83. Filmfestspiele Venedig: Goldener Löwe geht nach Dänemark
Zum Abschluss des 83. Internationalen Filmfestivals in Venedig wurde am Samstagabend, den 13.09.2026 der Goldene Löwe für den besten Film an Dänemark verliehen.

Die dänische Regisseurin May el-Toukhy ist für ihren Film "Woman Unknown" mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig ausgezeichnet worden.
Der Film war zunächst als einziger Beitrag einer Regisseurin im Hauptwettbewerb aufgenommen worden. Die nachträgliche Aufnahme der Gaza-Dokumentation "Naza" eines gemischten Journalisten-Paares verbesserte das Geschlechterverhältnis nur geringfügig. Die Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal beschrieb die Situation als strukturelles Problem.
May el-Toukhy ist Tochter einer dänischen Mutter und eines ägyptischen Vaters und wuchs nach eigenen Angaben zweisprachig und zwischen diesen beiden Kulturen im Großraum Kopenhagen auf. Die 49-Jährige ist die erst achte Frau, die in der Geschichte der Filmfestspiele den Goldenen Löwen gewonnen hat.
Die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, erhielt den Preis als beste Schauspielerin.
Hier der Trailer und ein weiterer Clip:
Als bester Schauspieler wurde John Malkovich ausgezeichnet. Der 72-Jährige bekam den Preis für seine Leistung in "Wild Horse Nine" von Martin McDonagh. In dem Film spielt er einen CIA-Agenten.
Hier der Trailer:
21 Produktionen waren im Rennen der Mostra, darunter der Spielfilm "Bucking Fastard" von Altmeister Werner Herzog.
Hier der Trailer:
Der Große Preis der Jury, ging an „Possible Love“ von Lee Chang-dong, dem 72-jährigen bedeutendsten asiatischen Autorenfilmer und Meisterregisseur von "Poetry" (2010) und "Burning" (2018).
Hier der Trailer:
Als Favorit wurde auch "Naza" gehandelt - ein Dokumentarfilm der israelischen Journalisten Yuval Abraham und Rachel Szor. Darin wird geschildert, wie die israelische Armee mit Luftangriffen auf den Gazastreifen palästinensische Zivilisten getötet habe. NAZA ist ihr zweitre Langfilm. Beide haben bereits zuvor als Regisseure des vielfach preisgekrönten Dokumentarfilms "No Other Land" auf der 74. Berlinale (2024) auf sich aufmerksam gemacht.
Die britische Produktion entstand in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung »The Guardian«. Der Titel soll auf ein hebräisches Militärkürzel für „Kollateralschaden“ zurückgehen.
Innerhalb von drei Jahren wurden nachts auf den Dächern der israelischen Küstenstadt Tel Aviv geheime Interviews mit israelischen Soldaten geführt. Diese belegen, dass Israel systematisch und „gezielt massenhaft Tötungen an palästinensischen Zivilisten in Gaza“ durchgeführt habe. Ca. 40.000 Zivilisten sollen so etwa bei Bombardierungen von Wohnhäusern zu Tode gekommen sein.
Titelgebend für den Film war ein Akronym aus dem israelischen Militärjargon. Nach Aussage der Regisseure wird es „euphemistisch“ ("beschönigend") verwendet, wenn die Zahl der Zivilisten angegeben wird, die bei einem israelischen Luftangriff voraussichtlich getötet werden.
Der einzige Dokumentarfilm im Hauptwettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele gewann nicht nur den Spezialpreis der Jury, sondern auch eine rekordlange Standing Ovation von 24,5 Minuten – der längsten, die je bei dem Festival gemessen wurde.
Bei einer Pressekonferenz mit dem Fachblatt »Variety« sagte der israelische Journalist und Filmemacher Yuval Abraham:
NAZA läuft in Spanien beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián am 23. September 2026 und anschließend beim New York Film Festival am 26. September 2026. Ein offizieller Kinostarttermin steht derzeit noch nicht fest, doch die französische Verleihfirma MK2 Films übernimmt den weltweiten Vertrieb.
Die Preisträger im Überblick:
Goldener Löwe für den besten Film
"Woman Unknown" von May el-Toukhy
Silberner Löwe, Großer Preis der Jury
"Possible Love" von Lee Chang-dong
Silberner Löwe, Beste Regie
"Dau" von Ilya Khrzhanovskiy
Produziert von der Berliner Produktionsfirma Coproduction Office durch Förderung des Medienboards Berlin-Brandenburg (MBB).
Volpi Cup, Beste Schauspielerin
Mathilde Arcel für "Woman Unknown"
Volpi Cup, Bester Schauspieler
John Malkovich für "Wild Horse Nine"
Bestes Drehbuch
Stéphane Brizé, Coralie Amédéo und Olivier Gorce für "A Good Little Soldier"
Spezialpreis der Jury
"Naza" von Yuval Abraham und Rachel Szor
Marcello Mastroianni Award für den besten jungen Schauspieler/die beste junge Schauspielerin
Malou Khebizi für "A Place to Heal"
Weitere Preise des Festivals:
Leone del Futuro - Preis für den besten Debütfilm
"La maison du vent" von Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Hauptpreis der Sektion Orizzonti
"Un Détour Par Diane" von Ann Sirot und Raphaël Balboni
Jury-Preis Orizzonti
"La maison du vent" von Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Schauspielpreis der Sektion Orizzonti
Laleh Marzban für den MBB-geförderten Film "Falling House" von Mohsen Gharaei, produziert von BASIS BERLIN. Darüber wurde das Werk als Bester Spielfilm mit dem Premio Airone della Laguna per il Miglior Lungometraggio ausgezeichnet.
Preis des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI: Bester Film im Wettbewerb
"Possible Love" von Lee Chang-dong
Preis des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI: Bester Film in in der Sektion Orizzonti
"The Color of the Sun" von Xavier Tera
Die 83. Filmfestspiele von Venedig fanden vom 2. - 12. September 2026 in der Lagunenstadt statt.
Link: www.labiennale.org/en/cinema/2026

Die dänische Regisseurin May el-Toukhy ist für ihren Film "Woman Unknown" mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig ausgezeichnet worden.
Der Film war zunächst als einziger Beitrag einer Regisseurin im Hauptwettbewerb aufgenommen worden. Die nachträgliche Aufnahme der Gaza-Dokumentation "Naza" eines gemischten Journalisten-Paares verbesserte das Geschlechterverhältnis nur geringfügig. Die Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal beschrieb die Situation als strukturelles Problem.
May el-Toukhy ist Tochter einer dänischen Mutter und eines ägyptischen Vaters und wuchs nach eigenen Angaben zweisprachig und zwischen diesen beiden Kulturen im Großraum Kopenhagen auf. Die 49-Jährige ist die erst achte Frau, die in der Geschichte der Filmfestspiele den Goldenen Löwen gewonnen hat.
Die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, erhielt den Preis als beste Schauspielerin.
Hier der Trailer und ein weiterer Clip:
Synopsis:
Dänemark im Mai 1945: Marie hat als Kinderfrau und Hausmädchen für den wohlhabenden Witwer Christian gearbeitet. Nun ist sie im Begriff, ihn zu heiraten und sozial aufsteigen. Dabei hütet Marie ein Geheimnis. Während der Besatzungszeit unterhielt sie ein Verhältnis zu einem deutschen Soldaten. Die Vergangenheit droht Marie einzuholen. Um ihren neuen Status als künftige Dame des Hauses nicht zu verlieren, ist sie gezwungen, um ihren Platz zu kämpfen.
Als bester Schauspieler wurde John Malkovich ausgezeichnet. Der 72-Jährige bekam den Preis für seine Leistung in "Wild Horse Nine" von Martin McDonagh. In dem Film spielt er einen CIA-Agenten.
Hier der Trailer:
21 Produktionen waren im Rennen der Mostra, darunter der Spielfilm "Bucking Fastard" von Altmeister Werner Herzog.
Hier der Trailer:
Synopsis:
Bucking Fastard erzählt von den Schwestern Jean und Joan Holbrooke, die so eng verbunden sind, dass sie im Gleichklang sprechen, sich gleich kleiden, denselben Mann lieben und gemeinsam nach einem imaginären Land suchen, wo wahre Liebe möglich ist. Werner Herzog inszeniert diese eigenwillige Geschichte inspiriert von einem bizarren wahren Fall, getragen von den realen Schwestern Kate und Rooney Mara in präzisem Zusammenspiel. Der Film wurde auf Festivals wie Venedig, Toronto und New York gezeigt, gelobt für Originalität und Schauspiel, erhielt aber teils gemischte Kritiken, mit positiver Resonanz auf seine exzentrische, poetische Atmosphäre.
Der Große Preis der Jury, ging an „Possible Love“ von Lee Chang-dong, dem 72-jährigen bedeutendsten asiatischen Autorenfilmer und Meisterregisseur von "Poetry" (2010) und "Burning" (2018).
Hier der Trailer:
Synopsis:
Das südkoreanische Drama erzählt die miteinander verflochtenen Lebensgeschichten zweier Ehepaare, die völlig unterschiedliche Leben führen. Das Werk gilt derzeit als einer der besten NETFLIX-Originalfilme mit einer Laufzeit von 165 Minuten. Ein paar Buhrufe gab es dennoch gegen den Streaming-Giganten, zumindest von Bekennern des traditionellen Kinos.
Als Favorit wurde auch "Naza" gehandelt - ein Dokumentarfilm der israelischen Journalisten Yuval Abraham und Rachel Szor. Darin wird geschildert, wie die israelische Armee mit Luftangriffen auf den Gazastreifen palästinensische Zivilisten getötet habe. NAZA ist ihr zweitre Langfilm. Beide haben bereits zuvor als Regisseure des vielfach preisgekrönten Dokumentarfilms "No Other Land" auf der 74. Berlinale (2024) auf sich aufmerksam gemacht.
Die britische Produktion entstand in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung »The Guardian«. Der Titel soll auf ein hebräisches Militärkürzel für „Kollateralschaden“ zurückgehen.
Innerhalb von drei Jahren wurden nachts auf den Dächern der israelischen Küstenstadt Tel Aviv geheime Interviews mit israelischen Soldaten geführt. Diese belegen, dass Israel systematisch und „gezielt massenhaft Tötungen an palästinensischen Zivilisten in Gaza“ durchgeführt habe. Ca. 40.000 Zivilisten sollen so etwa bei Bombardierungen von Wohnhäusern zu Tode gekommen sein.
Titelgebend für den Film war ein Akronym aus dem israelischen Militärjargon. Nach Aussage der Regisseure wird es „euphemistisch“ ("beschönigend") verwendet, wenn die Zahl der Zivilisten angegeben wird, die bei einem israelischen Luftangriff voraussichtlich getötet werden.
Der einzige Dokumentarfilm im Hauptwettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele gewann nicht nur den Spezialpreis der Jury, sondern auch eine rekordlange Standing Ovation von 24,5 Minuten – der längsten, die je bei dem Festival gemessen wurde.
Bei einer Pressekonferenz mit dem Fachblatt »Variety« sagte der israelische Journalist und Filmemacher Yuval Abraham:
„Wir haben diesen Offizieren und Soldaten einfach gesagt: Bitte beschreibt uns, was ihr getan habt. Natürlich sind weitere Fragen entstanden, aber die wichtigste Frage betraf die Details – zeichnet es uns auf, wir wollen wissen, wie es funktioniert hat. Und manchmal bekommt man Antworten, wenn man die Frage nur stellt.
Als Israelis wollten wir unsere Stellung nutzen – den Zugang, den wir zu Menschen in unserer Gesellschaft haben, die zum Militär gegangen sind –, um dieses System zu betrachten, während es das ausgeführt hat, was alle Menschenrechtsorganisationen als Völkermord bezeichnen.“
NAZA läuft in Spanien beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián am 23. September 2026 und anschließend beim New York Film Festival am 26. September 2026. Ein offizieller Kinostarttermin steht derzeit noch nicht fest, doch die französische Verleihfirma MK2 Films übernimmt den weltweiten Vertrieb.
Die Preisträger im Überblick:
Goldener Löwe für den besten Film
"Woman Unknown" von May el-Toukhy
Silberner Löwe, Großer Preis der Jury
"Possible Love" von Lee Chang-dong
Silberner Löwe, Beste Regie
"Dau" von Ilya Khrzhanovskiy
Produziert von der Berliner Produktionsfirma Coproduction Office durch Förderung des Medienboards Berlin-Brandenburg (MBB).
Die Handlung von "Dau" 2026 spielt größtenteils in einem abgeschlossenen sowjetischen Forschungsinstitut, wo wissenschaftliche Hierarchie, Privilegien und ständige Überwachung den Alltag bestimmen.
Der Film gilt als Ergänzung von "Dau" 2019, dem größten und umstrittensten Film- und Kunstprojekte Russlands an dem Regisseur Ilya Khrzhanovskiy elf Jahre arbeitete, um eine filmische Rekonstruktion des Lebens des Physikers und Nobelpreisträgers Lew Dawidowitsch Landau zu erstellen, dessen Karriere unter der Schreckensherrschaft von Stalin seinen Ausgangspunkt nahm. Die multimediale Show konnte in Berlin aus Sicherheitsgründen nicht gezeigt werden, fand aber abgespeckt in Paris statt.
Volpi Cup, Beste Schauspielerin
Mathilde Arcel für "Woman Unknown"
Volpi Cup, Bester Schauspieler
John Malkovich für "Wild Horse Nine"
Bestes Drehbuch
Stéphane Brizé, Coralie Amédéo und Olivier Gorce für "A Good Little Soldier"
Spezialpreis der Jury
"Naza" von Yuval Abraham und Rachel Szor
Marcello Mastroianni Award für den besten jungen Schauspieler/die beste junge Schauspielerin
Malou Khebizi für "A Place to Heal"
Weitere Preise des Festivals:
Leone del Futuro - Preis für den besten Debütfilm
"La maison du vent" von Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Hauptpreis der Sektion Orizzonti
"Un Détour Par Diane" von Ann Sirot und Raphaël Balboni
Jury-Preis Orizzonti
"La maison du vent" von Auguste Bernard Kouemo Yanghu
Schauspielpreis der Sektion Orizzonti
Laleh Marzban für den MBB-geförderten Film "Falling House" von Mohsen Gharaei, produziert von BASIS BERLIN. Darüber wurde das Werk als Bester Spielfilm mit dem Premio Airone della Laguna per il Miglior Lungometraggio ausgezeichnet.
Preis des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI: Bester Film im Wettbewerb
"Possible Love" von Lee Chang-dong
Preis des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI: Bester Film in in der Sektion Orizzonti
"The Color of the Sun" von Xavier Tera
Die 83. Filmfestspiele von Venedig fanden vom 2. - 12. September 2026 in der Lagunenstadt statt.
Link: www.labiennale.org/en/cinema/2026