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Zweite Festivalnachlese mit Preisen im November 2012

Preisverleihungen in Zürich, Rom, Mannheim-Heidelberg, New York und Berlin.



Innovationsfilmpreis «The Golden Velvet»

Zur letzten Berliner Fashion Week wurde im Juli 2012 das Berlin Fashion Film Festival präsentiert, das zahlreiche Modefilme auszeichnete, die später zum Kunstherbst im September in der Fotogalerie C/O Berlin von der Zeitschrift Vogue präsentiert wurden. Nun folgte am 15. November 2012 der schweizer Textilverband TVS dem Berliner Vorbild und würdigte Schweizer Filmschaffende, die moderne, textile Pioniertaten ins richtige Licht gerückt haben.

Knapp 500 geladene Gäste verfolgten auf der Leinwand der Arena Cinemas Sihlcity in Zürich die Premiere der verfilmten Pioniertaten und die anschließende Preisverleihung. Im Scheinwerferlicht standen dabei sechs Mitgliedfirmen des Textilverbands Schweiz mit ihren textilen Innovationen sowie ebenfalls sechs Schweizer Filmteams aus allen Landesteilen, die in einem Ausscheidungsverfahren von über 40 Bewerbungen ausgewählt wurden. Die originell und humorvoll inszenierten Filme begeisterten das Publikum im gleichen Masse wie die renommierte Filmjury.

Marco Solari - seines Zeichens Vorsitzender der Filmjury und Präsident des Locarno Filmfestivals - fand für den Innovationsfilmpreis «The Golden Velvet» und für die Filmwerke nur lobende Worte: "Die jungen Talente haben uns mit ihren professionellen Inszenierungen heute Abend bewiesen, dass in der Schweiz ein großes Potenzial an kreativer Vielfalt vorhanden ist. Filmförderpreise wie «The Golden Velvet» unterstützen solch bemerkenswerte Leistungen nachhaltig und kommen direkt unserem Nachwuchs zugute. Dies schätze ich sehr und darauf bin ich auch stolz".

Als Sieger erkoren wurde schließlich der Animationsfilm "Stickerei Interior" von Cyril Gfeller und Martin Oberli für die Innovationsgesellschaft Stickerei AG. Das Werk bezauberte die Jury und die Zuschauer mit einer Zeitreise quer durch die von Erfolg geprägte Ostschweizer Stickerei Geschichte, wovon auch die sechs Unternehmen der IG Stickerei Teil sind. Wir haben das Werk der Filmstudenten hier eingebunden.



Der zweite Platz ging an Luc Walpoth und Olivier Amrein, die für die Seilfabrik Ullmann ebenfalls einen Animationsfilm mit dem Titel «Spike, the Mouse» realisiert haben. Mit dem dritten Platz wurde der Zürcher Marwan Abdalla für seinen Film «A Casanovas secret Weapon» für die Metzler & Co. AG Switzerland ausgezeichnet. Die Preise waren mit insgesamt CHF 30‘000.-- dotiert.

Link: www.goldenvelvet.ch

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Hauptpreis für Larry Clarks "Marfa Girl" beim Rom Film Festival.

Nur Weltpremieren hatte Roms neuer Festivalleiter Marco Müller großspurig angekündigt. Das stimmte auch und dennoch verärgerte die Filmauswahl einige Zuschauer, die von dem Ex-Festivalleiter der Mostra in Venedig mehr erwartet hatten. Unter anderem wurde nämlich mit "Bullet to the Head" von Walter Hill ein typisches B-Movie mit ex "Rambo" und "Rocky" Darsteller Sylvester Stallone präsentiert und auch die restlichen Filme überzeugten wenig, schrieben etliche Kritiker.

Nicht einmal der Hauptgewinner, die US-Independent-Produktion „Marfa Girl“ des „Kids“-Regisseurs Larry Clark, konnte wirklich überzeugen. Skateboard fahrende Jugendliche wurden mittlerweile schon zu oft kopiert, als das der Film etwas neues, innovatives gewesen wäre.

Auch in seinem jüngsten Spielfilmdrama schildert der amerikanische Skandalfilmemacher zwar hautnah, wie Sex, Drogen, Rock‘n Roll, aber auch Gewalt und Rassismus das Leben junger Menschen in einer texanischen Kleinstadt an der mexikanischen Grenze prägen, doch außer einer neuen Location wird die alte Leier wiederholt.

Insgesamt präsentierte das Festival vom 9. bis zum 17. November 2012 15 Produktionen im Wettbewerb. Sogar die beiden chinesischen Überraschungsfilme "Drug War" von Johnny To und das gewaltige IMAX Epos "Back to 1942" von Feng Xiaogang, über eine vergessene Hungersnot während des Zweiten Weltkriegs, sollen zwar pompös, aber wenig anrührend gewesen sein. Hier der HD-Trailer.



Den Regiepreis verlieh die Jury unter dem Vorsitz von Jeff Nichols dem italienischen Beziehungsdrama „E la chiamano estate“ von Paolo Franchi, für das die Pavarotti-Witwe Nicoletta Mantovani als Koproduzentin verantwortlich zeichnet. Für die Hauptrolle in diesem Liebesdrama wurde Isabella Ferrari mit dem weiblichen Darstellerpreis ausgezeichnet.

Das italienische Kleinkriminellendrama „Alì ha gli occhi azzurri“ von Claudio Giovannesi erhielt den Spezialpreis der Jury. Der Preis für den besten Schauspieler ging an Jérémie Elkaïm für seine Rolle in Valérie Donzellis französischer Komödie “Main dans la main” über ein äußerst ungleiches Liebespaar. Den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin bekam Marilyne Fontaine für ihre Rolle In Jacques Doillons Dreiecksgeschichte “Un enfant de toi”.

Den Publikumspreis sowie den Drehbuchpreis gewann der Kinofilm “The Motel Life”, den die Filmemacher Gabriel und Alan Polsky prominent mit Emile Hirsch, Dakota Fannig, Stephen Dorff und Kris Kristofferson besetzt haben. Im Mittelpunkt dieses Dramas stehen zwei erwachsene Brüder, die als Kinder schon früh ihre Eltern verloren haben und seitdem wie Pech und Schwefel zusammenhalten.

Link: www.romacinemafest.it

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Die Preise des 61. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.

Alljährlich bietet das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg, das vom 08. – 18. November 2012 zum 61. Mal stattfand, talentierten Filmemachern ein inspirierendes Umfeld unter Gleichgesinnten und stellt jedes Jahr noch unbekannte Regisseure vor.

Der Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg ging als »Newcomer of the Year Price« an "FINAL WHISTLE" von Niki Karimi aus dem Iran.

"Der Hauptpreisträger zeigt uns in einem hervorragenden Porträt, wie unser eigenes Leben sich ändert, wenn wir den Versuch unternehmen, ein anderes Leben zu retten. Es ist ein mutiger Film, der deutlich macht, dass niemand glücklich oder befreit sein kann, wenn ein Leben verloren geht. Als ein verzweifelter Hilferuf nach Vergebung wird uns klar, dass uns die Suche nach Vergebung menschlicher macht, als die Suche nach Rache", so die Jury.

Der »Rainer Werner Fassbinder-Preis« ging an "GOOD LUCK AND TAKE CARE OF EACH OTHER" von Jens Sjögran aus Schweden.

Ein Film, der uns eine feinfühlige, rein menschliche Beziehung zwischen zwei Menschen zeigt, die sich jeweils am Anfang und am Ende ihres erwachsenen Lebens befinden. Sie lassen sich gegenseitig so, wie sie sind, erkennen sich als das an, was sie tatsächlich sind; auf diese Art und Weise schaffen sie eine ganz neue Art des Zusammenseins, des Miteinander-Seins und geben sich so einen neuen Sinn, eine neue Orientierung für ihre Leben. Ein Film, der uns zeigt, dass wenn zwei Menschen Toleranz, Fantasie und Respekt in ihrem Umgang miteinander vereinen, ein tieferfüllendes Werk, ja, eine ganz neue Welt entsteht.

Der »Special Award« der Jury ging an den Regisseur Simón Franco für den Film „Tiempos Menos Modernos“ (Not so Modern Times)

Der Regisseur hat einen Film über die Lust am Leben geschaffen, über die Suche nach Möglichkeiten, glücklich zu sein – Frei von üblichen gesellschaftlichen Konventionen, ohne Kompromisse mit bestehenden Strukturen. Es ist ein amüsanter Film, mit langen und wunderbaren Einstellungen. Eine Geschichte über eine wahre und humorvolle menschliche Beziehung. Er hat uns gezeigt, dass das Leben gut ist, wie es ist.

Neben dem »Publikumspreis«, der an "Now, Forager - A Film about Love and Fungi" von Jason Cortlund und Julia Halperin [USA/Polen 2012] ging, gab auch die Kinobetreiber-Jury diesem Film eine Empfehlung.

Der Film macht Appetit nicht nur auf Pilzgerichte, sondern auch aufs Leben. Man möchte Lucien und Regina zurufen, was sie falsch machen. Aber im Leben wie bei der Pilzsuche sieht man manchmal die wahren Schätze nicht sofort. Das Seelenleben des Protagonisten wird in Verbindung gebracht mit der Welt der Pilze, dargestellt durch eindrucksvolle Bilder wohlschmeckender Arten bis hin zu urbanem Stillleben.

Sinngemäß ging es um das Sprießen von Pilzen auch in dem Film "SEENELKÄIK - Mushrooming" von Toomas Hussar aus Estland der den »Fipresci-Award« gewann, für die so raffiniert ins Bild gesetzte Darstellung von Leuten, die sich im Wald verlieren und im Dschungel der Politik und der Unterhaltungsindustrie.

Eine »Special Mention« erhielt der Film "When Yesterday comes" von den Regisseuren Hsiu Chiung Chiang, Singing Chen, Wi Ding Ho und Ko Shang Shen aus Taiwan.

Der Film bietet einen originellen, erfrischenden, mutigen und vor allem hoffnungsvollen Blick auf ein immer häufiger auftretendes Schicksal vieler Menschen in unserer Gesellschaft. Die Begleitung der unheilbar kranken Menschen bietet uns eine ermutigende Perspektive für unser eigenes Leben und den eigenen Umgang mit Schicksalen wie diesen.

Die Ökumenische Jury von »SIGNIS und INTERFILM« vergab ihren Preis, dotiert mit 1.500.- € von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Katholischen Filmarbeit Deutschlands, an "Le Sac de Farine - The Bag of Flour" von Kadija Leclere aus Belgien/Marokko.

Eine junge Frau findet ihren Weg zwischen den Zumutungen und Chancen des Lebens, zwischen traditionellen Rollenzuweisungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Basierend auf autobiographischen Erfahrungen erzählt die Regisseurin mit Humor und Leidenschaft eine belgisch-marokkanische Geschichte, die auf vielfältige Weise zeigt, wie Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

Link: www.iffmh.de

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Deutsche Dokumentation gewann bei 40. Emmy Awards in New York.

Ein Dokumentarfilm aus Deutschland ist bei den INTERNATIONAL EMMY® AWRDS der Academy of Television Arts & Sciences am 19. November 2012 in New York City ausgezeichnet worden. Der Film "Songs of War" ("Musik als Waffe") erhielt den renommierten TV-Preis allerdings in der Kategorie »Arts Programming (Künstlerische Sendung)«.

Die Koproduktion der Sender ZDF und Arte beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Gewalt, Krieg und Musik und stand bei der Nominierung in Konkurrenz zu "All My Life - Cartola" (Brasilien), "Blue Man" (Japan) und "Queen: Days of our Lives"
(Großbritannien). Hier der Trailer:



Im Fiktionalen, sonst eine stärke des deutschen Fernsehens im internationalen Wettbewerb, gingen deutsche Produktionen in diesem Jahr bei den International Emmy-Nominierungen leer aus. Die zweite deutsche Produktion aus der Kategorie "Documentary" konnte ihre deutsche Emmy-Hoffnung nicht erfüllen. Nominiert war die ZDF-Sendung "Wettlauf zum Südpol", an der u.a. Joey Kelly und Markus Lanz als Expeditionsteilnehmer mitgewirkt haben. Die weiteren Nominierten in dieser Kategorie waren: "Across Land, across Sea" (Südkorea), "Hitler's Escape" (Argentinien) und "Terry Pratchett: Choosing to die" (Großbritannien).

Gleich doppelt gewann Argentinien mit der Fernsehserie "Television x La Inclusion": Die Schauspieler Darío Grandinetti und Cristina Banegas wurden mit den Preisen für die beste männliche und beste weibliche Rolle prämiert. Außerdem wurden bei der 40. Auflage der Internationalen Emmys Beiträge aus Australien, Brasilien, Frankreich und Großbritannien ausgezeichnet. Insgesamt waren 39 Beiträge in neun Kategorien nominiert.

Für den erstmals ausgelobten »Kinder-Emmy« hat sich der vom SWR federführend für die ARD produzierte Märchenfilm "Die Sterntaler" an die Spitze der Nominierungen in der Kategorie TV-Film gesetzt. Die Preisverleihung der »Kids Awards« wird jedoch erst am 8. Februar 2013 durchgeführt.

Großer Gewinner bei der diesjährigen 64. Emmy-Verleihung in der Sparte »Prime Time«, die bereits am 23. September 2012 im Nokia Theatre in Los Angeles stattfand, war die US-Serie "Homeland” gewesen. Die von HBO produzierte Spionage-Serie gewann als »Bestes Drama« auch die Preise für den besten männlichen und den besten weiblichen Hauptdarsteller und schlug damit den bisherigen Favoriten "Mad Men" aus dem Feld.

Links: www.iemmys.tv | www.emmys.com

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In Berlin fand zur gleichen Zeit mit INTERFILM eines der größten Kurzfilmfestivals Deutschlands statt. Doch leider ist Masse nicht immer Klasse. Das Festival ist beim Publikum dennoch sehr beliebt, da Sektionen wie die des »abwegigen Films« in der schon fast legendär gewordenen »Eject-Nacht«, mehr zum Rumalbern und großen Besäufnis führen, als zum stillen Kino-Gucken. Leider setzte sich diese Unart auch in anderen Sektionen fort. Kurzfilme werden offensichtlich nicht immer ernstgenommen. Sie tragen - zumindest in Berlin - einzig der Ablenkung und lockeren Unterhaltung bei. Manchmal hatte man den Eindruck, dass sich mehr Personen auf Wanderschaft zur Bar befanden, als im Kino. Und das, obwohl die meisten Vorstellungen ausverkauft waren und es immer wieder enttäuschte Gesichter an der Kasse von Personen gab, die keine Karte mehr bekommen hatten.

Von DOK Leipzig oder den Oberhausener Kurzfilmtagen ist uns einen solche Unruhe im Kinosaal unbekannt. Offensichtlich spielt die Qualität der Filme dabei eine beträchtliche Rolle. Von dem was wir diesmal gesehen haben, waren wir tatsächlich diesmal leider nicht überzeugt. Nicht einmal in der Doku-Reihe faszinierte uns ein Film wirklich, oder man hatte ihn schon auf einem anderen Festival gesehen, wie der gleich in zwei Kategorien ausgezeichnete Film "JULIAN" von dem australischen Filmemacher Matthew Moore (über die vermeintliche Jugend des WikiLeaks Gründers Julian Assange), der bei den Berlinale Kurzfilmen schon Anfang des Jahres lief und auch beim Mo & Friese KinderKurzFilmFestival in Hamburg ausgezeichnet wurde.

JULIAN TRAILER 1 H264 from Matthew Moore on Vimeo.


Allerdings war die gebotene Menge an Filmen auch kaum durchschaubar. Überschneidungen und Verspätungen, der in mehreren Kinosälen gleichzeitig stattfindenden Programmreihen, taten ihr übriges dazu bei. Sogar bei vorzeitigen Reservierungen war niemals sicher, ob man die Karten auch wirklich erhält, oder ob der Saal, wie bei der Eröffnung, nicht schon überbelegt war. Das großzügigere Ausweichquartier einerseits, aber auch die Filmauswahl vor zwei Jahren im Haus der Kulturen der Welt (HKW) andererseits, hatten uns damals wesentlich besser gefallen. Dafür waren diesmal scheinbar mehr Filmemacher anwesend. Die Filmgespräche im Kino zogen sich jedenfalls sehr in die Länge, was zu Lasten der Pünktlichkeit ging. Nun genug der Schelte, man kann es nicht immer jedem Recht machen. Hier sind die Gewinner:

Kanadischer Film "PAULA" gewann 1. Preis beim 28. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin

Mit einem Besucherrekord von über 17.000 Besuchern ging das vom 13.-18. November 2012 laufende interfilm – 28. Internationale Kurzfilmfestival Berlin erfolgreich zu Ende. Es wurden 527 Filme aus 71 Ländern in 58 Wettbewerbs- und Sonderprogrammen gezeigt. Der Viral Video Award hatte online 25.000 Besucher.

Mehr als 681 akkreditierte Gäste besuchten in diesem Jahr das Festival, davon waren 222 internationale und deutsche Filmemacher und 183 Gäste Fachpublikum. In sieben Wettbewerben wurden Preise im Wert von 24.500 € vergeben. Ein besonderes Highlight des interfilm Festivals waren in diesem Jahr die Länderschwerpunkte Island und Subsahara Afrika.

KUKI - das 5. Internationale Kinder- und Jugendkurzfilmfestival Berlin lockte 4800 kleine und große Cineasten in die Kinosäle des Filmtheaters am Friedrichshain. Davon verzeichneten allein die Schulprogramme über 3200 Gäste. Das bestbesuchte Programm war das englischsprachige Programm »What's Up?«, das sich insgesamt 430 Zuschauer ansahen. Neben der Eröffnungsveranstaltung mit über 320 Besuchern war das Wettbewerbsprogramm ab 8 Jahre mit 500 kleinen Fans das Publikums-Highlight.

Die Auflistung der Gewinnerfilme haben wir der Übersicht halber in die erweiterte Ansicht am Ende des Textes gestellt.

Link: www.interfilm.de
Quellen: Swiss Textiles | Zoom Medienfabrik | filmecho | AFP | interfilm

"Zweite Festivalnachlese mit Preisen im November 2012" vollständig lesen

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