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Gehälter von Schauspielern unsachlich publiziert

"Bild"-Zeitung prahlte über angebliche Gagen in der Filmbranche.



Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied des BFFS kritisiert in eine Pressemitteilung des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) die Berichterstattung der Springer "Bild"-Zeitung über Gehälter von Schauspielern.

Dass die »Bild« es nicht immer sehr genau mit den Headlines auf ihrer Zeitung nimmt, ist schon in den 60er und 70er Jahren in der Außerparlamentarische Opposition (APO) der "Linken" Studentengruppen zum geflügelten Wort geworden, dass »Bild« offensichtlich "lügt!"

Am 12.04.2001 hat sogar der Deutsche Presserat der Bild-Zeitung eine Rüge ausgesprochen, nachdem wegen einer Bildmanipulation an einem Foto des damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin ein “sehr gravierenden Verstoß” gegen den Pressekodex festgestellt wurde.

Auch der »Spiegel« hat die »Bild« in einer Titelgeschichte 2011 "Brandstifter" genannt. Und dieser Tage tobt im Hamburger Hause der Spiegel-Gruppe, zu der auch Gruner+Jahr gehört, ein Machtkampf unter der Belegschaft gegen den Politik- und Vize-Chef der "Bild"-Zeitung, Nikolaus Blome, der gerne zur Chefetage des »Spiegels« wechseln möchte, aber bei den Mitarbeitern des Spiegels nicht sehr willkommen ist.

Mit dem Fall der Mauer kamen neue Journalisten in den Verlag und nicht nur die Konkurrenz wurde größer, sondern auch die Aufklärung der Bevölkerung durch das Internet, sodass in den letzten Jahren die aufbauschende Berichterstattung der »Bild« etwas zurückging und die Zeitung wieder etwas ernster genommen wurde.

Doch nun gab es einen Rückfall in vergangene Zeiten, den unsere Branche betrifft. Die jüngste Berichterstattung der "Bild"-Zeitung über die Gagen deutscher Film- und Fernsehschauspieler, die auch vom Magazin »Focus« aufgegriffen wurde, hat jetzt den Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) auf den Plan gerufen, sich zu äußern.

"Die hier genannten Zahlen sind allenfalls geeignet, eine Neiddebatte zu schüren; seriöse Aufklärung über die tatsächlichen Verdienstverhältnisse unserer Branche können sie nicht leisten", erklärt BFFS-Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer.

Laut »Bild« stehe Maria Furtwängler mit einer Tagesgage zwischen 12.000 und 15.000 Euro an der Spitze unter den deutschen Schauspielern. Auch für einmalige Gastrollen wie beispielsweise in der ZDF-Serie "Soko" gebe es schon Tagesgagen zwischen 1.000 und 3.000 Euro, womit auch ein vergleichsweise schlecht verdienender Schauspieler noch mehr pro Tag gezahlt bekomme, "als manch Bundesbürger im Monat", heißt es im »Focus« weiter. Laut Meyer erweckt diese Berichterstattung über den Verdienst pro Drehtag ein "völlig falsches Bild". Schließlich betrage der Aufwand für einen Schauspieler für einen bezahlten Drehtag insgesamt mindestens eine Woche, was jedoch nicht gesondert vergütet werde.

Der BFFS weist in seiner Pressemitteilung noch einmal auf eine 2010 unter der Leitung von Andrea Bührmann an der Wilhelms-Universität Münster entstandene Studie zu Einkommens- und Beschäftigungsverhältnissen von Schauspielern hin. Demnach verdienen mehr als zwei Drittel der in Deutschland tätigen Schauspieler pro Jahr weniger als 30.000 Euro; die tatsächlichen Verdienstverhältnisse der Schauspieler liegen 6.600 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. Lediglich 4,7 Prozent kommen der Studie zufolge auf ein Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro.

"Keinem von uns wird etwas geschenkt. Auch die Großverdiener unserer Zunft haben jeden Cent, den sie bekommen, hart erarbeitet. Der Verdienst eines Mario Götze im Fußball wird doch auch nicht angezweifelt. Warum also der weit geringere unserer Stars, die uns Träume, Identität und gute Unterhaltung geben? Ein Land sollte stolz sein auf seine Stars, nicht neidisch", so Meyer.

Das BFFS-Vorstandsmitglied regt daher an, dass anstatt eine "Neiddebatte" zu führen über den Wert, der der kulturellen Arbeit in Deutschland eingeräumt werden soll, diskutiert werden müsse:

"Kulturschaffende müssen von ihrer Arbeit wie andere Berufstätige leben können, hierzu müssen endlich die Rahmenbedingungen geschaffen werden", so Meyer abschließend.

Link: www.bffs.de
Quelle: Blickpunkt:Film | BFFS | Tagesspiegel

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