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Brillenloser 3D-TV und hochauflösende Displays bis 8K

Panasonic demonstrierte auf der IFA ein 145-Zoll-8K-Plasma-Panel.



Warum noch ins Kino gehen, wenn der Blick im Urlaub aus dem Fenster auf eine wunderschöne Landschaft, doch fast geauso gut die Sinne anregen kann. Dies sagte sich auch Panasonic auf der IFA und präsentierte auf der Funkausstellung (IFA) vom 31.8-6.092012 einen real existierenden Prototypen eines Flachbildschirms mit 145 Zoll, der eine so hohe Auflösung hat, dass der Blick aus dem Fenster dagegen fast banal wirkt.

Wenn in wenigen Jahren auch die passenden Medien in gleicher hochauflösender Qualität zur Verfügung stehen, ist der Gang ins Kino bald obsolet, denn bei seiner ultrahohen 8K-Auflösung von 7.680 × 4.320 Pixeln fehlt bei dem 3,2m x 1,8m großen Plasmabildschirm nur noch der dreidimensionale Zusatz, um die Sinne total zu täuschen. Auf jeden Fall machten die Vorführungen auf der IFA deutlich, dass die heutigen Kinobilder, die oft noch mit 2K-Auflösung (2048 x 1536 im 4:3 Format) auf die Leinwand geworfen werden, bald kaum noch Zuschauer in die Filmtheater locken kann, wenn das geplante Heimkino mit UHDTV oder Super Hi Vision weitaus schärfer wird.

Kaufen kann man das riesige 8K-Display noch nicht, denn es dient primär der Präsentation von Panasonics Fortschritten bei der Plasma-Panel-Fertigung. Doch auf der IFA kündigten diverse Hersteller wie Sony, LG und Toshiba zumindest bald lieferbare 4K-Displays in Übergröße von 70-84 Zoll an. Auch Panasonic hat ein kleines 4K-Panel mit 20-Zoll-Bilddiagonale im Programm, auf dem einzelne Pixel tatsächlich nicht mehr zu erkennen sind. Vor allem Produktbilder, Fotos und digitalisierte Gemälde sollen damit möglichst detailreich auf eher kleiner Fläche dargestellt werden können. Der Renner waren aber selbstleuchtende 55 Zoll OLED-Displays von Samsung und LG, die von Hause aus schon eine deutlich höhere Bildschärfe bieten als alle bisher bekannten Displays zusammen. Die Produktion der 8000 Euro teuren, superdünnen Flachbildschirme soll im nächsten Jahr anlaufen, falls die Reaktionen auf der IFA positiv ausfallen.

Sony mit 4K-Beamern und 4K-Flachbildschirmen.
Sony geht bei den Präsentationen noch deutlich weiter und zeigte mehr filmische Emotionen. Nach seinen bereits schon jetzt käuflichen 4K-Beamern - nicht nur fürs Kino, sondern auch für den Heimgebrauch - präsentierte Sony auf der IFA einen ebenfalls fast fertigen 4K-Flachbild-TV mit einer Quad-Full-HD-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln im supergroßen 84 Zoll-Format. Darüber hinaus verfügt das Gerät rechts und links über insgesamt 10 Lautsprecher, um auch den perfekten Ton zum hochauflösenden Bild liefern zu können. Sogar HD-Filme herkömmlicher Blu-rays sollen durch intelligente Berechnung mittels eines eigens entwickelten, superschnellen Prozessors auf die erforderliche hohe Auflösung in Realtime hochskaliert werden können.

Toshiba mit brillenlosem TV-Gerät.
Ein TV-Gerät mit extrem hoher Auflösung, welche das heutige HD-Bild mit 1080P in der Vertikalen bei Weitem übertrifft, demonstrierte schon im letzten Jahr Toshiba mit seinem mittlerweile lieferbaren brillenlosen 55 Zoll 3D-TV-Panel, für rund 8500 Euro. Die hohe Auflösung hat hier aber einen anderen Hintergrund, die schnell dahinschmilzt, wenn mehrere Zuschauer vor dem Fernseher sitzen. Das brillenlose 3D-Bild wird nämlich für jeden Zuschauer einzeln berechnet, sodass sich die hohe Auflösung zudem mehrere Personen teilen müssen.

Im TV-Gerät eingebaute Kameras überwachen die Sitzposition der Zuschauer und liefern für jeden Betrachter ein individuell errechnetes 3D-Bild, jeweils für das linke und das rechte Auge. Allein dadurch halbiert sich schon einmal die Auflösung für einen Zuschauer auf insgesamt maximal 2K. In der Realität sieht die Bildstruktur durch eine für den 3D Effekt erforderliche, wabenförmige Maske etwas weniger brillant aus, sodass wir ein wenig enttäuscht waren, da die Bildschärfe dadurch deutlich geschmälert wurde. Als die Vorführung jedoch auf 2D-Bilder umgeschaltet wurde, verschwand dieser störende Bildeindruck völlig und ein klares, sehr hochauflösendes Panel lies auch bei näherer Betrachtung keine störenden Pixelstrukturen mehr erkennen.

In diesem Jahr wurde das Gerät optimiert und preisgünstiger gestaltet. Die Größe von 84inch (ca. 2,15 cm) und die hohe Quad-Full-HD-Auflösung sind geblieben. Eingespart wurde die teure, brillenlose 3D-Technik, die jetzt einer passiven 3D-Wiedergabe mit preisgünstiger 3D-Brille weichen musste. Dafür bietet das Gerät als erster Flachbildschirm auf dem Markt eine 4K-Wiedergabe in 3D an, denn ein 3D-Film in 4K-Auflösung sieht auch durch die einfache, preisgünstige Polfilterbrille noch gut aus. Und diese hohe Auflösung bei 3D-Filmen gibt es nicht einmal im Kino. Durch einen eingebauten Quadcore Prozessor können auch herkömmliche HD-Filme per Upscaling in 4K dargestellt werden. Als Datenquelle bieten sich Blu-rays, beliebige HDTV-Quellen und hochauflösenden Fotos von Digitalkameras an sowie ca. 1000 Filme auf YouTube, die bereits nativ in 4K im Netz vorliegen. Laut Aussage von Toshiba und einigen anderen Firmen sind die neuen Bildschirme in puncto Auflösung so scharf, dass ein gewisser Tiefeneffekt automatisch entsteht. 3D-Displays wären demzufolge eigentlich überflüssig.

3D-Fernseher ohne Brille und mit 2160p-Auflösung.
3D-TV ganz ohne 3D-Brille und mit viel Tiefeneffekt verspricht auch der bisher bei uns kaum in Erscheinung getretene chinesische Hersteller Hisense. Seine Ultra-D-Technik soll alle Bildsignale - auch zweidimensionale - nach einer Bildanalyse in Autostereoskopischem 3D auf fast allen neueren, hochauflösenden LED-Flachbildschirmen darstellen können. Ein extra angeschlossenes Kästchen, der SeeCube 3D Konverter, der einen Hochleistungsprozessor enthält und aus 1080p angeblich 2160p zaubert, soll dies möglich machen. Zum Vergleich hier noch einmal die Zahl der Auflösung von heutigem Full-HDTV, die mit 1920 x 1080 Pixeln (im 16:9 Format) angegeben wird. HDTV der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten hat allerdings eine geringere Auflösung und kommt nur auf 1280 x 720P (im 16:9 Format).

Das angeblich sehr erschwingliche erste 42-Zoll-TV-Gerät von Hisense und Partner StreamTV Networks manipuliert das Bild in hintereinander liegenden Ebenen. Anders als bei Parallaxenbarrieren oder Linsenrastern sollen die unterschiedlichen Betrachtungszonen bei der Ultra-D-Technik weder durch Kopfbewegungen des Zuschauers beeinflußt werden, noch sollen Auflösungsreduktionen durch Auseinanderbrechen oder Spingen hervorgerufen werden. Doch wir waren enttäuscht! Auch bei diesem Gerät trübte eine deutlich erkennbare Rasterstruktur den klaren Bildeindruck. Nur vorne in Bildmitte waren 3D-Gegenstände oder Personen deutlich dreidimensional erkennbar. An der Bildseite traten starke Unschärfen und Bildfehler auf und Personen im Hintergrund waren nicht nur völlig unscharf, sondern obendrein mit Doppelkonturen versehen, als ob jemand vergessen hätte, seine 3D-Brille aufzusetzen. Die Einführung soll womöglich deswegen zuerst in den asiatischen Ländern erfolgen. Die Deutschen sind wohl zu kritisch für dermaßen unzureichende Technik.

Das Prinzip eines externen Prozessors mit Verwendung herkömmlicher Bildschirmtechnik erinnert ein wenig an die technologische Erfindung von CHARISMA, einer kleinen TV-Schmiede aus Oldenburg, die bereits 2006 das erste brillenlose 3D-TV-Gerät auf Basis eines Plasmabildschirms demonstrierte. Wegen zahlreicher Patente wurden Einzelheiten zur Technik aber nie bekanntgegeben und der Absatz der im Eigenvertrieb verkauften sehr teuren Geräte hält sich in überschaubaren Grenzen. Im Jahre 2007 wurde die Firma vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler für ihre Innovation im Rahmen des Wettbewerbs "Deutschland Land der Ideen" ausgezeichnet, wie wir im BAF-Blog vom 1. Februar 2007 schrieben. Auf der IFA war die Firma wegen der hohen Standpreise nie vertreten, sondern zeigte ihre Produkte stets in Sonderschauen. Nunmehr soll expandiert werden, verkündet die Website.

Philips will „Dolby 3D“ bald marktreif machen.
Auch die Dolby Laboratories Inc., die nicht nur für Soundtechnologien bekannt sind, sondern auch im 3D-Kino ein großes Marktsegment abdecken, werkeln am brillenlosen 3D-Fernseher. Zusammen mit Philips und 50 weiteren Firmen wird die Entwicklung am Berliner Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts vorangetrieben. Inzwischen sollen die Fortschritte schon weit gediehen sein. Käufliche Produkte werden allerdings frühestens in zwei Jahren erwartet.

Rundumkino mit perfektem Sound auf allen Plätzen.
Dafür zeigte das Fraunhofer HHI-Instititut auf der Medienwoche@IFA schon jetzt ein 180° 3D-Panorama, das aus sieben paarweise angeordneten HD-Beamern (also insgesamt 14 Projektoren) in Echtzeit 3D-Filme völlig nahtlos auf die gekrümmte Leinwand warf. Zugleich wurde diese Vorführung mit einem Rundum-3D-Sound-System auf Basis der Wellenfeldsynthese kombiniert. Dabei werden insgesamt 120 Lautsprecher nicht nur an den Wänden oder hinter der Leinwand platziert, sondern auch an der Decke montiert. Das Ergebnis verspricht in entsprechend ausgestatteten Kinosälen einen natürlichen räumlichen Klang an jedem beliebigen Kinoplatz, als wäre man mitten im Geschehen. Das bedeutet, dass auch am Rand sitzende Personen den gleichen guten Sound genießen können, wie auf den besten Plätzen in der Mitte des Kinos. Der nächste Schritt soll ein Rundum-Kino sein. Das 360°-Kino könnte demnächst in Deutschlands Planetarien einziehen und diese um eine weitere Attraktion bereichern. Nur die Filmaufnahmen gestalten sich dabei noch etwas schwierig. Für das 180°-Panorama mussten sieben recht große, stereoskopisch ausgestattete Arri Alexa digital Kameras auf einem extra konstruierten Spiegelrig montiert werden. Fahraufnahmen sind mit diesem monströsen Unikum nahezu unmöglich. Die Qualität soll aber das IMAX-Kino mit 70-Millimeter-Film übertreffen.

Weitere Infos zu 3D-Entwicklungen von Geräten und neuen 3D-Filmen im Kino sowie auf Blu-ray Disc bietet die erste Messeausgabe der Zeitschrift 3D-Tower, die auch unter: www.3dtower.com mit aktuellen Updates einsehbar ist.

Link: www.ifa-berlin.com
Quellen: IFA | Sony | Panasonic | Golem | Toshiba | Charisma


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