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Filmproduzenten fordern mehr Engagement (UPDATE)

Befremden über Rückzugspläne der Fernsehsender.



Starkes Befremden haben Kürzungspläne des WDR bei der Film- und Medienstiftung NRW unter den Filmproduzenten ausgelöst. Statt dessen fordert die Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen sowie weitere Verbände (AG DOK, Filmbüro NW, film & fernsehproduzentenverband nrw, der Verband Deutscher Filmproduzenten, VFFVmedia und Web de Cologne) in einem Offenen Brief ein klares Bekenntnis der Politik zum deutschen Film und einen regelmäßigen Sendetermin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

"Der deutsche Film muss wieder zu einer beliebten und erfolgreichen Marke werden."

Mit diesen Worten beginnt der Verband Deutscher Produzenten Film & Fernsehen e.V. sein Plädoyer zur Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung des deutschen Kinofilms. Obwohl deutsche Fernsehfilme heute zu Spitzenproduktionen "in Europa und der restlichen Welt" zählen, gelang es dagegen dem deutschen Kinofilm "trotz effizienter Förderinstrumente" bisher nicht, eine konkurrenzfähige Marke gegenüber amerikanischen Filmen zu werden. Laut Produzentenallianz liegt das Problem dabei nicht an mangelnder Qualität der deutschen Kinofilme, sondern an der mangelnden Präsenz des deutschen Kinofilms im Fernsehen. Daher fordert der Verband Deutscher Filmproduzenten von ARD und ZDF mindestens einen fixen wöchentlichen Sendeplatz, an dem ausschließlich deutsche Filme gezeigt werden. Im Auge hat man dabei einen FSK 12-freien Sendeplatz gegen 21.45 Uhr. Dafür müsse gegebenenfalls wie in Frankreich eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, so die Meinung der Produzentenallianz.

Da pro Jahr rund 150 Kinofilme neu produziert würden, das Jahr aber nur 52 Wochen hat, gäbe es nach Ansicht des Verbandes genügend Produktionen, um einen wöchentlichen Sendeplatz zu füllen und somit auch mehr Zuschauer-Akzeptanz für den deutschen Kinofilm zu gewinnen.

ARD und ZDF verweisen dagegen auf ihr jährliches Sommerfilmfest mit zahlreichen deutschen Filmen zu Primetime und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) verkündete unlängst stolz, mit der Filminitiative LEUCHTSTOFF und der Partnerschaft des Medienboards Berlin-Brandenburg, sein erfolgreiches Engagement als Kinokoproduzent mit einer zweiten Staffel ausbauen zu wollen.

Mit der Initiative LEUCHTSTOFF fördert der rbb Dokumentationen und Spielfilme, die durch herausragende Qualität, großes Engagement und Leidenschaft beeindrucken“, sagt rbb-Intendantin Dagmar Reim. „Wir freuen uns auf Geschichten, die mit uns zu tun haben - mit unserer Region und unserem Leben.“

Leider sind jährlich nur fünf Neuproduktionen von LEUCHTSTOFF geplant, wofür maximal 500.000 Euro vom rbb zur Verfügung stehen. Die wöchentlichen Spielfilmplätze in den Sendern werden dagegen zumeist mit internationalen und relativ preiswert eingekauften Produktionen gefüllt.

In Nordrhein-Westfalen sehen die Perspektiven derzeit noch düsterer aus. Der WDR hat angekündigt, seine Zuwendungen an den NRW-Landesförderer um 3,1 Mio. Euro zu kürzen und auch das Land NRW hat laut jüngstem Haushaltsentwurf für 2015 ebenfalls eine Kürzung der Mittel um 1,0 Mio. Euro beschlossen. Somit muss die Film- und Medienstiftung NRW ab Mai 2015 möglicherweise mit 4,1 Mio. Euro weniger auskommen als noch im Jahr 2013.

"In der Summe werden der Film- und Medienstiftung NRW ca. 15 Prozent Fördervolumen für Film - und Fernsehprojekte fehlen, das spürbare Auswirkungen bundesweit, aber vor allem in der nordrhein-westfälischen Film- und Fernsehindustrie nach sich ziehen wird", umreißt Tom Spieß, Mitglied im Gesamtvorstand der Produzentenallianz, die Situation.

Die Situation ist tatsächlich nicht rosig. Andererseits werden auf internationalen Festivals zumeist nur wenige deutsche Produktionen gezeigt, weil jene in der Qualität mit anderen Werken nur selten mithalten können. Bei deutschen Koproduktionen mit internationale Besetzung sieht glücklicherweise das Bild etwas besser aus. Zwar sind auch deren Werke selten im Wettbewerb von Cannes zu sehen, aber auf der Berlinale und auf anderen Festivals des Weltfilms spielen die deutschen Koproduktionen immerhin eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Bei reinen deutschen Produktionen handelt es sich dagegen oft Mainstream-Klamauk (von Till Schweiger bis Matthias Schweighöfer u.a.) von dem sich anspruchsvolles deutsches Fernsehen der öffentlich rechtlichen Anstalten offensichtlich doch ein wenig abgrenzen möchte und dies deshalb dem Privatfernsehen überlässt. Zudem planen die deutschen TV-Anstalten zunehmend Eigenproduktionen, um unabhängig vom Kinozeitfenster sein zu können.

Update:
Am 15.10.2014 wurde eine Studie Roland Berger veröffentlicht, die federführend im Auftrag von Studio Babelsberg erstellt worden war. Die Unternehmensberatung kommt zu dem Schluss, dass bei einer Kürzung der Fördermittel und vor allem des Deutschen Filmförderfonds (DFFF), starke negative Auswirkungen auf die bisher positiven volkswirtschaftlichen Effekte der Filmförderung zu erwarten sind. Bereits eine Kürzung des ursprünglichen DFFF-Volumens um zehn Prozent oder sechs Mio. Euro - also deutlich weniger als die von der Bundesregierung im nächsten Haushaltsplan angestrebten Einschnitte von zehn Mio. Euro - könnten zu einem Einbruch des deutschen Filmproduktionsvolumens um bis zu 49 Mio. Euro führen, so die Kanzlei.

Dem Staat wiederum würden Steuereinnahmen in Höhe von 16 Mio. Euro entgehen - also fast das Dreifache der durch eine solche Kürzung eingesparten Summe. Außerdem würden auf Beschäftigungsseite sich die Einbußen im Verlust von über 800 Arbeitsplätzen niederschlagen. Darüber hinaus hätte die Kürzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen umgehenden Vertrauensverlust internationaler Produzenten in den Produktionsstandort Deutschland zur Folge. Der komplette Bericht ist hier als PDF zu lesen.

Link: www.produzentenallianz.de
Quellen: filmecho | Blickpunkt:Film | Produzentenallianz | Studio Babelsberg | Roland Berger

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