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Kinofenster auf Dauer nicht mehr haltbar

Time-Warner-Chef: Kinofenster wird fallen, denn die Kinolust bei jungem Publikum sinkt. Erhebungen der FFA belegen diese These.



Der wachsende Erfolg der 3D-Filmproduktionen rettet glücklicherweise das Kino vor allzustarkem Besucherverlust. Doch der große Hype um den dreidimensionalen Film wird nicht ewig währen und scheint sich sogar bereits abzuflachen. Vor allem um junges Publikum müssen sich die Kinos in besonderer Weise stärker als bisher bemühen, denn die Jugend hat inzwischen die Lust am Kino beträchtlich verloren. Andere Medien, andere Interessen und die Möglichkeit aktuelle Filme frühzeitig über Internet, Flachbildschirm, Smartphones und Tablet PCs jederzeit und fast überall ansehen zu können, verschieben die herkömmlichen Sehgewohnheiten.

Am Wochende locken außerdem Castingshows und Gesangwettbewerbe wie die RTL-TV-Sendungen DSDS "Deutschland sucht den Superstar", "Das Supertalent" und jüngst "DSDS für Kids" mittlerweile immer jüngeres Publikum vor den TV-Bildschirm. Nicht mehr Kinostars sind die neuen Idole, sondern jugendliche Nachwuchstalente aus der Musikbranche faszinieren Jungs und Mädchen gleichermaßen weitaus stärker als jeder Aktionfilm. Belegen lassen sich diese Thesen mit den jüngsten Erhebungen der Filmförderungsanstalt (FFA).

Die Resultate machen klar, dass vor allem die Rückgewinnung der jungen Zielgruppe eine besondere Herausforderung für die Kinobranche darstellt. So konnten im nach Umsatz drittstärksten Kinojahr der vergangenen Dekade zwar über nahezu alle Altersgruppen leichte Besucherzuwächse verzeichnet werden, Ausnahme ist jedoch die Gruppe der zehn- bis 19-Jährigen, an die 2011 tatsächlich sieben Prozent weniger Tickets verkauft wurden. In den Altersgruppen 40 bis 49 Jahre (plus zehn Prozent), 50 bis 59 Jahre (plus vier Prozent) und über 60 Jahre (plus 13 Prozent) konnte das Kino jedoch deutlich zulegen, wie wir kürzlich in einem Artikel am 5. Mai 2012 im BAF-Blog schrieben.

Zwar stellten die 20- bis 29-Jährigen auch im vergangenen Jahr den größten Besucheranteil mit 26 Prozent der verkauften Tickets, über die letzten zehn Jahre betrachtet ist die Zahl der Kinobesucher aus dieser Altersgruppe jedoch um 34 Prozent geschrumpft. In der Gruppe der Zehn- bis 19-Jährigen geht fast ein Viertel im Vergleich zu 2002 nicht mehr ins Kino (minus 24 Prozent) und unter den 30- bis 39-Jährigen sogar annähernd die Hälfte (minus 43 Prozent). Die Altersgruppen ab 50 Jahren sind in den letzten zehn Jahren hingegen kinoaffiner geworden. Im Vergleich zu 2002 lösten die 50- bis 59-Jährigen im vergangenen Jahr 21 Prozent und die Generation 60+ sogar 80 Prozent mehr Tickets. Allerdings stellten diese Altersgruppen nur 18 Prozent des Gesamtkinobesuches. Konsequenterweise ist das Durchschnittsalter der Kinobesucher erneut gestiegen und lag 2011 bei 34,2 Jahren. 2002 lag der Wert noch bei 30,5 Jahren.

20 Prozent der Kinobesucher des vergangenen Jahres wurden neu hinzugewonnen, allerdings zählen 46 Prozent von ihnen zu den sporadischen Kinogängern mit lediglich einem Kinobesuch pro Jahr. Generell hat die Zahl der Besuche pro Kinogänger weiter abgenommen und lag mit 4,1 um 23 Prozent unter dem Wert von 2002 (5,3). Entsprechend das Bild bei den Intensitätsgruppen: Seit 2002 haben die Kinos rund 40 Prozent der sogenannten "Heavy User" (sieben Besuche pro Jahr und mehr) verloren, während die Gruppe der sporadischen Kinogänger im gleichen Zeitraum um 30 Prozent gewachsen ist. Am deutlichsten hat die Gruppe der 20- bis 29-Jährigen ihre Besuchsintensität reduziert: von durchschnittlich 7,7 Besuchen im Jahre 2002 auf 5,4 im vergangenen Jahr.

Nur beim 3D-Segment sehen die Zahlen etwas anders aus und die Verluste sind geringer. Tatsächlich wurde jeder zehnte Kinobesucher erst durch 3D mobilisiert, wieder einmal ins Kino zu gehen. Doch gehören 3D-Besucher vorrangig zur Gruppe der sporadischen Kinogänger mit nur einem Besuch im Jahr. Somit liegt die Besuchsintensität beim 3D-Publikum deutlich niedriger als im Gesamtmarkt, was für die Zukunft des 3D-Films wenig optimistisch klingt. Dennoch entfielen mit 27 Mio. verkauften Tickets immerhin 21 Prozent der Kinobesuche 2011 auf einen 3D-Film. Sowohl die 3D-Besuche als auch der Umsatz mit 3D-Filmen stiegen um rund 14 Prozent gegenüber 2010. Mit insgesamt 268 Mio. Euro Umsatz repräsentierten 3D-Filme 28 Prozent des gesamten deutschen Boxoffice.

Kinostart und digitaler DVD Vertrieb zukünftig immer häufíger zeitgleich.
Im internationalen Vergleich sehen die Besucherzahlen auch nicht viel besser aus, weshalb Time Warner-CEO Jeff Bewkes kürzlich in einer US-Talkshow erklärte, die Zeiten des gewohnten Kinoauswertungsfensters von mehreren Monaten seien gezählt und auf Dauer nicht mehr haltbar. Man könnte nicht mehr Monate abwarten, bis ein Film auf Video verfügbar sei, dies würde zudem auch der Filmpiraterie Tür und Tor öffnen. Jeder in diesem Geschäft, "auch Kinobetreiber", so Bewkes, hätten ein Interesse daran, zu einem Punkt zu kommen, an dem Filme schon früh auf allen Kanälen verfügbar sind. Der Time-Warner-Chef gab zu, dass dies ein heikles Thema sei, doch man werde gemeinsam daran arbeiten, eine wohl durchdachte Lösung zu finden, die das Kinoerlebnis nicht untergrabe.

Bewkes sprach zudem davon, dass der DVD- und Blu-ray-Markt - der in den USA seit einiger Zeit stagniert - durchaus noch eine Zukunft habe. Die Filme müssten jedoch günstiger angeboten werden. Die digitale Distribution via Breitbandkabel böte zudem gute Geschäftsaussichten:

"Man kann inzwischen Bits und Bites um den Globus schicken, ohne dass große Kosten entstehen."

Link: Die komplette Studie steht unter www.ffa.de zum Download
Quellen: Filmförderungsanstalt | Blickpunkt:Film


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