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Gilde-Filmpreis für Edgar Reitz in Leipzig vergeben

Hauptpreis der 14. Filmkunstmesse Leipzig ging an Edgar Reitz.



Vom 15.-19. September 2014 fand die Filmkunstmesse in Leipzig statt, wie wir hier berichteten. Alljährlich, von der AG-Kino veranstaltet, wird am Ende der Messe der Gilde-Filmpreis verliehen.

In diesem Jahr wurde "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" als bester nationaler Film geehrt. Der schwarz-weiß Film von Edgar Reitz hat zu Recht schon viele Preise gewonnen unter anderem im Mai 2014 die LOLA des Deutschen Filmpreises für den besten deutschen Film. Noch einmal also in Leipzig ein großer Abend für großes Arthouse-Kino mit der Auszeichnung an den Film von Edgar Reitz. Seit 1977 wird der Preis von der AG Kino-Gilde an Filme vergeben, die sowohl künstlerisch herausragend sind, als auch erfolgreich in den Arthouse-Kinos liefen.

Der Regisseur nahm den Preis bei der Verleihung im Alten Landratsamt persönlich entgegen und dankte der versammelten Arthouse-Branche mit den Worten: "Das hier ist die Welt, in der ich geehrt werden wollte!"

In der internationalen Kategorie gab es in diesem Jahr gleich zwei Preisträger: "Grand Budapest Hotel" (20th Century Fox) gewann ex aequo mit "Boyhood" (Universal). Für den Start des Fox Films während der Fußball-WM durfte sich Paul Steinschulte über den besonderen Dank der Filmkunst-Branche freuen.

Persönlich nach Leipzig gekommen war auch Wim Wenders, der stellvertretend für Juliano Ribeiro Salgados Film "Das Salz der Erde" (NFP), den Gilde-Preis für die beste Dokumentation entgegennahm. Wie auch Reitz zeigte sich Wenders besonders dankbar darüber, den Preis von den Fachleuten schlechthin zu erhalten: den Kinobetreibern. Hier der Trailer:



Als bester Kinderfilm wurde "Rico, Oskar und die Tieferschatten" (Fox) von Neele Leana Vollmar geehrt. Den Preis nahmen die Produzenten Philipp Budweg und Robert Marciniak gemeinsam mit Schauspielerin Ursela Monn in Empfang. Die Fortsetzung wird derzeit in Leipzig gedreht, ein dritter Teil ist bereits in Vorbereitung.

Zum diesjährigen Ehrenpreisträger wählte die AG Kino-Gilde den FFA-Präsident und Kulturstaatsminister a.D. Bernd Neumann, womit nicht zuletzt dessen federführende Rolle bei der Realisierung der Kriterienkinoförderung gewürdigt wurde.

Die Jugendjury entschied sich für "Mommy" von Xavier Dolan, dem Wunderkind aus Kanada, der in Cannes den Jurypreis bekam und mit Standing Ovation gefeiert worden war. Den mit 2000 Euro dotierten Preis (gestiftet von der Sparkasse Leipzig) nahm Georg Miros (Weltkino) entgegen, der sich besonders dankbar darüber zeigte, dass sich gerade der Nachwuchs auch für sperrige Filme begeistern kann. Dies sei das Beste, was der Branche passieren könne. Hier der US-Trailer:



Der von Smartjog Ymagis Logistics gestiftete und ebenfalls mit 2000 Euro dotierte Publikumspreis ging an den polnischen, sehr sehenswerten Film "Life Feels Good" (MFA+). Hier der Trailer über einen hochintelligenten, aber schwer behinderten Jungen, der jahrelang falsch behandelt und eingesperrt worden war.





Paneldiskussion zum deutschen Film
Weiterer Schwerpunkt der Filmkunstmesse Leipzig war eine Paneldiskussion der AG Kino - Gilde Deutscher Filmkunsttheater zur Qualität des deutschen Films, die von CICAE-Präsident Detlef Roßmann moderiert wurde. Unter dem polemischen Titel: "Der deutsche Patient" oder "Der deutsche Film kann gar nicht besser sein!" wurde die Debatte geführt, die angesichts jüngster Erfolge des deutschen Films - allen voran natürlich "Fack Ju Göhte" - auch unter dem Motto "Das Gute ist der Feind des Besseren" hätte stehen können, schrieb sinngemäß und sehr treffend Blickpunkt:Film.

Für Christian Bräuer, den Vorstandsvorsitzenden der AG Kino-Gilde stand fest: Eine stärkere Qualitätsorientierung in der Film Förderung ist unabdingbar, wenn der deutsche Film vorangebracht werden soll. Allerdings kann sich auch Qualität nur durchsetzen, wenn sie tatsächlich auch gezeigt wird. Deshalb drängt die AG Kino-Gilde auf eine Neujustierung der Förderung, denn derzeit besteht eine Schieflage zulasten der Abspielförderung, die in der anstehenden FFG-Novelle zu Gunsten der Kinoförderung überarbeitet werden sollte, so die Stellungnahme des Verbandes.

Bei den Drehbuchautoren sieht VDD-Vorstand Sebastian Andrae dagegen weniger ein Problem bei der Auswertungsstufe, als vielmehr ein klares Entwicklungsproblem bei der Stoffentwicklung, die in Deutschland deutliche Defizite aufweist. Oft genug fehlt es an Geld und nicht zuletzt Zeit für einen dringend notwendigen Feinschliff der Bücher. Dabei müsste gerade in der Drehbuchentwicklung das Prinzip Try & Error zur Anwendung kommen. Für die Drehbuchentwicklung sei häufig nicht genug Zeit vorhanden, weil zeitlich begrenzte Förderzusagen mitunter einen (zu) engen Rahmen stecken. Dabei sei das Drehbuch der "springende Punkt" für einen guten Film, für den man "oft Jahre" benötige, bis man ein wirklich starkes Drehbuch in Händen halte.

Auch Torsten Frehse (Neue Visionen) sieht ein Problem in der Masse deutscher Produktionen, die auf die Leinwände losgelassen werden, ohne dass man ihnen Kinotauglichkeit attestieren könnte. Es werden zahlreiche Werke von jungen Filmemachern produziert, die nicht mal eine fundierte Filmausbildung an eine Filmhochschule absolviert hätten. Wenn sowohl die FFA als auch ein Länderförderer einem Projekt am Ende so wenig Potenzial bescheinigten, dass sie ihm Verleihförderung verweigerten, solle ggf. auch der Verleih aus seiner Verpflichtung entlassen werden können.

"Die Frage 'Warum fördern wir und was wollen wir erreichen' müsste viel mehr im Zentrum stehen - und dabei darf es nicht nur um Regionaleffekte oder Studioauslastung gehen!", so die Filmproduzentin Lena Schömann aus München.

Vorstandsvorsitzender Christian Bräuer betonte zum Abschluss der AG Kino-Mitgliederversammlung, wie wichtig es sei, neue Parameter zu setzen. Ein unsichtbarer Film - und er zielte damit auf den "Verleihboykott" neuer Filme während der Fußball WM ab, der zu extrem niedrigen Besucherzahlen in den Kinos führte - nutze niemandem. Um auch unbekannten und sperrigen Filmen eine Chance zur Verbreitung zu geben, verhelfe neben gezieltem Marketing, vor allem gezielte Kinoförderung, sie sei die beste Filmförderung.

Um den Bezug aktueller Filme für die Kinos zu vereinfachen, bietet seit letzter Woche die Berliner CinePostproduction (ehemals Geyer Werke) die Distribution des digitalen Filmvertriebs jetzt über das hauseigene Content Delivery Network an. Somit können Kinobetreiber ihre DCPs alternativ zur Festplattendistribution nun auch direkt über die eigene Breitbandverbindung erhalten, womit die rechtzeitige Zustellung jedes bestellten DCPs garantiert wird.

Links: www.agkino.de | www.filmkunstmesse.de
Quellen: Blickpunkt:Film | AG Kino - Gilde

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