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32. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg und 33. ITFS Stuttgart

Parallel zum 33. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS), findet in unserer Region vom 5. bis 10. Mai 2026 das 32. Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg statt.



Eigentlich wollten wir bei dem schönen Frühlingswetter einen Ausflug nach Stuttgart zum ITFS machen und die Berichterstattung vom 32. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg unserer Kollegin Angelika Kettelhack überlassen, die ganz in der Nähe der Berliner Bleibtreustraße wohnt, wo sich mit dem Kino Filmkunst 66 eine der zentralen Spielstätten des jüdischen Filmfestivals befindet. Daneben werden auch im Thalia Programmkino Potsdam und im Kino Krokodil Wettbewerbsfilme vorgeführt. Weitere Spielstätten sind das Moviemento, Bundesplatz-Kino, Filmmuseum Potsdam und im Felleshus der Nordischen Botschaften.

Eine inzwischen bestätigte Einladung zur Eröffnung am Dienstag, den 5. Mai 2026 im Hans-Otto-Theater in Potsdam werden wir uns allerdings nicht entgehen lassen, um ggf. Gespräche mit uns bekannten Gesichtern von Prominenten und Veranstaltern zu führen.

In diesem Jahr richtet das 32. Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB) mit der Filmreihe „Nordic Jewish Focus“ den Blick auf ein selten beleuchtetes Kapitel der Filmkultur: Jüdische Erfahrungen im Kino Skandinaviens und Finnlands.

„Die Vielfalt von Filmen aus den nordischen Ländern, die sich mit jüdischer Erfahrung und Geschichte beschäftigen, hat uns überzeugt“, sagt Programmdirektor Bernd Buder. Zu sehen sind unter anderem der queere Genre-Mix Attachment (Gabriel Bier Gislason, 2022), der orthodoxe Mystik mit Horrorelementen verbindet sowie die Dokumentarfilm-Komödie Swedishkayt: YidLife Crisis in Stockholm (Eli Batalion, Jamie Elman, 2025), in der zwei kanadische Stand-up-Comedians Jüdischkeit in Schweden erkunden.

Auch die Rolle von Sprache wird thematisiert: die Filme "Dockan Glick" und "Mischmasch" (beide Uta Arning) rücken Jiddisch in den Mittelpunkt, das in Schweden seit 2002 eine anerkannte Minderheitensprache ist. „Ein lebendiges Programm über die Präsenz von Jüdischkeit in Nordeuropa“, betont Buder.

Ergänzt wird die Reihe durch weitere Produktionen wie "The Bridgeplayers" (Alberto Herskovits, 2025), ein sensibles Porträt von vier Holocaust-Überlebenden, die seit ihrer Deportation nach Auschwitz befreundet sind, sowie "David – Stories of Honour and Shame" (Taru Mäkelä, 1997), der die widersprüchliche Rolle Finnlands im Zweiten Weltkrieg und die Geschichte der finnischen Jüdinnen und Juden auf 35 mm erzählt. Ein Kurzfilmprogramm und ein Panel im Felleshus der Nordischen Botschaften runden das Programm ab.

Neben der Reihe „Nordic Jewish Focus“, deren Filmreihe in Zusammenarbeit mit den Nordischen Botschaften in Berlin entstanden ist, umfasst das diesjährige Programm zwei Wettbewerbe sowie weitere Sektionen. Insgesamt zeigt das Festival rund 60 Filme aus 22 Ländern vom 5. - 10. Mai 2026.

Ganz aktuell hinterfragt die Spezialreihe „The Other Israel“ vereinfachte Narrative und stellt komplexe Realitäten israelischer und palästinensischer Gesellschaften jenseits politischen Lagerdenkens in den Mittelpunkt.

Die Reihe entstand in Zusammenarbeit mit dem 2007 in New York gegründeten Other Israel Film Festival, das sich mit den Beziehungen zwischen und innerhalb unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen Israels befasst.

Geschäftsführer Isaac Zablocki wird beim JFBB zu Gast sein und betont: „In Zeiten von Polarisierung und Boykott ist es entscheidend, differenzierte Perspektiven sichtbar zu machen. ‘Other Israel’ schafft einen Raum für Dialog – der filmische Austausch ist dabei ein kraftvolles Werkzeug für kulturellen Wandel.“

Exemplarisch für die Reihe ist der Dokumentarfilm "The Smugglers" (Tony Copti, Yaniv Berman, 2025), in dem zwei Buchhändler versuchen, arabisch-sprachige Bücher nach Israel zu bringen. Dabei stoßen sie auf Mechanismen, die den Zugang zu Sprache und kulturellem Gedächtnis zunehmend regulieren. Außerdem im Programm ist das Oscar-nominierte Kurzdrama "Butcher’s Stain" (Meyer Levinson-Blount, 2025), in dem ein palästinensischer Supermarktangestellter nach einer falschen Verdächtigung ins Visier gerät. Die Dokumentation "On Thin Ice" (Udi Kalinsky, Irit Hod 2026) blickt auf die drusische Community Israels und zeigt eine junge Eishockeyspielerin zwischen sportlichen Ambitionen und familiären Erwartungen.

Die Wettbewerbe des JFBB 2026

Im Spannungsfeld von Erinnerung, Gegenwart und individueller Erfahrung entfalten die Wettbewerbe des 32. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg ein vielschichtiges Bild des aktuellen internationalen Filmschaffens. Neunzehn Spiel- und Dokumentarfilme bündeln dabei prägnante erzählerische Positionen, die sich mit historischen Zäsuren ebenso auseinandersetzen wie mit politischen Realitäten und persönlichen Geschichten der Gegenwart.

„Die Filme in unseren Wettbewerben setzen sich nicht nur mit einer Vielfalt von historischen und gegenwärtigen Themen auseinander, sondern zeigen auch, wie vielfältig gegenwärtiges jüdisches Kino künstlerisch auf die Herausforderungen unserer überbordenden Gegenwart reagiert: zwischen bildstarker Filmkunst und lakonischem Humor, punktgenauer Beobachtung und familiärem Sittenbild, Alltagsnähe und experimenteller Entfremdung. Starke Ansätze, um sich mit einer Geschichte und einer Gegenwart zu beschäftigen, die einem zu oft im Hals stecken bleiben. Politisch wie persönlich“, so die Programmdirektoren Bernd Buder und Lea Wohl von Haselberg.

Der Wettbewerb Spielfilm erzählt von gesellschaftlichen Bruchlinien, oft aus sehr intimen Situationen heraus. In "Book of Ruth" (Regie: Esty Shushan, IL) beginnt sich eine Frau nach dem Tod ihres Kindes aus den engen Strukturen ihrer ultraorthodoxen Gemeinschaft zu lösen. Fantasy Life (Regie: Matthew Shear, US) begleitet einen Mann in einer Lebenskrise, der als Babysitter unerwartet Nähe und Orientierung findet, während in "Negative Capability" (Regie: Jesse Zigelstein, CA) ein Literaturdozent in der Midlife-Crisis vor dem Scheitern seiner Ehe und beruflicher Unsicherheit steht.

Historische Stoffe verdichten sich zu intensiven Erzählräumen: "Mariana’s Room" (Regie: Emmanuel Finkiel, IL/FR/HU/BE) zeigt einen versteckten Jungen im besetzten Czernowitz, der die Shoah aus der Enge eines Bordellzimmers erlebt. "The Soundman" (Regie: Frank Van Passel, BE) folgt einem Klangtechniker, dessen Arbeit beim Radio im Belgien von 1940 durch Krieg und Liebe in Gefahr gerät. In "Orphan" (Regie: László Nemes, HU/UK/DE/FR) zerbricht die Identität eines Jungen im Nachkriegsungarn, als ein Fremder die Rolle seines Vaters beansprucht, während "The Safe House" (Regie: Lionel Baier, CH/LU/FR) die politischen Umbrüche von 1968 aus der Perspektive eines Pariser Großfamilie zeigt.

Gegenwartsfilme erzählen von Bewegung und Begegnung: "The Sea" (Regie: Shai Carmeli-Pollak, IL) folgt einem palästinensischen Jungen, der nach einem Checkpoint allein durch Israel reist, getrieben von der Sehnsucht nach dem Meer. In "Where To?" (Regie: Assaf Machnes, IL/DE) begegnen sich ein palästinensischer Taxifahrer und ein junger Israeli immer wieder in Berlin und entwickeln vorsichtig eine Verbindung. Some Notes on the Current Situation (Regie: Eran Kolirin, IL) entwirft in episodischer Form ein fragmentiertes Bild Israels nach dem 7. Oktober.

Der Wettbewerb Dokumentarfilm versammelt ebenso präzise Beobachtungen. "A Goodnight Kiss" (Regie: Giedrė Žickytė, LT/EE/BG) zeichnet das Leben der Shoah-Überlebenden Irena Veisaitė anhand von Erinnerungen und Archivmaterial nach. "Reward for the Rain" (Regie: Barbara Bernáth, HU) zeigt Eva Fáhidi, die sich im hohen Alter ihrer Vergangenheit stellt und zugleich eine späte Liebe lebt. In "Out of Order" (Regie: Rani Saar, IL) dokumentiert eine Frau ihren Alltag im ersten Jahr nach dem Verlust ihres Partners – ein radikal persönliches Trauertagebuch.

Reflexive und essayistische Arbeiten erweitern den Blick: "Holofiction" (Regie: Michal Kosakowski, DE/AT) untersucht anhand von Filmausschnitten die Bildgeschichte der Shoah, während die Weltpremiere "Nur der Wald ist geblieben" (Regie: Hans Seebacher, Tobias Hochstöger, AT) in ruhigen Landschaften nach verborgenen Spuren von Gewalt sucht. "The Big Chief" (Regie: Tomasz Wolski, PL/NL/FR) porträtiert einen Widerstandskämpfer zwischen politischer Vereinnahmung und Isolation, und "The Stamp Thief" (Regie: Dan Sturman, US) begleitet eine Gruppe von Autoren auf einer ebenso absurden wie erkenntnisreichen Schatzsuche in Polen.

Aktuelle politische Spannungen spiegeln sich in "Know Hope" (Regie: Omer Shamir, IL/US), das künstlerischen Widerstand im öffentlichen Raum verfolgt sowie in "Shooting" (Regie: Netalie Braun, IL), das die Verflechtung von Film, Krieg und Macht untersucht.

Über die Vergabe der Preise entscheiden zwei international besetzte Jurys. Die Spielfilmjury setzt sich aus der Produzentin und ehemaligen Geschäftsführerin der Berlinale, Mariette Rissenbeek, der Regisseurin Mahnaz Mohammadi und dem Kameramann Matan Radin zusammen. Die Dokumentarfilmjury vereint mit Marina Chernivsky, Eytan Ipeker und Rana Abu Fraiha-Asyag Perspektiven aus Wissenschaft, Montage und filmischer Praxis.

In beiden Wettbewerben wird der Gershon-Klein-Preis vergeben. Sowohl der Gershon-Klein-Spielfilmpreis als auch der Gershon-Klein-Dokumentarfilmpreis sind mit 3.000 Euro dotiert und werden an die Regisseurinnen und Regisseure der ausgezeichneten Filme verliehen. Gestiftet werden die Preise von Madeleine Budde und Jacqueline Hopp, Kleins Töchtern.

Link: jfbb.info

PS (post scriptum):
Auf das oben genannte 33. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS), das ebenfalls vom 5. bis 10. Mai 2026 stattfindet, werden wir noch rechtzeitig, aber gesondert, eingehen.

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