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© Berliner Arbeitskreis Film e.V. | Tel. +49 (0) 30 - 825 52 71

 

Low Budget Initiative

 

 

Initiative für den künstlerischen Low Budget Film in Berlin/Brandenburg

Auch der Film ohne kommerziellen Verleih findet sein Publikum

Alle Kunst will gesehen werden, kein Künstler, keine Künstlerin arbeitet für die Schublade. Solches zu behaupten, dient nur der Diffamierung einer Kunst, auf deren kommerziellen Verwertbarkeit man gerne bestände, die aber auch andere Facetten hat.
Maya Derens Filme oder ein Kurzfilm wie "La jetée" von Chris. Marker sind bekannt, wirken in der Filmgeschichte fort, obwohl sie nie im kommerziellen Kino gezeigt wurden (Zuletzt z.B. diente "La jetée" als Vorlage zu "Twelve Monkeys").

Es gibt eine lange Tradition der nicht-kommerziellen Verbreitung von Filmen. Sie werden über Jahrzehnte immer wieder erinnert, gezeigt und diskutiert. Bis in die 80er Jahre gab es in Deutschland vor allem für themenorientierte Dokumentarfilme zahlreiche Verleiher, die ihre Filme noch in Programmkinos unterbringen konnten. Es gab Verleiher speziell für Experimentalfilme (Ingo Petzke z.B.). Je nach der sich ständig im Wandel befindlichen Kinosituation und den gesellschaftlichen Bedürfnissen werden neue Wege der Verbreitung gefunden.

Kommunale Kinos

In Deutschland gibt es etwa 150 kommunale Kinos, von denen etwa 75 regelmäßig Filme der hier gemeinten Art spielen. Verschiedene kommunale Kinos sind dazu übergegangen, Verleihe und Archive aufzubauen (z. B. Bonner Kinemathek, Metropolis Kino, Hamburg), um Filme verfügbar zu halten.

Festivals

Der Reichtum der nationalen wie internationalen Filmkultur ist auf Festivals zu sehen. Die Besucher sind wesentlich Multiplikatoren, Kuratoren für weitere Festivals, für kommunale Kinos, für Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Es ist heute Standard, dass die Festivals in den Katalogen die Bezugsadressen für Filme angeben, so dass es keine Mühe macht, diese auch unabhängig von Verleihern, möglicherweise auch direkt von den Filmemachern zu beziehen. Durch die zunehmende Spezialisierung haben gerade die Festivals heute einen Überblick über die jeweils für sie spezifische Produktion (weltweit). Es setzt sich immer mehr durch, dass sie Kopien und Rechte ankaufen, Verleihfunktionen übernehmen und Tourneen organisieren (ebenfalls weltweit): z.B. Freunde der deutschen Kinemathek, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Europäisches Medienkunstfestival Osnabrück, Hamburger Kurzfilmfestival; das Interfilmfestival (Kurzfilme) z.B. zeigt regelmäßig themenorientiert Programme in verschiedensten Berliner Kinos.

Nicht-gewerbliches Abspiel

Dann gibt es in den Landes- und Stadtbildstellen, den Landeszentralen für politische Bildung, beim Katholischen Filmwerk oder Matthias Film dicke Kataloge, aus denen die Schulen, Initiativen, Jugendgruppen, oder Gewerkschaften Filme (heute meist Videoversionen, gerade beginnt die Umstellung auf DVD) kostenlos ausleihen und zeigen. Da diese Vorführungen meist von Diskussionen begleitet sind, wirken diese Filme länger nach und werden intensiver gesehen als dies bei den auf Unterhaltung ausgerichteten Filmen der kommerziellen Kinos der Fall ist. Auch ist die Auswertungszeit wesentlich länger, Lizenzen werden oft über Jahrzehnte erneuert.

Museen und Galerien

Seit der documenta 10, vor allem aber durch das zunehmende Eindringen der "time based art" in den Kunstmarkt, sind auch deutsche Museen gezwungen, sich mit der Entwicklung der Filmkunst auseinanderzusetzen und fangen allmählich an, Filme oder Videos zu zeigen, eine Entwicklung, die schon vor Jahrzehnten in anderen europäischen und aussereuropäischen Ländern begonnen und dort längst Tradition hat. In den Museen ist heute auch das Publikum zu finden, dass sich für inhaltliche und ästhetische Fragen interessiert und selbst unter schlechten Vorführbedingungen die Werke anschaut und sich mit ihnen auseinanderzusetzen bereit ist.

Rahmenprogramm zu anderen Veranstaltungen

Bei Symposien, Ausstellungen, Tagungen, in den zahlreichen Kulturhäusern, bei Festen und kulturellen Veranstaltungen im weitesten Sinne ist es längst selbstverständlich, auch Filme/ Videos in z.B. Rahmenprogrammen einzuschlie§en. In Berlin wie auch in anderen Städten sind die kommunalen Kinos oft Ansprechpartner für solche Kooperationen. Es werden aber auch eigene Kuratoren oder Partner beauftragt, die sich durch Besuch von Festivals informieren und gerade nicht-kommerzielle Filme programmieren.

Weiterbildung, Ausbildungsstätten

Eine weitere Verbreitung von Filmen ausserhalb der kommerziellen Distribution ist die nicht zu unterschätzende Anzahl von Vorführung in universitären und anderen Ausbildungs-zusammenhängen. Nicht nur die Filmhochschulen und Kunstakademien, die filmwissenschaftlichen oder kunsthistorischen Seminare, sondern auch in den sprach,- literatur- und kulturwissenschaftlichen Fachbereichen, den ethnographischen, anthropologischen, den Regional- und Länderwissenschaften sind Filme selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts. Dort spielen Filmlängen keine Rolle, werden Dokumentarfilme nach Themen eingesetzt, werden Filme auch hinsichtlich ihrer künstlerischer Qualität gesucht, um die Studenten mit der Filmsprache und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen.

Fernsehen

Die Fernsehanstalten (vor allem arte und 3sat) kaufen immer wieder Filme an: Dokumentarfilme, Kurzfilme, Filme aller Formate und Formen z.B. zu Themenabenden.

Filmmuseen, Filmarchive

In den deutschen Filmarchiven werden die Werke so mancher FilmemacherInnen gesammelt, die beim Filmboard bisher keine Chance hatten, gefördert zu werden bzw. es aufgegeben haben, sich darum zu bemühen. Auch diese Filmkopien werden - in der Regel - für nicht-kommerzielle Vorführungen ausgeliehen.

Ausland

Und schließlich darf die Globalisierung und Spezialisierung der filmischen Interessen nicht vergessen werden. Für deutsche experimentelle Filme z.B. gibt es weltweit Vorführmöglichkeiten. Deutsche Filmemacher erhalten im Ausland manchmal größere Anerkennung als in Deutschland selbst. Verleiher wie Canon in San Francisco oder Light Cone in Paris, Electronic Art Intermix in New York, Video Umbrella in London haben die Werke deutscher Künstler in ihren Katalogen. Museen kaufen ihre Werke an und verleihen sie auch. Zunehmend interessieren sich auch Galerien für die Werke von Film- und Videokünstlern. Auch die Goethe Institute kaufen Filme an (InterNationes) und zeigen sie in den unterschiedlichsten Zusammenhängen.

Und schließlich: Künstler arbeiten heute in verschiedenen Medien, Bildhauer schaffen Filme, Videokünstler stellen Installationen aus, erarbeiten weitere Versionen auf Film oder DVD, im Internet gibt es bereits mehrere Kurzfilmfestivals, die sowohl auf Film produzierte wie im Computer enstandene Werke zeigen. Die Distribution, die Kenntnis von Filmen individualisiert sich, sie ist nicht mehr überschaubar, sie ist dennoch vorhanden - das sind Entwicklungen, die für alle gesellschaftlichen Bereiche gelten. Über Mailinglisten wird auf die Vorführung aufmerksam gemacht.

Der starre Blick auf das kommerzielle Kino verhindert, den Reichtum filmischen Schaffens und die Sichtbarkeit dieser Filme in Deutschland anzuerkennen. Die hohe ästhetische Kultur des deutschen Dokumentarfilms, des experimentellen und des Animationsfilms ist international bekannt, ohne dass sie im eigenen Land (z.B. durch die Praxis der Export-Union), von den Geldgebern und der öffentlichen Aufmerksamkeit (z.B. der Kritik) ausreichend wahrgenommen würde, obwohl diese Filme in den unterschiedlichsten Veranstaltungen immer wieder gezeigt werden.

Die künstlerischen Filme finden ihren Weg zum Publikum!