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Gewinner von Venedig und Ludwigshafen 2019

Preisvergaben am Samstag bei der Mostra in Venedig und beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein.

Bei den 76. Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurden am Samstagabend, den 7. September 2019, die Hauptpreise vergeben. Die höchste Auszeichnung, der Goldene Löwe für den besten Film ging an den Hollywood-Film "Joker" mit Joaquin Phoenix in der Rolle des Batman-Gegenspielers.

Hier der Trailer:

Der Große Preis der Jury ging an Roman Polanskis Polit-Thriller "J'accuse" - "An Officer and a Spy" über den antisemitischen Skandal um den jüdisch-französischen Offizier Alfred Dreyfus. Seine ungerechtfertigte Verurteilung durch ein Kriegsgericht in Paris wegen angeblichen Landesverrats zugunsten des Deutschen Kaiserreichs löste 1894 die Dreyfus-Affäre aus, die Frankreich innenpolitisch zutiefst erschütterte. Die dadurch ausgelösten öffentlichen Auseinandersetzungen zogen sich mit weiteren Gerichtsverfahren über Jahre hin.

Über die Teilnahme des Films hatte es bereits im Vorfeld der Mostra eine heftige Kontroverse gegeben, denn der in Frankreich zurückgezogen lebende Regisseur wird in den USA seit Jahrzehnten wegen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Die damals 13-jährige Samantha Geimer hat ihm jedoch bereits verziehen. Polanski selbst vermied es zum Festival zu erscheinen. Den Preis nahm seine Ehefrau, die französische Schauspielerin Emmanuelle Seigner, entgegen.

Ehrungen gab es auch für die besten Schauspieler. So wurde die Französin Ariane Ascaride für ihre Rolle in "Gloria Mundi" ausgezeichnet. Sie widmete ihren Preis den Flüchtlingen, "die für immer auf dem Boden des Mittelmeeres bleiben".

Als beste Schauspieler wurde der Italiener Lucar Marinelli für seine Rolle in "Martin Eden" mit einem Preis bedacht. Er widmete seinen Preis den Lebensrettern auf dem Meer.

Zu den weiteren Preisträgern von Venedig gehören die schwedische Tragikomödie "Über die Unendlichkeit - About Endlessness" von Roy Andersson (beste Regie), das Debüt der Australierin Shannon Murphy, "Babyteeth", das den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller erhielt sowie der Spezialpreis der Jury für den Italiener Franco Maresco und seine Mafia-Doku "The Mafia Is No Longer What It Used to Be".

Im Wettbewerb hatten in den vergangenen Tagen 21 Beiträge um die Preise konkurriert. Ein klarer Favorit stach dabei zunächst nicht hervor, vielmehr gab es mehrere interessante Anwärter. Dazu zählte "Ema" des chilenischen Regisseurs Pablo Larrain.

Auch der Streaming-Dienst Netflix, der als letztjähriger Gewinner von "Roma" diesmal gewissermaßen als Titelverteidiger sogar mit zwei Filmen im Wettbewerb vertreten war, ging leer aus. Sogar Noah Baumbachs "Marriage Story", dem Oscar-Chancen ausgerechnet werden, oder Steven Soderberghs Satire "Die Geldwäscherei" konnten in Venedig keine Preise abstauben.

Die Preisträger der 76. Internationalen Filmfestspiele von Venedig:

Goldener Löwe für den besten Film: "Joker" von Todd Philipps

Silberner Löwe, Großer Preis der Jury: "An Officer and a Spy" von Roman Polanski

Silberner Löwe, Beste Regie: Roy Andersson für "About Endlessness"

Volpi Cup, Beste Schauspielerin: Ariane Ascaride für "Gloria Mundi"

Volpi Cup, Bester Schauspieler: Luca Marinelli für "Martin Eden"

Bestes Drehbuch: "No. 7 Cherry Lane" von Yonfan

Spezialpreis der Jury: "The Mafia Is No Longer What It Used to Be" von Franco Maresco

Marcello Mastroianni Award für den besten neuen Schauspieler/die beste neue Schauspielerin: Toby Wallace für "Babyteeth"

Die Preise in der Orizzonti-Sektion:

Bester Film: "Atlantis" von Valentyn Vasyanovych

Beste Regie: "White on White" von Théo Court

Spezialpreis der Jury: "Verdict" von Raymund Ribay Gutierrez

Beste Schauspielerin: Marta Nieto aus "Mother"

Bester Schauspieler: Sami Bouajila für "A Son"

Bestes Drehbuch: "Back Home" von Jessica Palud, Philippe Lioret, Diastème

Bester Kurzfilm: "Darling" von Saim Sadiq

Löwe der Zukunft – “Luigi De Laurentiis” Preis für den Debütfilm: "You Will Die at Twenty" von Amjad Abu Alala

Preise in den Venice Classics:

Beste Dokumentation: über Film "Babenco" von Barbára Paz

Beste Restauration: "Ekstase" von Gustav Machatý

FIPRESCI Awards:

Preis der internationalen Filmkritik für einen Film im Wettbewerb: "An Officer and a Spy" von Roman Polanski

Preis der internationalen Filmkritik für einen Film in Orizzonti und den Parallelsektionen: "White on White" von Théo Court

Link: www.labiennale.org/en/cinema/2019

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Ebenfalls am Samstagabend wurden auch in Ludwigshafen am Rhein beim 15. Festival des Deutschen Films die Hauptpreise in den Zelten auf der schönen Rheininsel vergeben. Am heutigen Sonntagnachmittag folgt noch die Preisverleihung der Kinderjury, dessen Gewinner*in wir nachreichen.

Der Filmkunstpreis des 15. Festivals des deutschen Films Ludwigshafen geht an „Sag Du es mir“, Regie & Buch: Michael Fetter Nathansky.

Hier der Trailer:

Begründung der Jury:

Hinter dem etwas rätselhaften Titel dieses Erstlingswerks verbirgt sich eine raffiniert aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte, im Plattenbaumilieu der Potsdamer Havelbucht spielende Alltagsgeschichte, die es schafft, den Zuschauer auf ebenso intelligente wie vergnügliche Weise zum Komplizen in einem filmischen Vexierspiel zu machen. Michael Fetter Nathanskys formal erfindungsreiche Umsetzung seines präzise strukturierten Drehbuchs, Leander Otts atmosphärische Kamera und die große schauspielerische Leistung von Marc Ben Puch und ganz besonders von Gisa Flake und Christina Große als starkes Schwesternpaar verbinden sich zu einer Reflexion über die trügerische Eindeutigkeit von Realität und die manifeste Magie des Kinos.

Die Jury – Katharina Dufner (Filmproduzentin), Robert Fischer (Filmpublizist, Regisseur und Filmhistoriker) und Uwe Janson (Regisseur, Drehbuchautor und Produzent) - haben zudem an „Atlas“, Regie: David Nawrath, Drehbuch gemeinsam mit Paul Salisbury, und „Es gilt das gesprochene Wort“, Regie: Ilker Çatak, Drehbuch gemeinsam mit Nils Mohl, „lobende Erwähnungen“ vergeben.

Der Medienkulturpreis, Juror in diesem Jahr ist der renommierte Filmkritiker, Publizist und Regisseur Hans-Christoph Blumenberg, geht zu gleichen Teilen an „Und wer nimmt den Hund?“, inszeniert von Rainer Kaufmann, und „Im Schatten der Angst“, inszeniert von Till Endemann.

Der Publikumspreis Rheingold geht an „Crescendo“, Regie: Dror Zahavi, Drehbuch gemeinsam mit Johannes Rotter.

Besonders auffallend war die hohe Zahl herausragender erster oder zweiter Regiearbeiten. Der Ludwigshafener Filmkunstpreis wird durch eine unabhängige dreiköpfige Fachjury verliehen. In Frage kommen Kinofilme und Mischformen Kino-Fernsehen, aber auch reine Fernsehproduktionen. Entscheidend ist allein die ästhetische Qualität der Filme.

Festivaldirektor Dr. Michael Kötz stellte zudem fest: „Es ist die bisher beste Ausgabe seit Bestehen des Filmfestivals“ mit ausverkauften Vorstellungen, mehr Fachbesuchern, mehr Journalisten und mehr besuchten Kindervorstellungen sowie insgesamt wieder etwas mehr Kinobesuchern. Je nach Wetter und Laune hat sich das Festival offenbar bei 121.000 Besuchern eingependelt.

Während des 19-tägigen Festivals, das am 21. August 2019 begann, wurde bereits am 04. September 2019 der „Preis für Schauspielkunst“ an die großartige Schauspielerin Julia Koschitz übergeben. Die Preisverleihung fand vor über 2.400 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und zahlreichen Gästen statt. Im Anschluss wurde ihr aktueller Film „Im Schatten der Angst“ von Regisseur Till Endemann gezeigt.

Zuvor gab es am 01. September 2019 eine Preisgala für den Schauspieler Bjarne Mädel, dem ebenfalls der „Preis für Schauspielkunst“ überreicht worden war. Im Anschluss wurde der Film „25 km/h“ von Regisseur Markus Goller gezeigt.

Die im letzten Jahr neu geschaffene, undotierte Auszeichnung „Regiepreis Ludwigshafen“ wurde am 30.08.2019 an Rainer Kaufmann, den „Meister der Filmregie“ von Festivaldirektor Dr. Michael Kötz überreicht.

NACHTRAG:

Am heutigen Sonntag, den 08. September 2019, gewann mit „Rocca verändert die Welt“ die Regisseurin Katja Benrath den Preis »Goldener Nils« der Nils-Nager-Kinderjury.

Hier der Trailer:

Meinung der Kinderjury:

Schwer war sie diesmal, die Entscheidung, welcher Film am Ende das Rennen um den Goldenen Nils machen würde. Zu stark war diesmal die Filmauswahl, die Kurator Rolf-Rüdiger Hamacher für die Kinder ausgewählt hatte. Die sieben Mädchen und Jungen der Jury diskutierten lange, bis schließlich zwei absolute Favoriten feststanden. Zwei Geschichten um zwei starke Mädchen.

Während „Rocca“ - als eine Art moderne Pippi Langstrumpf - Mobbing, Ausgrenzung und schwierige Familiensituationen total locker und lustig abhandelt, zeigt „Invisible Sue“, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll, auch wenn man Außenseiter ist. Der Film bekam von der Jury in diesem Jahr ausnahmsweise einen Sonderpreis: eine Urkunde für den actionreichsten Film des Festivalprogramms.

Hier der Trailer von „Invisible Sue“:

Link: www.festival-des-deutschen-films.de

Quelle: Zoom Medienfabrik, Felix Neunzerling, Berlin

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