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Gewinner des Crystal Globe beim 60. Karlovy Vary Filmfestival in Karlsbad

Die Kristallkugel ging an "Fruit Gathering" (Obstsammeln); "Lover, Not a Fighter" gewann den Proxima-Wettbewerb beim 60. Karlovy Vary Filmfestival im tschechischen Karlsbad.



Die 60. Ausgabe des Internationalen A-Filmfestivals im tschechischen Karlsbad (Karlovy Vary) fand vom 3. bis 11. Juli 2026 statt.

Der Hauptpreis des 60. Internationalen Filmfestivals von Karlsbad ging an "Fruit Gathering" von Regisseur Aung Phyoe aus Myanmar, einer Ko-Produktion mit Frankreich, Tschechien und Myanmar.

Aung Phyoe nahm die Kristallkugel für sein Film "Obstsammeln" direkt aus den Händen von Juliette Binoche entgegen, die selbst kurz zuvor mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet worden war.

"Es ist mein erster Film, mein erstes großes Festival und mein erster Preis!" sagte der überraschte Filmemacher.

Sein Film "Fruit Gathering" schwankt in einem fesselnden Rhythmus zwischen Zärtlichkeit und Härte, während er darüber nachdenkt, wie die Begierden von Frauen in einem Land überleben, in dem Intimität und Liebe zwischen Frauen gesellschaftlich inakzeptabel bleiben.

Im Gespräch mit Cineuropa reflektierte der junge Regisseur über die lange Entstehung des Films, seine intime Darstellung von Verlangen und Unsicherheit sowie die Herausforderungen, eine persönliche Geschichte innerhalb der Realitäten des zeitgenössischen Myanmars zu gestalten.

Aung Phyoe:

"Für mich geht es in erster Linie um die Suche nach einem besseren Leben, Freiheit und der Last der Erwartungen. In den letzten Jahren hat genau das jeder burmesische Jugendliche durchgemacht. Aber wenn man genauer hinschaut, gibt es einen Unterschied im Privileg, das jeder Einzelne besitzt. Manche Menschen können das Land verlassen und ein ordentliches Leben im Ausland aufbauen, während andere aufgrund ihrer Rasse oder Religion nicht einmal einen Pass bekommen können. Deshalb möchte ich über zwei Charaktere schreiben, die ähnliche Hintergründe haben, aber unterschiedliche Privilegien haben, je näher sie einander wachsen. Was Sans Sehnsucht betrifft, so ist sie definitiv ein Teil von mir, meinen Beobachtungen, Inspirationen aus anderen Medien wie Literatur und meiner eigenen Art, die Menschen um mich herum zu verstehen."


Proxima-Wettbewerb und weitere Preise:

Der Gewinner des Proxima-Wettbewerbs, der formal innovativen Filmen gewidmet ist, ging an die verspielte Liebesgeschichte "Lover, Not a Fighter", über einen jungen Mann, der verliebt und auch ein wenig verloren ist, sowie die ihm am nächsten stehenden Menschen. Auch dieser Film der Regisseurin Martina Buchelová entstand als Ko-Produktionen, nämlich als slowakisch-tschechische Koproduktion.

Das dänische Familiendrama "The Guest" erhielt sowohl den Preis für die beste Regie für den Debütfilmemacher Mads Mengel als auch den Sonderpreis der Jury.

Der Preis für den besten Hauptdarsteller ging an den 71-jährigen Laienschauspieler Ghassan Saad für die libanesische Koproduktion "Pipes", während eine sichtlich emotionale Anna Schinz den Preis als Beste Hauptdarstellerin für das Schweizer Drama "A Happy Family" des Regisseurs Jan-Eric Mack entgegennahm. Das Familien-Drama basiert auf dem Drehbuch von Anna Schinz, Nikita Afanasjew und Eva Kienholz.

Die Jury verlieh Efthimis Kosemund-Sanidis für sein Debüt "A Whole Person Almost" den Preis für den besten Regisseur. In dem Film reist ein Mann auf eine abgelegene griechische Insel, um das Erbe seines verstorbenen Vaters in einer persönlichen und emotionalen Odyssee einzufordern.

"Ich hoffe, dieser Film erinnert die Menschen daran, dass Verletzlichkeit nicht das Gegenteil von Stärke ist, sondern eine ihrer Formen", sagte der griechische Filmemacher.

Der Sonderpreis der Jury ging an den poetischen japanischen Film "Incinerator", basierend auf einer Kurzgeschichte von Kaori Ekuni, während das zweite slowakische Debüt im Proxima-Wettbewerb, "33 Steps", eine besondere Erwähnung erhielt.

Der Právo Publikumspreis ging an "Bára – Diary of a Rockstar", eine Zeitraffer-Dokumentation von Helena Třeštíková.

"Ich möchte Bára Basiková für ihre Offenheit und Authentizität danken. Ich habe einen Wunsch: Dass das tschechische Fernsehen weiterhin das gleiche Maß an Finanzierung erhält wie heute. Andernfalls wäre es nicht möglich, ehrgeizige, langfristige Projekte zu schaffen, die das Publikum eines Tages annehmen könnte, so wie es unsere getan hat. Wenn es also irgendeine Möglichkeit gibt, diesen Wunsch in Erfüllung zu setzen, wäre ich unglaublich dankbar", sagte die Regisseurin in ihrer Dankesrede.

Darüber hinaus wurden drei Ehrenpreise während der Abschlusszeremonie des 60. Internationalen Filmfestivals Karlowy Vary von KVIFF-Geschäftsführer Kryštof Mucha und künstlerischem Leiter Karel Och überreicht.

Die erste Geehrte des Abends war die Diplomatin, Schriftstellerin und ehemalige Schauspielerin Magda Vášáryová.

Der US-amerikanische Schauspieler Jeffrey Wright erhielt den KVIFF President's Award und kehrte damit - 29 Jahre nach seinem ersten Besuch - zum Festival zurück. Als er 1997 nach Karlsbad kam, stand er am Anfang seiner Karriere. Seitdem hat der charismatische amerikanische Schauspieler ein bemerkenswertes Werk aufgebaut, das Blockbuster-Produktionen, gefeierte Dramen, Independent-Filme und Arthouse-Kino umfasst.

Juliette Binoche, die drei Filme auf dem diesjährigen Festival präsentierte, fügte ihrer Sammlung von Schauspielauszeichnungen aus Berlin, Cannes und Venedig den Crystal Globe des KVIFF for Outstanding Artistic Contribution to World Cinema hinzu.


Link: www.kviff.com