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Unsere Filmkritiken zu Kinostarts vom 19. & 26. Oktober 2017

Heute wieder aktuelle Filmbesprechungen von Isolde Arnold und Ulrike Schirm zu kürzlich angelaufenen, sehenswerten Filmen in Berlin und im Bundesgebiet.



Filmrezensionen zu älteren Werken können in der linken Seitenleiste unter der Kategorie Film & TV-Kritik gefunden werden. Infos zu Filmen, die zwischen dem 5. und 12. Oktober 2017 gestartet waren, können auch direkt hier abgerufen werden.

"DIE UNSICHTBAREN - Wir wollen leben"
Doku-Drama von Claus Räfle.
(Deutschland) Mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee u.a. seit 26. Oktober 2017 im Kino. Hier der Trailer:



Isoldes Filmtipp

Im Film hat sich der Regisseur mit einem weitgehend unbekannten Kapitel jüdischen Widerstands im nationalsozialistischen Berlin auseinandergesetzt. Während seiner Dreharbeiten zu einem Fernsehdokumentarfilm über das berüchtigte "Bordell Salon", wo große Namen des öffentlichen Lebens abgehört wurden und sich auch eine Jüdin mit falschem Namen versteckte, ist er auf die Geschichten von vier Überlebenden gestoßen.

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nazis am 30. Januar 1933 beginnt die Ausgrenzung, Diffamierung, Entrechtung und Vernichtung der etwa 500 000 deutschen Jüdinnen und Juden. In Deutschland überleben etwa 5.000 "Untergetauchte", davon 1.700 in Berlin.

Claus Räfle hat sich lange mit den noch vier Überlebenden unterhalten und die Gespräche vielschichtig mit einer Spielhandlung verknüpft. Die Stimmen der Befragten gehen auf das Geschehen über, wo sie sich als Erzählstimmen der Schauspieler fortsetzen. So ist eine Mischform aus Dokumentar- und Spielfilm entstanden. Der Regisseur wollte mit dieser Form die Geschichten so glaubwürdig wie möglich erzählen und das ist ihm auch gelungen, denn sie kommen somit lebendig und unmittelbar beim Zuschauer an.

Mal Glück, mal Unschuld und der Mut selbstlos helfender Mitmenschen, lassen die Porträtierten überleben. Sie werden in den Spielfilmszenen von Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee und Aaron Altaras würdevoll vertreten.

I.A.


DIE UNSICHTBAREN (Überlebende erzählen)

In Berlin widmet sich die Gedenkstätte »Stille Helden« der Erinnerung an jene Menschen, die sich der tödlichen Bedrohung entzogen und an jene, die ihnen dabei geholfen haben.

Empfehlenswert ist auch das fast gleichnamige Buch zum Film "Die Unsichtbaren - Untertauchen, um zu überleben. Eine wahre Geschichte", das am 9.10. 2017 im Elisabeth Sandmann Verlag erschienen ist.

Regisseur Claus Räfle: „Von Oktober 1943 bis April 1945 haben tatsächlich circa 7.000 Berliner versucht sich im Untergrund zu verstecken. Zu Beginn des 2. Weltkriegs lebten noch ungefähr 160.000 Juden in Deutschland, davon der grösste Teil in Berlin. Und von den 7000, die sich der Deportation widersetzten, haben sich tatsächlich über 1700 retten können. Dies geschah mit Hilfe gutherziger, christlich denkenden Berliner, die sich auf diese Weise den Anordnungen der Machthaber widersetzten“.

Ulrikes Filmkritik:

Jahrelang kämpfte der Dokumentarfilmer Claus Räfle gegen die Widerstände , die ihm von verantwortlichen Redakteuren deutscher Fernsehsender , sowie Filmverleihern in den Weg gelegt wurden. Ihre Ablehnung, einen Film über vier gerettete Personen zu machen, während Millionen von Juden in Gaskammern und Konzentrationslagern landeten, klingt mehr als merkwürdig. Räfle konnte sich Gott sei Dank durchsetzen. Er und seine Co-Autorin Alejandra Lopez haben sich auf die Suche gemacht und vier jüdische Zeitzeugen gefunden, die in jungen Jahren den Holocaust überlebt haben. Es sind beklemmende Berichte von Menschen, die ihre Identität von heut auf morgen verleugnen mussten. Die ihre Familien und Freunde verloren haben und  Dank fremder Menschen,  in ihren Verstecken, täglich um ihr Leben bangten.

„Man lebte nur noch von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag. Man war immer hungrig, sowohl die, die untergetaucht waren, als auch die, die sich versteckten“.

Auf den Straßen Berlins sah man kaum noch junge Männer in Zivil. Zwei Frauen, Hanni Lévie und Ruth Gumpel, zwei Männer, Eugen Friede und Cioma Schönhaus, sind die realen Vorbilder, deren Erlebnisse von Schauspielern nachgestellt werden. Lévi (Alice Dwyer) ist Vollwaise, die zum Schutz mit blondierten Haaren, sich Tag für Tag in den Seitenstraßen des Ku' Damms herumtreibt und zum Aufwärmen ins Kino geht. Die Kartenverkäuferin eines Kinos am Nollendorfplatz gewährt der 17-jährigen bis zur Befreiung Berlins Unterschlupf in ihrer Wohnung.

Ruth Gumpel, damals Arndt (Ruby O. Fee), war gezwungen, ihre Verstecke ständig zu ändern. Zusammen mit einer Freundin, geben sie sich als Kriegswitwen aus und finden eine Anstellung als Serviermädchen bei einem Wehrmachtsoffizier, wo sie grölende Nazibonzen bedienen mussten. Eugen Friede (Aaron Altaras) konnte nicht mehr in seiner Familie verbleiben und musste ganz allein sehen, wo er unterkommt. Er schloss sich einer Gruppe Widerständler an, wurde 1944/45 von der Gestapo verhaftet, durch die Befreiung Berlins kam er wieder frei. Cioma Schönhaus (Max Hauff), als Zwangsarbeiter blieb er als einziges Familienmitglied von der Deportation verschont. Er begann als Passfälscher zu arbeiten und verschaffte Hunderten von Berliner Juden eine falsche Identität. Als man ihm auf die Schliche kam, konnte er mit einem gefälschten Wehrmachtspass fliehen. Vier Zeitzeugen, vier Schicksale, denen es gelang, sich vor der „Braunen Brut“ zu verstecken. Feinfühlig hat Räfle die zwei Erzählebenen miteinander verbunden. Durch die eingeblendeten Interviews gewinnt sein Historienfilm eine unleugsame Authentizität, die die Glaubwürdigkeit der Spielfilmszenen in keinster Weise den abfälligen Gedanken einer Übertreibung aufkeimen lässt. Räfle setzt mit seinem Film nicht nur ein Denkmal für die mutigen Retter, sondern auch ein Andenken an die, die weniger Glück hatten,  die vielen, vielen Toten. Es ist erstaunlich, wie wenig Bitterkeit in den Erzählungen der vier Überlebenden steckt. Nur zwei der vier „Unsichtbaren“ erlebten die Premiere des Dokudramas. Ruth Gumpel und Cioma Schönhaus starben während der Dreharbeiten.

Ulrike Schirm


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"MAUDIE" Biografie-Drama von Aisling Walsh. (Irland, Kanada)
Mit Ethan Hawke, Sally Hawkins, Kari Matchett u.a. seit 26. Oktober 2017 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

»Ein griesgrämiger, misanthropischer Fischhändler sucht eine Frau, die seine ärmliche Hütte putzt

Maud, die seit ihrer Kindheit an einer Arthritis leidet, ihre Knochen sind missgebildet und jede ihrer Bewegungen sind eine Qual, sieht zufällig seinen Aushang. Als ihr Bruder das Elternhaus verkauft, muss Maud zu ihrer Tante ziehen. Die junge Frau, die mehr an ein von Schmerzen gebeuteltes „Hutzelweib“ erinnert,  fühlt sich bei der bevormundenden Tante mehr als unwohl. Wegen ihrer Behinderung traut sie der schüchternen Maud ein selbstständiges Leben nicht zu. In ihrer Verzweiflung nimmt Maud all ihren Mut zusammen und stellt sich bei dem Eigenbrötler vor, der die oben stehende Anzeige ausgehangen hatte.

Der in seiner Seele tief verwundete Everett Lewis, großartig gespielt von Ethan Hawke, begrüßt sie abfällig mit der Bemerkung: „I´m looking for a woman“. „What do you think I am“ antwortet Maudie kess. Der erste Brocken Eis scheint gebrochen. Zögerlich kommen sich die beiden Außenseiter näher. Maud fängt an, die karge Behausung mit farbenfrohen Blumenbildern zu bemalen. Everett bemerkt immer mehr, dass ihr das Putzen schwer fällt und er schenkt ihr einen Satz bunter Ölfarben. Mit hinreißender Kraft malt sie nicht nur bunte Blumen, sie verwandelt das ganze Haus in eine naive Welt aus Pflanzen, Tieren und Landschaften. Die abseits gelegene Hütte, in der Weite der kanadischen Provinz Nova Scotia, wird zu einem bunten „Paradies“ indem zwei verwundete Seelen in zarter Liebe zueinander finden. Everett und Maudie werden ein Paar.

Obwohl ihre Krankheit weiter voranschreitet, bemalt sie mit bewundernswertem Eifer kleine Postkarten, die sie vor ihrer Haustür ausstellt und für Geld verkauft. Eine Dame aus New York wird auf sie aufmerksam. Sie verliebt sich regelrecht in die naiven Kunstwerke und sorgt dafür, dass Maud Lewis als Folk Art Künstlerin zu bewundernswertem Ruhm gelangt. Ihre Bilder hängen heute in zahlreichen Kunstsammlungen weltweit. Erst sehr viel später begann sie Everett zu malen. Er wurde zum Hauptmotiv in vielen ihrer Bilder. Das Gefühl der inneren Sicherheit, die die Liebe zu ihm in ihr hervorrief, befähigte sie, auch Bilder von sich zu gestalten. Maud wurde 1903 geboren. 1970 verstarb sie. Der Film beginnt im Jahr 1938, als sie Everett Lewis kennen lernt.

Hawke, der in diesem Jahr schon als Chet Baker in „Born to be Blue“ schauspielerisch Großartiges geleistet hat, zeigt an der Seite von Sally Hawkins eine weitere Facette seiner vielseitigen schauspielerischen Bannbreite. Sally Hawkins, bekannt als Frohnatur in „Happy Go Lucky“,  hat mit ihrer berührenden Darstellung den Oscar verdient. Man sollte ihr fest die Daumen drücken. Es gibt keinen Grund sich zu schämen, wenn in der Dunkelheit des Kinosaals Tränen fließen.

Ulrike Schirm


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"UNTITLED" Dokumentarfilm von Monika Willi & Michael Glawogger †. (Österreich, Deutschland) Seit 26. Oktober 2017 im Kino. Hier der Trailer:



„Dieser Film soll ein Bild entstehen lassen, wie es nur gemacht werden kann, wenn man keinem Thema nachgeht, keine Wertung sucht und kein Ziel verfolgt. Wenn man sich von Nichts treiben lässt außer der eigenen Neugier und Intuition“. (Michael Glawogger)

Ulrikes Filmkritik:

Am 3. Dezember 2013 machte sich Michael Glawogger mit seinem Kameramann Attila Boa und Tonmann Manuel Siebert auf den Weg, um sich ein Bild von der Welt zu machen. 4 Monate und 19 Tage dauerte seine Reise. Vom Balkan über Italien, Nordwest – Westafrika waren seine Ziele. Er wollte zuhören, beobachten und erleben. Es gab kein Thema, keine Handlung und auch keinen „roten Faden“. Bis auf festgelegte Drehorte und eine etwaige Reiseroute, ließ er die Eindrücke auf sich wirken und entschied sich für Bilder, die die Welt so zeigen, wie sie ist. Es gibt keine Interviews, keine „talking heads“, keine Erklärungen.

Sein Rohmaterial zeigt bestürzende Zustände aber auch Bilder voller Hoffnung und Zuversicht. Kinder die im Müll wühlen, Müllberge, bestehend aus Plastik, Plastik, Plastik. Leerstehende Häuser mit Einschusslöchern in denen Menschen hinterrücks ermordet wurden, stehen zwischen neuerrichteten Bauten. Dunkelhäutige einbeinige Fußballspieler, die mit Krücken den Ball bewegen, hoffen auf Anerkennung. Es gibt Einstellungen von Tieren, Landschaften, Menschen, Eindrücke von Feuer und Dunkelheit und wunderschönen Paradiesen.

Noch während der Dreharbeiten verstarb Glawogger 2014 jäh an einer besonders schweren Form von Malaria in Liberia. Seine Cutterin Monika Willi sichtete 70 Stunden – Material. Sie montierte die kraftvollen und poetischen Szenen mit Texten aus Glawoggers Reisetagebuch, gesprochen von Birgit Minichmayr. Es sind Texte von eindringlicher Poesie die mit den Bildern auf eine ganz besondere Weise korrespondieren.

Monika Willi: „Ich wollte die kraftvollen und poetischen Szenen so verdichten, dass aus dem gedrehten Material ein vielgestaltiges und bildgewaltiges Porträt der Welt hervortreten konnte, ein Abgesang auf menschlichen und tierischen Alltag“. Das ist ihr gelungen! Man wird mitgenommen auf eine Reise, die man so schnell nicht vergisst.

Ulrike Schirm


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"SOMMERHÄUSER" Drama von Sonja Kröner (Deutschland).
Mit Thomas Loibl, Laura Tonke, Ursula Werner u.a. seit 26. Oktober 2017 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

1976. Ein Jahrhundertsommer. Eine Großfamilie genießt die Ruhe im Grünen. Die einzelnen Sommerhäuser sind weitläufig durch einen paradiesischen Gemeinschaftsgarten miteinander verbunden. Oberhaupt der Gartenidylle war Oma Sophie. Als sie starb, fuhr der Blitz in einen imposanten Baum, der so alt war wie sie und spaltete ihn.

Als man aus den Medien erfuhr, dass ein Mädchen entführt und ermordet wurde, ist es vorbei mit der Beschaulichkeit. Unterschwellige Konflikte kommen immer mehr ans Tageslicht. Eine Wespenplage tut ihr Übriges. Es sind die Kinder, die unbefangen den Garten zu einem Abenteuerspielplatz erklären, es sich im Baumhaus gemütlich machen, in den Pool springen und ernsthaft eine Liste führen, wie viele Wespen jeder von ihnen getötet hat. Gerne wird dabei geschummelt, während sich die Gemüter der Erwachsenen immer mehr erhitzen. Die große Frage die im Raum steht, was denn nun mit dem Haus passieren soll. Verkaufen oder behalten und wenn Verkauf, wie teilt man den Erlös gerecht unter den Erben auf. Aber da ist ja noch Gitti mit ihrer kleinen Tochter Inga, die die darauf hofft, dass ihr Vater zu ihrem Geburtstag kommt. Oder Eva, die nicht nur von der Passivität ihres Mannes genervt ist, sondern auch von Gitti, die gerne um die Häuser zieht und die kleine Inga in der Obhut von Erich und Frieda zurücklässt. Lorenz fühlt sich von seinen Eltern bevormundet, Jana ist aufmüpfig, die ledige Mathilda liebt die Freikörperkultur und sonnt sich dementsprechend gerne nackt im Garten. Frieda will dagegen unbedingt das Grundstück verkaufen. Lakonisch könnte man sagen, ein typisches Familientreffen, anstrengend wie so eine Zusammenkunft oftmals ist. Man geht sich auf die Nerven aber so richtig spricht niemand aus, was man wirklich denkt.

Bewusst hat Sonja Maria Kröner ihr Familiendrama in die Siebziger gelegt. Ihr Interesse galt den damaligen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen und den Besonderheiten von denen die Menschen damals geprägt waren. Es war eine Zeit, in der alles, was aus Amerika herüberschwappte von grosser Bedeutung war. Zum Beispiel die tolle Wasserrutsche, ein Geburtstagsgeschenk des Freundes von Ingas Mutter, ein Hit in den USA, kann die Enttäuschung über die Abwesenheit ihres Vaters an ihrem Ehrentag, nicht gut machen. Ohne wirklich konkret zu werden, legt Kröner subtile Spuren, mit denen sie eine unterschwellige Spannung aufbaut.

Es war 1976, als der „Kannibale von Duisburg“ gefasst wurde. Er ermordete damals mehrere Menschen, die er teilweise verspeiste. Das Verschwinden des kleinen Mädchens lastet wie eine ungeheuerliche Bedrohung über der Familie. Visuell dargestellt anhand des ziemlich hohen Baumhauses mit seiner ungesicherten Hängebrücke, von der man theoretisch abstürzen kann. Der idyllisch anmutende Ort, an dem die Kinder nicht unbedingt sicher sind. Der mysteriöse Nachbar, den man nie zu Gesicht bekommt, verstärkt die Bedrohlichkeit, die in der Luft liegt.

Kröner führt den Zuschauer an einen Ort, an den man immer wieder zurückkehrt, auch wenn man nicht nur gute Erinnerungen mit ihm verbindet. Es ist ein Film entstanden, der mit einer stillen Eindringlichkeit unter die Haut geht. Ein Familienportrait, welches entfernt an Michael Hanekes dysfunktionalen Figuren erinnert, nur einen Hauch spießiger. Bestens besetzt mit Laura Tonke, Mavie Hörbiger, Günther Maria Halmer, Ursula Werner, Christine Schorn, Inge Maux und einige mehr. Mit ihrem Debütfilm pendelt Sonja Maria Kröner zwischen Komik und Tragik geschickt hin und her.

Ulrike Schirm


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"BORG/McENROE - Duell zweier Gladiatoren" Biografie-Drama von Janus Metz Pedersen. (Dänemark, Schweden, Finnland)
Mit Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason, Stellan Skarsgård u.a. seit 19. Oktober 2017 im Kino. Hier der Trailer:



Ulrikes Filmkritik:

Wenn Borg eine Wand ist, dann ist McEnroe ein Dolch. „5. Juli 1980, Wimbledon. John McEnroe der Rüpel aus den USA gegen den kühlen Schweden, Björn Eis – Borg. Nie wieder hat es im Tennis eine derartige Rivalität gegeben, wie zwischen diesen beiden Spielern“.

Das Grand Slam Turnier in London gilt als eins der größten Sportereignisse weltweit. Es war eine Zeit, als außergewöhnliche Sportler wie Rockstars gefeiert wurden. Der Däne Janus Metz lässt uns in seinem spannenden Biopic, dieses einmalige Spiel noch einmal miterleben.

An dem jungen Borg, gespielt von Borgs Sohn Leo, klebte der Makel nicht richtig im Kopf zu sein. Er war damals der jüngste Spieler aller Zeiten. Stundenlang schlägt er wie ein Besessener den Ball gegen eine Garagenwand in seinem Heimatort in der Nähe von Stockholm. Wütend haut er seine Schläger kurz und klein. Er ist aufmüpfig und pöbelt, was das Zeug hält. Schwedens Sportfunktionäre wenden sich von ihm ab. Der Verbandstrainer Lennart Bergelin (Stellan Skarsgard) erkennt sein unglaubliches Talent. Er führt Borg (Sverrit Gudnason) mit strenger Pädagogik zum Erfolg.

Nach und nach lernt er, seine Ausbrüche zu kontrollieren. Mit 15 wird er Sieger er in einem Davis-Cup-Spiel. Von da an will er nur noch Eins: Gewinnen. Sein Widersacher McEnroe, gespielt von Shia LaBeouf, wächst in einer lieblosen Familie auf. Seine wohlhabenden Eltern treiben den Jungen zu Höchstleistungen an. Er reagiert mit rüden Ausbrüchen und Wutanfällen, beschimpft Schiedsrichter und Publikum. Auch er will nur Eins: Gewinnen. Es stehen sich zwei „Alphatiere“ gegenüber, wohlwissend wie der Gegner fühlt und tickt. Gudnason, der dem wahren Borg zum verwechseln ähnlich sieht und LaBeouf, auch bekannt durch seine exaltierten Ausbrüche, sind brilliant besetzt. In außergewöhnlich rasanter Schnitttechnik, wird man noch einmal Zeuge eines Wettkampfes der Superlative, spannender als jeder noch so brisante Krimi. Großartig. Nach diesem Ereignis verabschiedete sich Borg vom „Tenniszirkus“. Aus Rivalen wurden Freunde.

Ulrike Schirm



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