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Rückblick Festivals Berlin, Stuttgart, München, Ludwigshafen

17. Internationales Trickfilmfestival Stuttgart (4.-9. Mai 2010)



Jedes Jahr im Mai findet in Stuttgart ein Internationales Filmfestival statt, dieses Jahr bereits zum 17. Mal: das Internationale Trickfilmfestival ITFS. Und wer sich von der etwas vollmundigen Werbung "Stuttgart - Welthauptstadt des Animationsfilms" nicht abschrecken ließ, erlebte im besten Sinne ein Filmfestival der anderen, der besonderen Art. Alles ist hier etwas kleiner, oder besser: überschaubarer gehalten als man es von anderen internationalen Festivals gewöhnt ist: in 2 Kinos, gerade einmal 5 Minuten zu Fuß voneinander entfernt, mit insgesamt 5 Sälen werden 600 Animationsfilme in 5 internationalen Wettbewerbssektionen gezeigt, ergänzt durch Studiopräsentationen berühmter Studios wie Disney, Sony Pictures, Pixar oder Nexus, die Einblick gaben in die Entstehung etwa von "Alice in Wonderland" oder "The Princess and the Frog", oder Workshops wie "Tricks for Kids" zum Mitmachen und einen zum Festival Garden mit gratis Freiluftkino umgewidmeten Schlossplatz.

Das ITFS wird seinem Anspruch gerecht, ein echtes Arbeits- und auch Publikumsfestival zu sein: mit seiner Akkreditierung hat man ohne weitere Kontingentprobleme Zugang zu allen Veranstaltungen, nun gut: abgesehen von den beiden völlig überlaufenen Vorpremieren "Iron Man 2" oder "Fantastic Mr. Fox". Schön, mal zu erleben, wie man Empfänge und Partys gestalten kann, wo wirklich jeder mit jedem ins Gespräch kommen kann, und wie ein hochkarätiges Festival ohne Diktat des "Roten Teppichs" aussehen kann, wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass die Stars von Trickfilmen sich selten für Rote Teppiche eignen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: das Sandmännchen war persönlich erschienen, um mit seinen jungen Fans die Premiere seines ersten Langfilms zu feiern.

Norbert Kerkhey (BFFV)

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Munich International Short Film Festival - (17. bis 23. Juni)



Der schwedische Beitrag "Lägg M för mord" (Tile M for Murder) war der Gewinnerfilm des MUNICH INTERNATIONAL short film festival 2010. Sein Regisseur Magnus Holmgren erhält den vom Ökostromanbieter strasserauf mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis. In dem achtminütigen Kurzfilm entdeckt ein Mann (Gustaf Hammarsten) einen Weg, wie er seine Frau (Rachel Mohlin) mithilfe des Spiels Scrabble aus dem Weg räumen kann.

Festivalleiter Martin Blankemeyer zieht eine äußerst positive Bilanz des diesjährigen Kurzfilmfestivals: "Der Gloria Palast ist wunderschön – und mit über 500 Plätzen einer der größten Kinosäle in München. Dieses Jahr hatten wir zum ersten Mal richtig volles Haus – und hoffen natürlich, daß sich weiter rumspricht, was für Perlen wir da nach München holen. Die vielen positiven Kommentare der Zuschauer zeigen uns, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Wir danken allen Filmemachern, Mitarbeitern, Partnern, Unterstützern und unserem Publikum für diesen schönen Erfolg."

Das Kurzfilmfestival wäre nicht möglich gewesen ohne die großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München, von strasserauf electricitaet, Philips Parallel Lines, Bavaria Film, Landeshauptstadt München – Kulturreferat, Mathäser Filmpalast, B2BTRIP, nH Hoteles, Kodak und Interkep, von denen manch einer schon erklärt hat, nächstes Jahr wieder dabei sein zu wollen. Und so blicken die Veranstalter optimistisch nach 2011, in dem das Festival vom 16. bis zum 22. Juni stattfinden soll.

Münchner Filmwerkstatt www.muenchner-filmwerkstatt.de

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Emergeandsee (18. - 20. Juni)



Beim 10. EMERGEANDSEE media arts festival, das diesmal im stillgelegten Berliner Stattbad Wedding stattfand, gewann Vojtech Moraves Kurzdokumentation “Turbodiesel” den ersten Preis. Der Regisseur begleitet in seinem Film einen heimatlosen Mann, dessen gesamtes Leben sich in einem alten Mercedes abspielt. So unmöglich dieses Vorhaben anmutet, so erstaunt ist man über den Einfallsreichtum dieses Menschen, der seit sieben Jahren keinen Fuß auf den Erdboden gesetzt hat und sogar für die Notdurft sein Auto niemals verlies. Oder haben soll! Doku oder Fake-Dokumentation? So ganz sicher war sich die Jury bei der Preisvergabe nicht.

Auch beim zweiten Preis war die Jury sich nicht ganz sicher und vergab diesen deshalb zweimal. So erhielt zum Einen den zweiten Preis der Zeichentrickfilm "I am Simon" (von Tünde Molnár aus Ungarn) mit melancholischen aber poetischen Bildern eines Hundelebens. Zum Anderen wurde lobend erwähnt und mit dem Spezialpreis der Jury geehrt "Berlun". Ezgi Kilincaslans "Berlun" ist ein visualisiertes Tagebuch einer türkischen Künstlerin, die von ihren Erfahrungen in Berlin erzählt und davon wie es sich anfühlt, zwischen zwei Kulturen stehend seine Identität zu formulieren.

Den Publikumspreis erhielt Matis Burkhardts heitere "Leerfahrt". Er erzählt die Geschichte eines arbeitslosen Schauspielers, der sich in der U-Bahn als Kontrolleur ausgibt. Er schlüpft dafür in 114 verschiedene Verkleidungen und kann zumindest so seiner Berufung nachgehen.

Auch in diesem Jahr war die Filmauswahl stimmig. Unserer Meinung nach setzte das Festival wieder Standards, die zu toppen für andere Kurzfilmfestivals nicht leicht sein wird. Unter dem Motto “Hybride Metropolis: Zwischen Räumen.” wurden schon am ersten Tag im stillgelegten Schwimmbad Vorträge gehalten und eine Ausstellung organisiert. Höhepunkt waren die nächtlichen Auftritte von Bands, die im Takt zu rasant geschnittenen Super 8 Filmcollagen aufspielten.

Weiterer Bericht von Martin Daßinnies im Blog der Berliner Filmfestivals

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Filmfestival Ludwigshafen (16.-27. Juni)



Der FILMKUNSTPREIS 2010 in der Kategorie Bester Film (dotiert mit 50.000 Euro) ging beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen an die ZDF / Ringel Filmproduktion "Orly" von Angela Schanelec.

Begründung der Jury: „An einem zentralen Ort des modernen Lebens, einem Großflughafen, entdeckt Angela Schanelec liebende Paare, die einem verfehlten Leben nachdenken oder einem ersehnten Leben entgegenträumen. Mit überraschender Leichtigkeit, menschlicher Wärme und sanfter Ironie liest ihr Film der Anonymität des Transit- und Warteraums „Orly“ zarte und bewegende Lebensgeschichten ab. Es sind poetische Momente des individuellen Innehaltens in einer davon unberührten dokumentarisch erfassten Welt der flüchtigen Bewegungen.”

FILMKUNSTPREIS 2010 Kategorie Besondere Einzelleistung (undotiert) sowie der PUBLIKUMSPREIS 2010 (ex aequo) ging an Robert Gwisdek in dem Film "Renn, wenn Du kannst".

Begründung der Jury: „Robert Gwisdek, Sohn des bekannten Regisseurs und Schauspielers Michael Gwisdek, spielt die facettenreiche Rolle des querschnittsgelähmten Benjamin mit der „kalten Flamme“ eines Darsteller-Artisten. Seine alle Charakterbereiche durchmessende Leidenschaft, Mensch zu sein, ohne je sentimental zu werden, erwärmt uns als seine Zuschauer.“

Schon auf der letzten Berlinale begeisterte uns der Film in der Reihe Perspektive Deutsches Kino, die Alfred Holighaus die letzten Jahre mit sicherer Hand geleitet hat, aber persönlich leider nicht mehr weiterführen wird, wie er am Ende des Festivals auf dem Podium verkündete. Die Potsdamer Wüste Film Ost Produktion unter der Regie von Dietrich Brüggemann im Verleih von Zorro Film GmbH ist feinstes deutsches Kino. Auch die anderen in Ludwigshafen prämierten Filme feierten ausnahmslos ihre Premiere auf der 60. Berlinale im Februar.

Weitere Preise in Ludwigshafen unter: www.festival-des-deutschen-films.de


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