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Goldener Bär für türkisches Drama "Gelbe Briefe"

Goldener Bär für İlker Çatak "Gelbe Briefe" - Silberner Bär an Sandra Hüller für die beste schauspielerische Leistung.



Das Politdrama "Gelbe Briefe" des Ber­liner Regisseurs İlker Çatak hat den Goldenen Bären der 76. Berlinale 2026 gewonnen, wie die Internationalen Filmfest­spiele in Berlin am Samstag, den 21. Februar 2026 bekannt gaben. Çatak, der auch das Drehbuch mitschrieb, erzählt die Geschichte eines türkischen Künst­lerpaares in Ankara, das wegen seiner politischen Positionierung den Beruf verliert und in materielle Not gerät.

Hier der Trailer:



Der letzte deutsche Hauptpreisträger war 2004 Fatih Akin ("Gegen die Wand"). Bereits für "Das Lehrerzimmer" hatte Çatak 2023 u.a. den Deutschen Filmpreis ge­wonnen und war für den Oscar nominiert.

Sandra Hüller wurde mit dem Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle ausgezeichnet. Die 47-Jährige erhielt den Preis für ihre Rolle im Drama "Rose" von Markus Schleinzer. Hüller verkörpert eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert in ei­nem abgelegenen Dorf fälschlicherweise als Mann ausgibt.

Hier der Trailer:



Bei den Hauptpreisen gab es neben dem Goldenen Bären für "Gelbe Briefe" den Großer Preis der Jury (Silberner Bär) für "Kurtuluş" von Emin Alper.

Schon bei der Weltpremiere von "Kurtuluş" im Berlinale Palast widmete der türkische Filmemacher Emin Alper seinen Film den getöteten Palästinensern im Gaza Streifen, deren Familien dort mindestens ebenso viel Leid erlitten haben wie die niedergemetzelten türkischen Einwohner eines türkischen Bergdorfes, den sein konfliktreicher Film über eine Clanfehde beschreibt.

Jurypräsident Wim Wenders, der im Vorfeld der Preisverleihung auf eine Entpolitisierung des Kinos auszuweichen versuchte, musste sich angesichts der beeindruckenden Bilder dieses Filmes offensichtlich geschlagen geben.

Hier der Trailer:



Ein paar Tage später kritisierte allerdings Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit deutlichen Worten pro-palästinensische Äußerungen von Filmkünstlern wie Abdallah Alkhatib bei der Preisverleihung auf der Berlinale und bezeichnete diesen als israelfeindliche Aktivisten, der die Gala der Filmfestspiele für politische Destruktion missbraucht, womit die Berlinale erneut einen Skandal hat. Alkhatib erhielt den Preis der überraschend gut kuratierten Nebenreihe PERSPEKTIVE für sein Debüt "Chronicles from the Siege".

Auch den Offenen Brief von über Hundert internationalen Künstlern und Künstlerinnen, darunter Javier Bardem und Tilda Swinton, die der Berlinale „Schweigen“ im Fall des "Völkermords" in Gaza vorgeworfen hatten, hält Weimer für inakzeptabel.

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle relativierte dagegen in ihrem Schlussstatement den Zwist und sagte mit feuchten Augen:

„Wir können nicht die Probleme der Welt lösen, aber wir können uns als Menschen begegnen“. Zuvor hatte sie bereits betont: "Kritik zu üben, sei Teil der Demokratie. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen."

Der Silberne Bär für den Regiepreis des Hauptwettbewerbs ging an Grant Gee für sein außergewöhnliches Biopic "Everybody Digs Bill Evans" über den zwar drogensüchtigen aber stilbildenden Jazz Pianisten.

Besonders erfreut hat uns der Silberne Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle, der an Anna Calder-Marshall & Tom Courtenay in dem englisch-französischem Demenz-Drama "Queen at Sea" von Lance Hammer ging.

Äußerst schade ist dagegen, dass das tunesische Familiendrama "À voix basse" mit dem sehr starken Ensemble um die großartige Hiam Abbass herum, überhaupt nicht berücksichtigt wurde.

Quasi unter den Tisch fiel in Berlin auch das sehr modern inszenierte und vom Publikum umjubelte US-Werk "Josephine" von Beth de Araújo, das zum Glück kurz zuvor zwei Preise in Sundance gewonnen hatte und somit auch nicht als Weltpremiere, sondern nur als Internationale Premiere im Wettbewerb gezeigt werden konnte.

In der Sektion Panorama entschied sich das Publikum für den Spielfilm "Staatsschutz" von Faraz Shariat und den Dokumentarfilm "Traces" von Alisa Kovalenko und Marysia Nikitiuk. Laut Festivalleitung betei­ligten sich während der Berlinale mehr als 26.500 Kinobesucherinnen und -be­sucher per Stimmkarte an der Abstim­mung.

In der Sektion Panorama konkurrierten in diesem 37 Titel aus 36 Produktions­ländern, zwölf davon waren Dokumentar­filme.

Einziger Dokumentarfilm im Hauptwettbewerb war "Yo" (Love is a Rebellious Bird) von Anna Fitch & Banker White über ein detailgetreues Puppenhaus mit animierter Figur ihrer sehr alten Bewohnerin. Die Jury vergab dafür einen Silbernen Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung.

Link: www.berlinale.de

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