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Initiative für den künstlerischen Low Budget Film in
Berlin/Brandenburg
Auch der Film ohne kommerziellen Verleih findet sein Publikum
Alle Kunst will gesehen werden, kein Künstler, keine Künstlerin arbeitet
für die Schublade. Solches zu behaupten, dient nur der Diffamierung einer
Kunst, auf deren kommerziellen Verwertbarkeit man gerne bestände, die aber
auch andere Facetten hat.
Maya Derens Filme oder ein Kurzfilm wie "La jetée" von Chris.
Marker sind bekannt, wirken in der Filmgeschichte fort, obwohl sie nie im
kommerziellen Kino gezeigt wurden (Zuletzt z.B. diente "La jetée"
als Vorlage zu "Twelve Monkeys").
Es gibt eine lange Tradition der nicht-kommerziellen Verbreitung von
Filmen. Sie werden über Jahrzehnte immer wieder erinnert, gezeigt und
diskutiert. Bis in die 80er Jahre gab es in Deutschland vor allem für
themenorientierte Dokumentarfilme zahlreiche Verleiher, die ihre Filme noch
in Programmkinos unterbringen konnten. Es gab Verleiher speziell für
Experimentalfilme (Ingo Petzke z.B.). Je nach der sich ständig im Wandel
befindlichen Kinosituation und den gesellschaftlichen Bedürfnissen werden
neue Wege der Verbreitung gefunden.
Kommunale Kinos
In Deutschland gibt es etwa 150 kommunale Kinos, von denen etwa 75
regelmäßig Filme der hier gemeinten Art spielen. Verschiedene kommunale
Kinos sind dazu übergegangen, Verleihe und Archive aufzubauen (z. B. Bonner
Kinemathek, Metropolis Kino, Hamburg), um Filme verfügbar zu halten.
Festivals
Der Reichtum der nationalen wie internationalen Filmkultur ist auf
Festivals zu sehen. Die Besucher sind wesentlich Multiplikatoren, Kuratoren
für weitere Festivals, für kommunale Kinos, für Veranstaltungen
unterschiedlichster Art. Es ist heute Standard, dass die Festivals in den
Katalogen die Bezugsadressen für Filme angeben, so dass es keine Mühe
macht, diese auch unabhängig von Verleihern, möglicherweise auch direkt von
den Filmemachern zu beziehen. Durch die zunehmende Spezialisierung haben
gerade die Festivals heute einen Überblick über die jeweils für sie spezifische
Produktion (weltweit). Es setzt sich immer mehr durch, dass sie Kopien und
Rechte ankaufen, Verleihfunktionen übernehmen und Tourneen organisieren
(ebenfalls weltweit): z.B. Freunde der deutschen Kinemathek, Internationale
Kurzfilmtage Oberhausen, Europäisches Medienkunstfestival Osnabrück,
Hamburger Kurzfilmfestival; das Interfilmfestival (Kurzfilme) z.B. zeigt
regelmäßig themenorientiert Programme in verschiedensten Berliner Kinos.
Nicht-gewerbliches Abspiel
Dann gibt es in den Landes- und Stadtbildstellen, den Landeszentralen für
politische Bildung, beim Katholischen Filmwerk oder Matthias Film dicke
Kataloge, aus denen die Schulen, Initiativen, Jugendgruppen, oder
Gewerkschaften Filme (heute meist Videoversionen, gerade beginnt die
Umstellung auf DVD) kostenlos ausleihen und zeigen. Da diese Vorführungen
meist von Diskussionen begleitet sind, wirken diese Filme länger nach und
werden intensiver gesehen als dies bei den auf Unterhaltung ausgerichteten
Filmen der kommerziellen Kinos der Fall ist. Auch ist die Auswertungszeit
wesentlich länger, Lizenzen werden oft über Jahrzehnte erneuert.
Museen und Galerien
Seit der documenta 10, vor allem aber durch das zunehmende Eindringen der
"time based art" in den Kunstmarkt, sind auch deutsche Museen
gezwungen, sich mit der Entwicklung der Filmkunst auseinanderzusetzen und
fangen allmählich an, Filme oder Videos zu zeigen, eine Entwicklung, die
schon vor Jahrzehnten in anderen europäischen und aussereuropäischen
Ländern begonnen und dort längst Tradition hat. In den Museen ist heute
auch das Publikum zu finden, dass sich für inhaltliche und ästhetische
Fragen interessiert und selbst unter schlechten Vorführbedingungen die
Werke anschaut und sich mit ihnen auseinanderzusetzen bereit ist.
Rahmenprogramm zu anderen Veranstaltungen
Bei Symposien, Ausstellungen, Tagungen, in den zahlreichen Kulturhäusern,
bei Festen und kulturellen Veranstaltungen im weitesten Sinne ist es längst
selbstverständlich, auch Filme/ Videos in z.B. Rahmenprogrammen
einzuschlie§en. In Berlin wie auch in anderen Städten sind die kommunalen
Kinos oft Ansprechpartner für solche Kooperationen. Es werden aber auch
eigene Kuratoren oder Partner beauftragt, die sich durch Besuch von
Festivals informieren und gerade nicht-kommerzielle Filme programmieren.
Weiterbildung, Ausbildungsstätten
Eine weitere Verbreitung von Filmen ausserhalb der kommerziellen
Distribution ist die nicht zu unterschätzende Anzahl von Vorführung in
universitären und anderen Ausbildungs-zusammenhängen. Nicht nur die
Filmhochschulen und Kunstakademien, die filmwissenschaftlichen oder
kunsthistorischen Seminare, sondern auch in den sprach,- literatur- und
kulturwissenschaftlichen Fachbereichen, den ethnographischen,
anthropologischen, den Regional- und Länderwissenschaften sind Filme
selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts. Dort spielen Filmlängen
keine Rolle, werden Dokumentarfilme nach Themen eingesetzt, werden Filme
auch hinsichtlich ihrer künstlerischer Qualität gesucht, um die Studenten
mit der Filmsprache und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen.
Fernsehen
Die Fernsehanstalten (vor allem arte und 3sat) kaufen immer wieder Filme
an: Dokumentarfilme, Kurzfilme, Filme aller Formate und Formen z.B. zu
Themenabenden.
Filmmuseen, Filmarchive
In den deutschen Filmarchiven werden die Werke so mancher FilmemacherInnen
gesammelt, die beim Filmboard bisher keine Chance hatten, gefördert zu
werden bzw. es aufgegeben haben, sich darum zu bemühen. Auch diese
Filmkopien werden - in der Regel - für nicht-kommerzielle Vorführungen
ausgeliehen.
Ausland
Und schließlich darf die Globalisierung und Spezialisierung der filmischen
Interessen nicht vergessen werden. Für deutsche experimentelle Filme z.B.
gibt es weltweit Vorführmöglichkeiten. Deutsche Filmemacher erhalten im
Ausland manchmal größere Anerkennung als in Deutschland selbst. Verleiher
wie Canon in San Francisco oder Light Cone in Paris, Electronic Art
Intermix in New York, Video Umbrella in London haben die Werke deutscher
Künstler in ihren Katalogen. Museen kaufen ihre Werke an und verleihen sie
auch. Zunehmend interessieren sich auch Galerien für die Werke von Film-
und Videokünstlern. Auch die Goethe Institute kaufen Filme an
(InterNationes) und zeigen sie in den unterschiedlichsten Zusammenhängen.
Und schließlich: Künstler arbeiten heute in verschiedenen Medien, Bildhauer
schaffen Filme, Videokünstler stellen Installationen aus, erarbeiten
weitere Versionen auf Film oder DVD, im Internet gibt es bereits mehrere
Kurzfilmfestivals, die sowohl auf Film produzierte wie im Computer
enstandene Werke zeigen. Die Distribution, die Kenntnis von Filmen
individualisiert sich, sie ist nicht mehr überschaubar, sie ist dennoch
vorhanden - das sind Entwicklungen, die für alle gesellschaftlichen
Bereiche gelten. Über Mailinglisten wird auf die Vorführung aufmerksam
gemacht.
Der starre Blick auf das kommerzielle Kino verhindert, den Reichtum
filmischen Schaffens und die Sichtbarkeit dieser Filme in Deutschland
anzuerkennen. Die hohe ästhetische Kultur des deutschen Dokumentarfilms,
des experimentellen und des Animationsfilms ist international bekannt, ohne
dass sie im eigenen Land (z.B. durch die Praxis der Export-Union), von den
Geldgebern und der öffentlichen Aufmerksamkeit (z.B. der Kritik)
ausreichend wahrgenommen würde, obwohl diese Filme in den
unterschiedlichsten Veranstaltungen immer wieder gezeigt werden.
Die künstlerischen Filme finden ihren Weg zum Publikum!
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