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Die Gewinner des 65. Festival del film Locarno 2012

Deutsche Koproduktion "Lore" mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.



Das Festival del film Locarno, feierte in diesem Jahr sein 65. Jubiläum in der italienischen Schweiz am Lago Maggiore mit einer leichten Publikumszunahme. Insgesamt wurden über die Dauer von elf Tagen nicht weniger als 161 680 Zuschauer gezählt. Schon am Eröffnungsabend empfing der junge Festivalchef Olivier Père einige hochkarätige Gäste auf der vollbesetzten Piazza Grande - dem berühmten Freiluftkino in Locarnos Altstadt. Die Schweiz feierte am 1. August traditionell ihren Nationalfeiertag, zu dem auch ein grosses Feuerwerk gehört. Auf auf Piazza wurden zwar keine Raketen gezündet, doch jeder Besucher erhielt einen kleinen Lampion, so dass bald ein Lichtermeer erstrahlte.

Nach der Vorstellung der Juroren - Vorsitzender der Wettbewerbsjury war in diesem Jahr der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul - wurde die britische Schauspielerin Charlotte Rampling als eine der ersten Ehrengäste mit dem Excellence Award Moet & Chandon prämiert. In den folgenden Tagen gab es Auszeichnungen für Otto Preminger, Johnnie To, Leos Carax und Gael García Bernal, die wir bereits in unserem Vorbericht vom 31. Juli 2012 erwähnt hatten. Zu den weiteren prominenten Gästen gehörten in diesem Jahr auch Alain Delon, Claire Denis, Harry Belafonte, Ornella Muti, Paul Dano, Eric Cantona, Valeria Bruni-Tedeschi und Popstar Kylie Minogue - als Darstellerin in "Holy Motors" sowie in dem US-Indiefilm "Jack and Diane".

Bis zum 11. August 2012 standen mehr als 300 Filme (darunter auch Kurzfilme) aus über 50 Ländern auf dem Programm, die von ihren Machern persönlich präsentiert wurden. Die 15 Filme, die Abends auf der Piazza Grande mit 8000 Plätzen zur Aufführung kamen, liefen überwiegend als Welt- oder internationale Premieren und standen u.a. im Wettbewerb um den großen Publikumspreis.

Darunter war auch die deutsch-australisch-britische Koproduktion "LORE" auf dem Programm, die den Publikumspreis der Open Air Vorführungen gewann. Die schweizer »Semaine de la critic (Woche der Kritik)« vergab ihren Hauptpreis an den deutschen Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht", über das Leben einer an Demenz erkrankten Mutter. Mit "Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel gab es darüber hinaus einen Schauspielerpreis für eine österreichische Produktion, der an Walter Saabel ging.

"Lore", eine Romanverfilmung, die die Australierin Cate Shortland in Deutschland mit dem deutschen Partner Rohfilm/Leipzig gedreht hat, erzählt die gefährliche Reise der 15-jährigen Lore und ihrer vier jüngeren Geschwister nach Kriegsende durch das von den Alliierten aufgeteilte Deutschland, um die Großeltern wiederzusehen. Ein Film über die chaotischen Zustände unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Unterwegs wird Lore nicht nur mit den Grauen des Krieges sondern auch mit den Verbrechen der Nationalsozialisten konfrontiert.

Lore ist ein eher kleiner und verhältnismäßig leiser Film, schreibt Beatrice Behn auf KinoZeit in einer ersten Locarno Festivalkritik, von wo wir auch den Trailer einbinden konnten. Kinostart wird erst am 01.11.2012 sein.



Das deutsche Team - darunter Titelheldin Saskia Rosendahl - traf auf der Piazza auf einen Altmeister: Alain Delon, der den Lifetime Achievement Award entgegennahm. In diesem Jahr war die Stardichte am Lago Maggiore so hoch wie lange nicht. Der ambitionierte Festivalchef Olivier Père, der das Programm zum dritten Mal zusammengestellt hat, will Locarno ganz offenkundig näher an die Runde der drei grossen A-Festivals - Berlin, Cannes und Venedig - rücken.

Weiteres britisches Highlight war die Weltpremiere des Thrillers "The Sweeney", der von Regisseur Nick Love und seinem Hauptdarsteller Ray Winstone persönlich vorgestellt wurde. Love war vor acht Jahren schon einmal bei A-Festival in Locarno zu Gast mit "The Football Factory". Sein neuer Film, eine Adaption einer gleichnamigen Krimiserie aus den Siebziger Jahren, die in Großbritannien Kultstatus genießt, ist rasantes Action-Kino mit typisch britischen Handschrift über ein Londoner Sondereinsatzkommando der Polizei, das in einem Showdown am Trafalgar Square endet. Winstone brilliert als bulliger Einsatzleiter, der stets einen trockenen Spruch auf dem Lippen hat.

Einen Preis konnte der britische Film jedoch nicht gewinnen, denn der Golden Leopard ging an Frankreich für den Lowest-Budget-Gruselfilm "LA FILLE DE NULLE PART" ("Das Mädchen von Nirgendwo") von Jean-Claude Brisseau. Erstaunlich ist, dass das Festival mit dem französischen Film einen Veteranen der 68er-Generation mit einer langjährigen künstlerischen Laufbahn honoriert, obwohl es doch zuallererst ein Festival der Entdeckungen sein will, schreibt der schweizer Filmkritiker Antoine Duplan in der Tageszeitung "Le Temps" über die Entscheidung der Jury unter Präsident Apichatpong Weerasethakul.

Der Siegerfilm "LA FILLE DE NULLE PART" beeindruckte insbesondere durch eine geradezu magische Bildgestaltung. In dem Kammerspiel liest ein Mathematikprofessor und Hobby-Seelenforscher vor seiner Tür eine verletzte junge Frau auf. Während er sie gesund pflegt, bringt sie sich in seine Arbeit ein und macht ihn mit paranormalen Spuk-Phänomenen bekannt.

Hier die komplette Liste der Gewinner:

Concorso internazionale

Pardo d’oro
LA FILLE DE NULLE PART by Jean-Claude Brisseau, France

Premio speciale della giuria
SOMEBODY UP THERE LIKES ME by Bob Byington, United States

Pardo per la migliore regia (Best Director)
YING LIANG for the film WO HAI YOU HUA YAO SHUO (When Night Falls), South Korea/China

Pardo per la miglior interpretazione femminile (Best Actress)
AN NAI for the film WO HAI YOU HUA YAO SHUO (When Night Falls) by Ying Liang, South Korea/China

Pardo per la miglior interpretazione maschile (Best Actor)
WALTER SAABEL for the film DER GLANZ DES TAGES (The Shine of Day) by Tizza Covi and Rainer Frimmel, Austria

Special mention
To the extraordinary character CANDY from the film A ULTIMA VEZ QUE VI MACAU due to her powerful presence through absence which resonated for the Jury as representing the immense courage of Portuguese cinema in times when the failures of government and social systems threaten the cinematic arts worldwide.

Concorso Cineasti del presente (Die Nachwuchskategorie)

Pardo d’oro Cineasti del presente – Premio George Foundation
INORI by Pedro González-Rubio, Japan

Premio per il miglior regista emergente (Best Director)
JOEL POTRYKUS for the film APE, United States

Premio speciale della giuria Ciné+ Cineasti del presente
NOT IN TEL AVIV by Nony Geffen, Israel

Special Mention
TECTONICS by Peter Bo Rappmund, United States

Opera Prima

Pardo per la migliore opera prima (Best First Feature)
JI YI WANG ZHE WO (Memories Look At Me) by SONG Fang, China

Special Mention
APE by Joel Potrykus, United States

Pardi di domani

Concorso internazionale
Pardino d’oro for the Best International Short Film
THE MASS OF MEN by Gabriel Gauchet, United Kingdom

Pardino d’argento
YADERNI WYDHODY (Nuclear Waste) by Myroslav Slaboshpytskiy, Ukraine

Special Mention
LOS RETRATOS (Portraits) by Iván D. Gaona, Colombia

Locarno short film nominee for the European Film Awards - Premio Pianific
BACK OF BEYOND by Michael Lennox, United Kingdom

The Film und Video Untertitelung Prize
O QUE ARDE CURA (As the Flames Rose) ba João Rui Guerra da Mata, Portugal

Concorso nazionale
Pardino d’oro for the Best Swiss Short Film
RADIO-ACTIF (Radio-active) by Nathan Hofstetter, Switzerland

Pardino d’argento
L’AMOUR BÈGUE (Stammering Love) by Jan Czarlewski, Switzerland

Premio Action Light for the Best Swiss Newcomer
IL VULCANO (The Volcano) by Alice Riva, Switzerland

Piazza Grande

Prix du Public UBS
LORE by Cate Shortland, Germany/Australia/ United Kingdom

Variety Piazza Grande Award
CAMILLE REDOUBLE by Noémie Lvovsky, France

Grand Prix du "Semaine de la Critic"
VERGISS MEIN NICHT by David Sieveking, Germany

Bereits zur Mitte der zweiten Festivalwoche wurden die Awards des »Open Doors co-production lab« und der »Drehbuchpreis« dotiert mit 10'000 CHF vergeben, der in diesem Jahr an einen Filmstoff aus Mexiko ging, um das angefangene Projekt fortsetzen zu können:

Carte Blanche Award 2012
LAS LAGRIMAS (The Tears) by Pablo Delgado Sanchez, produced by Guillermo Ortiz Picharo.

Grant Open Doors for post-production 10.000 CHF
FRAGMENTS DE VIES (Pieces of Lives) by Laza (Madagascar)

Grant Open Doors for development 15.000 CHF
LADJI NYÈ (The Eye) by Daouda Coulibaly (Mali)

Grant Open Doors for development 10.000 CHF
FASO FANI, la fin du rêve (Faso Fani, the End of the Dream) by Michel K. Zongo (Burkina Faso)

Grant Open Doors for development 15.000 CHF
LA PROCHAINE FOIS, le Feu, (Fire Next Time) by Mati Diop (Sénégal)

Premio ARTE Open Doors 6.000 Euros
FASO FANI, la fin du rêve (Faso Fani, the End of the Dream) by Michel K. Zongo (Burkina Faso)

Grant CNC (Centre National du cinéma et de l’image animée) 7.000 Euros
LA PROCHAINE FOIS, le Feu, (Fire Next Time) by Mati Diop (Sénégal)

Web: www.pardo.ch | www.pardolive.ch
Quellen: Festival del film Locarno | Blickpunkt:Film | KinoZeit | Salzburger Nachrichten


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