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Weitere Filmkritik zu den Filmstarts von letzter Woche

Eine neue Rezension und ein Hinweis zu unseren Nachträgen vor drei Tagen.

Trotz Fußball kann sich vor allem das Arthouse-Kino behaupten. Das schöne Sommerwetter, das nun vor allem in Berlin schon seit zwei Monaten kaum Regen brachte, sondern durchweg Sonnenschein sowie die WM in Russland haben zwar dem Kino in den letzten Wochen weniger Besucher beschert, doch insgesamt haben Kino-Sonderformen (u. a. Filmfeste, Open-Air- und kommunale Kinos) im vergangenen Jahr sowohl beim Umsatz und Ticketverkauf als auch im Bestand kräftiger zugelegt als der Kinomarkt insgesamt.

Fast 5,4 Mio. Ticketverkäufe sorgten bei den Sonderformen für ein Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zu den Multiplexen (plus ein Prozent) und den herkömmlichen Kinos (plus 0,9 Prozent). Nachzulesen ist dies in der aktuellen Auflage der Studie „Kino-Sonderformen 2013 – 2017“, die in diesem Jahr von der Filmförderungsanstalt (FFA) in ihrer 14. Auflage die Entwicklung des Kinosaalbestandes, der Besucher- und Umsatzzahlen sowie des durchschnittlichen Eintrittspreises analysiert.

Dass sich gutes Kino gegen den Mainstream durchsetzt, vermeldet auch der Verband der AG Kino – Gilde, die im ersten Halbjahr nur einen Rückgang von maximal 7,5 Prozent beim Umsatz und minus 7,9 Prozent bei den Besucherzahlen verzeichnen, während der Gesamtmarkt - vor allem bei den immer ähnlicher und skurriler werdenden Blockbustern - ein minus von 17 Prozent vorweist, wie wir bereits am 7. Juli 2018 schrieben. Etliche Arthouse- und Kommunale Kinos konnten dagegen in den letzten Tagen sogar ein in stabiles Ergebnis vorweisen und haben sich somit in einem schwierigen Marktumfeld verhältnismäßig gut geschlagen.

Leider hatten wir in unserer letzten Berichterstattung am Samstag, den 7. Juli 2018, nicht deutlich genug auf unsere Filmkritiken hingewiesen, von denen wir einige erst im Laufe des Tages und zum Teil auch erst am späten Abend noch Nachträge beigesteuert haben. Insgesamt hatten wir am 7. Juli 2018 nämlich fünf Filmkritiken zu Filmstarts vom letzten und vorletzten Donnerstag veröffentlicht, auf die wir hier gern noch einmal hinweisen wollen:

1.) "THE FIRST PURGE" Horrorthriller von Gerard McMurray (USA).

2.) "DIE WUNDERÜBUNG" Drama von Michael Kreihsl (Österreich).

3.) "CANDELARIA – Ein Kubanischer Sommer" Dramödie von Jhonny Hendrix Hinestroza.

4.) "ZENTRALFLUGHAFEN THF" Dokumentation von Karim Aïnouz.

5.) "MARVIN" Drama von Anne Fontaine.

Unsere sechste Filmkritik zu den Filmstarts vom 5. Juli 2018 schieben wir heute nach.

6.) DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT Historiendrama von Susanna White.

Es geht um den legendären Sioux Häuptling Sitting Bull, der am 15. Dezember 1890 heimtückisch von US-Soldaten ermordet wurde. Als spiritueller Anführer hatte er jahrelangen Widerstand gegen die US-amerikanische Regierungspolitik geleistet. Sein Tod rief den letzten indianischen Aufstand hervor, der mit einer Katastrophe für die Indianer am Wounded Knee endete. Weltberühmt hatte ihn zuvor seine erfolgreiche Schlacht am Little Bighorn von 1876 gemacht.

Seine Berühmtheit nahm die schweizerisch-amerikanische Bürgerrechtlerin und Malerin Caroline Weldon zum Anlass, um den Häuptling persönlich zu portraitieren. Ende des späten 19. Jahrhunderts wurde sie sogar seine Vertraute und Privatsekretärin, worüber weder die weißen Siedlern, noch das Militär sehr erfreut waren.

Von der Begegnung der Künstlerin Caroline Weldon mit Sitting Bull erzählt der Film "DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT". Leider artet der Film in eine Schmonzette aus und stellt das Leben der Bürgerrechtlerin nur sehr verkürzt dar. Auch Freunde von Western mit Indianerkämpfen werden enttäuscht sein, den der Film endet, bevor es zum Massaker an den Lakota-Indianern durch die US-Armee am Wounded Knee kommt.

"DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT" Historiendrama von Susanna White (USA). Mit Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell u.a. seit 5. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Es ist ein Akt der Befreiung und der Beginn eines Neuanfangs. Beherzt wirft die selbstbewusste Malerin Catherine Weldon, nach dem vorgeschriebenen Trauerjahr das in ölgemalte Portrait ihres verstorbenen Gatten hoch in die Luft, wo es krachend in einem Fluss landet.

Es ist das Jahr 1889. Finanziell unabhängig, will sich Catherine Weldon einen großen Traum erfüllen.

Ganz allein macht sie sich auf den Weg nach North Dakota, um den damals berüchtigten, legendären Indianerhäuptling Sitting Bull zu porträtieren. Bull führt mittlerweile ein sesshaftes Leben in einem Reservat, friedfertig baut er dort Kartoffeln an, es scheint, er hat sich seinem Schicksal gefügt.

Als sie den Zug verlassen hat und mutterseelenallein mit ihrem schweren Gepäck eine öde Strasse langmarschiert, fragt man sich ob sie total blauäugig ist, oder beherzt mutig.

Das Gepäck wird ihr gestohlen und es wird ihr kräftig ins Gesicht gespuckt. Schon auf ihrer Reise in den Wilden Westen erlebt sie eine hasserfüllte Feindseligkeit.

Niemand anders, als der großartige Sam Rockwell schlüpft in die Rolle des unsympathischen Colonels Silas Grover, ein militärischer Hardliner, der den Sioux – Indianern im Namen der Regierung die Hälfte ihres Landes trickreich abnehmen soll. Er ist wenig erbaut davon , dass die weiße Frau auf einmal auftaucht und behauptet, sie wolle nichts anderes als Bull zu porträtieren. Er glaubt ihr nicht. Für die anderen Bewohner des Ortes, stellt sie eine Provokation dar.

Weldon ist fasziniert von Sitting Bull (Michael Greyeyes), seiner Besonnenheit und seiner friedfertigen Ausstrahlung.

Sein Stolz ist nicht gebrochen. Das sieht man daran, dass er für das Portrait die verbotene Stammes-Uniform anzieht. Es bleibt nicht im Verborgenen, Weldon hat sich in ihn verliebt. Sie glaubt fest an die Demokratie und stellt sich nicht nur aus Freundschaft an seine Seite, um gemeinsam gegen das US – Militär zu kämpfen, und die katastrophale Landenteignung zu verhindern.

Sie wird zur ersten weißen Aktivistin, die Probleme auf demokratischer Basis lösen will. Tapfer und mutig wird sie zu einer Westernheldin.

Warum die Regisseurin Susanna White die Handlung von "DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT" auf eine halbherzige Romanze reduziert hat, ist seltsam. Wenn man recherchiert, stellt man fest, dass mehrere narrative Elemente weggelassen wurden und neue hinzugefügt.

Natürlich kann man das machen und unter künstlerischer Freiheit verbuchen. Sehenswert ist die Geschichte allemal, schon wegen des großartigen Casts. Chastain spielt ihre Rolle wieder mal überdurchschnittlich gut und Rockwell ist perfekt in der Rolle des Unsympathen. Außerdem glänzt der Film durch eine starke Bildsprache.

Wer mehr über die Persönlichkeit der Catherine Weldon erfahren will, sollte ihren Namen bei Wikipedia eingeben.

Ulrike Schirm

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