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Berlin schießt Freie Kultur-Szene in den Wind!

Freie Szene sieht düster für Berlin als Kulturstadt mit Zukunft.


interfilm Berlin: www.interfilm.de


Die »Koalition der Freien Szene - Independent Scene Coalition« und »interfilm Berlin« haben vor wenigen Tagen eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es um die Zukunft der freien Kultur-Szene Berlin geht. Wenn es um Einsparungen im Staatshaushalt geht, dann trifft es zumeist die Schwächsten. Dagegen werden Großbauprojekte, wie eine neue Landesbibliothek weiter forciert, während für die freie Kulturszene nur noch ein Bruchteil übrig bleibt.

PRESSEMITTEILUNG

Berlin – Kulturstadt mit Zukunft? Berlin schießt Freie Szene in den Wind!

Feierabend, freie Wochenenden, Gehälter nach Tarif, geregelte Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung bei Krankheit– spielfreie Zeit und Sommerloch?
Das klingt für Berlins Freie Szene wie die Sprache aus einer anderen Welt…


Ausgangslage
Laut einer Studie des Tourismusportals visit Berlin kommen 75 Prozent der Berlin Besucher wegen Berlins Kultur. Fast 25 Millionen Übernachtungen waren es im Jahr 2012. Im aktuellen Koalitionsvertrag von SPD und CDU wird festgestellt: „Berlin ist eine globale Kulturmetropole, unser kultureller Reichtum ist unser Kapital“. Diese Koalition hatte sich u.a. vorgenommen, die Bedingungen der Freien Kunstszene Berlins in der Legislatur 2011-2016 zu verbessern. Eine Maßnahme könnte zum Beispiel die im Moment viel diskutierte City Tax sein, von der die Koalition der Freien Szene 50 Prozent fordert. Denn die Förderung von Berlins Kultur, insbesondere der Freien Szene liegt im Argen. So wurde im kürzlich beschlossenen Doppelhaushalt des Senats ein Kulturetat von 395 Millionen Euro beschlossen, die Freie Szene Berlins erhält davon gerade einmal 10 Millionen Euro, sprich 2,5 Prozent des Kulturetats.

Wer oder was ist die Freie Szene?
Diese 2,5 Prozent gehen an die große Mehrheit der freien Kunst- und Kulturschaffenden, die rund 95 Prozent der Berliner Kunstszene ausmachen. Sie sind nicht an den Opernhäusern, Theatern, Orchestern oder Museen der Stadt angestellt.

Zu dieser Szene gehören Einzelkünstler von Rang und Namen wie zum Beispiel Ólafur Elíasson, Tino Seghal, Constanza Macras, Karin Sander, Projektgruppen wie She She Pop, Nico and the Navigators oder Rimini Protokoll, aber auch Orte wie das Radialsystem V, die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, die Sophiensaele, KW, das Ballhaus Ost und viele mehr setzen in ihren Produktionsstrukturen auf die Freie Szene und kollaborieren auf höchstem Niveau. Die freie Szene Berlin sind ausgebildete Künstler_innen und Kulturschaffende, die Berlins Kulturlandschaft bereichern, neue Impulse geben und das vielgerühmte „Flair“ ausmachen!

Diese Freie Szene arbeitet selbstbeauftragt und leistet in fragilen Existenzmodellen und unter improvisierten Arbeitsbedingungen Großes in dieser Stadt in den Bereichen Tanz, Literatur, Bildende Kunst, Musik, Schauspiel, neue Medien, Architektur, Design sowie in allen spartenübergreifenden und transdisziplinären Produktionsformaten.

Situation der freien Szene
Doch dieser Szene, die quantitativ 90% des gesamten Kulturspektrums Berlins abdeckt, droht durch die Kulturpolitik des Senats der Kollaps. Sie ist chronisch unterfinanziert, subventionierte Ateliers werden geschlossen, neue Probenräume und Produktionsstätten in der Mitte der Stadt werden in Zukunft unbezahlbar oder gar nicht vorhanden sein. Projektmittel, einst für freie Projekte gedacht, fließen schon seit Jahren den Institutionen zu, deren Infrastruktur nur so zu halten ist.

Koalition der Freien Szene
Eine Kunstszene, die es trotz ihrer Vielfältigkeit und Autonomie, geschafft hat, zusammen zu finden. Erstmalig hat sich im Frühjahr 2012 in Berlin eine spartenübergreifende Koalition der Freien Szene aller Künste gebildet. Dieser Zusammenschluss hat das Ziel, die gemeinsam erarbeiteten 10 Punkte für eine bessere Förderpolitik zu Gehör zu bringen. Mit der Koalition der Freien Szene hat sich ein eindrucksvoller Verbund gebildet, der nicht mehr gewillt ist, Berlins städte- und kulturpolitische Entwicklung einfach nur hinzunehmen.

Die Forderungen: 10 Punkte für eine neue Kulturpolitik
Neben einer Erhöhung der Ausgaben für Kultur und einer Aufstockung der Förderetats für freie Projekte, fordert die Koalition der Freien Szene neue, an der Praxis orientierte Formen der Kulturförderung, die Förderung und Stärkung von eigenen Spielstätten, die Einführung von Ausstellungshonoraren, angemessene Honorare Künstler_innen und Kulturschaffenden und eine Angleichung der Fördersysteme der verschiedenen Sparten. Zudem eine konsequente Liegenschaftspolitik, den Ausbau einer bezirklichen Kulturförderung, Transparenz und Gerechtigkeit in den Vergabemodalitäten.

Für weitere Informationen, kontaktieren Sie bitte:

Koalition der Freien Szene
Ansprechpartner: Christophe Knoch
Tel.: +49-176.32 888 247
Mail: info@berlinvisit.org
Web: www.berlinvisit.org

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