trailer 2014 zu, den wir hier eingebunden haben.



Weltpremieren
• JAGODE | ERDBEEREN | STRAWBERRIES
Jelena Milosević | Montenegro 2013 | Kurzspielfilm | 23 Min.

• ODNAZHDY V UKRAINE | ES WAR EINMAL IN DER UKRAINE | ONCE UPON A TIME IN UKRAINE
Igor Parfenov | Ukraine 2014 | 100 Min.

• DIE OSTDEUTSCHEN | THE EAST GERMANS
Regiekollektiv unter Leitung von Lutz Pehnert | Deutschland 2014 | 90 Min.
- DIE KOMMUNISTIN | THE COMMUNIST (Lutz Pehnert)
- DIE STADT DER RINGER | THE CITY OF WRESTLERS (Carsten Fiebeler)

• SOPHIA UND DER WOLF
Felix Harmuth | Deutschland 2014 | 19 Min.

• ENDLICH KOREA | KOREA
Franziska Pflaum | Deutschland 2014 | 16 Min.

• SECHSE KOMMEN DURCH DIE GANZE WELT | HOW SIX MEN GOT ON IN THE WORLD
Uwe Janson | Deutschland 2014 | 59 Min.

• IM APRIL
Chris Miera | Deutschland 2014 | 6 Min.

• EIN PAAR, MOMENTE | A COUPLE, MOMENTS
Chris Miera | Deutschland 2014 | 16 Min.

• ISCELJENJE | DIE HEILUNG | THE HEALING
Ivan Jović | Serbien 2014 | 88 Min.

Internationale Premieren
• DEDA, MAMA, ME GAY VAR | MOM, DAD, I’M GAY
Liana Jaqeli | Georgien 2013 | Dokumentarfilm | 49 Min.

• COMING OUT
Dénes Orosz | Ungarn 2013 | 96 Min.

• MARIA STOCK
Jan Březina | Tschechien 2013 | 50 Min.

• ODBORNÝ DOHLED NAD VÝCHODEM SLUNCE | SUNRISE SUPERVISING
Pavel Göbl | Tschechien 2014 | 65 Min.

• MOCNA KAWA WCALE NIE JEST TAKA ZŁA | STARKER KAFFEE | STRONG COFFEE ISN’T SO BAD
Aleksander Pietrzak | Polen 2014 | 49 Min.

• ZASADY GRY | DIE REGELN DES SPIELS | THE RULES OF THE GAME
Wojciech Jagiełło | Polen 2013 | 33 Min.

Wer genau hinguckt, stellt zwar fest, dass nicht alle Premieren Langfilme sind, doch das schmälert kaum das Interesse und die Bedeutung an diesem Festival in unserer Region Berlin-Brandenburg. Mit dem Aufgebot können nicht einmal die renommierten und viel älteren 56. Nordischen Filmtage in Lübeck mithalten, die eine Woche zuvor gestartet sind und keine einzige Weltpremiere vorweisen können.

Wie wir bereits in unserem Artikel zu Lübeck am 27. Oktober 2014 schrieben, wünschten wir uns sogar eine stärkere Überschneidung des Programmangebots der beiden Festivals, die in Teilen - z.B. mit dem Baltikum - die gleiche Programmziele Richtung Osteuropa setzen, aber statt einer engen Zusammenarbeit miteinander konkurrieren. Andere Festivals kooperieren statt dessen miteinander und tauschen ihre Filme aus, sodass die Zuschauer auch in einer anderen Region die Highlights des jeweiligen anderen Festivals zu sehen bekommen. Das macht durchaus Sinn und reduziert den Aufwand eines Festivals an Vorführrechten, denn viele Werke sind schwer zu beschaffen und können auch meist nach Ende der Festivals ohne Verleih nie wieder in Deutschland gezeigt werden.

Der Spielfilmwettbewerb des 24. FilmFestival Cottbus bietet Vielfalt in Thema und Stil. Zwölf Spielfilme aus insgesamt 17 Produktionsländern - alles deutsche Premieren - konkurrieren um den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis und die gläserne Preisskulptur Lubina. Im Wettbewerb Kurzspielfilm schafften es in diesem Jahr neun Beiträge aus sieben Ländern in die finale Auswahl.

Ob Genre- oder Arthausfilm, Autoren- oder Actionkino: der Wettbewerb Spielfilm bietet ein vielfältiges Spektrum, das Lust aufs Zuschauen und Diskutieren macht. Zum Beispiel von einem jungen Mann auf Rachefeldzug in Warschau, einem alten ungarischen Mietshaus und dessen skurrilen Bewohnern bis zu der Reise zweier halbwüchsiger Geschwister durch die kirgisische Steppe.

Auch die beiden polnischen Beiträge verdeutlichen die Bandbreite des Wettbewerbs: von der Großproduktion "WARSCHAU 44" (Polen 2014, R: Jan Komasa) - ein jugendlich-zeitgemäßes und spannungsgeladenes Bild des Warschauer Aufstandes, der inzwischen weit über eine Million Zuschauer in die polnischen Kinos lockte, bis zu genauso hochaktuellen und brisanten Independentfilmen wie Krzysztof Skoniecznys Erstlingswerk "HARDKOR DISKO" (Polen 2014).

Filme wie "DIE MAISINSEL" (Georgien, Deutschland, Frankreich, Tschechische Republik, Kasachstan 2014), "TEST" (Russland 2014) und "DIE EIGENTÜMER" (Kasachstan 2014) zeigen das Festhalten an physischen Orten als sinnstiftendes Element für Gesellschaften im Umbruch, stellen das eigene Überleben, die Familie, oder was davon noch übrig ist, in den Vordergrund.

Mit der österreichisch-slowenischen Koproduktion "DIE WÄLDER SIND NOCH GRÜN" (2014) steht erstmals seit langer Zeit wieder ein deutschsprachiger Film im Wettbewerb: der aktuelle Spielfilm des Slowenen Marko Nabersnik zeigt zwei Soldaten der K & K-Truppen, die im Ersten Weltkrieg in 2200 Metern Höhe einen sinnlosen Kampf führen und sogar im Angesicht des Todes noch an den kaiserlichen Hierarchien festhalten - ein Kammerspiel in offener Landschaft, das das Kriegsthema zu einem zwischenmenschlichen Psychogramm verdichtet - und unserer Meinung nach auf längere Sicht die Sinnlosigkeit der augenblicklichen Stellungskriege (egal ob in der Ost-Ukraine oder in Syrien um die kurdischen Gebiete) wieder einmal deutlich vor Augen führt. Hier der Trailer:



Die 24. Ausgabe des FilmFestival Cottbus wird am 4. November 2014 im Großen Haus des Staatstheater Cottbus mit der Premiere der deutschen Fassung von Kornél Mundruczó "UNDERDOG" (Ungarn, Deutschland, Schweden 2014) eröffnet. Der diesjährigen »Fokus« des Festivals des Osteuropäischen Films steht unter der Überschrift „queerEAST“ ganz im Zeichen lesbisch-schwuler Lebenswirklichkeiten.

Übrigens steht eine Wiederholung oder nochmalige Aufführung der Preisträger und weiterer ausgesuchter Werke in Berlin diesmal nicht zur Debatte, sodass man sich bemühen sollte in Cottbus ein Quartier zu suchen, um die Weltpremieren sehen zu können. Es lohnt sich!

24. FilmFestival Cottbus
Festival des osteuropäischen Films
04.- 09.11.2014
Link: www.filmfestivalcottbus.de

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