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Stabile Besucherzahlen bei den Programm-Kinos

Das Medien-Barometer der Hauptstadtregion ist in guter Stimmung.



Die Stimmung der Medienunternehmen in Berlin-Brandenburg ist nach Aussage von Elmar Giglinger, der die Abteilung Standortmarketing der Medienboard GmbH nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit wieder verlassen wird, in bester Laune. Nur die Besucherzahlen in den Kinos sind derzeit rückläufig. Vor allem die jüngere Generation, der 14-29-jährigen geht immer seltener ins Kino, während die ältere Generation, der über 50-jährigen, das Angebot der Programmkinos im Berliner Kiez zunehmend schätzen lernen und somit die rückläufigen Besucherzahlen etwas aufhalten konnten.

Die Digitalisierung der Kinos ermöglichte bessere Qualität und mehr Flexibilität beim Programmangebot, sodass die ältere Generation sich wieder auf das Kino zurückbesinnt, während die Jüngeren sich vornehmlich für andere Medien im Web interessieren. Die Spielebranche freut es. Und vor allem freut es die US-Firmen, die mit Serien wie "House of Cards" oder "Game of Thrones" und "Homeland" sensationelle Erfolge feiern konnten. Die vierte Staffel von "Homeland" wollen die Amerikaner deshalb sogar in Berlin und Babelsberg drehen.

Stars wie Kevin Spacy in "House of Cards" sind natürlich Zugpferde der Serien, während die Multiplex-Kinos sehnsüchtig auf große Filme warten, um dem Abwärtstrend begegnen zu können. Diese Probleme haben offensichtlich die kleinen Off-Kinos nicht. Sie hören auf ihre Zuschauer und bieten Sonntags oder Nachmittags Sonderprogramme oder manchmal auch alte deutsche Filme wieder an, die sonst nirgendwo gezeigt werden. Die EVA-Lichtspiele in Berlin-Wilmersdorf verzeichneten - entgegen dem Abwärtstrend - im letzten Jahr steigende Besucherzahlen, wie uns auf Rückfrage gestern mitgeteilt wurde.



Odeon, Xenon, Cosima und Bundesplatz-Kino mit Filmprogrammen jenseits des Mainstreams.

Die OFF-Kinoszene im alten West-Berlin hat eine lange Geschichte, doch etliche Lichtspielhäuser sind mittlerweile verschwunden wie die Kurbel, das Klick, die Filmbühne am Steinplatz, die Lupe oder das Broadway, um nur Einige aus unserem Einzugsgebiet Charlottenburg-Wilmersdorf zu nennen. Auch das Studio am Adenauerplatz reiht sich in diese Reihe ein, denn es war insbesondere als Spielort für den neuen deutschen Film in der damaligen Kino-Szene bekannt. Zugegeben, der Begriff OFF-Kino stammt aus einer Zeit, als das Kino noch analog war und Filme zeigte, welche vornehmlich von Leuten aus der 68er Studentenbewegung gesehen wurden. Im Zeitalter der Digitalisierung spricht man jetzt von Arthouse-Kinos oder Independent-Programmkinos, obwohl diese Lichtspielhäuser gar nicht so unabhängig mehr sind und entweder einer Kette wie der Yorck-Kinogruppe angehören, oder ihre Filme über ein weit verzahntes digitales Distributionsnetz beziehen.

Und dennoch gibt es sie noch. Die Kinos um die Ecke oder in Hinterhöfen, die manchmal Sonntags zu einer Matinee richtige - noch nicht digitalisierte - Filme von der analogen Filmrolle zeigen. Auch Werkschauen und Retrospektiven sind oft ihr Spezialgebiet, womit sie sich eine treue Fangemeinde zugelegt haben. Unsere Filmkritikerin Isolde Arnold, die auch für die Plattform Berlin ab 50 in der Kinorubrik schreibt, hat sich einmal umgetan und ihr eigenes Bild vom Nostalgiekino geprägt.



ODEON
Das ODEON gehört zu der Yorck Kinogruppe, deren Entstehung die Programmkinoszene der letzten drei Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst hat. Vom Stammhaus in der Kreuzberger Yorckstraße ausgehend, etablierten die Macher der Gruppe seit 1978 in den verschiedensten Bezirken der Stadt cineastisch anspruchsvolles Programm. Abseits von der Kinomeile am Kurfürstendamm widmeten sich kinobegeisterte Studenten um Georg Kloster schlecht laufenden Häusern und entdeckten alte, zwischenzeitlich fremd genutzte Lichtspieltheater wieder und brachten Kino so zurück in die Bezirke.

Das Publikum schätzt das individuelle Ambiente seiner Kinos, der 12 Häuser der Yorck Kinogruppe, so auch das ODEON im 50iger Jahre Stil, das einmal das Bezirkskino von Schöneberg war und „Sylvia“ hieß – es wurde 1982 erworben, 1985 umgetauft und als reines Originalfassungstheater aufgezogen. Es hat sich als solches durchgesetzt und verfügt heute über 340 Sitzplätze. Es wird von einer 24 Jahre jungen Frau geleitet und hat insgesamt 7 bis 8 Mitarbeiter, die sich heute Servicekräfte nennen, da es Vorführer als solche – wie in nunmehr fast allen Kinos – nicht mehr gibt, weil es digital umgerüstet wurde und nunmehr mit einer neuen Anlage mit perfektem Soundsystem ausgestattet ist.

Das Kino ist behindertenzugänglich, die Toiletten sind leider nicht behindertengerecht. Ein Vorraum lädt zum kurzzeitigen Verweilen ein, die Mitarbeiter sind freundlich und zugewandt. Und Wein und Saft und Bier und Wasser und was Kleines zum Schnabulieren sind natürlich im Angebot.

Montags ist Kinotag mit 6,50 € Eintritt, dienstags und mittwochs kostet der Eintritt 8,- / 7,- € und ab Donnerstag bis Sonntag 8,50 / 7,50 € (Zuschläge bei Überlänge).


Odeon:
Hauptstr. 116
10827 Berlin
(S-Bahn Schöneberg / U-Bahn Innsbrucker Platz)
Tel.: 030/ 787 04 019
Web: www.yorck.de/kinos/detail/100011/Odeon

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XENON Arthouse / Filmkunstkino
DAs XENON soll das zweitälteste Kino Berlins sein – nach dem Moviemento in Kreuzberg. Es ist tatsächlich 1909 gebaut und somit über hundert Jahre alt! Damals wurde Kino noch als „Effekt-Theater“ und „vornehmes Institut für belehrende Unterhaltung“ beworben.

Über 50 Jahre lang leitete das Kino „Colonna“ in der Kolonnenstraße ein Ehepaar Riess, danach ging das Kino in immer neue Hände über. Aus „Colonna“ wurde dann es 1983 in „Xenon“ umbenannt. Der jetzige Betreiber, Andy Wieske, der das Xenon 1995 übernommen hat, macht ein überwiegend schwul-lesbisches Sonderprogramm. Weitere Schwerpunkte sind das Kinderkino und Dokumentarfilme, sowie – wenn möglich – untertitelte Originalfassungen. Meistens laufen die Filme eine Woche und wenn sie gut besucht und gefragt sind, gibt es Verlängerungen oder sie werden später noch mal nachgespielt.

Da das Xenon das einzige Kino in Deutschland mit schwul-lesbischem Schwerpunkt ist, wurde es dafür vom BKM (Bundesbeauftragten für Kultur und Medien) mehrfach ausgezeichnet.

Das Kino verfügt über 137 Sitzplätze. Rollstühle können bequem ins Kino fahren, nur die Toiletten sind nicht behindertengerecht eingerichtet. Filme werden nunmehr digital gezeigt mit einem perfekten Soundsystem. Nach einer Komplettsanierung des Mietshauses, in dessen Erdgeschoß sich das Kino befindet, kann man sich – wenn demnächst auch die Rumpeligkeiten im Eingangsbereich beseitigt sind – auf einen interessanten Kinobesuch freuen. Und den spröden Charme des Kinobetreibers gibt’s gratis dazu!

Die Eintrittspreise sind moderat, dienstags und mittwochs als „Kinotage“ 5,- €, sonst – bis auf Überlängen – 7,- €


Xenon:
Kolonnenstr. 5-6
10827 Berlin-Schöneberg
(zwischen Kaiser-Wilhelm-Platz und der S-Bahn Julius-Leber-Brücke).
Parkmöglichkeiten ab 19 Uhr auf der Busspur direkt vor dem Kino.
Tel.: 030 / 780 01 530
Mail: service@xenon-kino.de
Web: www.xenon-kino.de

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Cosima Filmtheater
Das „Cosima“ liegt direkt am Varziner Platz in Berlin-Friedenau, in den die Varziner-, die Brünnhilde- sowie Isoldestraße münden. Das Kino im Dreieck zwischen Wilmersdorf, Steglitz und Schöneberg gelegen gibt es schon seit über 35 Jahren – ein Kiezkino oder Pantoffelkino, wie es auch liebevoll genannt wird. Inzwischen ist es digitalisiert und verfügt über ein perfektes Soundsystem.

Das private Kino wird von einem Team mit sechs Mitarbeitern betrieben. 179 Plätze hat es, eine Rampe für Rollstuhlfahrer gibt es selbstverständlich – es liegt zu ebener Erde – und, Kinotag ist immer! 6,- € kostet jede Vorstellung, es sei denn, der Film hat Überlänge. Gute erfolgreiche Filme werden nachgespielt.

Jeden Tag werden zwei Filme – 18:00 Uhr und 20:15 Uhr – gezeigt, am Wochenende samstags und sonntags kommt jeweils noch 15:30 Uhr eine Nachmittagsvorstellung dazu.

Schräg gegenüber ist ein italienisches Restaurant, „Miseri e Nobili“, das jeden Tag ab 15 Uhr geöffnet hat. Und ein Stückchen weiter am Perelsplatz gibt es – auch seit über 35 Jahren – das griechische Restaurant „Medusa“, wo es nicht nur gut schmeckt, sondern man kommt aus dem Staunen nicht heraus, weil die Wände eine mit Jugendstilkacheln ausgestattete Sammlung zeigen, die einmalig ist.


Cosima Filmtheater
Sieglindestr. 10
12159 Berlin-Friedenau
S/U Bahn Bundesplatz, Ausgang Varziner Straße, links
Tel.: 030 / 850 75 802
Eine Webseite gibt es nicht.
Das Programm lässt sich am Besten über Kino-Zeit/Cosima
oder mein Kinoprogramm.de abrufen.

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Bundesplatz Kino und EVA Lichtspiele
Das Bundesplatz Kino (Betreiber Martin Erlenmaier und Peter Latta) und die EVA Lichtspiele (Betreiber Karlheinz Opitz) gehören in gewisser Weise zusammen, weil die Betreiber gemeinsame Interessen verfolgen, sich ergänzen und freundschaftlich verbunden sind.

Das Kino am Bundesplatz - vorher Bundesplatz-STUDIO - wurde nach einer längeren Renovierungsphase im Oktober 2011 neu eröffnet, denn die drei Cineasten glauben an das Traditionskino und haben dem 1919 eröffneten Studio am Bundesplatz mit einem Restbestand fliederfarbener Stühle aus dem alten Zoo Palast neues Leben eingehaucht. Filme können im Bundesplatz-Kino nunmehr digital und analog gezeigt werden. Mit einer nagelneuen Anlage von Sony mit perfektem Soundsystem wird das Filme sehen zum Erlebnis. Es ist neben den EVA Lichtspielen eines der wenigen Kinos in Berlin, das dennoch weiterhin Archivkopien spielt und filmhistorische Reihen anbietet. Sonntags um 11 Uhr werden Filme zu einem aktuellen Thema gezeigt, in die meistens ein mit dem jeweiligen Film in Verbindung stehender Gast oder einer der Betreiber selbst einführt.

Es lohnt sich, dieses Kino zu besuchen, denn man wird dort freundlich empfangen. Ein Café mit einer kleinen Bibliothek und Plätzen im Sommer auch draußen unter Platanen, ladet zum ‚Gerne Verweilen’. Es gibt ein kleines Speiseangebot, leckere Kuchen und ausgewählte Weine. Das Kiezkino ist auch beliebt wegen seines besonderen Flairs durch seinen Stil Mix aus Elementen der 50er, 60er und 80er-Jahre.

Der Saal hat 125 Plätze und ist für Rollstuhlfahrer bequem eingerichtet.
Kinopreise: Erwachsene 7,50 €/ erm. 6,50 €, Kinder (bis 14J.) 5,- €. Mittwochs Kinotag 5,- €


Bundesplatz Kino
Bundesplatz 14
10715 Berlin
S/U-Bahn Bundesplatz
Tel.: 030 / 854 06 085
Mail: kino@bundesplatz-kino.de
Web: www.bundesplatz-kino.de

Die Reihe über traditionsreiche Berliner Lichtspieltheater soll fortgesetzt werden.
Isolde Arnold

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Einen ausführlichen Bericht über das Wilmersdorfer Programmkino EVA Lichtspiele und das derzeit wegen Abriss und kompletten Neubau vorübergehend geschlossene Kreuzberger Eiszeit Kiezkino im Hinterhof hatten wir am 24. Juni 2012 bei uns im BAF-Blog veröffentlicht. Weitere aktuelle Infos zu Schließungen und Neueröffnungen sind auch auf der Webseite vom Kinokompendium zu finden.

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