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Kritik von Ai Weiwei an der Berlinale und neue Filme im August 2019, Teil 3

Es war einmal in Hollywood... Tarantinos sehr eigene Sichtweise zum Sharon Tate Attentat... und wenn sie nicht gestorben wär, dann lebt sie heute noch.

Der Chinesische Künstler Ai Weiwei, der eine Zeitlang für eine Gastprofessor von der UDK Berlin eingeladen worden war und immer noch ein großes Atelier unter dem Prenzlauer Berg belegt hat, ist von der Großstadt enttäuscht. Vor allem auf Berlins Taxifahrer ist Ai Weiwei sauer, sodass er Berlin wieder verlassen will. Zweimal wurde er im Beisein seines kleinen Sohnes beschimpft und musste vorzeitig aussteigen. Der Zeitung »Die Welt« gegenüber sagt er, dass "Deutschland keine offene Gesellschaft ist".

Eine Anspielung auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, in denen die rechtsradikale AFD stärkste Kraft werden könnte vermied er zwar, aber dass sein Beitrag zum gerade angelaufenen Episodenfilm "Berlin, I Love you" von Dianna Agron, Massy Tadjedin wieder herausgeschnitten wurde, scheint ihn doch zu kränken. Andere Teile mit Stars wie Helen Mirren, Orlando Bloom und Mickey Rourke sowie Robert Stadlober als Lebenskünstler mit Engelflügeln und Keira Knightley als Flüchtlingshelferin wurden dagegen im Film belassen.

Hier der Trailer:

Ursprünglich sollte der Film auf der letzten Berlinale laufen, doch der inzwischen zurückgetretene Festivaldirektor Dieter Kosslick fand den Film grottenschlecht und wies ihn ab. Nun ist er seit 8. August 2019 ohne Ai Weiweis Beitrag im Kino zu sehen.

Zudem habe die Berlinale mehrere Dokumentarfilme von und mit ihm abgelehnt, sagte der 61-Jährige weiter. Darunter waren die Dokumentarfilme "The Rest" über Flüchtlingslager sowie "Beijing Spring" über eine Künstlergruppe nach der Kulturrevolution, der er selbst angehörte. Offensichtlich akzeptiert die Berlinale nur regimetreue Filmkunst, die von den chinesischen Behörden abgesegnet wurde. Auch Zhang Yimous Berlinale Beitrag "One Second", der ebenfalls ein Kulturrevolutionsstoff zum Inhalt hatte, wurde nach Einspruch der chinesischen Behörden kurzfristig von der Berlinale Leitung im Februar 2019 wieder aus dem Programm genommen.

Dagegen lief Ai Weiweis Flüchtlingsfilm "Human "Flow" 2017 im Wettbewerb der Mostra von Venedig. Allerdings steckt mittlerweile in rund 40% der Hollywoodproduktionen chinesisches Geld, was die Entscheidung für oder gegen einen Wettbewerbsfilm nicht einfacher macht, denn China ist ein riesiger Filmmarkt, den die US-Produzenten nicht missen wollen. Kritische Filme hingegen, haben es auf dem Weltmarkt immer schwerer.

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"ONCE UPON A TIME… IN HOLLYWOOD" Dramödie von Quentin Tarantino (USA). Mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie u.a. seit 15. August 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Hollywood 1969. Die Zeit der großen Studiofilme ist passé. Rein schöpferisch passiert zur Zeit nicht viel. Das spürt auch Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), dessen leuchtender Stern am Filmhimmel erloschen ist. Auch sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist davon betroffen. Das Einzige, was Ricks Agent (Al Pacino) ihm noch anbieten kann, sind anspruchslose Rollen in Italo- Western, die Rick hasst wie die Pest und kleine Fernsehauftritte.

Was ihm noch bleibt, ist seine Villa mit Pool in den Hügeln von L.A., direkt neben dem Haus von Sharon Tate (Margot Robbie) und Roman Polanski, den er abfällig als „polnischen Pimmel“ bezeichnet. Aus dem bewunderten Star, ist ein vor Selbstmitleid triefender „Normalo“ geworden. Immer noch an seiner Seite, der arbeitslose Stuntman Cliff, der für ihn nicht nur Chauffeur ist, Rick hat seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren, sondern auch Hausmeister, bester Kumpel und ab und zu auch Seelentröster.

Cliff, der mit seinem Kampfhund, ganz bescheiden in einem Trailer hinter dem Autokino wohnt, nimmt das alles ganz gelassen hin. In seiner freien Zeit gondelt er durch L.A., fährt ein hübsches Hippiemädchen, daß ihn schon seit längerem anmacht, nach Hause und trifft dort auf die Manson-Sekte, die sich auf einem still gelegten Filmgelände angesiedelt hat.

„Once Upon A Time in Hollywood“ ist mehr als eine Hommage an die Filmindustrie am Ende der Sechzigerjahre, ein glitzerndes, in hellem Sonnenlicht getauchtes L.A., was es so nicht mehr gibt und wahrscheinlich auch nie gegeben hat. Sein Augenmerk legt Tarantino auf dass ungleiche „Best Buddy Paar“, dem weinerlichen Rick und dem coolen Cliff. DiCaprio und Pitt sind gemeinsam eine Wucht.

Einen nennenswerten Plot gibt es nicht. Stattdessen eine Aneinanderreihung von großartig gespielten Szenen, mal urkomisch, mal tragisch, herrlich bunt, in einem liebevoll gestaltetem Setting, mit einem Supersoundtrack der Sechziger Jahre.

Tarantino setzt auch der damals ermordeten Sharon Tate ein Denkmal. Unerkannt löst sie eine Kinokarte in einem längst verschwundenen Filmpalast, legt ihre Füße über den Vordersitz und genießt es, sich selbst auf der Leinwand zuzuschauen. Hin und wieder wirft sie einen Blick nach hinten, um zu sehen, wie das Publikum auf sie reagiert.

Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er sich nicht mit einigen Szenen selbst zitieren würde und wenn es nicht gegen Ende einen Gewalt-Excess geben würde, angeführt von Charles Manson, eine Antwort auf die gezeigte Gewalt in Filmen, mit denen Tarantino wahrscheinlich aufgewachsen ist.

Nicht umsonst trägt sein Film über den Mythos Hollywood den Titel „Once Upon A Time… in Hollywood“. Es war einmal in Hollywood.

Ulrike Schirm

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"A TOY STORY: Alles hört auf kein Kommando" Animationsfilm von Josh Cooley (USA). Mit den deutschen Sprechern: Michael Bully Herbig, Michael Beck, Sonja Gerhardt u.a. seit 15. August 2019 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Nach neunjähriger Wartezeit ist es endlich wieder soweit: Das Trickfilmvergnügen „Toy Story 4“ ist da und mit ihm die gesammte Spielzeugclique, die einem inzwischen ans Herz gewachsen ist, nebst einigen Neuzugängen.

Wie wir wissen, Spielzeug wandert von einem zum anderen. Den Wechsel von Andy zu Bonnie hat Cowboy Woody gut überstanden. Bonnie ist das kleine Mädchen, dem nun das ganze Spielzeug gehört. Bonnie ist traurig, weil sie zum Schnupperkurs in die Vorschule muß. Es ist ihr erster Schultag. Woody hat sich in ihren Schulranzen geschmuggelt, damit sie nicht so alleine ist. Aus einem alten Plastiklöffel, Pfeiffenreiniger und einem alten Eisstiel hat sich Bonnie ein neues Spielzeug gebastelt, dem sie den Namen Forky gibt und dem jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit gilt. Forky begreift einfach nicht, dass er nun ein Spielzeug ist, er meint, er sei Müll.

Woody hat alle Hände voll zu tun, Forky immer wieder aus einem Abfallbehälter zu retten, weil er meint, dorthin zu gehören. Obwohl Woody traurig ist weil er nicht mehr Bonnies Lieblingsspielzeug ist, er sie aber nicht traurig sehen will, erklärt er Forky eindringlich, dass Bonnie mit ihm die schönsten Augenblicke ihrer Kindheit erleben wird. Doch Forky lässt sich nicht von seiner Überzeugung abbringen. Bei einem Familienausflug sammt Spielzeug in einem Wohnmobil, gelingt ihm die Flucht. Woody eilt ihm hinterher. Er muss ihn unbedingt vor dem Müllschlucker retten, um ihn wohlbehalten Bonnie zurückbringen.

Unterwegs, auf einem Rummelplatz findet Woody seine große Liebe wieder, Schafhirtin Porzellinchen, in Begleitung einer Miniatur-Polizistin Diggle. Porzellinchen steht inzwischen auf eigenen Füssen. Ausser Forky, gibt es noch einen Neuzugang. Die Puppe Gaby Gaby, die mit einem kaputten Sprachmodul in einer Vitrine in einem Antiquitätenladen hockt und auf die Liebe eines Kindes hofft.

Wie schon in den vorausgegangenen Teilen, entwickeln die Puppen und Spielzeugfiguren wieder ein Eigenleben. Man lacht mit ihnen, leidet mit ihnen und ein bisschen Puppenterror ist auch dabei.

„Toy Story 4“ entzückt mit Buntheit, witzigen Ideen, einem Hauch Feminismus und kindgerechten Slapstick-Einlagen. Das Ende beschert einem die Vorfreude auf einen eventuellen 5. Teil. Berührend das Spielzeuglied… “Bitte wirf mich nicht einfach weg“.

Ulrike Schirm

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