55. IFFR in Rotterdam vergab seine Preise und endete am Wochenende
Umfangreiche deutsche Werkschau beim 55. IFFR in Rotterdam eroberte die Herzen des Publikums.

Bericht von Katharina Dockhorn.
28 Filme made in Germany liefen beim diesjährigen Internationalen Filmfestival von Rotterdam, das vom 29. Januar bis zum Sonntag, den 8. Februar 2026 in den Niederlanden stattfand. Während sie bei der Preisverleihung am 6. Februar 2026 keine Rolle spielten, eroberten „Amrum“ und „Der verlorene Mann“ zumindest die Herzen des Publikums und schafften es auf die vorderen Plätze von deren Hitparade. Cate Blanchett ließ es sich nicht nehmen, den ersten Filmjahrgang des Displacement Film Funds vorzustellen, und eine Fortsetzung des Programms anzukündigen.
Stolz postete German Films die Fotos von Tilda Swinton, die in der niederländischen Hafenstadt zu den Stammgästen gehört. In „Heart of Light – eleven songs for Fiji“ leiht sie den Gedanken von Regisseurin Cythia Beatt über ihre Rückkehr zur Inselgruppe im Off ihre Stimme.
Hier der Trailer:
Deutschland kommt dann auch irgendwie vor, wenn ein deutscher Journalist darüber sinniert, dass die Redaktion Beiträge erwartet, die zwar in ihre Klischees, jedoch nicht zur Wirklichkeit passen. Aber leider wirkt der ganze Film so. Über Fiji und seine Bewohner erfährt der Zuschauer beinahe nichts, er bietet eher eine Reflexion über neokolonialistisches Denken.
„Der verlorene Mann“ überzeugt
Über das Festival hinaus wird dem Film wohl kein großes Leben vergönnt sein, der mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers entstanden ist. Ebenso wenig dem von der MDM unterstützten Experimentalfilm „Dump“, einer wirren Assoziation philosophischer Gedanken durch Regisseurin Christina Friedrich.
Hier der Trailer:
Das gleiche Schicksal wird auch den vielen Titeln deutscher Koproduktionen beschieden sein, die sicher sehr ehrenhaft und künstlerisch wertvoll sind. Aber niemand ins Kino locken werden.
Daneben feierten Ulrich Köhlers „Gavagai“ ebenso ihre Premiere im Nachbarland wie „In die Sonne schauen“, „Amrum“ oder „No Hit Wonder“.
Die eigentliche Entdeckung ist das Drama „Der verlorene Mann“ von Welf Reinhart, der es immerhin in den Hauptwettbewerb um den Tiger Award schaffte. Dagmar Manzel verwandelt sich gewohnt brillant in eine Lehrerin, in deren Haus plötzlich der Ex-Mann – gespielt von Harald Krassnitzer - steht. Er ist dement, und aus dem Pflegeheim abgehauen. Alte, schmerzlich verdrängte Erinnerungen kommen hoch, die ebenso wie die Gesamtsituation die Ehe mit ihrem zweiten Mann (August Zierner) auf eine harte Probe stellen.
Hier der Trailer:
Das anspruchsvollere Drama, das im Mai in die deutschen Kinos kommt, setzt ganz auf die Kraft der Schauspieler. Im Gesamtprogramm des Festivals gehörte es in seiner eher konventionellen Machart eher zu den Ausnahmen.
Neues aus Brasilien, Asien und Spanien
Das IFFR ist zum einen eher der Ort, um interessante Handschriften abseits des Mainstreams und neue Namen zu entdecken. Dabei ist es stets auch ein guter Ort, um das asiatische Kino zu kennenzulernen. Vietnam, die Philippen, Bangladesch – diese Länder sind hier präsent. Aber auch aus Brasilien kamen neben dem „The Secret Agent“ neue Werke, darunter Tiago Melos radikale Dystopie „Yellow Cake“. Im Nordosten des Landes experimentieren skrupellose Unternehmer und arglose Wissenschaftler an Methoden, um Uran gefahrlos abzubauen und gefährden damit sich und ihre Mitmenschen.
Hier der Trailer:
Einige Titel werden es vielleicht auf deutsche Festivals schaffen, zu vermuten ist es eher bei europäischen Titeln. Zum Beispiel bei „Romería“, dem neuen Film von Golden Bär-Gewinnerin Carla Simón. Sie begleitet feinfühlig eine Teenagerin bei der Begegnung mit ihrem biologischen Vater. Obwohl der Film einen deutschen Mitproduzenten hat, ging die Filmemacherin in die Niederlande. Wohl auch, weil das IFFR 2021 die Entwicklung förderte.
Hier der Trailer:
Zu den Publikumslieblingen zählte „Los Domingos“ von Alauda Ruiz de Azúa. Die Regisseurin porträtiert eine 17-jährige Schülerin, die ihre Familie mit der Entscheidung schockt, ins Kloster einzutreten. Vor allem ihre Tante versucht, sie in einen andere Richtung zu drängen.
Hier der Trailer:
Zweimal Camus und Victor Hugo aus Frankreich
Unter den Dutzenden französischen Titeln waren zwei Varianten von Albert Camus “Der Fremde“, zum einen von Francois Ozon, bei uns bereits im Kino, und „L'Arab“ von Malek Bensmaïl mit Miriam Abbas. Der Film erzählt die Story der Hauptfigur aus der Perspektive von dessen Tochter.
Um das koloniale Erbe rank sich auch Micha Walds belgisch-französische Koproduktion „A Survivor’s Tale“. Nach authentischen Ereignissen aus dem Jahr 1552 gestaltet er das Schicksal einer jungen Frau, die nach einer Vergewaltigung schwanger wird, und vom eigenen Onkel auf einer rauen Insel vor der Küste Kanadas mit ihrer Zofe und ihrem Peiniger ausgesetzt wird.
Altmeister Pascal Bonitzer stellte persönlich seine leise komödiantische Studie „Victor comme tout le monde“ vor, eine Reflexion über die Bedeutung der Frauen im Leben von Victor Hugo und dessen Relevanz für junge Frauen heute über den Wiederannäherungsprozess eines Schauspielers und seiner Tochter.
In „The Fall of Sir Douglas Weatherford“ des Briten Sean Dunn verschmelzen langsam die Identität des Philosophen und des Guides, der regelmäßig durch dessen Heimat führt. Der Film bietet ein Wiedersehen mit dem großen Peter Mullen.
Überzeugendes Kino aus Skandinavien
Natürlich dürfen auf keinem Festival die Skandinavier fehlen. In der schwarzen, für deutschen Geschmack manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Komödie „The Kidnapping of a President“ stellt der Finne Samuli Valkama einen fehlgeschlagenen Putsch rechtsgerichteter Kräfte gegen die junge Demokratie im Jahr 1930 nach. Während Marijana Janković in ihrem autobiografischen Drama „Home“ die familiären Probleme nach der Flucht aus Serbien zu Beginn der 1990-er Jahre aufgreift.
Last but not least und mit Spannung erwartet war „Butterfly“, der neue Film der „Sentimental Value“-Produzenten mit der wunderbaren Renate Reinsve. Die isländische Regisseurin Itonje Søimer Guttormsen lässt darin zwei Schwestern nach Jahren auf den Kanarischen Inseln um den Besitz der Eltern ringen.
Cate Blanchet erneut in Rotterdam
Schauspielerin und UNHCR-Botschafterin Cate Blanchett ließ es sich zudem nicht nehmen, das erste Kurzfilmprogramm des Displacement Film Fund’s vorzustellen, das im vergangenen Jahr vom Festival in Kooperation mit dem Hubert Bals Fund ins Leben gerufen worden war. Die Filme mit einem Budget von je 100.000 Euro wurden von Maryna Er Gorbach (Ukraine/Türkei), Mo Harawe (Somalia-Österreich), Hasan Kattan (Syria/Groß Britannien), Mohammad Rasoulof (Iran, Deutschland) und Shahrbanoo Sadat (Afghanistan/Deutschland) inszeniert.
Katharina Dockhorn
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Überblick über die Preisgewinner 2026
Neben den wichtigsten Preisen, dem Tiger Award und dem Big Screen Award wurden bei der Verleihung am 6. Februar 2026 auch die Tiger Special Jury-, FIPRESCI-, NETPAC- und Jugendjury-Preise bekannt gegeben.
Tiger Competition winner dotiert mit 40.000 €
"Variations on a Theme" by Jason Jacobs and Devon Delmar (South Africa, Netherlands, Qatar) über Ouma Hettie, eine Ziegenhirtin in Südafrika.
Big Screen Competition winner
"Master" by Rezwan Shahriar Sumit (Bangladesh)
Der Film verfolgt den Aufstieg von Jahir, einem Lehrer, der in die Lokalpolitik Bangladeschs hineingezogen wurde. Was im Idealismus beginnt, verhärtet sich allmählich zu einem autoritären Impuls. Mit Klarheit und Zurückhaltung zeigt Sumit, wie Ehrgeiz sowohl Gemeinschaft als auch Selbst untergräbt, und offenbart die Mechanismen, durch die Macht ein Leben umgestaltet.
Tiger Special Jury Award winner
"La belle année" by Angelica Ruffier (Sweden, Norway)
Angelica Ruffier erlebt eine jugendliche Schwärmerei für eine Lehrerin und begibt sich auf eine zarte Reise von Erinnerung und Verlangen. Ein fein gewobener, reflektierender Essay über vergangene Sehnsüchte und gegenwärtige Ichs, durchdrungen vom subtilen Glamour des französischen Kinos.
FIPRESCI Award winner
"Supporting Role" by Ana Urushadze (Georgia, Estonia, Turkey, Switzerland, United States)
Ein verblasster Filmstar in Georgia kehrt zur Schauspielerei zurück und entdeckt eine Branche, die ihn zurückgelassen hat. Ana Urushadzes trockene und nachdenkliche Untersuchung verletzten Stolzes und Möglichkeiten, angeführt von einem magnetischen Dato Bakhtadze, navigiert Komödie und Melancholie mit List.
NETPAC Award winner
"i grew an inch when my father died" by P. R. Monencillo Patindol (Philippines)
Als ihr missbräuchlicher Vater von einem Nachbarn ermordet wird, müssen zwei Brüder mit Verlust und Freiheit kämpfen, während sie ihre Freundschaft mit dem Sohn des Täters ausbalancieren müssen. Ein tief empfundenes Debüt über die Komplexität von Verbrechen und vererbter Schuld.
Youth Jury Award winner
"Ah Girl" by Ang Geck Geck Priscilla (Singapore)
Ein junges Mädchen gerät in einen Krieg zwischen ihren getrennten Eltern und versucht, alles zu verstehen. Ang Geck Geck Geck Priscilla verstaut die blitzschnelle Intensität der Kindheit und nutzt ihre Erinnerungen an das Singapur der 1990er Jahre, um ein herzzerreißendes Debüt zu schaffen.
Link: iffr.com

Bericht von Katharina Dockhorn.
28 Filme made in Germany liefen beim diesjährigen Internationalen Filmfestival von Rotterdam, das vom 29. Januar bis zum Sonntag, den 8. Februar 2026 in den Niederlanden stattfand. Während sie bei der Preisverleihung am 6. Februar 2026 keine Rolle spielten, eroberten „Amrum“ und „Der verlorene Mann“ zumindest die Herzen des Publikums und schafften es auf die vorderen Plätze von deren Hitparade. Cate Blanchett ließ es sich nicht nehmen, den ersten Filmjahrgang des Displacement Film Funds vorzustellen, und eine Fortsetzung des Programms anzukündigen.
Stolz postete German Films die Fotos von Tilda Swinton, die in der niederländischen Hafenstadt zu den Stammgästen gehört. In „Heart of Light – eleven songs for Fiji“ leiht sie den Gedanken von Regisseurin Cythia Beatt über ihre Rückkehr zur Inselgruppe im Off ihre Stimme.
Hier der Trailer:
Deutschland kommt dann auch irgendwie vor, wenn ein deutscher Journalist darüber sinniert, dass die Redaktion Beiträge erwartet, die zwar in ihre Klischees, jedoch nicht zur Wirklichkeit passen. Aber leider wirkt der ganze Film so. Über Fiji und seine Bewohner erfährt der Zuschauer beinahe nichts, er bietet eher eine Reflexion über neokolonialistisches Denken.
„Der verlorene Mann“ überzeugt
Über das Festival hinaus wird dem Film wohl kein großes Leben vergönnt sein, der mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers entstanden ist. Ebenso wenig dem von der MDM unterstützten Experimentalfilm „Dump“, einer wirren Assoziation philosophischer Gedanken durch Regisseurin Christina Friedrich.
Hier der Trailer:
Das gleiche Schicksal wird auch den vielen Titeln deutscher Koproduktionen beschieden sein, die sicher sehr ehrenhaft und künstlerisch wertvoll sind. Aber niemand ins Kino locken werden.
Daneben feierten Ulrich Köhlers „Gavagai“ ebenso ihre Premiere im Nachbarland wie „In die Sonne schauen“, „Amrum“ oder „No Hit Wonder“.
Die eigentliche Entdeckung ist das Drama „Der verlorene Mann“ von Welf Reinhart, der es immerhin in den Hauptwettbewerb um den Tiger Award schaffte. Dagmar Manzel verwandelt sich gewohnt brillant in eine Lehrerin, in deren Haus plötzlich der Ex-Mann – gespielt von Harald Krassnitzer - steht. Er ist dement, und aus dem Pflegeheim abgehauen. Alte, schmerzlich verdrängte Erinnerungen kommen hoch, die ebenso wie die Gesamtsituation die Ehe mit ihrem zweiten Mann (August Zierner) auf eine harte Probe stellen.
Hier der Trailer:
Das anspruchsvollere Drama, das im Mai in die deutschen Kinos kommt, setzt ganz auf die Kraft der Schauspieler. Im Gesamtprogramm des Festivals gehörte es in seiner eher konventionellen Machart eher zu den Ausnahmen.
Neues aus Brasilien, Asien und Spanien
Das IFFR ist zum einen eher der Ort, um interessante Handschriften abseits des Mainstreams und neue Namen zu entdecken. Dabei ist es stets auch ein guter Ort, um das asiatische Kino zu kennenzulernen. Vietnam, die Philippen, Bangladesch – diese Länder sind hier präsent. Aber auch aus Brasilien kamen neben dem „The Secret Agent“ neue Werke, darunter Tiago Melos radikale Dystopie „Yellow Cake“. Im Nordosten des Landes experimentieren skrupellose Unternehmer und arglose Wissenschaftler an Methoden, um Uran gefahrlos abzubauen und gefährden damit sich und ihre Mitmenschen.
Hier der Trailer:
Einige Titel werden es vielleicht auf deutsche Festivals schaffen, zu vermuten ist es eher bei europäischen Titeln. Zum Beispiel bei „Romería“, dem neuen Film von Golden Bär-Gewinnerin Carla Simón. Sie begleitet feinfühlig eine Teenagerin bei der Begegnung mit ihrem biologischen Vater. Obwohl der Film einen deutschen Mitproduzenten hat, ging die Filmemacherin in die Niederlande. Wohl auch, weil das IFFR 2021 die Entwicklung förderte.
Hier der Trailer:
Zu den Publikumslieblingen zählte „Los Domingos“ von Alauda Ruiz de Azúa. Die Regisseurin porträtiert eine 17-jährige Schülerin, die ihre Familie mit der Entscheidung schockt, ins Kloster einzutreten. Vor allem ihre Tante versucht, sie in einen andere Richtung zu drängen.
Hier der Trailer:
Zweimal Camus und Victor Hugo aus Frankreich
Unter den Dutzenden französischen Titeln waren zwei Varianten von Albert Camus “Der Fremde“, zum einen von Francois Ozon, bei uns bereits im Kino, und „L'Arab“ von Malek Bensmaïl mit Miriam Abbas. Der Film erzählt die Story der Hauptfigur aus der Perspektive von dessen Tochter.
Um das koloniale Erbe rank sich auch Micha Walds belgisch-französische Koproduktion „A Survivor’s Tale“. Nach authentischen Ereignissen aus dem Jahr 1552 gestaltet er das Schicksal einer jungen Frau, die nach einer Vergewaltigung schwanger wird, und vom eigenen Onkel auf einer rauen Insel vor der Küste Kanadas mit ihrer Zofe und ihrem Peiniger ausgesetzt wird.
Altmeister Pascal Bonitzer stellte persönlich seine leise komödiantische Studie „Victor comme tout le monde“ vor, eine Reflexion über die Bedeutung der Frauen im Leben von Victor Hugo und dessen Relevanz für junge Frauen heute über den Wiederannäherungsprozess eines Schauspielers und seiner Tochter.
In „The Fall of Sir Douglas Weatherford“ des Briten Sean Dunn verschmelzen langsam die Identität des Philosophen und des Guides, der regelmäßig durch dessen Heimat führt. Der Film bietet ein Wiedersehen mit dem großen Peter Mullen.
Überzeugendes Kino aus Skandinavien
Natürlich dürfen auf keinem Festival die Skandinavier fehlen. In der schwarzen, für deutschen Geschmack manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Komödie „The Kidnapping of a President“ stellt der Finne Samuli Valkama einen fehlgeschlagenen Putsch rechtsgerichteter Kräfte gegen die junge Demokratie im Jahr 1930 nach. Während Marijana Janković in ihrem autobiografischen Drama „Home“ die familiären Probleme nach der Flucht aus Serbien zu Beginn der 1990-er Jahre aufgreift.
Last but not least und mit Spannung erwartet war „Butterfly“, der neue Film der „Sentimental Value“-Produzenten mit der wunderbaren Renate Reinsve. Die isländische Regisseurin Itonje Søimer Guttormsen lässt darin zwei Schwestern nach Jahren auf den Kanarischen Inseln um den Besitz der Eltern ringen.
Cate Blanchet erneut in Rotterdam
Schauspielerin und UNHCR-Botschafterin Cate Blanchett ließ es sich zudem nicht nehmen, das erste Kurzfilmprogramm des Displacement Film Fund’s vorzustellen, das im vergangenen Jahr vom Festival in Kooperation mit dem Hubert Bals Fund ins Leben gerufen worden war. Die Filme mit einem Budget von je 100.000 Euro wurden von Maryna Er Gorbach (Ukraine/Türkei), Mo Harawe (Somalia-Österreich), Hasan Kattan (Syria/Groß Britannien), Mohammad Rasoulof (Iran, Deutschland) und Shahrbanoo Sadat (Afghanistan/Deutschland) inszeniert.
Katharina Dockhorn
++++++++++
Überblick über die Preisgewinner 2026
Neben den wichtigsten Preisen, dem Tiger Award und dem Big Screen Award wurden bei der Verleihung am 6. Februar 2026 auch die Tiger Special Jury-, FIPRESCI-, NETPAC- und Jugendjury-Preise bekannt gegeben.
Tiger Competition winner dotiert mit 40.000 €
"Variations on a Theme" by Jason Jacobs and Devon Delmar (South Africa, Netherlands, Qatar) über Ouma Hettie, eine Ziegenhirtin in Südafrika.
Jurystatement:
"Mit einer tiefen poetischen Sprache fanden wir dies als nachdenkliches und bewegendes Porträt einer Gemeinschaft, die unter dem Gespenst kolonialer Erbe und familiärer Bindungen in dieser und der nächsten Welt lebt. Die Jury war einstimmig in unserer Entscheidung und hat große Zuneigung zu diesem Film."
Big Screen Competition winner
"Master" by Rezwan Shahriar Sumit (Bangladesh)
Der Film verfolgt den Aufstieg von Jahir, einem Lehrer, der in die Lokalpolitik Bangladeschs hineingezogen wurde. Was im Idealismus beginnt, verhärtet sich allmählich zu einem autoritären Impuls. Mit Klarheit und Zurückhaltung zeigt Sumit, wie Ehrgeiz sowohl Gemeinschaft als auch Selbst untergräbt, und offenbart die Mechanismen, durch die Macht ein Leben umgestaltet.
Jurystatement:
"Was als scheinbar geradlinige Geschichte von Idealismus gegen Korruption beginnt, entfaltet sich zu etwas viel Komplexerem und Vielschichtigerem. Mit farbenfrohen Pinselstriche und umgeben von lebendigen, authentischen Statisten verkörpert die Hauptfigur diese moralische Mehrdeutigkeit meisterhaft durch eine hervorragende Hauptdarstellung und zeigt, wie Macht letztlich ihren Willen durchsetzt."
Tiger Special Jury Award winner
"La belle année" by Angelica Ruffier (Sweden, Norway)
Angelica Ruffier erlebt eine jugendliche Schwärmerei für eine Lehrerin und begibt sich auf eine zarte Reise von Erinnerung und Verlangen. Ein fein gewobener, reflektierender Essay über vergangene Sehnsüchte und gegenwärtige Ichs, durchdrungen vom subtilen Glamour des französischen Kinos.
Jurystatement:
"Dieser Film ist ein intimes Porträt einer Frau, die mit Trauer umgeht und gleichzeitig mit ihren ersten Gefühlen von Liebe und Verlangen in Kontakt kommt. Der Regisseur vermittelt uns durch ein erstaunliches Schauspiel- und Regiehandwerk eine Wahrnehmung von Weiblichkeit, die im Kino viel zu selten dargestellt wird."
FIPRESCI Award winner
"Supporting Role" by Ana Urushadze (Georgia, Estonia, Turkey, Switzerland, United States)
Ein verblasster Filmstar in Georgia kehrt zur Schauspielerei zurück und entdeckt eine Branche, die ihn zurückgelassen hat. Ana Urushadzes trockene und nachdenkliche Untersuchung verletzten Stolzes und Möglichkeiten, angeführt von einem magnetischen Dato Bakhtadze, navigiert Komödie und Melancholie mit List.
Jurystatement:
"Durch eine Reihe bewegender, surrealer Begegnungen zeigt dieser Metafilm, wie unser Selbstverständnis oft im Widerspruch zu der Wahrnehmung anderer steht und die Möglichkeit der Transformation annimmt."
NETPAC Award winner
"i grew an inch when my father died" by P. R. Monencillo Patindol (Philippines)
Als ihr missbräuchlicher Vater von einem Nachbarn ermordet wird, müssen zwei Brüder mit Verlust und Freiheit kämpfen, während sie ihre Freundschaft mit dem Sohn des Täters ausbalancieren müssen. Ein tief empfundenes Debüt über die Komplexität von Verbrechen und vererbter Schuld.
Jurystatement:
"Der Film hat uns alle bewegt und ist voller Hoffnung, dass die Sprache des Kinos noch neu erfunden werden kann, wirklich spannend in seinem kreativen Ausdruck und seinem bedeutungsvollen erzählerischen Potenzial."
Youth Jury Award winner
"Ah Girl" by Ang Geck Geck Priscilla (Singapore)
Ein junges Mädchen gerät in einen Krieg zwischen ihren getrennten Eltern und versucht, alles zu verstehen. Ang Geck Geck Geck Priscilla verstaut die blitzschnelle Intensität der Kindheit und nutzt ihre Erinnerungen an das Singapur der 1990er Jahre, um ein herzzerreißendes Debüt zu schaffen.
Jurystatement:
"In einer für Erwachsene geschaffenen Gesellschaft, in der Kinder systematisch an den Rand gedrängt werden, fordert uns dieser Film auf, Menschen über alle Altersgruppen hinweg ernst zu nehmen – und zeigt, dass die menschliche Existenz, ob Kind oder Erwachsener, irgendwie universell ist."
Link: iffr.com