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FESTIVAL DES ARCHITEKTURKINOS - unsere wöchentliche Filmkritik

Im Salzgeber Club gibt es nicht nur queere Filme - auch das Thema „Architektur im Film“ ist seit jeher ein Schwerpunkt des Programms.



Das nachfolgend von uns besprochenen VoD-Release von Virpi Suutaris „Aalto“ über Leben und Werk des kreativen Ehepaares Alvar und Aino Aalto nutzt Salzgeber diesen Monat für ein kleines Online-Festival des Architekturkinos.

Zusätzlich zu den Porträtfilmen „Oscar Niemeyer – Das Leben ist ein Hauch“ von Fabiano Maciel und Sacha und „Max Bill – Das absolute Augenmaß“ von Erich Schmid sind ab dieser Woche auch noch „Kevin Roche – Der stille Architekt“ von Mark Noonan, „Big Time – Der Architekt Bjarke Ingels“ von Kaspar Astrup Schröder sowie „Bird’s Nest – Herzog & de Meuron in China“ von Christoph Schaub und Michael Schindhelm als VoD auf VIMEO verfügbar.



"AALTO – Architektur der Emotionen" Dokumentarfilm von Virpi Suutaris über den finnischen Architekten und Möbeldesigner Alvar Aalto. Mehrsprachige Originalfassung mit deutschen Untertiteln. (Finnland 2020, 103 Minuten - jetzt im Salzgeber Club als VoD).

Hier der Trailer:



Ulrikes VoD-Kritik:

„Aalto – Architektur der Emotionen“ ist ein Dokumentarfilm über das finnische Architektenehepaar Alvar und Aino Aalto. Mit ihren Bauten und Design – Entwürfen prägten sie das 20. Jahrhundert.

Alvar Aalto (1898-1976) gilt als „Vater des Modernismus. Zum berühmten Klassiker wurde die Aalto-Vase mit ihrem asymmetrischen Grundriss und ihrer gewellten Form, die auf den Namen ihrer Gestalter (Alto = Welle) anspielt. Ebenso das aus Holz und Leder gefertigte Stuhlmodell „Paimio“ wurde zu einem grandiosen Exportschlager. Neben ihren Architekturaufträgen erhielten sie vermehrt Anfragen, Möbel herzustellen, woraufhin sie 1933 den Möbelherstellungsbetrieb Artek gründeten. Aino wurde zur Chefdesignerin. Überhaupt, einen großen Anteil an seinem weltweiten Ruhm hat seine Ehefrau Aino (1894- 1949), mit der er bis zu ihrem frühen Tod ein sich ergänzendes Team bildet. Aalto gehört zu den Pionieren der finnischen Architektur. Beide wurden zu einem wegweisenden Paar der Moderne. Eine Vielzahl an Fotografien, privaten Filmaufnahmen, kombiniert mit Worten und Geschichten normaler Zeitzeugen und Statements internationaler Experten geben Einblick in das Familien- und Arbeitsleben des Paares. Seine Bauten sollten sozial, ökologisch und psychologisch sein. Wichtig für ihn war es, einen Raum menschlich zu gestalten.

Die Flitterwochen verbrachte das Paar in Italien. Die dort erworbenen Kenntnisse der italienischen Architektur beeinflusst ihr künstlerisches Schaffen.

Der erste Mäzen für Aalto-Möbel in den USA ist Laurence Rockefeller. Aalto-Möbel wurden zur beliebtesten Marke für moderne Möbel in den Vereinigten Staaten. Sie erhielten eine eigene Ausstellung im Museum of Modern Art. Alvars und Ainos Popularität wuchs unermüdlich. Die Presse war besessen von den beiden. Alvar war ein guter Gesellschafter. Er war charmant, humorvoll und ein ausgezeichneter Redner. Besonders auffallend in der prüden damaligen Zeit, die moderne Liebes-und Arbeitsbeziehung, die sie führten. Nachzuempfinden in den eingesprochenen Auszügen privater Liebesbriefe von Aino und Alvar.

Aino starb am 13. Januar 1949. Nach ihrem Tod änderte sich sein Werk. Alvar heiratete 1952 die Architektin Elissa. Auch sie arbeiteten beide zusammen.

In den letzten Jahren ging es ihm nicht mehr so gut. In seiner Heimat Finnland wurde er von den Linken als kapitalistischer Architekt gesehen, was zu einem Alkoholproblem bei ihm führte.

Im Herbst 1975 bekam er einen Anruf aus Bologna. Der Bau der Pfarrkirche in Riola sollte beginnen. Alvar starb am 11.Mai 1976 in Helsinki. Den fertigen Bau der Kirche hat er nicht mehr gesehen. Es gibt etwa 300 vollendete Bauwerke von ihm und 200 blieben unvollendet.

Mittels einer emotionalen Bildsprache erzählt Regisseurin Virpi Suutari in ihrem dokumentarischen Porträt „Aalto“ vom Leben und vielseitigem Werk des kreativen Ehepaares und von der besonderen Liebe, die sie verband Einer seiner Sprüche war: „Architektur verewigt und adelt. Wenn es nichts zu adeln gibt, gibt es keine Architektur.“ Zu seinen Bauten in Deutschland gehören das Kulturzentrum in Wolfsburg, das Theater in Essen und Aalto-Bauten im Berliner Hansa-Viertel.

Weiterhin schuf er Privatvillen, die Stadtbibliothek in Viipuri, das Paimio Sanatorium, welches er nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt, bewusst für „Horizontale Menschen“ entwarf. Und… vieles mehr.

Ulrike Schirm


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PS: Post Scriptum

Eine Filmkritik von Elisabeth Nagy zur Eingangs erwähnten Doku von Mark Noonan "KEVIN KOCHE - Der stille Architekt" hatten wir zum Kinostart am 9. März 2018 veröffentlicht. Trailer und Kritik sind hier abrufbar.

Links: salzgeber.de | vimeo.com/ondemand/aalto

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