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Ken Adam Ausstellung mit neuen Exponaten und einer Katalogvorstellung

Exponate der ehemaligen Ausstellung der Deutschen Kinemathek wurde mit einer Doku über den Filmarchitekten in der O&O Baukunst Galerie ergänzt und neu konzipiert.

Genau vor drei Jahren zeigte die Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz eine umfassende Ausstellung über den Filmarchitekten und Set-Designer Ken Adam und ehrte damit den damals 93-Jährigen. Derzeit findet im Filmmuseum eine Ausstellung zu 100 Jahre UFA – Geschichte einer Marke statt, wie wir gestern kurz berichteten.

Anlässlich einer Buchvorstellung bzw. eines Kataloges, der am 14. Dezember 2017 um 19:00 Uhr vorgestellt wird, weisen wir gerne auf die von Boris Hars-Tschachotin und Markus Penell kuratierte Ausstellung über den wohl einflussreichsten Production-Designer des 20. Jahrhunderts, Ken Adam, im O&O Depot hin. Die Ausstellung wurde zwar mit zahlreichen Exponaten der Deutschen Kinemathek, aber in abgeänderter Form der szenischen Darstellung, bei Ortner & Ortner Baukunst - Gesellschaft von Architekten mbH in der Leibnizstr. 60 in 10629 Berlin aufgebaut.

Ergänzend kam jetzt ein Video im O&O Depot, einer Galerie für Baukunst, hinzu, das erst unlängst bei der diesjährigen 74. Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig seine Uraufführung erlebte. Hier der Teaser:

Dazu eine kurze Filmrezension:

This is the War Room! Doku von Boris Hars-Tschachotin.

Für einen Film braucht es einen Drehbuchautoren, einen Regisseur, einen Kameramann, einen Schnittmeister, Ausstattung, Kostüm und zahlreiche weitere kreative Hände. Eins greift in das andere und im Idealfall kann man die Bilder kaum von dem Score und den Score von den Emotionen und die Emotionen nicht von den Darstellern trennen. Ken Adam (1921 - 2016) war Szenenbildner und damit Mitautor. Das Zitat des Regisseurs Steven Spielbergs, Adams "War Room", der Raum der Machtzentrale, in der Satire "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" von Stanley Kubrik sei das beste Szenenbild, das jemals für einen Film entworfen worden sei, eröffnet dabei einen dokumentarischen Kurzfilm, der die Arbeit von Adam auf eine Bühne bringt und mit behänden Bewegungen an uns heranträgt.

Theater oder Film, Adam konnte sich einst nicht entscheiden. "This is the War Room" verbindet beides. Ken Adam betritt die Bühne der Schaubühne in Berlin, nur sein Arbeitstisch darauf ist beleuchtet. Der Hintergrund wird damit zur Leinwand. Der Meister mit dem Flo-Master und seine Schöpfung, von einer Idee wird die Umsetzung der Idee, wird ein Entwurf und ein Bild. Der Entwurf, den Adam 1962 einbrachte, wird hier lebendig. Boris Hars-Tschachotin, nicht nur Regisseur, sondern auch Kunsthistoriker, Installationskünstler und z.B. Co-Kurator der Ken Adam-Ausstellung "Bigger than Life", die 2014 in der Deutschen Kinemathek gezeigt worden war, war 2001 Location Scout an einem Projekt in Berlin, an dem Ken Adam mitarbeitete. Seinen eigenen Aussagen zufolge, stand er praktisch hinter ihm, blickte ihm über die Schulter. Genau dieses Gefühl vermittelt uns Hars-Tschachotin indem er Adam, der ihm ein Freund und Mentor wurde, zu einem Porträt bat, das zum einen Hommage wurde, doch gleichzeitig allgemeingültig die Kreativität vermittelt. Ken Adam steht zwar im Mittelpunkt, doch noch viel wichtiger ist, dass die Inspiration und die Kraft diese umzusetzen, lebendig wird.

Elisabeth Nagy

Derzeit wird viel Wesen um die Serie "Babylon Berlin" gemacht, die exklusiv auf Sky zu sehen ist und erst Ende nächsten Jahres im Free-TV bei der ARD zu sehen sein wird. Die deutsche Kriminal-Fernsehserie spielt in der Weimarer Republik, also von 1918 bis 1933 sowie in den Anfangstagen des Dritten Reiches.

Das Berlin der 20er Jahre ist laut, schrill, abgründig und modern. Geboren 1921 in Berlin wächst Ken Adam genau in dieser Zeit als Klaus Hugo Adam zwischen den Architekturutopien Erich Mendelsohns und Mies van der Rohes, zwischen Kunst und Kino in einer großbürgerlichen, jüdischen Familie auf.

Lange nach der Blüte der Moderne leben ihre räumlichen Visionen in Adams Entwürfen und legendären Filmsets weiter. Kaum ein anderer Production Designer hinterlässt uns so viel stilisierte Realität – überhöht, doppelbödig und oft kritisch. Viele von Ken Adams spektakulären Filmarchitekturen wie beispielsweise der zentrale Raum des Bösewichts Blofeld in "You Only Live Twice" (R: Lewis Gilbert, 1967) der in einem gigantischen erloschenen Vulkan verborgen ist, oder wie beim James-Bond-Film "Moonraker" (R: Lewis Gilbert, 1979) bei dem das pyramidenförmige Kontrollzentrum und die Raketenabschussrampe in einem Mayatempel versteckt sind, haben sich in unser visuelles Gedächtnis eingeschrieben. Ken Adams tollkühne Designs machten die 007-Reihe zur Kino-Sensation.

In einer fokussierten Dramaturgie werden im O&O Depot Ken Adams Visionen in einer immersiven raumgreifenden Form und mit ausgewählten Originalzeichnungen gezeigt. Aus Ken Adams über 5500 Zeichnungen umfassenden Oeuvre wurden Skizzen und Zeichnungsfolgen ausgewählt, die das Augenmerk auf den Entwurfsprozess lenken. Das Skizzieren ist für Adam das Feld der Entwicklung, auf dessen Basis weitere Ideen aufsteigen; vergleichbar mit einem Kaleidoskop, das durch minimale Bewegung immer neue Bilder entstehen lässt. Aus diesem Experimentierfeld heraus kristallisiert sich dann die Form, die spätere Gestalt des Sets.

Dabei ist das Werkzeug für Adams unverwechselbaren Zeichenstil ein Filzstift, der sogenannte Flo-Master. Mithilfe des Flo-Masters, der als fließendes Stenografiermedium die visuellen Ideen Adams rasch aufs Papier bringt, war es ihm nicht nur möglich, sehr schnell zu zeichnen, sondern auch einen starken, expressiven Ausdruck einschließlich atmosphärischer Hell-Dunkel-Effekte zu erzielen. Die häufig anzutreffende zeichnerische Intensität, die durch einen breiten und kräftigen Strichduktus hervorgerufen wird und gerade bei den ersten Entwürfen zu seinen Sets deutlich zu sehen ist, lässt auf die Behändigkeit schließen, mit der Adams Hand seinem innerem Auge gehorcht und Vorstellungen von Bau- und Raumformen nach „außen“ befördert. Die Zeichnung wird dabei wie zu einem lebendigen Wesen, das Adam immer weiter antreibt bis er die richtige Form, das passende Set für den jeweiligen Film und seine Geschichte gefunden hat.

Teil der Ausstellung, die Ken Adam bereits 2012 der Deutschen Kinemathek übergeben hatte, ist der Dokumentarfilm "THIS IS THE WAR ROOM!" von Boris Hars-Tschachotin, der einen tiefen Einblick in den kreativen Denkraum von Ken Adam gewährt.

Für den Film hatte der am 10. März 2016 im Alter von 95 Jahren in London verstorbene Ken Adam zuvor noch einmal seinen Flo-Master in die Hand genommen. Vor den Augen der Zuschauer entwirft er mit dem Filzstift erneut den atomsicheren Lagebesprechungsraum unter dem Pentagon, den ikonischen War Room aus "Dr. Strangelove Or: How I Learned To Stop Worrying And Love The Bomb" (R: Stanley Kubrick, 1964). Dabei erzählt er von der fundamentalen Raummetamorphose dieser Machtzentrale. Der Dokumentarfilm feierte seine Weltpremiere Anfang September 2017 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig und ist von O&O Baukunst gefördert worden.

KEN ADAM

DE

FLO-MASTER

Katalogvorstellung 14. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Ausstellung bis 19. Januar 2018

Di – Fr 17 bis 19 Uhr

bei O&O Baukunst

Ortner&Ortner im Depot

Haus-Rucker-Co

Leibnizstraße 60

10629 Berlin

Quellen: Bund Deutscher Architekten (BDA) | O&O Baukunst

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