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Mogelpackung statt Milliardendeal | Netflix übernimmt Warner Bros. | Paramount überbietet

Mogelpackung statt Milliardendeal: Was die vorgelegten Zahlen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wirklich zeigen.



Am 11. Dezember 2025 geht es im Koalitionsausschuss um die Frage der Investitionen von Sendern und Streamern, mit dem der BKM für seinen Weg der „Selbstverpflichtung“ wirbt. Von insgesamt (knapp) 15,5 Mrd. Euro, die für fünf Jahre an rechtlich unverbindlichen Absichtserklärungen im Raum stehen sollen, kämen demnach 1,83 Mrd. Euro aus dem VoD-Bereich.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Dr. Wolfram Weimer kündigte an, in den kommenden fünf Jahren würden „Summen in Milliardenhöhe von den weltweiten Konzernen in die deutsche Filmproduktion fließen“.


Ein internes BKM-Papier, das der Produktionsallianz seit dem 7. Dezember 2025 vorliegt, zeigt jedoch, dass Selbstverpflichtungen ein Irrweg sind. Die Produktionsallianz setzt in einem eigenen Papier diese Zahlen in den Kontext der maßgeblichen Branchenstatistiken und -studien. (PwC, Goldmedia, Ampere Analysis).

Dazu erklärt die CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz Michelle Müntefering:

„Unsere in dieser Woche veröffentlichte Herbstumfrage zeigt in aller Klarheit die schwierige Lage vieler Produktionsunternehmen in Deutschland. Ein genauer Blick auf die Zahlen fällt daher ernüchternd aus. Denn klar wird: Die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer angekündigten „Investitionsmilliarden“ entpuppen sich als Mogelpackung.

Die „freiwillige Selbstverpflichtung“ von Amazon, Netflix & Co. soll in den kommenden 5 Jahren lediglich 1,83 Mrd. Euro an Investitionen nach Deutschland bringen.

ARD und ZDF investierten im Jahr 2024 bereits 1,75 Mrd. Euro, dazu kamen die privaten Sender mit 1,78 Mrd. Euro. Auf 5 Jahre gerechnet liegen allein die gesamten Investitionen der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender in Deutschland bei 8,9 Mrd. Euro.

Eine Investitionsverpflichtung in Höhe von 15% auf die in Deutschland erwirtschafteten Umsätze würde insbesondere wegen der hohen Wachstumsraten des Streamingmarktes im gleichen Zeitraum bis zu 3,88 Mrd. Euro bedeuten. Die angekündigten 1,83 Mrd. Euro (2026–2030) der internationalen Streamer sind also wenig überzeugend.

Die Wahrheit lautet: Mit freiwilligen Selbstverpflichtungen wird nicht einmal die Hälfte der Investitionen mobilisiert, die mit einer gesetzlichen Investitionspflicht möglich wären. Zudem sind diese freiwilligen Zusagen äußerst intransparent – es ist weder klar, welche Investitionen genau darunterfallen, noch, wie deren Einhaltung kontrolliert werden soll.

Hinzu kommen unabsehbare Entwicklungen der internationalen Player, das zeigt gerade wieder die Übernahme durch Netflix von Warner. Wenn sie also lediglich den heutigen Stand der Dinge abbildet, wird jegliche freiwillige Verpflichtung schnell obsolet.

Fest steht: So wird der Koalitionsvertrag nicht erfüllt und der Filmstandort nicht gestärkt. Im Gegenteil. Deutschland wird ohne eine gesetzliche Regelung im internationalen Wettbewerb weiter abgehängt. Wir fordern weiterhin die Einführung einer gesetzlichen Investitionsverpflichtung. Nur sie schafft Transparenz, Planungssicherheit und Vertrauen in den Filmstandort Deutschland.”


Eine zum Download vorliegende Grafik der Produktionsallianz zeigt die Mogelpackung auf einen Blick.

Link: produktionsallianz.de

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VdA-Statement: Die „Selbstverpflichtung“ von BKM und Branche setzt die Zukunft kreativer Berufe aufs Spiel.

„Der Verband der Agenturen (VdA) äußert sich ebenfalls mit großer Sorge zur vom Beauftragten für Kultur und Medien angekündigten Selbstverpflichtung von Sendern und Streamingdiensten.

Die nun präsentierte Lösung nimmt für sich in Anspruch, Investitionen in Milliardenhöhe auszulösen, bleibt aber ohne jede rechtliche Verbindlichkeit und gefährdet damit den Film und Produktionsstandort Deutschland sowie insbesondere die kreative Infrastruktur und künstlerische Beschäftigungssituation unserer Klientinnen und Klienten. Die aktuelle Ankündigung erzeugt lediglich den Eindruck eines großen Impulses, ohne tatsächlich verbindliche Mittel zu sichern.

Damit fehlt jegliche Planungssicherheit. Ohne verbindliche Regeln wird die deutsche Film- und Serienproduktion weiter ins Ausland verlagert, sodass inländische Wertschöpfung verloren geht.

Für die Agenturen bedeutet dies erhebliche Risiken: Weniger heimische Produktion führt zu weniger Arbeitsmöglichkeiten, zu stärkerem Wettbewerb um einzelne Rollen und zu weiterer struktureller Unterfinanzierung kreativer Arbeit. Schauspielerinnen und Schauspieler, Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren sowie Regieteams verlieren Planungssicherheit. Die notwendige Nachwuchsförderung droht auszutrocknen. Talente werden gezwungen, ihre berufliche Zukunft in anderen Märkten zu suchen. Rechte an deutschen Inhalten drohen dauerhaft den Besitzer zu wechseln und die kreative Stimme Deutschlands verstummt im globalen Wettbewerb.

Der VdA fordert die Bundesregierung und alle Beteiligten auf, die Verhandlungen nicht als abgeschlossen zu betrachten. Deutschland braucht ein verlässliches, modernes und international konkurrenzfähiges System der Investitionspflicht für audiovisuelle Inhalte. Es braucht klare Regeln für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und echte Wertschöpfung im Inland. Nur so kann die deutsche Agentur und Produktionslandschaft überleben und eine düstere Zukunft abwenden, in der der Standort nachhaltig geschwächt wird und kulturelle Vielfalt verloren geht.“


Link: verband-der-agenturen.de

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Auch Crew United, das Netzwerk der Filmbranche, widmet sich dem BKM-Thema sowie der Übernahme von Warner Bros. durch Netflix.

Als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien geht Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) – bekanntermaßen ein ausgesprochener Kritiker des BKM – mit den nun gemachten Ankündigungen hart ins Gericht:

„Diese angekündigten Investitionen in den Filmstandort Deutschland sind eine große Luftnummer. Ein Großteil der genannten Summen war ohnehin geplant und wird wohl kaum dazu führen, dass mehr Filme in Deutschland produziert werden. Zudem schaffen die freiwilligen Absichtserklärungen keinerlei Verbindlichkeit. Sie bieten weder Planungssicherheit noch sorgen sie dafür, dass dauerhaft mehr Investitionen nach Deutschland fließen. Wolfram Weimer sind anscheinend Schlagzeilen mal wieder wichtiger als substanzielle und nachhaltige Fortschritte“, so Lehmann.


Die Berechnungen umfassen laut dem Papier Netflix, Amazon Prime, Disney, RTL+, ProSiebenSat.1, Sky und Apple, Zahlen für Paramount+ lagen demzufolge nicht vor. Auch die Summe von 6,5 Mrd. Euro, die von den öffentlich-rechtlichen Sendern kommen soll, basiert derzeit nur auf einer Annahme.

Tatsächlich ist die jetzt im Raum stehende Summe von aufgerundeten 15,5 Mrd. Euro zumindest insofern Augenwischerei, als es von Anfang an primär um Investitionen der Streamer ging, deren Absichtserklärungen sich auf deutlich unter zwei Milliarden belaufen. Tatsache ist, dass der BKM im Gesprächsprozess natürlich keinerlei Vorgaben hinsichtlich der lokalen Verortung der Ausgaben in Deutschland machen konnte, weil Selbstverpflichtungen europarechtlich ebensowenig zulässig gewesen wären, wie eine entsprechende Passage in einem deutschen Gesetzestext.

Crew United befasst sich darüber hinaus mit der Übernahme von Warner Bros. durch Netflix, wie am Wochenende gemeldet wurde.


Schon am Freitag hatte Netflix ein Angebot für Warner Bros. Studio- und Streaminggeschäft in Höhe von rund 83 Milliarden Dollar abgegeben. Damit würde der Streamingpionier die Kontrolle über eines der wertvollsten Film- und Fernseharchive Hollywoods erlangen, zu dem etwa die Rechte an „Harry Potter“ gehören. Bei Netflix sieht man den Deal offenbar schon in trockenen Tüchern, obwohl der Deal erst binnen der nächsten eineinhalb Jahre über die Bühne gehen soll.

Inzwischen hat auch der Unterhaltungskonzern Paramount mit einem Gegenangebot angekündigt, den in Hollywood gegründeten Medienkonzern komplett für über 108 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Eine Kaufvereinbarung zwischen Paramount und Warner Bros gibt es jedoch nicht, vielmehr handelt es sich um den Versuch einer feindlichen Übernahme.

MÖGLICHE FOLGEN DER NETFLIXÜBERNAHME VON WARNER

FÜR DIE DEUTSCHE FILMBRANCHE
Weniger Aufträge für unabhängige Produzent*innen
Noch stärkerer Preisdruck auf Budgets & Gagen
Weniger Risiko, weniger Experimente
Mehr Buyouts, weniger faire Beteiligungen
Stärkerer Fokus auf globale Mainstream-Stoffe
statt lokale Vielfalt

FÜR DIE STREAMINGLANDSCHAFT IN DEUTSCHLAND
Markt kippt Richtung Oligopol
Warner-Inhalte exklusiv bei Netflix
Abos werden teurer
Weniger echte Alternativen
Algorithmen statt Redaktionen bestimmen Inhalte

FÜR DAS KINO
Kürzere Kinoauswertungen
Mittelgroße Filme verlieren ihr Geschäftsmodell
Kino wird reines Event-Medium
Weitere Kinoschließungen wahrscheinlich
Blockbuster überleben – der Rest wird verdrängt

FÜR ZUSCHAUER*INNEN
Preissteigerungen sehr wahrscheinlich
Weniger Vielfalt, mehr Franchise-Ware
Serien werden schneller abgesetzt
Mehr Datensammlung & Werbetargeting

SYSTEMISCHE RISIKEN
Extreme Marktkonzentration
Kreative Verarmung durch Renditelogik
Politischer & kartellrechtlicher Sprengstoff
Globale Plattform verdrängt nationale Filmkultur


Link: www.crew-united.com

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