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Boxhagener Platz in Babelsberg neu erstanden

Matti Geschonneck dreht seit März den Kinofilm “Boxhagener Platz” in Babelsberg.

Die historischen Berliner Plätze in Ost-Berlin, wie der Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg, oder der Boxhagener in Friedrichshain sind zwar alle nach der Wende wieder restauriert, doch für Filmaufnahmen alter Vorlagen sind die neu aufgebauten Orte in den meisten Fällen nicht zu gebrauchen.

So ließ der vielfach preisgekrönte und am Boxhagener Platz aufgewachsene Berliner Regisseur Matti Geschonneck im März den BOXHAGENER PLATZ in Potsdam Babelsberg als Filmkulisse neu erstehen und dreht nur wenige Szenen seines Kinofilms, nach dem gleichnamigen Roman von Torsten Schulz, an original Schauplätzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Der Journalist Peter Twiehaus des Filmmagazins „Filmvorführer“ vom rbb hatte kürzlich von den Dreharbeiten ausführlich berichtet.

Es ist der 7. Oktober 1968, Tag der Republik in der DDR, als ein Mord Leben in den Kiez rund um den Ost-Berliner Boxhagener Platz bringt. Während in West-Berlin zu gleicher Zeit Studentenunruhen das politische Geschehen bestimmen und die sexuelle Revolution ausgerufen wird, fahren in Prag Panzer auf.

Doch in Ost-Berlin erleben Oma Otti (Gudrun Ritter) und ihr zwölfjähriger Enkel Holger (Samuel Schneider) ihre ganz eigenen Abenteuer. Eine turbulente Geschichte beginnt am „Boxhagener Platz“ gespickt mit ein paar Seitenhieben auf die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee, sodass der real existierende DDR-Sozialismus zur Nebensache avanciert. Die Großmutter, liebevoll Otti genannt, hat schon fünf Ehemänner ins Grab gebracht und dem Sechsten geht es auch nicht mehr so gut, als sie Avancen von Altnazi Fisch-Winkler (Horst Krause) und dem ehemaligen Spartakuskämpfer Karl Wegner (Michael Gwisdek) erhält. Otti verliebt sich in Karl und plötzlich ist Fisch-Winkler tot. Holger avanciert zum Hobbydetektiv und lernt dabei einiges über die Liebe, die 68er Revolte und wie man mit „revolutionären“ Geheimnissen Frauen rumkriegt. Bis Holger einen Fehler begeht, der ausgerechnet Karl in Gefahr bringt…

Vor der Kamera von Martin Langer sind zu sehen: Gudrun Ritter (Antikörper, Coming Out), Michael Gwisdek (Der Baader Meinhof Komplex, Good Bye Lenin!), Jürgen Vogel (Die Welle, Emmas Glück), Meret Becker (Urlaub vom Leben, Kleine Haie), Horst Krause (Schultze gets the blues), Ingeborg Westphal (Der rote Kakadu), Claudia Geisler (Lichter), Milan Peschel (Netto, Free Rainer), Hans-Uwe Bauer (Das Leben der Anderen) sowie der 14 jährige Samuel Schneider in seiner ersten Kinorolle.

Produziert wird BOXHAGENER PLATZ von der Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion (Jenseits der Stille, 23, Krabat) in Koproduktion mit der Studio Babelsberg AG / Babelsberg Film GmbH, dem WDR, RBB und Arte.

Die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), das Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die Filmförderungsanstalt (FFA), der Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) und der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) fördern BOXHAGENER PLATZ. Pandora Filmverleih bringt die charmant-skurrile Tragikkomödie ins Kino.

Der „Boxhagener Platz“ wurde bereits im Jahre 2005 als Hörspiel des rbb von Gabriele Bigott erfolgreich umgesetzt. Die Produktion wurde damals von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats August benannt.

Musik: Ulrich Gumpert
Hörspielbearbeitung und Regie: Gabriele Bigott
Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg 2005
Dauer: 55’10 stereo
Es wirken unter anderem mit: Carmen-Maja Antoni (Oma Otti), Joshua Thiemann (Holger), Jaecki Schwarz (Karl Wegner), Klaus Herm (Rudi), Horst Lebinski (Fisch-Winkler) und Boris Aljinovic (Bodo).
In der Begründung der Jury hieß es: „Der Blick zurück ist heiter und sieht Leute und Zustände von damals mit mehr lachendem als weinendem Auge. Und rettete so einen Humor, der sehr eigen und dem wenig heilig war. … Gabriele Bigott trifft in ihrer Inszenierung genau den Grundton von Ironie, Komik und Sarkasmus, der in den Filmen ‚Sonnenallee’ und ‚Good bye Lenin’ bezauberte. Weil so sinnlich nachvollziehbar wurde, wie merkwürdig, verrückt, tragisch und komisch sich Leben im Alltag der DDR gestaltete.
Holger, damals zwölf Jahre alt, erinnert sich an die erstaunliche Liebesgeschichte seiner Großmutter und einen geheimnisvollen Mordfall. All das – und noch viel mehr – passierte bei den "kleinen Leuten" im Kiez um den Boxhagener Platz, damals in der DDR.

Das gleichnamige im Ullstein Verlag erschienene Buch ist das hoch gelobte Romandebüt von Torsten Schulz, der auch das Drehbuch verfasste. Die gebundene Ausgabe ist mittlerweile vergriffen. Bei Amazon.de sind nur noch wenige gebrauchte Restexemplare zu bekommen. Das broschierte Taschenbuch ist allerdings weiterhin erhältlich ebenso wie die preisgekrönte Hörbuchfassung.

Der Autor Torsten Schulz, geboren in Ostberlin, ist Autor von Spiel – und Fernsehfilmen, Regisseur von Dokumentarfilmen und Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen HFF "Konrad Wolf" in Babelsberg.

Trotz der vielen liebenswerten Figuren will der Autor mit der allmählich wieder abflauenden Ostalgie-Welle nichts zu tun haben. Das Buch liefert weder eine Verklärung noch eine Verketzerung der DDR, sondern schildert ein Biotop der kleinen Leute. Nicht zuletzt wegen dieser Qualität, sondern auch der Erfolg des Buches und des Hörspiels war Anlass genug sich jetzt an eine Verfilmung zu wagen.

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