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Türkische Filmwoche zeigt Neues aus Istanbul

Jubiläumsfestival der 10. Türkischen Filmwoche in Berlin.



Bei der diesjährigen Türkischen Filmwoche, die vom 19.-29.04.2012 in Berlin stattfindet, ist vieles anders. Das Kreuzberger Babylon Kino ist für das Jubiläumsfestival zu klein geworden und die Broadway Kinos, der Yorck Kinogruppe in der West-Berliner City am Tauentzien neben dem Europa Center, gibt es nicht mehr.

So musste sich das Festival nach einer neuen Abspielstätte umsehen, die beliebt ist und dennoch bezahlbar bleibt. Filmfestivals sind oft ein Zuschussgeschäft, können oft nur durch Sponsorengelder finanziert werden und müssen deshalb mit knappen Geldhaushalt auskommen, sagte uns der Festivalleiter am Telefon. Daher schied das Cinema Paris am Kurfürstendamm leider aus. Auch die Bedingungen des Arsenals im Filmhaus am Potsdamer Platz waren nicht akzeptabel, da das Programm - das erst in letzter Minute endgültig feststand - schon zwei Monate vorher für die Druckerstellung hätte eingereicht werden müssen.

Freundlich bedient wurde man dagegen im Collosseum an der Schönhauser Allee, das nach der Wende vom Medienmogul Artur "Atze" Brauner (93) übernommen, restauriert und ausgebaut wurde und nun von der UCI Kinogruppe verwaltet wird.

Mehrere Kinosäle von gross bis klein stehen für das umfangreiche Jubiläumsprogramm dem Festival zur Verfügung, denn immerhin werden in diesem Jahr 29 aktuelle türkische Spiel- und Dokumentarfilme präsentiert.

Beim diesjährigen Themenschwerpunkt Istanbul dreht sich alles um den Mythos und die Realität der Bosporus-Metropole, die sich durch Wirtschaftswachstum und Zuwanderung zur Megacity entwickelt und deren Alltag in zwei Dokumentarfilmen reflektiert wird. Präsentiert werden vor allem Filme junger Regisseure, die ein vielseitiges Genre-übergreifendes Porträt der Türkei, ihrer Kultur und ihrer Menschen zeichnen.

Eröffnungsfilm "ZENNE – DANCER"


Das türkische Kino zeichnet sich heute durch eine im internationalen Vergleich einzigartige ästhetische und inhaltliche Vielfalt aus. Eine Kinematografie, die vom Gestaltungs- und Mitteilungswillen ihrer Macher geprägt ist. Von nationalen Epen wie „Fetih 1453“ über religiöse Botschaften wie „Bendeyar“ bis zur schwarzhumorigen feministischen Komödie KURTULUS SON DURAK – ENDSTATION RETTUNG ist auf türkischen Leinwänden das gesamte politische Spektrum des 75-Millionen-Einwohner-Landes präsent, das sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten ‚global player‘ an der Schnittstelle zwischen Europa und Nahost etabliert hat.

Der türkische Autorenfilm ist, wie die jüngsten internationalen Festivalerfolge etwa von Nuri Bilge Çeylans meditativer Genre-Arthaus-Mischung ONCE UPON A TIME IN ANATOLIA (Cannes 2011), Reis Celiks „Night of Silence“ und Emin Alpers „Beyond the Hill“ (beide Berlinale 2012) zeigen, seinen großen Stärken treu geblieben – der Mischung aus künstlerischer Kreativität und subtiler gesellschaftspolitischer Botschaft, was auch positive Effekte für die Zuschauerresonanz auf die Arthaus-Sparte hat.

Es lohnt sich, das aktuelle türkische Kino zu verfolgen. Denn immer wieder überraschen türkische Filmemacher nicht nur mit ungewöhnlichen dramaturgischen Konzepten, sondern auch mit der kompromisslosen Offenheit, mit der sie gesellschaftliche Sollbruchstellen wie die Dauerthemen innerfamiliäre Gewalt, Frauenrollen und Homophobie – wie der diesjährige Eröffnungsfilm ZENNE DANCER - , politisch heiße Eisen wie den „Kurdenkonflikt“ (PRESSE) oder die „Zypernfrage“ (SCHATTEN UND GESICHTER) oder geschichtliche Themen wie den Militärputsch von 1980 (NIE WIEDER) angehen. Man könnte sagen, dass der türkische Film in vorbildlicher Weise die demokratische Debatte pflegt und zugleich seineKinobesucher auf eine filmische Reise durch ein nicht mehr unbekanntes, aber immer wieder erfrischendes Land einlädt.

Darüber hinaus widmet sich das Festival in einer Hommage widmet dem 2011 verstorbenen Regisseur Ömer Lütfi Akad, dessen Klassiker DAS GESETZ DER GRENZE 1966 in Zusammenarbeit mit Yilmaz Güney entstand, der das Drehbuch schrieb. Mit Tolga Örnek, dessen Polit-Thriller LABYRINTH vor kurzem zum Box-Office-Hit in der Türkei avancierte, stellt das Festival einen der vielversprechendsten zeitgenössischen Regisseur vor, der den Spagat zwischen Autorenkino und Mainstream erfolgreich schafft.

Türkische Filmwoche
19.-29.04.2012
Collosseum / UCI Kinowelt
Schönhauser Allee 123
10437 Berlin-Prenzlauer Berg

Kulturzentrum TÜRKISCHES HAUS
An der Urania 15
10787 Berlin-Schöneberg

Link: www.tuerkischefilmwoche-berlin.de


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