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Neuer, alter Direktor der 69. Mostra in Venedig

Alberto Barbera ist neuer Mostra-Direktor und löste Marco Müller ab.



Gleichzeitig mit der 13. Architekturbiennale beginnen morgen auch 69. Filmfestspiele von Venedig. Vom 29. August bis 8. September 2012 findet die Mostra (Filmmesse) wieder auf dem Lido, der Venedig vorgelagerten Insel statt. In diesem Jahr gab es jedoch einen Führungswechsel bei der Mostra internazionale d'arte cinematografica: der Vorstand der Biennale ernannte Alberto Barbera zum neuen Direktor des Filmfestivals. Er löst damit Marco Müller, der das Filmfestival in Venedig seit 2004 geleitet hat und nun zum Filmfestival von Rom gewechselt ist, das im November stattfindet. Für Barbera ist die Mostra jedoch kein unbekanntes Terrain: Er stand von Dezember 1998 bis April 2002 schon einmal an der Spitze des Festivals und sein neuer Vertrag hat wieder eine Laufzeit von vier Jahren.

Die Erwähnung der Biennale Architettura, die etwas länger läuft und erst am 25. November 2012 endet, ist allerdings wichtig. Bereits Anfang Mai gab es im Berliner Café Einstein dazu ein Pressegespräch, das mit Spannung erwartet wurde, doch mit Empörung der enttäuschten Journalisten endete. Zuvor hatte der mit dem Konzept beauftragte renommierte Architekt David Chipperfield in die italienische Botschaft am 8. Mai 2012 geladen. Ganzheitlich soll das Konzept sein, sozial verträglich und disziplinär übergreifend, wurde verkündet. Sprich Designer, Fotografen, Filmemacher wie der Dokumentarfilmer Harun Farocki sowie andere Künstler werden stärker als je zuvor an den Ausführungen der Ideen beteiligt. Doch mit den kurzen Erklärungen war die Veranstaltung bereits wieder beendet.

Danach sollten die Journalisten bei der Vorstellung des Konzeptes für den deutschen Pavillon im Café Einstein mit Speis und Trank verwöhnt werden, um auch dort nicht allzu tiefschürfende Fragen zu stellen. Doch was soll man schreiben, wenn alles vage bleibt. Großartig soll es wieder werden. Fotos und wenig Worte sollen den Betrachter in den Bann ziehen. Doch wie das Konzept genau aussehen wird, blieb unbeantwortet.

Nur dass die Frankfurter Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer zum zweiten Mal in Folge den Deutschen Pavillon auf der Kunst-Biennale in Venedig leiten wird, wurde deutlich. Die Chefin des Museums für Moderne Kunst (MMK) wurde vom Auswärtigen Amt erneut zur Kuratorin berufen. Gaensheimer hatte schon 2011 den Deutschen Beitrag der Kunstausstellung gestaltet. Damals hatte sie den Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief mit der Gestaltung des Pavillons beauftragt und nach dessen Tod im letzten Jahr seine Werke nach dessen Ideen inszeniert. Der Beitrag wurde immerhin mit dem Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon ausgezeichnet.

Bei den Journalisten, die über das Architekturkonzept schreiben sollten, wurde nur eines deutlich. Architekten werden eigentlich kaum benötigt. Sie würden eh nur selbstherrlich produzieren wollen, überflüssig Neues erschaffen wollen, obwohl Vorhandenes besser weiter genutzt werden könnte und somit sozialverträglich für die Ausstellung umgewidmet werden könnte. Das rief ein wenig Befremdnis bei den anwesenden Fachleuten hervor, die sich schon immer für denkmalgerechte Sanierung eingesetzt hatten.

Auch bei der Filmbiennale heißt es in einer Pressemitteilung, wolle man in den kommenden vier Jahren die bereits begonnenen Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten am Lido fortsetzen. Dazu sei ein harmonisches Verhältnis zwischen der Biennale und der Stadt Venedig und seinen Bewohnern von größter Wichtigkeit. Außerdem möchte man die Position der Mostra im Festivalkalender stärken. Von Alberto Barbera, der Marco Müller beerbt hat, erhofft man sich dabei, dass es ihm gelingt, nicht nur hochqualitative Filme an den Lido zu holen, sondern die Entwicklung des Industry Office zu einem "Light Markt" endlich voranzutreiben.


Deutlich weniger Filme beim Venice Film Festival.
Die diesjährigen Filmfestspiele von Venedig werden auch sonst einige Änderungen erfahren. Künftig werden nur noch maximal 20, statt bisher 23 Filme im Wettbewerb gezeigt werden. Die Zahl der außer Konkurrenz im Wettbewerb laufenden Titel wird von 22 im vergangenen Jahr in diesem Jahr sogar auf elf reduziert. Auf gut ein Dutzend Filme begrenzt wird auch die Zahl der im Rahmen der Venice Days gezeigten Titel. Hier gab es bis dato keine Beschränkung. Diese Maßnahmen sollen insgesamt dazu führen, dass den präsentierten Filmen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Darüber hinaus wird diesmal ein Light Markt installiert, um die Marktaktivitäten zu stärken und den Käufern die Gelegenheit zu geben, Filme zu erwerben. Der neue offizielle Venice Film Market findet vom 30. August bis zum 3. September in Räumlichkeiten des Excelsior Hotels am Lido statt. Das Industry Office ist wie gewohnt für die gesamte Dauer des Festivals für die Fachbesucher da und bietet eine Vielzahl von Serviceaktivitäten an.


Nur 19 Filme im Wettbewerb von Venedig.
Offiziell stehen achtzehn Filme stehen in diesem Jahr im Internationalen Wettbewerb der 69. Filmfestspiele von Venedig - ein Film soll noch nachgemeldet werden. Möglicherweise ist dies der lang erwartete "The Master" von Paul Thomas Anderson. Eröffnet wird das Festival am 29. August 2012 von Mira Nair mit dem Film "The Reluctant Fundamentalist", der außer Konkurrenz läuft.

Es handelt sich um die Verfilmung eines 2007 erschienenen Romans von Mohsin Hamid und erzählt von einem jungen Pakistani, der an der Wall Street arbeitet und dessen komplettes Weltbild nach dem Terroranschlag auf das New Yorker World Trade ins Wanken gerät. In diesem prominent besetzten Polit-Thriller, an dem das Doha Film Institute (DFI) als Finanzier beteiligt ist, spielen Riz Ahmed, Kate Hudson, Kiefer Sutherland, Martin Donovan und Liev Schreiber die Hauptrollen.

Die Regisseurin Mira Nair gewann seinerzeit wenige Tage vor dem Attentat vom 11. September 2001 den Goldenen Löwen für ihren Film "Monsoon Wedding". Es ist ihr insgesamt fünfter Film in Venedig.


Zwei deutsche Koproduktionen im Wettbewerb in Venedig.
Bei den 69. Internationalen Filmfestspielen in Venedig ist Deutschland mit zwei Koproduktionen im Wettbewerb vertreten. Der US-Regisseur Brian de Palma geht mit der deutsch-französischen Produktion "Passion" an den Start. Da der Film direkt nach dem A-Festival von Venedig auch auf dem Film Markt des Toronto International Film Festivals (tiff) gezeigt wird, konnten wir den Trailer hier bereits einbinden.



Auch der Österreicher Ulrich Seidl geht mit dem deutschsprachigen Film "Paradies: Glaube" - dem zweiten Teil seiner Trilogie - ins Rennen um den Goldenen Löwen. Der erste Teil "Paradies: Liebe" feierte dieses Jahr seine Premiere in Cannes.

In den Nebensektionen »Orrizonti« und »International Critic´s Week« sind außerdem vier deutsche Koproduktionen („Wadjda“ von Haifaa Al Mansour, „L´Intervallo“ von Leonardo di Costanzo, "Araf" (Araf, somewhere in between) von Yesim Ustaoglu sowie „Küf“ von Ali Aydin) zu sehen, allerdings keine von einem deutschen Regisseur. Außerdem laufen dort neue Filme von Robert Redford, Spike Lee, Amos Gitai und Michael Mann. In den Kurzfilmwettbewerb »Orizzonti Short Films« wurde Bertrand Mandico mit "Living Sill Life" eingeladen.


Fünf französische Produktionen im Wettbewerb.
Die meisten Wettbewerbsfilme stellen dieses Mal die Franzosen mit fünf Produktionen. Damit setzt das Festival einen deutlichen europäischen Akzent. Gastgeberland Italien hat drei Löwen-Kandidaten im Rennen, die USA und Belgien je zwei.

Zu sehen sind neue Arbeiten von Terence Malick, dem Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 2012. Er zeigt seinen neuen Film "To The Wonder", während Japans Regie-Star Takeshi Kitano mit "Outrage Beyond" aufwartet. Olivier Assayas präsentiert "Something in the Air", Kim Ki-Duk "Pieta", Takeshi Kitano "Outrage Beyond", Marco Bellocchio "Bella Addormentata", Francesca Comencini "Un giorno speciale" Daniele Ciprì "È stato il figlio", Xavier Giannoli den französisch-belgischen Film "Superstar", Brillante Mendoza "Sinapupunan", Harmony Korine "Spring Breakers", Ramin Bahrani "At Any Price" und Valeria Sarmiento zeigt den in französisch-portugiesischer Zusammenarbeit entstandene Film "Linhas de Wellington" mit John Malkovich und Marisa Paredes. Aus Russland kommt von Kirill Serebrennikov "Izmena" mit Franziska Petri als Hauptdarstellerin und das Regieduo Peter Brosens und Jessica Woodworth präsentiert "La cinquiéme saison".

Außerhalb des Wettbewerbs steht „Sur un fil...“ von Peter Brook (Arte France) auf dem Programm. Außerdem Susanne Biers "Love Is All You Need", Robert Redfords "The Company You Keep", Kiyoshi Kurosawas "Schokuzai", Spike Lees Michael-Jackson-Doku "Bad 25" und als Abschlussfilm Jean-Pierre Améris' "L'homme qui rit" (mit Gérard Depardieu) gezeigt. Vom israelischen Filmemacher Amos Gitaï kommen gleich zwei Beiträge zur Aufführung: sein neuer Film "Lullaby to My Father" sowie "Carmel - Mitten im Krieg" von 2009, der gemeinsam mit dem neuen Film ein "autobiografisches Diptychon" bildet, wie das Festival ankündigt. Der 103-jährige Portugiese Manoel de Oliveira ist mit seinem neuesten Werk "O Bebo e a Sombra" dabei. Insgesamt werden 50 Filme als Weltpremiere am Lido gezeigt.

Die einzige rein deutsche Produktion im Venedig-Programm liefert Regisseurin Alex Schmidt mit einem Mystery-Thriller bei und feiert mit dem Kino-Debüt "Du hast es versprochen" (Forgotten) zugleich ihre Weltpremiere. Der Film wird als Midnight-Movie am Freitag, 7. September 2012 gezeigt. Als Darsteller konnte die Regisseurin, Mina Tander und Laura de Boer sowie Katharina Thalbach, Max Riemelt, Clemens Schick und Thomas Sarbacher gewinnen. Bundesweiter Kinostart ist am 1. November 2012 vorgesehen.

Zum Inhalt von "DU HAST ES VERSPROCHEN":
Nach 25 Jahren trifft Hanna (Mina Tander) ihre beste Freundin aus Kindertagen wieder. Sie beschließen auf jene Insel zu fahren, auf der sie als Kinder jeden Sommer zusammen verbracht haben. Sie ahnen nicht, dass sie dort bereits seit Jahren erwartet werden, denn ein uneingelöstes Versprechen aus der Kindheit fordert seinen Tribut. Hanna muss sich erinnern: Was ist damals passiert?


Mein Ziel war es, die Abgründe der menschlichen Seele darzustellen und mit märchenhaften Elementen zu verbinden“, so Regisseurin Alex Schmidt. „Ich wollte eine süße, schaurige Welt erschaffen, in der man sich leicht verliert. Entstanden ist ein Film über bitter enttäuschte Liebe, über die dunkle Seite im Menschen, über die innige Freundschaft zweier Mädchen, die nicht nur ihr Leben für immer zerstören wird.

"DU HAST VERSPROCHEN" ist eine Produktion der Wüste Film Ost in Co-Produktion mit Wüste Film, Magnolia Filmproduktion und ZDF Das kleine Fernsehspiel. Drehbuchförderung durch Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH. Produktion in Unterstützung durch Mitteldeutsche Medienförderung, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, FFA, Deutsche Filmförderfonds, MEDIA. Weltvertrieb: Beta Cinema. Verleih: Falcom Media.

Regie: Alex Schmidt, Drehbuch: Alex Schmidt/Valentin Mereutza, Kamera: Wedigo von Schultzendorff („Hollywood Endings“/ “Pandorum“), Szenenbild: Jörg Möhring („Rothenburg“), Kostüm: Maria Schicker („Cold Case“, „Friendship“), Schnitt: Andreas Radtke („Die Tür“, „Hanni & Nanni 2“), Musik: Marian Lux („Die zertanzten Schuhe“), Sounddesign: Benjamin Krbetscheck („Unkraut im Paradies“). Die Redaktion liegt bei Katharina Dufner (ZDF), Produzenten sind Yildiz Özcan, Stefan Schubert und Ralph Schwingel.


Michael Mann ist Jurypräsident.
Michael Mann ist diesjähriger Präsident der Wettbewerbsjury in Venedig. Für den 68-jährigen US-Regisseur, -Drehbuchautor und -Produzenten, den die Mostra als "einen der komplettesten Filmemacher und eine der einflussreichsten und repräsentativsten Figuren des zeitgenössischen US-Kinos bezeichnet", ist es das erste Mal, dass er die Jury eines internationalen Festivals leitet.

1981 hatte er sein Regiedebüt in Cannes mit "Der Einzelgänger" auf der großen Leinwand gegeben. 1986 folgte der Thriller „Blutmond“, mit dem er den ersten Teil der Hannibal-Lecter-Reihe lieferte. Auf sein Konto als Regisseur gehen auch die Neuverfilmung (1992) der berühmten Erzählung von James Fenimore Cooper „Der letzte Mohikaner" mit Al Pacino und Robert De Niro. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er zudem durch Fernsehserien wie „Starsky und Hutch“ sowie den TV-Klassiker und gleichnamigen Kinofilm "Miami Vice" bekannt. Letzterer eröffnete das Filmfestival in Locarno 2006. Nach eigenem Drehbuch inszenierte er außerdem das Boxer-Biopic "Ali" sowie die Thriller "Collateral" mit Tom Cruise und "Public Enemies". Als Produzent zeichnete Mann im letzten Jahr für den Thriller „Texas Killing Fields“ von seiner Tochter Ami Canaan Mann verantwortlich, der ebenfalls in Venedig im Wettbewerb lief. Derzeit bereitet er den Thriller "Frankie Machine" vor, bei dem er als Produzent und Regisseur fungiert.


Ehrenpreise für Michael Cimino und Francesco Rosi.
Der amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Michael Cimino wird bei den 69. Internationalen Filmfestspielen in Venedig für sein Filmschaffen mit dem Persol 2012 Award ausgezeichnet.

Dieser Ehrenpreis ist längst überfällig, denn Michael Cimino ist ein visionärer Regisseur, der die Filmkultur in Amerika in den letzten 40 Jahren mitgeprägt hat, wo er immer nur auf den Kassenflop seines Meisterwerkes reduziert worden ist”, erklärt Alberto Barbera, der künsterische Festivalleiter von Venedig. Cimino habe als Filmkünstler ein vielschichtiges Bild von Amerika gezeigt, das kritisch, leidenschaftlich, deutlich und spannend sei. Zu den größten Erfolgen von Cimino gehört de mit fünf Oscars gekrönte “The Deer Hunter” von 1979.

Die Preisverleihung findet am 30. August 2012 im Rahmen der Filmbiennale auf dem Lido statt. Im Anschluss zeigt das Festival sein dreieinhalbstündiges Meisterwerk “Heaven’s Gate” in digital restaurierter Fassung.

Außerdem erhält der italienische Regisseur Francesco Rosi einen goldenen Ehrenlöwen für sein Lebenswerk.

Link: www.labiennale.org/en/cinema
Quellen: filmecho | dpa | Blickpunkt:Film | ZOOM MEDIENFABRIK GmbH Berlin


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