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Berlin Documentary Forum - Farocki erstmals in Polen

Haus der Kulturen der Welt, Berlin HKW



Das Berlin Documentary Forum ist ein zweijährlich stattfindendes Festival, das sich in diesem Jahr vom 31.05.-03.06.2012 mit dokumentarischem Arbeiten in unterschiedlichen Disziplinen auseinandersetzt. Das Projekt versteht das Dokumentarische als Kunst, Wirklichkeit zu gestalten und zu verändern. Mit Perspektiven aus Kulturwissenschaft, Philosophie sowie verschiedener künstlerischer Genres betont das Festival das kritische Potenzial dokumentarischer Kunst im Gegensatz zur massenhaften Produktion und Verbreitung herkömmlicher dokumentarischer Bilder.

Die diesjährige Ausgabe des Festivals erkundet im Haus der Kulturen der Welt (HKW) die Eigenschaft von Bildern, Wahrheit und Authentizität zu erzeugen sowie Kontroversen und Veränderung hervorzurufen. Berlin Documentary Forum 2 inszeniert das Dokumentarische als einen dialektischen Prozess, der sich zwischen dem Realen, seiner Darstellung durch einen Autor und einem Publikum abspielt. Internationale Künstler und Theoretiker nähern sich in Live-Performances, Screenings und Aufführungen dem Unvorhersehbaren am dokumentarischen „Ereignis”. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Architektur und räumlichen Gestaltung des Festivals im imposanten Haus der Kulturen der Welt – für unterschiedliche künstlerische Formate und Zuschauersituationen werden spezifische Settings generiert.

Die Architektur-Ausstellung A Blind Spot, kuratiert von Catherine David, zeigt spezifische Formen des Dokumentarischen in zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Indem sie die Unbestimmbarkeit des Bildes offenlegen, stellen die ausgewählten Arbeiten vorherrschende Repräsentationsregime in Frage. A Blind Spot läuft vom 31. Mai bis 1. Juli 2012.

Den BAF als Berliner Filmverband interessiert natürlich alles rund um den Film und das bewegte Bild, denn an der Ausstellung werden zahlreiche Filmemacher teilnehmen, die wir am Ende aufgelistet haben, darunter Wim Wenders und Klaus Wildenhahn. Unter anderem werden auch Arbeiten vom Filmemacher und Filmtheoretiker Florian Schneider zu sehen sein, der die kinematografische „Continuity“ in Bezug auf historische Kontinuitäten von Kolonialismus und Faschismus reflektiert. Der Filmemacher Eyal Sivan diskutiert mit der Kulturtheoretikerin Ella Shohat über die Sprache und Möglichkeiten der Montage anhand von Jean-Luc.

Der in Mexiko lebende Filmkurator Eduardo Thomas und der in Kioto lebende Urbanist Günter Nitschke stellen Auszüge aus ihren laufenden Recherchen über „ma“ vor, ein japanisches Konzept, das eine „strukturierende Abwesenheit“ beschreibt und herkömmliche Dichotomien zwischen Zeit/Raum, außen/innen oder Leere/Fülle außer Kraft setzt. In ihrem Vortrag "Objectifiction” untersucht die Künstlerin und Theoretikerin Hito Steyerl wie 3D-Technologie unsere Wahrnehmung von Raum und physischer Realität beeinflusst.

Das Online-Magazin Issue Zero, herausgegeben von Hila Peleg und Florian Schneider, erprobt neue Möglichkeiten der Produktion und Wahrnehmung dokumentarischer Arbeiten in vernetzten Umgebungen. Während zeitgenössische Medien und globale Netzwerke heute vorgeben, fast alles zu registrieren, zu dokumentieren, zu speichern und aufzunehmen, hat die massenhafte Produktion und Verbreitung von Bildern und Daten zu einem grundlegend neuen Verhältnis zwischen Text und Bild, bewegtem und unbewegtem Bild, Hypertext und Video geführt, was eine neue, „vernetzte“ Sehweise des Dokumentarischen erfordert. Über den zeitlichen Rahmen des Festivals hinausgehend, bietet Issue Zero eine experimentelle Plattform für künstlerische Projekte im Internet. Die erste Ausgabe präsentiert eigens für das Magazin konzipierte Arbeiten sowie Beiträge zu den Aufführungen des kommenden Berlin Documentary Forum.

Teilnehmer: Eric Baudelaire, Catherine David, Marguerite Duras, Jean Eustache, Antje Ehmann/Harun Farocki, David Goldblatt, Hassan Khan, Thierry Knauff, Joachim Koester, Sylvère Lotringer, Vincent Meessen, Christine Meisner, Rabih Mroué, Peter Nestler, Olaf Nicolai, Melik Ohanian, Volker Pantenburg, Christopher Pinney, Ben Russell, Eszter Salamon, Florian Schneider, Efrat Shvily, Eyal Sivan, Hito Steyerl, Jean-Marie Straub/Danièle Huillet, Ito Takashi, Eduardo Thomas, Matsumoto Toshio, Jeff Wall, Wim Wenders, Klaus Wildenhahn, Christopher Williams u.a.

Künstlerische Leitung: Hila Peleg

Links: www.hkw.de | www.issuezero.org | Documentary Forum 2

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Farocki-Werk erstmals in Warschau

Im Zusammenhang mit dem Documentary Forum möchten wir auf eine weitere Ausstellung eines Berliner Hochschuldozenten für Film aufmerksam machen. Das Werk des deutschen Filmemachers Harun Farocki ist nämlich erstmals Thema einer Ausstellung in Polen. "Harun Farocki zum ersten Mal in Warschau" zeigt nach Angaben des Goethe-Instituts seit dem 11. Mai 2012 im Warschauer Zentrum für Zeitgenössische Kunst Medieninstallationen zu Themen, die Farocki seit den 60er Jahren beschäftigen: Krieg, Massenspektakel, digitale Technologie und Filmtheorie.

Der 68-jährige Farocki zählt zu den wichtigsten Essayfilmern der Gegenwart und ist einer der profiliertesten Dokumentarfilmer und Medienkünstler Deutschlands. Sein zentrales Motiv ist die Sichtbarmachung politischer Vorgänge. Farocki ist u.a. Drehbuchautor bei vielen Spielfilmen des Regisseurs Christian Petzold und hat von 1966 bis 1968 im ersten Jahrgang an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) studiert.

Link: Goethe Institut Polen


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