Skip to content

29. FilmFestival Cottbus 2019 mit 7 Weltpremieren davon 2 im Wettbewerb

210 Filme aus 45 Ländern beim Internationalen Festival des osteuropäischen Films in Cottbus.



Das 29. FilmFestival Cottbus (FFC) präsentiert in diesem Jahr 210 Filme aus 45 Ländern. Auf dem Programm stehen vom 5. bis 10. November 2019 sieben Weltpremieren, eine Europapremiere und 61 Deutschlandpremieren. Auch in diesem Jahr zeigt das Filmfest wieder die kulturelle Vielfalt Ost- und Mitteleuropas und hinterfragt dabei einseitige Geschichtsbilder.

Wie Bernd Buder, Leiter des Festivals, auf der Pressekonferenz in der Potsdamer Staatskanzlei erläuterte, beäugen sich die Festivals gegenseitig und messen ihren Rang gegenseitig oftmals an der Anzahl der Weltpremieren. Zwei davon ("PIG – Das Schwein" von Giga Liklikadze aus Georgien und "FULL MOON" von Nermin Hamzagić aus Bosnien / Herzegowina) werden in diesem Jahr im Wettbewerb gezeigt, der 12 Filme umfasst.

Die anderen fünf Weltpremieren wurden bis auf einen russischen - weiter unten stehenden Film - nicht näher benannt, sind aber erfahrungsgemäß in den Länderschauen zu finden oder im Jugendfilm-Wettbewerb sowie im Wettbewerb der Kurzfilme.

Bei dem Festival werden 18 Preise vergeben, die mit insgesamt mehr als 75.000 Euro dotiert sind. Erstmals sind auch Filme aus Griechenland, Finnland und der Türkei vertreten. Wobei Finnland eine Sonderrolle einnimmt, denn es ist laut Festivalleitung das einzige nordeuropäische Land, das geografisch und kulturell direkt an Russland anstößt und auch immer noch Koproduktion mit Russland eingeht.

Wie von uns gestern berichtet, legen seit Jahren auch die Nordischen Filmtage in Lübeck ihren Fokus auf die nordischen Länder, wobei Finnland diesmal besonders stark vertreten war. So gewann am letzten Samstag den mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis der Lübecker Nachrichten der finnische Regisseur Mika Kaurismäki für seinen Spielfilm „MEISTER CHENG“ („Mestari Cheng“).

Wir sind gespannt, was uns an weiteren Filmen aus Finnland in Cottbus erwartet.

Neben den internationalen Filmen fand bereits gestern im Vorfeld des offiziellen Festivals, das heute Abend im Staatstheater Cottbus mit einer griechischen Komödie eröffnet wird, die Lausitzer Filmschau mit Filmen aus der Region um Cottbus statt. Dazu gibt es auch einen tollen Trailer, der sich dem Tageabbau der Kohle in der Lausitz widmet, das derzeit die Gemüter hochkochen lässt. doch die Hoffnung stirbt zuletzt, denn eine Rekultivierung könnte dereinst alles in Breitbild schön grün und bunt erstrahlen lassen.

Hier der Trailer des Festivals:



In früheren Jahren hatten wir mehrmals das Festival besucht, da es uns ein Anliegen war, direkt von Festivals aus unserer Region Berlin-Brandenburg berichten zu können. Doch in den letzten Jahren sind die Hotel-Preise auch in Cottbus kräftig angestiegen, sodass unser Budget - wie auch bei etlichen anderen Journalisten - nicht mehr ausreichend gedeckt wird. Andererseits ist Cottbus inzwischen relativ schnell und preiswert mit der Bahn zu erreichen. Wer allerdings wert auf die spannenden Spätvorstellungen legt, sollte besser über Nacht in Cottbus bleiben, denn eine Rückfahrt gibt es nach Mitternacht nicht mehr.

Glücklicherweise werden in diesem Jahr einige Filme auch in Berlin gezeigt, wie das Festival uns mitteilte. Darunter am So. 10.11.2019 um 17:00 Uhr der russische Wettbewerbs-Film "DIE SONNE ÜBER MIR GEHT NIE UNTER - The Sun Above Me Never Sets" sowie am Sa. 9.11.2019 um 17:00 Uhr mit "DER MAGIER" ein weiterer russischer Film aus dem Fokus. Alle Filme sind im russischen Haus in der Friedrichstraße in Berlin zu sehen. Tickets gibt's hier.

Darüber hinaus zeigt im Anschluss an das Festival das ACUD-Kino in Berlin-Mitte am 11.+12. November 2019 jeweils um 20:00 Uhr mit dem tschechischen Jugend-Film "LET THERE BE LIGHT / Es werde Licht" von Marko Škop um eine paramilitärische rechte Jugendgruppe sowie mit dem ungarischen Fokus-Beitrag "KOJOTE" von Márk Kostyál eine kleine Nachlese des Festivals.

Die griechische Koproduktion "SMUGGELING HENDRIX" der Länder Zypern, Deutschland und Griechenland von Regisseur Marios Piperides, die das Festival heute eröffnet, hat ab 13. November 2019 auch im ACUD-Kino ihren offiziellen deutschen Kinostart.

Hier der Trailer:



Wir konnten den Film vorab schon sehen und waren über die politische und städtebauliche Situation an der türkisch-griechischen Grenze entsetzt. Manch leerstehendes und verfallenes Gebäude erinnerte uns doch stark an die Situation an der Ost-Berliner Grenze noch vor dem Mauerfall.

So ist es kein Wunder, dass der Spielfilm genau jetzt zum Jubiläum der friedlichen Revolution startet, um an die Situation des Mauerfalls vor 30 Jahren zu erinnern. Der Plot um einen kleinen Foxterrier "Hendrix", der die Sperranlagen unbemerkt überwindet, aber nicht mehr aus dem türkischen Teil der zyprischen Insel zurückgeholt werden kann, ist natürlich frei erfunden, während die Grenzanlagen auch heute immer noch sehr real zwischen den beiden zyprischen Landesteilen existieren und an manch Drama der innerdeutschen Grenze erinnern.

Mit weiteren Werken blickt das Film Festival Cottbus in die bewegten 1990er-Jahre, kreativen Protest in Niederschlesien und auf Ungarn, das Land, das wesentlich zur Öffnung der Mauer beitrug, aber heute mit autoritär-populistischen Sichtweisen für negative Schlagzeilen sorgt. Das osteuropäische Kino ist und bleibt DER kreative Vermittler mehrdeutiger Wahrheiten, das beweisen unsere Sektionen, die das Kreativpotential Montenegros, Polens und Russlands aufzeigen.

Ungarische Filmemacher reflektieren die Situation im eigenen Land. Ob alte Meister oder junge Talente, ob Dokumentar-, Spiel- oder Kurzfilm – das ungarische Kino präsentiert sich facettenreich. Eine Bestandsaufnahme, die von Großproduktion bis Independent reicht.

Filme aus Montenegro zeigen die Gegensätzlichkeiten des an der Adria gelegenen Staates zwischen Küste und Gebirge, Tradition und Moderne. Neben den zwei jugoslawische Kult-Regisseuren Momir Matović und Živko Nikolić stehen vor allem junge Talente im Fokus. Perspektiven eines Filmlandes im Aufbruch. Marija Perovićs Film "BREASTS" (ME/ HR/ RS 2019) wird als deutsche Premiere gezeigt. Die montenegrinische Regisseurin ist Teil der diesjährigen FFC Jury.

Zwölf Filme werfen einen Blick auf die polnische Region Niederschlesien mit ihrer charismatischen Hauptstadt Wrocław / Breslau. Einblicke in Alltag und Geschichte, Krieg und Vergebung, rechtsfreie Räume und fantasievollen Protest – zwischen Western-Motiven und Experimentalkunst. Seine internationale Premiere feiert "THE BATTLE OF WROCŁAW" (PL 2016) von Beata Januchta.

Darüber hinaus zeigt das Festival mit dem polnischen Film "OF ANIMALS AND MEN" (PL 2019) von Łukasz Czajka, eine außergewöhnliche filmische Reflexion und in mahnender Erinnerung an den deutschen Angriff auf Polen vor 80 Jahren. Außerdem sind zu sehen das coco-Projekt "THE MUTE" (Bartosz Konopka, PL 2019) und der Abschlussfilm des 29. FFC: "CORPUS CHRISTI" (Jan Komasa, PL 2019).

Anlässlich des 100. Jubiläum des Bauhauses widmet sich die Sonderreihe „Zwischen Bauhaus und Brutalismus“ der sozialistischen Architektur-Moderne. „Fluchtbewegungen: Angst und Ankommen in Osteuropa“ zeigt, wie sich osteuropäische Filmemacher aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln mit der Situation Geflüchteter in ihren Ländern beschäftigen.

Zu den Höhepunkten des russischen Filmjahres gehört Mikhail Morskovs "MAGICIAN" (RU 2019), der als Weltpremiere gezeigt wird. Pavel Lungins "LEAVING AFGHANISTAN" (RU 2019) läuft dagegen als deutsche Premiere in Cottbus.

+++++++++++++++

Gewinner der LAUSITZER FILMSCHAU.

Erste Gewinner können wir ebenfalls verkünden. Kurz nach Mitternacht erreichte uns ein Mail aus Cottbus mit den Preisträgern der Lausitzer Filmschau von gestern.

Im Cottbuser Filmtheater Weltspiegel zeichnete die Jury die Filmemacherinnen Luisa Nawka und Sophia Ziesch für ihren Kurzfilm "SMY" (deutsch: WIR SIND) mit dem Hauptpreis der 17. Lausitzer FilmSchau – Łužyska filmowa pśeglědka – Łužiska filmowa přehladka aus.

Der Kurzfilm "ŹIWA ŽEŃSKA – DIE WILDE FRAU" erhielt den Sonderpreis der Stiftung für das sorbische Volk und der Kurzfilm "KLASSENKAMPF", entstanden beim Filmworkshop „Protest!“, gewann den Publikumspreis. Zudem gab es mit dem Kurzfilm "UNBOXING WARSCHAU" von Robert Posselt & Vincent Grundke überraschend einen vierten Publikums-Gewinner.

Link: www.filmfestivalcottbus.de

Anzeige

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!