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Neues Arsenal als Berliner Kiezkino eröffnet

Das ehemalige Kino Arsenal am Potsdamer Platz, das sich einst die Freunde der Deutschen Kinemathek gewünscht hatten, gibt es nicht mehr.



Der Name des Kinos Arsenal ist noch geblieben, aber die Eröffnung der neuen Spielstätte im Wedding beim Silent Green Kulturquartier fand erst am heutigen Sonntag, den 3. Mai 2026 um 18:00 Uhr, fast anderthalb Jahre nach der Schließung am Potsdamer Platz, statt.

Längst haben die ursprünglichen Unterstützer des Instituts für Film und Videokunst e.V., besser bekannt unter dem Namen Kino Arsenal, die auch das Forum des Jungen Films als eigenständige Sektion der Berlinale seit 50 Jahren betreiben, das ehemalige Sony Center am Potsdamer Platz verlassen. Dazu gehörten die Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin (Dffb), die nach Köpenick ausweichen musste sowie die Deutsche Kinemathek | Museum für Film und Fernsehen, die als 10-jährige Interims-Lösung, in das E-Werk an der Leipziger Straße gezogen ist.

Das neue Kino ARSENAL befindet sich in der Westhalle an der Rückseite des Silent Green Ensembles im einstiegen Trauersaals des ehemaligen Krematoriums mit einem eigenen Eingang in der Plantagenstraße 30, während der Vordereingang zu den anderen Silent Green Gebäuden mit dem Kuppelsaal und der unterirdischen Betonhalle in der Gerichtstraße 53 liegt.

Dennoch sind erstmals Kino, Festivalarbeit, Distribution und Archiv sowie der Arsenal Campus an einem Ort vereint, denn auch Berlinale Forum und Forum Expanded werden vom Silent Green aus betreut.

Filmtechnik sowie die neu bezogenen Sitze sind ebenfalls mit umgezogen und wiederverwertet worden. Wie bisher können erneut alle analogen und digitalen Bildformate gezeigt werden. Kompliziert wurde der Umbau in ein modernes Kino dennoch, weil der Trauersaal mit seiner rundbogenartigen Decke einen komplizierten Hall erzeugte. Für Konzerte wäre der Hall sogar erwünscht. Im Kino dagegen, mit modernem Dolby Surround-Lautsprechersystem, darf der Ton keinen Nachhall haben. Die Lösung sind an der Decke montierte Mikrofone, die einen unerwünschten Hall erkennen und somit Signale zum Gegensteuern an die Lautsprecher weitergeben können. Ein ähnliches Verhalten kennt man - simpel ausgedrückt - von modernen Hörgeräten mit künstlicher Intelligenz (AI-Technik).

Die akustische Ausstattung macht es sogar möglich, dass ebenso alle Tonformate – bis hin zu Dolby Atmos – exzellent wiedergegeben werden können, aber auch Stummfilmbegleitung und Wortbeiträge von Gästen und aus dem Publikum gut zur Geltung kommen.

Doch wehe wenn die Technik ausfällt und nur noch die Front-Lautsprecher funktionieren. Dann wird die Verständigung wegen des Nachhalls auf den hinteren Plätzen schwierig.

Somit hat die Wiedereröffnung des Kinos ARSENAL am neuen Ort, trotz der 63 Jahre Kinoerfahrung im Rücken, etwas von (Neu-)Anfang inklusive Aufbruchstimmung mit Neulandbetretung. In der Nachbarschaft hat man sich mit kostenlosen Testvorführungen zwar bereits bekannt gemacht, doch ob das internationale Publikum den weiten Weg in den Wedding folgt, bleibt ungewiss.

Möglicherweise muss man sich neu erfinden und das Programm um ein kommunales Nachbarschafts-Kiezcinema erweitern. Diesen Weg hat das nur 500 Meter entfernt in der Lindower Straße liegende SİNEMA TRANSTOPIA, das ursprünglich als Pop-Up Kino am Alexanderplatz gegründet worden war, bereits erfolgreich beschritten.

Da Kino ein Ort des Erinnerns ist, passt vielleicht die alte Aussegnungshalle, in der sich noch bis 2001 die Hinterbliebenen von ihren Verstorbenen verabschieden konnten, ganz gut für ein Kino dieser besonderen Art, das nach knapp 25 Jahren am unwirtlichen Potsdamer Platz nun einen Neuanfang wagt.

Seit 2015 befindet sich im Silent Green bereits das Filmarchiv des Arsenals, das über 10.000 Filmkopien beherbergt. Zum neuen Kino ARSENAL, dem Herzstück des Filminstituts, sind zumindest die Wege der Filmrollen und digitalen Kopien kürzer geworden. Nur die direkte Partnerschaft mit der Kinemathek, der Filmhochschule Dffb und der Berlinale, haben sich erledigt.

Immerhin sind mit der Eröffnung am neuen Standort die Zukunftspläne des Arsenals erfüllt worden, sagt Milena Gregor, Leiterin des Kinos und Tochter von Erika & Ulrich Gregor, dem bekannten Filmhistoriker und ehemaligem Leiter des FORUMS der Berlinale. Doch die Signale der drastischen Kultur-Sparmaßnahmen des Senats, sind weiterhin besorgniserregend, zumal auch der Bundes-Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der das Geld für das Arsenal verwaltet, in die gleiche Kerbe schlägt.

Die künstlerischen Leiterinnen Stefanie Schulte Strathaus und Birgit Kohler fanden den Umzug zum Silent Green Kulturquartier dennoch gut. Im Keller unter dem Kinosaal befindet sich jetzt das Papierarchiv, das bis 1963 in die Gründerjahre des damaligen Vereins der Freunde der Deutschen Kinemathek zurückreicht. Ein Glücksfall war auch die Zustimmung zum Umbau des Galeristen Patrick Ebensperger, der dafür seine Ausstellungsräume hergab, die sich seit 2013 in der Westhalle befanden.

Zur Neu-Eröffnung besann man sich auf eine Blick in das hauseigene Filmgeschichtsprogramm mit künstlerischen Anfängen einer Reihe von Filmemache­r*in­nen und ihrer fulminanten, überraschenden, risikofreudigen, Stil-suchenden oder -prägenden abendfüllenden Erstlingswerke. Die bewährt diverse Auswahl der Magical History Tour quer durch unterschiedliche Epochen, Stilrichtungen und Regionen stellte „kanonisierte“ neben (wieder) zu entdeckende Debüts, allesamt Frühwerke, die bis heute nachhallen.

Link: www.arsenal-berlin.de