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Die Preisträger von Cottbus, Duisburg & Lübeck 2010

Drei bedeutende Filmfestspiele verliehen am Samstag ihre Preise.



Das 20. FilmFestival Cottbus 2010

Das 20. FilmFestival Cottbus war dieses Jahr eine Woche vorgezogen worden, um nicht wieder direkt mit dem 59. Internationalen Filmfest Mannheim-Heidelberg zu konkurrieren. Dafür kollidierte nun der Termin mit den 52. Nordischen Filmtagen in Lübeck und der 34. Duisburger Filmwoche, deren Preisverleihungen ebenfalls am Samstagabend, den 6. November 2010 über die Bühne gingen. Leider kann man es mit den Terminen nicht allen recht machen, denn im Monat November finden Filmfestspiele in Berlin, Biberach, Braunschweig, Cottbus, Duisburg, Leipzig-Halle, Lübeck, Lünen, Mannheim-Heidelberg, Kassel, Köln, Mainz, München, Tübingen sowie in Wiesbaden statt und nur die Bedeutendsten können wir berücksichtigen. Festspiele aus unserer Region Berlin-Brandenburg genießen dabei Heimvorteil in der Berichterstattung, zumal das Cottbuser Festival in diesem Jahr mindestens drei Oscar-Kandidaten aufbieten konnte.

Die 8. Cottbuser FilmSchau endete mit Besucherrekord.

Einen Tag vor dem offiziellen Ende des 20. FilmFestivals Cottbus wurde am Samstagabend, den 6. November die Preisverleihung in der Stadthalle Cottbus mit großer Spannung erwartet. Genau an diesem Ort zeichnete sich auch kurz vor dem internationalen Rennen um die "LUBINA" bei der FilmSchau der Amateurfilmer aus der Region Berlin-Brandenburg ein Besucherrekord ab - nicht zuletzt aufgrund der erstklassigen Auswahl an 15 Kurzfilmbeiträgen, die unter dem Motto „Im Osten viel Neues“ veranstaltet worden waren. Insgesamt erwartet man in den sieben Festivaltagen ca. 20.000 Besucher.

Preise der 8. Cottbuser FilmSchau

Der international besetzten Jury, zu der der polnische Videokünstler Sylwester Łuczak (Warschau), Produzent und Regisseur Jan Gabbert (Potsdam) sowie Regisseur und Kameramann Donald Saischowa (Cottbus) gehörte, fiel eine Entscheidung bei der 8. Cottbuser FilmSchau sichtlich schwer.

Der "Cottbuser Film- und Medienpreis",
gestiftet vom Verbund der Cottbuser Kabelnetzbetreiber cable+ und dotiert mit 1.500 Euro ging zu gleichen Teilen an die Filme »PAMPELMUSE IST NICHT GLEICH GRAPEFRUIT« von Enrico Adler und »NATASCHA« von Anja Stelets. Während der erste Kurzfilm die Geschichte von einem mobilen Toilettenhäuschen erzählt, das auf dem Feld abgestellt wird und in einer harmlos wirkenden Umgebung Überraschungen erlebt, steht in NATASCHA ein 8-jähriges Mädchen im Mittelpunkt, das in einer der verlassensten Gegenden Russlands lebt.

Den "Preis für beste technische Umsetzung",
gestiftet von eyesky Service-Pool GmbH und dotiert mit 500 Euro sowie der Publikumspreis ebenfalls im Wert von 500 Euro, erhielt Clemens Schiesko mit seinem Film »NUR EIN KURZER AUGENBLICK«, einer Zufallsbegegnung eines Witwers und eines jungen Mädchens vor dem Supermarkt. Der Förderpreis für einen talentierten Filmemacher im Wert von 1.200 Euro und gestiftet von eyesky Servicepool GmbH wurde an Florian Herold für seinen Film »EIN VERGNÜGUNGSPARK FÜR FRED UND WOMBAT« verliehen. Der halb animierte, halb reale Film spielt mit den Grenzen zwischen Realität und Fantasie bei dem jungen Jack, der hohes Fieber hat.

Viel Neues beim 20. FilmFestival Cottbus

Alles neu machte der zwanzigste Geburtstag des FilmFestival Cottbus im Bereich des Jugendfilmprogramms. Unter dem Motto U18 lief in diesem Jahr erstmals ein deutsch-polnischer Jugendfilmwettbewerb, der starke grenzüberschreitende Produktionen u.a. im Obenkino des Jugendzentrums Glad-House für Zuschauer im Alter von 12 bis 18 Jahren vorstellte.

Wir haben hier einen YouTube Ausschnitt aus dem serbischen Wettbewerbsfilm »Tilva Ros« von Nikola Leaic eingefügt. Der junge Schauspieler Stefan Dordjević wurde in dem Film für den Preis herausragender Darsteller nominiert. Außerdem war der Film Hauptpreis Gewinner des Sarajevo Film Festivals im Juli 2010. In Cottbus bekam das erfrischende Portrait einer jugendlichen Skateboard-Gang in der serbischen Minenstadt Bor, den IFG Inspiration Award.



Auch für die erwachsenen Besucher und internationalen Gäste war einiges ungewohnt. Der Weltspiegel, Deutschlands ältester historischer Kinozweckbau in der Altstadt von Cottbus, wurde renoviert und stand dem Festival nicht zur Verfügung. Als Ausweichquartier wurden gleich drei Säle im neuen UCI-Kino-Center nahe der Autobahn Berlin-Cottbus angemietet und durch einen Shuttle-Service mit der Stadthalle verbunden. Das fünf Kilometer entfernte Kino-Center wäre nämlich zu Fuß nicht erreichbar gewesen. Dagegen wurde die Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus im Zentrum der Stadt mit dem Fokus globalEAST und anderen Specials wieder erfolgreich zum Kino umgewidmet und zeigt auch am Sonntag noch das volle Programm CROSSING THE EAST I-V.

Preisträger des 20. FilmFestival Cottbus 2010

Mit der Ehren-Lubina des Filmfestivals Cottbus ist Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ausgezeichnet worden. Der Schirmherr des Osteuropa-Filmfestes erhielt die Glasfigur, die auch als Hauptpreis vergeben wird, für seine Verdienste um das Festival.

Hauptpreis für den besten Spielfilm
Die LUBINA gewann der serbische Spielfilm »THE WHITE WHITE WORLD« von Regisseur Oleg Novkovic und Produzenten Uliks Fehmiu. Mit der Wucht einer griechischen Tragödie, in der sich die Protagonisten ihre Verzweifelung schon mal mit einem herzzerreißenden Lied von der Seele singen, ist der Film am Rande der einst größten Kupfermine Europas in der serbischen Stadt Bor eindrucksvoll und stilsicher in Szene gesetzt. Später erst erfahren die beiden sich liebenden Protagonisten, dass das jugendlich-hübsche Mädchen die Tochter des älteren Liebhaber ist. Ihre Mutter hatte das während einer jahrelangen Gefängnisstrafe verschwiegen. Der Film entstand in Koproduktion mit Deutschland und Schweden. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass der Film mit einer besonders mutigen und einmaligen filmischen Sprache überzeugt, die das tägliche Leid der Außenseiter durch eine kraftvolle ästhetische Erfahrung nachvollziehbar macht. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wurde von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF) gestiftet.

Hauptpreis für den besten Kurzspielfilm
Im Kurzspielfilm-Wettbewerb vergab die Jury den Hauptpreis an den russischen Film »MEER DER WÜNSCHE« des Moskauer Regisseurs Shota Gamisonia.

Regie Preis
Der mit 7.500 Euro dotierte Hauptpreis für die beste Regie ging an die ungarische Regisseurin Agnes Kocsis für ihren Film »ADRIENN PÁL«. Die Koproduktion aus Ungarn, Niederlande, Österreich und Frankreich erhielt außerdem den Preis der Preis Ökumenischen Jury. Im Stil von Tschechow, Beckett, Fellini und Tati erzählt der Film die Sehnsucht zweier Freunde nach dem Meer.

Beste(r) Darsteller(in)
Als herausragende Darstellerin wurde Eva Gabor aus Ungarn in dem Film 'ADRIENN PÁL' geehrt. Den Preis des besten Darstellers erhielt der estnische Schauspieler Taavi Eelmaa für seine Leistung in 'PÜHA TÕNU KIUSAMINE' (DIE VERSUCHUNG DES HL. TONY). Beide Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Publikumspreis
»SVET-AKE« (DER DIEB DES LICHTS) Die kirgisische Koproduktion des Regisseurs Aktan Arym Kubat handelt von einem Elektriker mit großem Herz und vielen Träumen.

Preis für den besten Jugendfilm
»WZSYSTKO CO KOCHAM« (ALLES WAS ICH LIEBE). Die polnische Oscar-Hoffnung des Regisseurs Jacek Borcuch erzählt von einer Punkband Anfang der 80er Jahre, vermischt dabei Punkrock mit erster Liebe zu Zeiten der Solidarnosc kurz vor dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes.

FIPRESCI-Preis
Mit insgesamt drei Preisen war der russische Beitrag »EIN ANDERER HIMMEL« von Dmitry Mamulija der Jury-Favorit des Abends. Das intensive Drama von einem Schafhirten und seinem Sohn, das ohne Dialog auskommt, erhielt eine lobende Erwähnung der Internationalen Festivaljury, den Preis für den besten Debütfilm sowie den FIPRESCI-Preis.

DIALOG-Preis
Den DIALOG-Preis bekam das ungewöhnliche, ungarische Roadmovie »VESPA« von Diana Groó.

Förderpreis der DEFA-Stiftung
Die DEFA-Stiftung vergab ihren Förderpreis an die israelische Regisseurin Yael Reuveney für ihren Dokumentarfilm »ERZÄHLUNGEN VOM VERLORENEN«. Die Absolventin der Sam Spiegel Film & TV School begibt sich in der deutsch-israelischen Koproduktion auf Spurensuche in der eigenen Familie und nach einem Onkel, der als Holocaustüberlebender in Deutschland blieb. Der Film erhielt auch den ökumenischen Discovery Award.

Link: www.filmfestivalcottbus.de

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Die 52. Nordischen Filmtage in Lübeck

Das Alleinstellungsmerkmal der Nordischen Filmtage ist seit 52 Jahren Ihre Ausrichtung auf die nordischen Länder Dänemark und Skandinavien, aber auch die baltischen Länder kommen zum Zuge. Dabei kann es bei dieser Region durchaus kleine Überschneidungen mit dem FilmFestival des osteuropäischen Films in Cottbus geben, die Filme aus dem Baltikum ebenfalls im Programm haben. Im Großen und Ganzen sind aber die skandinavischen Länder mit ihrer starken Filmindustrie bei den 'Nordischen Filmtagen' meist in der Überzahl.

Wer sich das geballte Programm des Festivals ansieht kommt aus dem Staunen über die Menge an präsentierten Filmen nicht heraus. Und das trotz auferlegtem Sparzwang in diesem Jahr. Fünf Tage lang wurden 3.-7. November die neuesten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden vorgestellt. 140 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme wurden aus Skandinavien, dem Baltikum und aus Norddeutschland auf acht Leinwänden in den Lübecker Kinos ca. 25.000 Besuchern präsentiert. Für viele skandinavische Filmemacher gelten die Filmtage als Testplattform für den Erfolg ihrer Filme in Europa.

Eröffnungsfilm war die skurrile Musik-Komödie "Sound of Noise" der schwedischen Regisseure Ola Simonssen und Johannes Stärne Nilsson. Im Spielfilmwettbewerb konkurrierten unter anderem die jüngsten Regiearbeiten von Pernilla August, Bent Hamer, Fridrik Thór Fridriksson, Jörn Donner und Per Fly miteinander. Zu sehen waren auch die neusten Filme des Finnen Dome Karukoski, des Norwegers Petter Næss sowie des Schweden Hannes Holm.

Wir zeigen hier als Beispiel den YouTube Trailer des dänischen Wettbewerbsfilms »Die Frau, die von einem Mann träumte« von Per Fly.



Die Verleihung der Preise der Nordischen Filmtage Lübeck sowie des Norddeutschen Filmpreises der Landesregierungen Hamburg und Schleswig-Holstein fand im Rahmen der Filmpreisnacht am 6. November im Theater Lübeck statt. Nächstes Jahr will die Landesregierung in Kiel die Gelder für die Gala und die Peise jedoch nicht mehr zur Verfügung stellen. Damit steht das renommierte Filmfestival möglicherweise auf der Kippe.

Preisträger der 52. Nordischen Filmtage

NDR Spielfilmpreis
Der mit 12.500 Euro dotierte NDR Spielfilmpreis wird seit 1990 an einen "Spielfilm von besonderer künstlerischer Qualität" verliehen. Er soll "in einer eigenständigen schöpferischen Sprache die Gesellschaft widerspiegeln und ästhetisch wie inhaltlich neue Perspektiven eröffnen". Er geht dieses Jahr an das schwedische Sozialdrama »DER SCHWEINESTALL« von Pernilla August. Die Verfilmung des Bestseller-Romans von Susanne Alakoski über die schwierige Kindheit eines Einwanderermädchens im Schweden der siebziger Jahre überzeugte die Jury "durch thematische Relevanz und radikale Intensität", wie es in der Begründung heißt. "Der Schweinestall" mit Noomi Rapace ist das Regiedebüt von Pernilla August, die als Schauspielerin in Filmen Ingmar Bergmans bekannt wurde.

Bester Kinofilm
Der Norddeutsche Filmpreis für den "Besten Kinofilm" (dotiert mit 20.000 Euro) ging an »SOUL KITCHEN« von Fatih Akin. Damit hat der deutsch-türkische Regisseur zum zweiten Mal hintereinander den Preis gewonnen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Akin den mit 10.000 Euro ausgestatteten Preis in der Kategorie «Bestes Drehbuch» in Lübeck erhalten. Nach dem Urteil der Jury des Preises, den die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam gestiftet haben, ist den Produzenten Fatih Akin und Klaus Maeck (Corazón International) ein "mitreißend komisches Feelgood-Movie" gelungen, das "zugleich eine leidenschaftliche Liebeserklärung des Regisseurs an seine norddeutsche Heimatstadt Hamburg ist". Der Film wurde außerdem am Donnerstag von der Europäischen Filmakademie für Deutschland im Rennen um den Europäischen Filmpreis 2010 neben fünf weiteren Streifen nominiert.

Publikumspreis
Der traditionsreichste Preis des Festivals wird von Lübecker Nachrichten gestiftet und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Zuschauerinnen und Zuschauer vergaben den Preis per Stimmzettel an die isländische Tragikomödie »EIN GUTES HERZ« des Regisseurs Dagur Kári. Die Zuschauer des Festivals kürten damit die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem grantigen Barbesitzer und einem obdachlosen Jugendlichen zu ihrem Lieblingsfilm.

Baltischer Filmpreis
Der Baltische Filmpreis ging an den Eröffnungsfilm »SOUND OF NOISE« von Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson aus Schweden. Die musikalische Komödie ermutige ihre Zuschauer dazu, „im Widerspruch zu unseren Instinkten, gegen das Diktat der Routine anzutreten“, heißt es in der Jurybegründung.

Kirchlicher Filmpreis
Mit dem Kirchlichen Filmpreis wurde das schwedische Schicksalsdrama »BETWEEN TWO FIRES« von Agnieszka Lukasiak ausgezeichnet. Der Regisseurin und ihrer Hauptdarstellerin Magda Poplawska sei es gelungen, das Thema Asylsuche glaubwürdig und facettenreich umzusetzen, schreibt die Jury des mit 2.500 Euro dotierten Preises in ihrer Begründung.

Dokumentarfilmpreis
Den mit 2.500 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis gewann »STEAM OF LIFE« von Joonas Berghäll und Mika Hotakainen. Die Sauna-Dokumentation zeigt laut Jury „das Glück und Leid von Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, denen sich in der Sauna nicht nur die Poren öffnen, sondern die dort auch ihr Innerstes nach außen kehren“.

Kinder- und Jugendfilmpreis
Der schwedische Jugendfilm »SEBBE« von Babak Najafi erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Kinder- und Jugendfilmpreis der 52. Nordischen Filmtage Lübeck. Die Geschichte eines 15-Jährigen, der mit Armut und einer alkoholkranken Mutter zu kämpfen hat, ist nach Ansicht der Jury „ein in seiner Hoffnungslosigkeit provozierendes Sozialdrama, das nachhallt“. Der Preis der Kinderjury, dotiert mit 5.000 Euro, ging an den norwegischen Beitrag »GROßSTADTENGEL« von Lars Berg, ein Kinder-Krimi, in dessen Mittelpunkt „der Zusammenhalt der drei Freundinnen steht, die sich von vorschnellen Urteilen der Erwachsenen nicht entmutigen lassen“, urteilt die Kinderjury.

Kurzfilmpreis
Den Cinegate-Preis hat »GO BASH« von Stefan Prehn und Paula Bergner aus Deutschland gewonnen. Der Kurzfilm „nimmt provokant und unterhaltsam die mediale Jagd und Vermarktung von immer neuen Jugendtrends aufs Korn“, heißt es in der Jurybegründung.

Link: www.filmtage.luebeck.de

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Die 34. Duisburger Filmwoche

Die 34. Ausgabe der Duisburger Filmwoche eröffnete am 1. November mit dem Dokumentarfilmgewinner von DOK Leipzig: "How To Make A Book With Steidl von Jörg Adolph und Gereon Wetzel, der darüber hinaus auch am 4. November im TV-Sender 3Sat zu sehen war, wie wir am 31. Oktober im Vorbericht zu dem Duisburger Dokumentarfilmfestival ankündigten. Der Film erhielt in Duisburg den mit 2000.- Euro dotierten Preis des Goethe Instituts.

Mit vielen ausverkauften Vorstellungen ist die 34. Duisburger Filmwoche unter dem Motto „HORIZONT“ Samstagabend erfolgreich zu Ende gegangen. 24 Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, darunter zehn Uraufführungen und drei deutsche Premieren, konkurierten um fünf Preise im Gesamtwert von 20.000 Euro.

Preisträger der 34. Duisburger Filmwoche

Der 3sat-Dokumentarfilmpreis
für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an: »Die fünf Himmelsrichtungen von Fridolin Schönwiese« (Österreich, 2009, Farbe, 94 min, deutsche Premiere)

Der ARTE-Dokumentarfilmpreis,
dotiert mit 6.000 Euro, geht an: »Von der Vermählung des Salamanders mit der grünen Schlange« von René Frölke (Deutschland, 2010, Farbe, 94 Min, Uraufführung)

Link: www.duisburger-filmwoche.de

Detaillierte Begründungen zu einzelnen Preisen haben wir in der erweiterten Ansicht unter nachfolgendem Link eingefügt.



BEGRÜNDUNGEN ZU DEN PREISTRÄGERN DER 34. DUISBURGER FILMWOCHE

Der 3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:
Die fünf Himmelsrichtungen von Fridolin Schönwiese (Österreich, 2009, Farbe, 94 min, deutsche Premiere)

Begründung der Jury: (Till Brockmann, Heike Hupertz, Michael Pekler)
Was bedeutet Leben in der Fremde? Das Eigene zu verabschieden und es gleichzeitig zu bewahren, einen Teil seiner selbst zu verlieren und trotzdem die Notwendigkeit, eine neue Identität zu finden. In der Fremde zu leben, bedeutet aber nicht allein zu sein: Es gibt jene, die man zuhause zurückgelassen hat und jene, mit denen man versucht, eine neue Gemeinschaft zu bilden. Dieses Bild kennzeichnet die Vereinigten Staaten von Amerika seit Jahrhunderten als Inbegriff eines Einwanderungslandes und als Utopie. Fridolin Schönwiese begleitet zwei Immigranten in Mexiko, in Kansas City und zu einem Ort, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist: die fünfte Himmelsrichtung. Dabei findet er in beeindruckender Weise zu einem Gleichgewicht zwischen stiller Beobachtung und aufschlussreicher Sichtbarmachung. Denn was dort und da sichtbar wird, hebt erwartbare Widersprüche auf: Die Bilder verschmelzen die unterschiedlichen Lebensräume zu einem neuen Ort der immerwährenden Heimatlosigkeit.

Der ARTE-Dokumentarfilmpreis, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:
Von der Vermählung des Salamanders mit der grünen Schlange von René Frölke (Deutschland, 2010, Farbe, 94 Min, Uraufführung)

Begründung der Jury: (Michael Girke, Daniella Marxer, Hannah Pilarczyk)
Der Film, den die ARTE-Jury auszeichnet, mutet einem zu, lange nicht zu wissen, worum es geht. Alltagsbilder einer Familie vermischen sich mit Momentaufnahmen eines Ortes, und dazwischen malt ein Mann. Die Bilder, die der Regisseur malt, erklären uns nichts über diese Menschen. Sie bieten uns viel mehr: Sie machen uns ihre Geschichten spürbar. Farben gesellen sich zu Farben, Erzählungen treffen auf Erzählungen. So füllen sich langsam die Lücken in der Familiengeschichte, aber die Fragen bleiben. Sie klingen nach und lassen uns noch lange an einen Film denken, der mit feinen Schwingungen ein großes Echo schafft. Wir gratulieren.

Der Förderpreis der Stadt Duisburg, dotiert mit 5.000 Euro geht zu gleichen Teilen an:
Herr Berner und die Wolokolamsker Chaussee von Serpil Turhan (Deutschland, 2010, s/w, 39 Min, Uraufführung)
und an
Auf Teufel komm raus von Mareille Klein und Julie Kreuzer (Deutschland, 2010, Farbe, 82 Min)

(Jury: Till Brockmann, Michael Girke, Heike Hupertz, Daniella Marxer, Michael Pekler, Hannah Pilarczyk)
Begründung für Herr Berner und die Wolokolamsker Chaussee:
Es gibt viele Zugänge zur Geschichte. Der Film, den wir mit der Hälfte des Förderpreises auszeichnen, entscheidet sich für einen einfachen, genauer, für einen zunächst, auf den ersten Blick einfachen. Nämlich: dafür einen Mann - er ist alt, ansonsten weiß man von ihm gar nichts - einen Text lesen zu lassen. Dieser, ein Theatertext, führt den Mann zurück, in die Vergangenheit, an Orte des Zweiten Weltkrieges, der Vernichtung, des Völkermordes, von dem der Mann ein Teil war. Das ist nicht alles: die besondere Inszenierung nimmt die Erzählungen des Mannes auf, setzt Betonungen und ermöglicht dem Betrachter Einblicke in Seelenschichten, in sowohl in einzelnen Biographien wie im Allgemeinen weiterwirkenden gespenstischen Dimensionen deutscher Geschichte.

Begründung für Auf Teufel komm raus:
Auf Teufel komm raus stellt sich einem brisanten gesellschaftspolitischen Thema und nimmt aus heikler Position gegensätzliche Perspektiven ein, ohne eine eigene Haltung aus dem Blick zu verlieren. In überlegter dramaturgischer Entwicklung werden verborgene Motive aufgedeckt und unbequeme Entscheidungen über Schuld und Bestrafung erkundet. Vorgefasste Meinungen machen neuen Fragen Platz.

Der Dokumentarfilmpreis des Goethe Instituts, dotiert mit 2.000 Euro, geht an:
How To Make A Book With Steidl von Jörg Adolph & Gereon Wetzel (Deutschland, 2010, Farbe, 88 Min)

Jurybegründung:
Wir haben uns bewusst für einen Film entschieden, der sich als Protagonisten einen Weltbürger der globalen Kunstszene gesucht hat, der zugleich lokal in Deutschland verwurzelt ist. Der Film, der uns Anteil nehmen lässt am kreativen Zusammenspiel von Künstler und Handwerker und an der Entstehung einer auch im Ausland hoch geschätzten deutschen Buchdruckkunst. Mit der gleichen ästhetischen Präzision, die ihren Protagonisten auszeichnet, betreiben auch die beiden Regisseure ihr filmisches Handwerk und nehmen uns darüber hinaus mit auf eine unterhaltsame Reise mit vielen Stationen und bedeutenden Vertretern der internationalen Kunst und Literatur, die uns zudem vor Augen führt, wie international und universell die Wertschätzung dieser Druckkunst ist.

Eine lobende Erwähnung geht an:
Auf Teufel komm raus von Mareille Klein und Julie Kreuzer (Deutschland, 2010, Farbe, 82 Min)

Den Regisseurinnen gelingt es die vielschichtige Auseinandersetzung um die fehlende Akzeptanz der Ansiedlung eines Sexualstraftäters in einem kleinen Ort nach Verbüßung seiner Strafe und die nachfolgende mediale Dynamik auf höchst differenzierte Art darzustellen. Faszinierend ist es vor allem, wie genau sich die beiden Filmemacherinnen ihren z.T. sehr problematischen Protagonisten zu nähern verstehen und wie ihre sensible Interviewtechnik im Lauf des Films für den Zuschauer stets neue Lebensgeschichten und Bedeutungsebenen zutage fördert.

Der Publikumspreis der Rheinischen Post für den beliebtesten Film, dotiert mit 1.000 Euro, geht an:
Das Schiff des Torjägers von Heidi Specogna (Deutschland, 2010, Farbe, 91 Min)

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BEGRÜNDUNGEN ZU DEN PREISTRÄGERN DER 52. NORDISCHEN FILMTAGE

NDR Spielfilmpreis für Der Schweinestall von Pernilla August aus Schweden
Jurybegründung:
Ein Film, der uns stark bewegt zurücklässt - durch seine thematische Relevanz und durch seine radikale Intensität. Die konsequente künstlerische Umsetzung in Kombination mit einer beeindruckenden schauspielerischen sowie visuellen Leistung überzeugt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem scheinbar aussichtslos prägenden, dann jedoch auch überwundenden Milieu hat uns zutiefst berührt. Ein Film, der ebenso sozial bedeutungsvoll wie künstlerisch substanziell den Kosmos seiner Geschichte entfaltet.

Baltischer Filmpreis für Sound of Noise von Ola Simonsson and Johannes Stjärne Nilsson aus Schweden
Jurybegründung:
Der Baltische Filmpreis wird an einen Film verliehen, der uns Gewohntes aus einer neuen Perspektive zeigt. Ein Film, der uns im Widerspruch zu unseren Instinkten dazu ermutigt, gegen das Diktat der Routine anzutreten. Ein Film, der überrascht und inspiriert, ohne dabei den Takt zu verlieren.

Kirchlicher Filmpreis für Between Two Fires von Agnieszka Lukasiak aus Schweden
Jurybegründung:
Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, Marta, die aus Weißrussland flieht, um ihre Tochter und sich selbst vor Gewalt und Missbrauch zu retten. An Stelle der erwarteten Zuflucht erlebt sie in Schweden institutionelle Kälte und nur seltene Momente menschlicher Wärme. Der Regisseurin Agnieszka Lukasiak und ihrer Hauptdarstellerin Magda Poplawska ist es gelungen, das Thema Asylsuche glaubwürdig und facettenreich umzusetzen. Trotz der Kälte des Systems und der Opfer, die Marta gezwungen ist zu bringen, bewahrt sie sich ihre Würde.

Lobende Erwähnung für Mamma Gógó von Fridrik Thór Fridriksson aus Island
Jurybegründung:
Ein sensibler Film über eine an Alzheimer erkrankte Frau, mit feiner Ironie erzählt, der in seiner Bildersprache selbst in den verstörenden und traurigen Momenten noch eine Vision von Hoffnung und Sinn zum Ausdruck bringt.

Dokumentarfilmpreis für Steam of Life von Joonas Berghäll and Mika Hotakainen aus Finnland
Jurybegründung:
Die Regisseure zeigen an skurrilen Orten das Glück und Leid von Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, denen sich in der Sauna nicht nur die Poren öffnen, sondern die dort auch ihr Innerstes nach außen kehren. Emotionale Aufgüsse wechseln sich ab mit Bildern von nicht ganz ernst gemeinten Orten für Saunagänge. Das Zulassen von Schweigen ermöglicht den Protagonisten, sich vollkommen zu öffnen. Der Zuschauer vergisst die Anwesenheit des Filmteams und erhält das Gefühl mit im „Steam of Life“ zu sitzen.

Jugendfilmpreis für Sebbe von Babak Najafi aus Schweden
Jurybegründung:
„Sebbe“, das Langfilmdebüt von Regisseur Babak Najafi, schmerzt. Der 15-Jährige Sebbe ist allein. Verzweifelt auf die Liebe seiner Mutter hoffend, ist er ihrer emotionalen Unberechenbarkeit ausgeliefert. Sebbe hat keine Chance, seinem durch Armut, Schicksalsschlägen und Perspektivlosigkeit geprägten Alltag zu entkommen. Besonders das leise Spiel der beiden Hauptdarsteller Sebastian Hiort af Ornäs und Eva Melander erzeugt eine Wucht, der wir uns zu keiner Zeit entziehen konnten. Der Film ist fein komponiert und präzise inszeniert. Aus dem stimmigen Zusammenspiel aller kreativen Abteilungen, entsteht ein in seiner Hoffnungslosigkeit provozierendes Sozialdrama, das nachhallt.

Cinegate-Preis für Go Bash! von Stefan Eckel und Stefan Prehn aus Deutschland
Jurybegründung:
Der Kurzfilm von Stefan Prehn und Stefan Eckel nimmt provokant und unterhaltsam die mediale Jagd und Vermarktung von immer neuen Jugendtrends aufs Korn. Die Regisseure setzen dafür stilsicher und souverän die unterschiedlichsten Film- und Fernsehformate ein – vom Handy-Video bis zur sensationsheischenden News- oder Magazinsendung – und beweisen damit eine ebenso hintergründige Herangehensweise an aktuelle Themen wie deren professionelle und trotzdem visuelle außergewöhnliche Umsetzung.


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