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Übergangene Kinostarts während der Berlinale

Nach zehn Tagen Berichterstattung von der Berlinale zurück zu regulären Kinostarts sowie einer DVD-Empfehlung von der letztjährigen Berlinale.



"JUST MERCY" Biopic-Drama von Destin Daniel Cretton (USA) über ein Justizirrtum das fassungslos macht. Mit Michael B. Jordan, Jamie Foxx, Brie Larson u.a. seit 27. Februar 2020 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

„Just Mercy“ basiert auf einer nachdenklich stimmenden wahren Geschichte. Nach Abschluss seines Jurastudiums in Harvard stehen dem Afro-Amerikaner Bryan Stevenson (Michel B. Jordan) beruflich alle Türen offen. Doch er verzichtet auf lukrative Jobs und geht stattdessen nach Alabama, um sich für Häftlinge zu engagieren, die sich keine angemessene Verteidigung leisten können oder gar zu Unrecht verurteilt wurden. Sein Einsatz gilt besonders denen, die im Todestrakt sitzen und auf ihre Hinrichtung warten.

Endlich kommt mal jemand, der ihnen wirklich zuhört. Die meisten von ihnen sind dunkelhäutig. Sein erster Fall ist der Afroamerikaner Walter McMillian (Jamie Foxx), der 1987 ein weißes Mädchen ermordet haben soll. Doch Walter hält es für sinnlos mit Stevenson zu sprechen. Er trägt so viel Schmerz in sich, trauert mit den Mitgefangenen mit und glaubt nicht mehr daran, dass ihm irgend jemand hilft.

„In Alabama bist du als Schwarzer bereits schuldig, wenn du geboren bist“. Die einzige Zeugenaussage, die gegen ihn spricht, stammt von einem inhaftierten weißen Kriminellen, der ein Motiv hatte zu lügen und dem die Geschworenen einstimmig glaubten.

Bevor Stevenson überhaupt zu Walter gelassen wird, muss er sich nackt ausziehen und sich durchsuchen lassen. Ein Affront, der einem weißen Verteidiger nicht passiert. Stevenson lässt nicht locker. Er setzt alles daran, den zuständigen Staatsanwalt (Rafe Spall) dazu zu bewegen, den Fall neu aufzurollen. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, lehnt jener ab.

Zusammen mit der jungen Aktivistin Eva Ansley (Brie Larson) gründet der junge Anwalt die »Equal Justice Initiative« um weitere Beweise für Walters Unschuld zu finden. Zutiefst erschüttert wird Stevenson Zeuge einer Hinrichtung eines Mitgefangenen, der auf den elektrischen Stuhl geführt wird. Ein schreckliches Erlebnis, dass ihn um so mehr motiviert. Die Grundlage dieses aufrüttelnden Films ist Stevensons Buch „Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA“. Darin deckt er auf, wie perfide das Strafrechtssystem in den USA funktioniert. Es ist geprägt von Rassismus, Diskriminierung und zum Himmel schreiender Ungerechtigkeit, ein System, was eindeutig auf dem weißen Auge blind ist. Seit 1976 wurde in den USA die Unschuld von 166 zum Tode verurteilten Gefangenen bewiesen. Auch wenn die Ereignisse in diesem Film etwa 30 Jahre zurückliegen, hat sich bis heute nicht viel geändert.

Regisseur Destin Daniel Cretton („Schloss aus Glas“) legt in seinem Film den Finger tief in die Wunde des nicht totzukriegenden Rassismus. Als Zuschauer spürt man eine ungeheuerliche Fassungslosigkeit und Wut. „Just Mercy“ ist die Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Bryan Stevenson und ein Film, der noch lange, lange nachwirkt.

In weiteren Rollen: Rob Morgan, Tim Blake Ralph Myers, O`Shea Jackson und Karan Kendrick. Drehbuch: Daniel Cretton und Andrew Lanham. Kamera: Brett Pawlak

Ulrike Schirm


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"THE GENTLEMEN" Action-Krimi von Guy Ritchie (USA). Mit Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam u.a. seit 27. Februar 2020 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Der Exil-Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) ist im Laufe der Jahre zum größten Marihuana-Dealer Großbritaniens geworden und vertickt den feinsten Stoff nach ganz Europa. Smart und clever wie er ist, hat er seine unterirdischen Plantagen im ganzen Land auf den Anwesen verarmter Adeliger verteilt, die er finanziell unterstützt, damit sie ihren Lebensstil einigermaßen fortführen können.

Doch jetzt will Mickey aussteigen, um mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) ein bürgeliches Leben zu genießen. Einen Käufer hat er auch schon. Der Milliardär Matthew Berger (Jeremy Strong) bietet ihm 400 Millionen Dollar. Doch er ist nicht der einzige, der Interesse zeigt. Einige Groß- und Kleinkriminelle wittern ihre Chance auf das lukrative Geschäft. Bei den geschäftlichen Verhandlungen wird Mickey von seiner rechten Hand, dem gewieften Berater Ray (Charlie Hunnam) unterstützt, für den alles perfekt organisiert werden muss.

Es taucht der Privatermittler Fletcher (Hugh Grant) auf, der von dem Zeitungszar Big Dave (Eddie Marsen) engagiert wurde, um herauszufinden, wieviel Dreck Mickey am Stecken hat, ein Rachefeldzug, weil er von dem Marihuana-König tödlich beleidigt wurde. Fletcher hört sein Telefon ab, kramt in seinem Müll herum und präsentiert Ray seine vermeintlichen Beweise.

Als eine Gruppe Jugendlicher, um die sich der Boxtrainer und Coach (Colin Farrell) kümmert, eine der Plantagen überfällt, den Coup auf Video festhalten und den Mitschnitt ins Netz stellen, läuft alles aus dem Ruder.

Mit „The Gentlemen“ kehrt der britische Filmemacher Guy Ritchie zu seinen Wurzeln, dem Gangsterfilm, zurück. Es ist nicht zu übersehen, dass Grant, den man schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat, einen Riesenspass an der Rolle des „Bad Boys“ hatte. Ein Fiesling mit Kinnbart, getönter Brille und einer Lederjacke, die viel zu eng ist und mit dem „Schönling“ von einst, nichts mehr zu tun hat. Überhaupt sind alle Charaktere in dieser Gaunerkomödie herrlich skurril. Auch Farrell überzeugt mit seinem aufgesetzten treuen Hundeblick, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Coole Dialoge und rasante Actionszenen sorgen für beste Unterhaltung.

Ulrike Schirm


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"GELOBT SEI GOTT" (Grâce à Dieu) Drama von François Ozon (Frankreich, Belgien). Ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury (Silberner Bär) auf der 69. Berlinale 2019. Mit Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud u.a. ab 27. März 2020 vorerst nur auf DVD. Hier der Trailer:



In der Regel sollte die VoD-Version (Video-on-Demand) von Kinofilmen zeitgleich mit der DVD und Blu-Ray Disc etwa sechs bis 12 Monate nach dem Kinostart erscheinen. Bei Arthouse-Filmen mit kleiner Auflage wie "Gelobt sei Gott" ist es jedoch zweifelhaft, ob je ein HD-Stream oder eine Blu-Ray Version aufgelegt werden, auch wenn der Film fürs Kino in hoher HD-Qualität produziert worden war.

Ulrikes DVD-Empfehlung:

Alexandre lebt mit Frau und Kindern in Lyon. Eines Tages erfährt er per Zufall, dass der Priester, von dem er in seiner Pfadfinderzeit missbraucht wurde, immer noch mit Kindern arbeitet. Er beschließt zu handeln und bekommt bald Unterstützung von zwei weiteren Opfern: François und Emmanuel. Gegenseitig geben sie sich Kraft und kämpfen gemeinsam dafür, das Schweigen, das über ihrem Martyrium liegt, zu brechen. Ihr Widerstand formiert sich und wird zu einer Lawine, die am Ende nicht mehr aufzuhalten ist …


EAN-Nr.: 4 042564 195552 / Bestell-Nr.: 6419555 (Pandora Film Verleih)
Produktion: Frankreich 2019, 137 Minuten
Sprache: Deutsch, Französisch
Version: DVD

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