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Die Gewinner des 76. Locarno Film Festivals 2023

Die 76. Ausgabe des A-Filmfestivals von Locarno am Lago Maggiore in der italienischen Schweiz fand vom 2. - 12. August 2023 statt.



Gleich vorab möchten wir darauf hinweisen, dass einer der Locarno Open Doors Filmbeiträge bereits am heutigen Sonntag, den 13.08.2023 um 20:00 Uhr im kleinen Kino 2 des Berliner Babylon Filmtheaters am Rosa-Luxemburg-Platz in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt wird. Im Anschluss an die Premiere von "TIEMPOS FUTUROS" [The Shape of Things to Come] [OmeU] findet ein Q & A statt.

Hier der Trailer:
Peru, Deutschland, Mexiko, Ecuador, 2021, R: Victor Checa, mit: Fernando Bacilio, Lorenzo Molina, 82 min.



Synopsis:
Teo ist elf Jahre alt und lebt bei seinem Vater Luis, einem Erfinder. Dieser hat sich der Erschaffung einer seltsamen Maschine verschrieben, die in einer regenlosen Stadt einen Wolkenbruch erzeugen soll. In einer dystopischen Stadt, die Lima in Peru ähnelt, ist Luis besessen davon, die Maschine zum Laufen zu bringen, und riskiert dabei ständig den Zorn der Behörden, die die Maschine verbieten wollen und ihn bedrohen. Teo versucht seinem Vater zu helfen und gerät dabei in Kontakt mit einer Gang junger Spione, was seine Beziehung zu Luis ins Wanken bringt. Werden sie die allmächtige Mutter Natur mit reichlich Entschlossenheit und geringen Mitteln herausfordern können?


Der Film unter deutscher Beteiligung, der bereits 2021 gedreht und auch auf anderen Festivals gezeigt wurde, hat zwar keinen Preis gewonnen, dafür sind aber andere u.a. auch deutsche Filme, in Locarno ausgezeichnet worden.

TIEMPOS FUTUROS wird nur einen Tag nach seiner Vorführung als Abschlussfilm des Locarno Open Doors 2023 seine Berlinpremiere feiern. Die Veranstaltung wird organisiert von LATIN QUARTER Distribution in Zusammenarbeit mit dem Kino Babylon.

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Die elf Tage des Locarno Film Festival haben sowohl das Publikum als auch die Filmkritiker/innen begeistert. Vollbesetzte Säle, filmische Entdeckungen und viele Emotionen. Das Programm von Locarno76 bot dem Publikum eine grenzenlose Reise durch alle Formen des zeitgenössischen Kinos. 146’930 Zuschauer/innen haben die Vorführungen besucht (86’530 in den Sälen und 60’400 auf der Piazza Grande), was einem Publikumswachstum von 14.3% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der scheidende Festivalpräsident Marco Solari sagte zu seiner letzten Ausgabe: «Mein absolutes Ziel als Präsident des Locarno Film Festival war es zu gewährleisten, dass sich das Festival stark positioniert und die Schweizer Kulturszene international zu den wichtigsten gehört...»


Als Sieger der 76. Ausgabe geht "Mantagheye bohrani" (Critical Zone) von Ali Ahmadzadeh hervor. Der Film, eine künstlerische Reflexion über den iranischen Widerstand und die Freiheit, wurde mit dem Pardo d’oro (dem goldenen Leopard) ausgezeichnet. Hier der Gewinner persönlich vor der Open-Air-Kulisse, der Piazza Grande.



Der Film von Ali Ahmadzadeh wurde ohne die Erlaubnis der iranischen Behörden in den Strassen von Teheran gedreht. Ein kurzer Clip des Films kann als Filmausschnitt vorerst leider nur auf Cineuropa gesehen werden.

Synopsis:
Der Film ist ein einzigartiger Trip. Amir führt ein einsames Leben. Mit seinem Hund als einzige Gesellschaft fährt er durch die Unterwelt Teherans, handelt mit Drogen aller Art und heilt geplagte Seelen wie ein moderner Prophet, der in Teherans Unterwelt verstörte Seelen heilen will. Er navigiert ziellos durch die Straßen der Stadt und folgt den Anweisungen seines GPS, während er high wird, um einer Stadt ohne Zukunft zu entkommen. Und doch wird er auf seiner Wanderung den Keim des Widerstands finden.


Die in diesem Jahr eingeführten genderneutralen Preise für die besten Schauspielleistungen wurden an vier Schauspieler/innen verliehen, die mit ihren Leistungen im Concorso internazionale und Concorso Cineasti del presente zu überzeugen wussten.

Insgesamt gab es 214 Filme im Programm und 466 Vorführungen sorgten für gefüllte Kinosäle. Dabei wurde mit der Filmauswahl auch die zentrale Bedeutung der Indie-Szene und des Autorenkinos einmal mehr unter Beweis gestellt.

Hier die Gewinner des internationalen Hauptwettbewerbs
Concorso internazionale:


Pardo d’oro, Grosser Preis der Stadt Locarno für den besten Film
"MANTAGHEYE BOHRANI" (CRITICAL ZONE) von Ali Ahmadzadeh, Iran/Deutschland

Spezialpreis der Jury der Gemeinden Ascona und Losone
"NU AȘTEPTA PREA MULT DE LA SFÂRȘITUL LUMII" (DO NOT EXPECT TOO MUCH FROM THE END OF THE WORLD) von Radu Jude, Rumänien/Luxemburg/Frankreich/Kroatien
Hier der Trailer:



Synopsis:
Radu Judes Film erzählt von einer Frau namens Angela. Die ist Mitte Dreißig und arbeitet bei einer in Bukarest ansässigen Filmproduktion als Mädchen für alles. Der Film folgt ihr vom Aufstehen früh am Morgen bis zu ihrer Rückkehr nach Mitternacht. Die Hälfte der Zeit fährt Angela in ihrem Van kreuz und quer durch Bukarest. Sie transportiert Filmutensilien und führt mit Laien Casting-Interviews durch. Einmal hat sie Sex mit einem Mann, der vielleicht ein Lover, vielleicht ein Kunde ist. Am späteren Nachmittag holt sie die von Nina Hoss gespielte Produzentin eines Auftragsfilms vom Flughafen ab, begleitet sie zu einer Sitzung und führt sie später ins Hotel. Zwischendurch serviert sie Kaffee. Oft sitzt sie irgendwo und wartet. Manchmal dreht sie, in die Rolle ihres Alter Egos Bobby schlüpfend, ein kurzes Filmchen, das sie auf einer TikTok ähnlichen Social Media-App postet.

Angelas Geschichte wird in drei parallelen, sich bildlich voneinander absetzenden Strängen erzählt. Angelas Teil kommt schwarz-weiß daher, die Bobby-Filmchen sind grell farbig und im Hochformat. Der dritte Strang erzählt analog zu Angelas Story die Geschichte einer ebenfalls bis zum Umfallen arbeitenden Taxifahrerin aus früheren Jahren. Radu Judes Film ist gleichermaßen ästhetisch radikal wie politisch bissig. Bei dem im Film entstehenden Auftragsfilm handelt es sich ironischerwiese um das Educational Movie einer internationalen Versicherungsfirma, das darauf hinweist, die bei der Arbeit vorgegebenen Sicherheitsvorschriften einzuhalten.


Pardo für die beste Regie der Stadt und Region Locarno
Maryna Vroda für "STEPNE" („Steppe“), Ukraine/Deutschland/Polen/Slowakei
Mit dem Werk hat die Regisseurin ihren Master-Abschluss an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg gemacht.

Synopsis:
Anatoly kommt in ein kleines ukrainisches Dorf, um sich seine todkranke Mutter zu kümmern. Vor ihrem Tod verrät sie ihm noch, das sie einige Erinnerungsstücke an seine Jugend im Haus bewahrt hat, die ihn von dem Leben träumen lassen, dass er hätte führen können, wenn er in seinem Heimatdorf geblieben wäre. Auch der schlussendliche Tod seiner Mutter, ein Treffen mit seinem Bruder und seine unerwiderten Gefühle für eine Frau sorgen dafür, dass sich Anatoly endlich wieder lebendig fühlt...

Die Gesellschaftsstudie der ukrainischen Regisseurin Maryna Vroda konnte mit finanzieller Unterstützung des Medienboards Berlin-Brandenburg sowie des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) durchgeführt werden und galt sowohl unter Kritikern als auch unter dem Publikum als einer der Favoriten, der begeistert aufgenommen wurde.


Pardo für die beste schauspielerische Leistung
Dimitra Vlagopoulou für "ANIMAL" von Sofia Exarchou, Griechenland/Österreich/Rumänien/Zypern/Bulgarien

Pardo für die beste schauspielerische Leistung
Renée Soutendijk für "SWEET DREAMS" von Ena Sendijarević, Niederlande/Schweden/Indonesien/Réunion

Lobende Erwähnung
"NUIT OBSCURE - AU REVOIR ICI, N'IMPORTE OÙ" von Sylvain George, Frankreich/Schweiz

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Concorso Cineasti del presente:
Nebensektion für Debütfilme


Pardo d’oro Concorso Cineasti del presente für den besten Film
"HAO JIU BU JIAN" (DREAMING & DYING) von Nelson Yeo, Singapur/Indonesien

Preis für den/die beste/n Nachwuchsregisseur/in der Stadt und Region Locarno
Katharina Huber von "EIN SCHÖNER ORT", Deutschland

Synopsis:
Ein apokalyptisches Stimmungsbild zweier junger Frauen über ein immer leerer werdendes Dorf in ländlicher Idylle.

Spezialpreis der Jury CINÉ+
"CAMPING DU LAC" von Éléonore Saintagnan, Belgien/Frankreich

Pardo für die beste schauspielerische Leistung
Clara Schwinning für "EIN SCHÖNER ORT" von Katharina Huber, Deutschland

Pardo für die beste schauspielerische Leistung
Isold Halldórudóttir und Stavros Zafeiris für "TOUCHED" von Claudia Rorarius, Deutschland

Lobende Erwähnungen
"EKSKURZIJA" (EXCURSION) von Una Gunjak, Bosnien - Herzegowina/Kroatien/Serbien/Frankreich/Norwegen/Qatar

"NEGU HURBILAK" von Colectivo Negu, Spanien

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First Feature

Swatch First Feature Award (Preis für den besten Debütfilm)
"HAO JIU BU JIAN" (DREAMING & DYING) von Nelson Yeo, Singapur/Indonesien

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Pardi di domani
Concorso Corti d’autore


Pardino d’oro Swiss Life für den besten Autorenkurzfilm
"THE PASSING" von Ivete Lucas, Patrick Bresnan, USA

Lobende Erwähnung und Kurzfilm am Locarno Film Festival, der für die European Film Awards kandidiert
"BEEN THERE" von Corina Schwingruber Ilić, Schweiz

Concorso internazionale

Pardino d’oro SRG SSR für den besten internationalen Kurzfilm
"EN UNDERSØGELSE AF EMPATI" (A STUDY OF EMPATHY) von Hilke Rönnfeldt, Dänemark/Deutschland

Pardino d’argento SRG SSR für den internationalen Wettbewerb
"DU BIST SO WUNDERBAR" von Leandro Goddinho, Paulo Menezes, Deutschland/Brasilien

Preis für die beste Regie Pardi di domani – BONALUMI Engineering
Eric K. Boulianne für "FAIRE UN ENFANT", Kanada

Preis der Medien Patent Verwaltung AG
"NEGAHBAN" (THE GUARD) von Amirhossein Shojaei, Iran

Lobende Erwähnung
"THE LOVERS" von Carolina Sandvik, Schweden

Concorso nazionale

Pardino d’oro Swiss Life für den besten Schweizer Kurzfilm
"LETZTE NACHT" von Lea Bloch, Schweiz

Pardino d’argento Swiss Life für den nationalen Wettbewerb
"NIGHT SHIFT" von Kayije Kagame, Hugo Radi, Schweiz

Preis für den/die beste/n Schweizer Newcomer/in
"LETZTE NACHT" von Lea Bloch, Schweiz

Pardo Verde Ricola

Pardo Verde Ricola (Variety Piazza Grande Award)
"ČUVARI FORMULE" (GUARDIANS OF THE FORMULA) von Dragan Bjelogrlić, Serbien/Slowenien/Montenegro/Nordmazedonien

Lobende Erwähnungen
"PROCIDA", Film von den Teilnehmenden des Procida Film Atelier, Italien

"VALLEY PRIDE" von Lukas Marxt, Österreich/Deutschland

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Prix du Public

Der Publikumspreis wurde auf der Piazza Grande vor rund 8.000 Zuschauer*innen an Ken Loach für "The Old Oak" überreicht.

Hier der Trailer:


Synopsis:
Der Film spielt in einem ehemaligen Grubendorf in der Grafschaft Durham im Nordosten Englands und in dem titelgebenden, letzten verbliebenen Pub. In der heruntergekommenen Minenstadt lernen sich ein älterer, einheimischer Mann und eine junge Frau, die aus Syrien flüchtete, kennen. Viele junge Leute haben die einst blühende Gemeinde verlassen. Häuser sind billig und verfügbar. Wie werden die Syrer empfangen?

Der Film feierte im Mai 2023 bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere.


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Preis der Ökumenischen Jury

Der italienische Regisseur Simone Bozzelli wurde beim Filmfestival Locarno mit dem Kirchenpreis der Ökumenischen Jury
ausgezeichnet. Sein Film "Patagonia" über eine ungleiche Beziehung zwischen zwei Männern bewege sich "zwischen Gewalt und Zartheit, Obsessivität und Selbstentdeckung", so die Jury. Der Preis ist mit 10.000 Schweizer Franken dotiert.

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Link: www.locarnofestival.ch

Die Liste aller Wettbewerbsbeiträge haben wir in der erweiterten Ansicht eingestellt:

"Die Gewinner des 76. Locarno Film Festivals 2023" vollständig lesen

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